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Chinas Errungenschaften kommen nur
den Chinesen in Tibet zugute
china-observer.de, 12.06.2009
1994 demonstrierten fünf meiner
Freunde und ich selbst für Menschenrechte in Tibet. Wir wollten vom
Staat gehört werden. Die chinesische Regierung behauptete zwar
immer, sie hätte auf dem Gebiet der Menschenrechte Fortschritte
erzielt, aber davon war in der Realität nichts zu spüren. Selbst für
kleinste Vergehen wurden wir behandelt wie Kriminelle. Mönche wurden
einfach eingesperrt, ohne daß sie Zugang zu einem Verteidiger gehabt
hätten. Ich wurde zu 12 Jahren Haft verurteilt und meine Freunde
bekamen sogar 15 Jahre. Ist das Gerechtigkeit? Als ich verhaftet
wurde, durfte ich bis zum Tag meiner Verurteilung mit niemanden von
außerhalb des Gefängnisses sprechen. In einer freien Gesellschaft
hat auch der schlimmste Verbrecher das Recht auf anwaltliche
Vertretung vor Gericht. Nach der Verhandlung wurde ich gemeinsam mit
drei von meinen Freunden in ein chinesisches Gefängnis gebracht. Es
war das größte in Osttibet und dort befanden sich viele Kriminelle
mit langjährigen Haftstrafen von 10 Jahren und mehr. Dort verbrachte
ich 12 Jahre meines Lebens - von 1994 bis 2006.
Weil ich die chinesische
Politik
infrage gestellt hatte, wurde ich gefoltert. Es gab fast nichts zu
essen,keinen Platz, auf den man sich halbwegs bequem hätte setzen
konnte; ich bekam bloß ein Bettlaken. Die Gefangenen mussten
Steinbrocken in kleinere Stücke brechen, die Latrinen putzen und in
der Landwirtschaft arbeiten. Wir arbeiteten mit den bloßen Händen.
Das Gefängnis war in drei Einheiten
mit insgesamt 400 Häftlingen unterteilt. Zwölf davon waren
politische Gefangene. Die erste und zweite Einheit war für Tibeter,
die dritte für Chinesen. Die Haftbedingungen waren miserabel.
Morgens bekamen wir Gersten-Tsampa, die voller Hasen- und Mäusekot
war. Mir wurde übel, wenn mir dieser Fraß vorgesetzt wurde. Mittags
gab es ein Stückchen Schweinefleisch - eigentlich nur Fett und
Schwarte. Viele Gefangene wurden von dem schlechten Essen und der
elenden Unterbringung krank und die unzureichende medizinische
Versorgung machte alles noch schlimmer. Manche konnten nicht mehr
aufrecht stehen. Die chinesischen Häftlinge wurden ganz anders
behandelt. Ihr Essen war besser und sie bekamen auch mehr Reis.
Während meiner Haft wurde mein
Freund Tashi Tsering zum Märtyrer. Er wurde nackt gefoltert, bis er
nicht mehr sprechen konnte und schließlich den Verstand verlor.
Dabei hatte er nichts Böses getan! Er wurde von den Chinesen
verhaftet und der Spionage beschuldigt, nur weil er in Indien zur
Schule gegangen war. Er war damals 32 oder 33 Jahre alt und verbüßt
immer noch seine 15jährige Haftstrafe. Wir können uns sein Elend
nicht einmal entfernt vorstellen.
Als ich 2006 entlassen wurde, hatte
ich von meinen Mitgefangenen viel über die chinesische Besetzung
Tibets erfahren. Auf Grund der restriktiven chinesischen Gesetze
konnte ich nicht in
Tibet
bleiben. Ich fordere die freie Welt dringend dazu auf, sich über die
Realität in
Tibet
zu informieren, um Fakten von Fiktionen unterscheiden zu können. Es
ist wichtig, die Verbindung zu den Menschen in
Tibet
aufrechtzuerhalten, ungeachtet der Tatsache, daß China unzweifelhaft
ein mächtiges Land ist.
Nach meiner Haftentlassung habe ich
mein kleines Heimatdorf, das auf einem Berg liegt, kaum wieder
erkannt. Früher war es dort sehr schön. Es gab keine Autos und war
nur durch einen Fußpfad zu erreichen. Die chinesische Regierung hat
die Abholzung des Waldes erlaubt, um eine Straße zu bauen, auf der
nun chinesische Konvois zum Dorf und den umliegenden Gemeinden
fahren. Das Dorf, das ich einst kannte und liebte, existierte nicht
mehr. Die chinesische Regierung behauptet, sie hätte für den Bau von
Straßen, Krankenhäusern und Schulen gesorgt. Aber all diese
Wohltaten kommen nur Chinesen zugute. Das Leben der normalen Tibeter
wird nicht besser durch irgendwelchen Luxus. Wir sollten versuchen,
die natürlichen Ressourcen Tibets zu erhalten, aber sie werden durch
all die Bautätigkeit zerstört.
Ländliche Gebiete brauchen dringend
Entwicklung; in diesen unterentwickelten Gegenden gibt es so gut wie
nichts. Als ich in mein Dorf zurückkehrte, fühlte ich mich wegen der
von den Chinesen bewirkten Veränderungen ganz entfremdet. Die
Menschenrechte waren außer Kraft gesetzt und ich konnte nicht frei
leben. Die Polizei durchsuchte häufig das Haus meiner Familie. Ich
durfte in kein Kloster eintreten oder irgendwelche öffentlichen
Funktionen wahrnehmen; ich konnte mich nicht selbst ernähren und war
gezwungen, zu Hause zu bleiben. 2007 floh ich nach Indien. Ich
machte mich alleine auf den Weg und verpflichtete für 6000 Rupien
einen Guide. Nach meiner Ankunft in Indien, fand ich Aufnahme in
einer Schule von Gu-chu-sum, wo ich tibetische Philosophie, Englisch
und den Umgang mit Computern erlernte. Endlich habe ich Zugang zu
Bildung und kann auf die Zukunft bauen.“
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