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Peking warnt vor Treffen mit Dalai
Lama
welt.de, 17.01.2010
Westerwelles Äußerungen in der
Vergangenheit, den Dalai Lama auch als Außenminister empfangen zu
wollen, haben die Chinesen aufgeschreckt. Chinas Führung hatte 2007
auf ein Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit dem
Dalai Lama in Berlin mit einer wochenlangen Herabstufung der
diplomatischen Beziehungen reagiert und befürchtet nun, dass Berlin
keine Lehren daraus gezogen habe. Zugleich misstraut Peking der FDP,
wenn es um Tibet geht. Die politische Führung wirft den Liberalen
vor, über die parteinahe Friedrich-Naumann-Stiftung seit Jahren
politisch und finanziell die tibetische Exilregierung zu
unterstützen. 1997 war die Naumann-Stiftung deshalb aus China
ausgewiesen worden. Wie chinesische Deutschlandpolitiker der WELT
sagten, hätten sie bisher keine Erklärungen von der Naumann-Stiftung
gehört, dass sie ihre Unterstützung eingestellt habe. Solange das
nicht passiere, könne sie auch nicht nach Peking zurückkehren.
Tibet blieb
allerdings das einzige von Westerwelle angesprochene Problem, auf
das Yang brüsk reagierte, obgleich Westerwelle klarmachte, dass ein
Treffen mit dem Dalai Lama gar nicht geplant sei. Auch die
Versicherung des deutschen Außenministers, dass die neue
Bundesregierung an ihrer Ein-China-Politik festhalte, änderte nichts
an den versteinerten Mienen. Westerwelles Feststellung, es gebe
"nicht verschweigbare" Meinungsunterschiede bei Fragen, die für
Deutschland mit einer "werteorientierten Außenpolitik" zu tun
hätten, löste bei seinem Amtskollegen weniger empfindliche
Reaktionen aus. Westerwelle nannte als kontroverse Themen
"Menschenrechte, Minderheitenschutz, Presse-, Meinungs- und
Religionsfreiheit". Der Minister sagte, er habe ganz konkret über
prominente chinesische Dissidenten gesprochen, über den Klimaschutz
und den Eklat mit Google. Die Macher der Internetsuchmaschine wollen
sich wegen Pekings wuchernder Internetzensur aus China zurückziehen.
Yang verwies auf Chinas Verfassung, Vorschriften und
Stabilitätssicherung, die die Grenzen der Offenheit für das Internet
setzten.
Beide Minister sagten, sie wollten ihre unterschiedlichen Ansichten
"offen und freundschaftlich" ansprechen. Eine Gelegenheit dazu biete
der Rechtsstaats- und Menschenrechtsdialog, den beide Staaten im
April in Berlin fortsetzen. Er steht unter dem Thema "Die Rolle des
Anwalts in der Gesellschaft". Auch in außenpolitischen Fragen sucht
Berlin mehr Koordination mit Peking. Dies gilt für Afghanistan, wo
China sich bei der Polizei- und Zivilausbildung engagiert, und im
Nuklearstreit mit dem Iran. Yang Jiechi kündigte außerdem an, dass
er im Februar als erster chinesischer Außenminister an der Münchner
Sicherheitskonferenz teilnehmen werde.
Freundlich und unproblematisch gab
sich Peking beim Thema Begleitung des Ministers aus Berlin.
"Programm für den Bundesminister des Auswärtigen und Herrn Michael
Mronz" steht auf der 158-seitigen Broschüre zum Ablauf der Reise.
Vier Seiten davon sind dem "Sonderprogramm" für den Lebensgefährten
Westerwelles gewidmet. Dazu gehört in Peking beispielsweise der
Besuch auf der Baustelle des neuen Nationalmuseums, in Begleitung
der deutschen Botschaftergattin. Die Kosten für die Asien-Reise
zahlt der Besitzer einer Sportmarketing-Agentur übrigens aus eigener
Tasche. mit dpa |