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Westerwelle mahnt bei Antrittsbesuch Menschenrechte
an
focus-online, 16.01.2010
Westerwelle sagte: „Mein Außenministerkollege weiß, dass das
Eintreten für Menschenrechte, für Minderheitenschutz, Presse-,
Meinungs- und Religionsfreiheit ein wichtiges Anliegen unserer
werteorientierten Außenpolitik ist.“ Das Gespräch sei freundlich und
offen verlaufen, er habe an seiner Haltung aber keinen Zweifel
gelassen. Auch „in der Frage Tibets und des Wirkens des Dalai Lamas
haben wir unterschiedliche Auffassungen ausgetauscht“, sagte der
Bundesaußenminister. Westerwelle will bei seinem Aufenthalt bis
Samstag voraussichtlich auch mit Oppositionellen zusammentreffen.
Yang
nannte den Dalai Lama „nicht nur eine religiöse Persönlichkeit,
sondern vielmehr einen politischen Flüchtling, der die
Unabhängigkeit von Tibet anstrebt“. China sei „entschieden dagegen“,
dass der Dalai Lama in andere Länder fahre und
Führungspersönlichkeiten anderer Länder Kontakte mit ihm aufnehmen.
Peking hatte sich bereits vor zweieinhalb Jahren verstimmt gezeigt,
als Bundeskanzlerin Angela Merkel das geistige Oberhaupt der Tibeter
im Kanzleramt empfangen hatte. Der damals von China auf Eis gelegte
Rechtsstaatsdialog soll nun im April wieder aufgenommen werden, wie
Westerwelle nach dem Gespräch mit Yang mitteilte.
Westerwelle ließ sich Haltung zu Google erläutern
Zum
aktuellen Streit über die Website der Firma Google in China erklärte
Yang, er habe klargemacht, dass sein Land eine „sehr offene Haltung
zum Internet hat“. Nach den Regeln der Verfassung müsse man aber die
Stabilität der Gesellschaft wahren und verhindern, dass Menschen
körperlich und geistig verletzt würden.
Google hatte am Dienstag mitgeteilt, seine Website in China werde
sich nicht länger den staatlichen Zensurvorgaben beugen. Das
Internet-Unternehmen begründete dies mit Hacker-Angriffen auf
E-Mail-Konten von Menschenrechtsaktivisten. „Wir sind entschieden
dagegen, dass Hacker das Internet angreifen“, erklärte Yang dazu.
China schließt weitere Sanktionen gegen Iran aus
Differenzen wurden beim Umgang mit dem Iran deutlich. Westerwelle
bekräftigte bei seinem Besuch in Peking, wenn eine nukleare
Bewaffnung des Irans nicht mit Verhandlungen verhindert werden
könne, müsse man notfalls die Sanktionen ausweiten. Yang sprach sich
zwar ebenfalls gegen die Proliferation von Atomwaffen aus, betonte
aber das Recht eines jeden Landes, die Atomenergie friedlich zu
nutzen. Man müsse „durch diplomatische Verhandlungen eine Lösung
finden“, forderte er. Dies diene dem Frieden in der Golfregion und
im Nahen Osten.
Der
japanische Außenminister Katsuya Okada hatte bei seinem Gespräch mit
Westerwelle unterstrichen, dass Japan Sanktionen der internationalen
Gemeinschaft gegen den Iran gegebenenfalls mittragen werde.
Westerwelle und Yang vereinbarten, sich künftig mindestens zweimal
jährlich zu treffen, um die Beziehungen beider Länder zu
intensivieren. Yang kündigte an, dass er als erster chinesischer
Außenminister im Februar an der Münchener Sicherheitskonferenz
teilnehmen werde. |