Dringender Appell des tibetischen
Parlaments-im-Exil
china.observer.de, 20.12.2009
Appell:
Kürzlich haben sich sieben Tibeter
aus dem Bezirk Nyagchu nach Chengdu begeben, um Tulku Tenzin Delek
zu besuchen, der im Gefängnis der Stadt schmachtet.
Der Tulku ist
ein in Osttibet äußerst beliebter Lama, der 2002 verhaftet und zum
Tode verurteilt wurde. Das Urteil wurde später in eine
lebenslängliche Freiheitsstrafe umgewandelt. Tibeter und
Menschenrechtsgruppen riefen damals eine weltumspannende Bewegung
für seine Freilassung ins Leben, denn die gegen ihn vorgebrachte
Anklage der Beteiligung an einem Sprengstoffanschlag wird allgemein
als konstruiert erachtet.
Anstatt den sieben Tibetern einen
Besuch bei dem Tulku zu gestatten, nahmen die chinesischen Behörden
sie in Haft. Am 5. Dezember 2009 strömten daraufhin etwa 90 Tibeter
aus der Heimatgegend des Tulku vor dem Gebäude der Bezirksverwaltung
von Nyagchu zusammen und verlangten die Freilassung der sieben
Personen mit der Begründung, daß sie ja gar nicht gegen die Behörden
demonstriert hätten, sondern nur den Tulku besuchen wollten. Ferner
forderten sie seine Freilassung.
Glaubwürdigen Augenzeugenberichten
zufolge wurden mehrere Leute aus dieser zweiten Gruppe übel
zusammengeschlagen und verhaftet. Zudem demolierte man ihre
Motorräder. Die Zeugen, die nur noch ihre zerstörten Motorräder und
Blutspuren vorfanden, nannten uns die Namen der Verhafteten.
Neuesten Informationen zufolge
haben sich über 300 weitere Tibeter vor Ort versammelt und halten
schon seit drei Tagen eine friedliche Mahnwache ab. Sie fordern von
den Behörden die Freilassung des Tulku und aller anderen
Festgenommenen. Wie es heißt, seien immer mehr Tibeter, auch aus
abgelegenen Gegenden, auf dem Weg zur Bezirksverwaltung. Die
chinesischen Behörden beharren indessen auf ihrer harten Haltung und
lassen niemanden frei. Sie drohen den Tibetern damit, daß sie mit
scharfer Munition auf sie schießen würden, falls sie nicht von der
Stelle weichen. Wir befürchten nun eine Wiederholung der blutigen
Massaker an friedlichen Demonstranten, wie Tibet sie im letzten Jahr
erlebte.
Deshalb appellieren wir an alle
Tibet-Unterstützer, Menschenrechtsgruppen und an alle, die an
Gewaltfreiheit glauben, sie mögen die chinesische Regierung
unverzüglich auffordern, Zurückhaltung zu üben und die Angelegenheit
friedlich zu lösen.
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