Tibetan Women’s Association (TWA), Dharamsala
Erklärung der Tibetischen Frauenvereinigung zum Internationalen Tag
für die Beseitigung der Gewalt gegen Frauen
pr-inside.com, 03.12.2009
Zum heutigen Tag, dem 25. November 2009, hat die Tibetan Women’s
Association (TWA), www.tibetanwomen.org, hier in Dharamsala eine
Podiumsdiskussion organisiert, die über die Grundfragen der
Geschlechtergleichheit beraten und diskutieren wird. Eine echte
Analyse und eine tiefergehende Reflexion über die rechtliche und
gesellschaftliche Stellung der Geschlechter in der tibetischen
Exilgemeinde sind bisher noch nicht geleistet worden und gehören zu
den umstrittensten Themen. Indem die TWA dabei die Führungsrolle
übernimmt, stellen wir die Frage „Sind in unserer Gesellschaft die
Geschlechter gleichberechtigt?“ Vier allseits geschätzte und
bekannte Persönlichkeiten, die ehemalige Kalon und Gründerin der TWA
und jetzige Leiterin des Tibetan Nuns’ Project, Rinchen Khando
Choegyal, der Schriftsteller und Aktivist Tenzin Tsundue, der
Schriftsteller und Forscher über Tibet Lukar Jam, der auch
gegenwärtig Mitglied des Tibetischen Parlamentes-im-Exil ist, sowie
die Vorsitzende der TWA, Kirti Dolkar Lhamo, werden sich mit diesem
Thema beschäftigen. Die Diskussion wird von Gang Lhamo, Reporterin
von Tibet Express, moderiert werden und es wird eine Frage und
Antwort-Sitzung folgen, bei der Fragen zu diesem Thema im
Vordergrund stehen sollen.
Während wir, die Tibetan Women’s Association (TWA), für die Wahrung
der Rechte der Frauen auf der ganzen Welt eintreten, fordern wir
insbesondere die Wiederherstellung der Rechte unserer tibetischen
Schwestern in Tibet. Die Rechte der Frauen auf der Welt sind weder
etwas, was verdient, noch etwas, was verteidigt werden muß, diese
Rechte sind unveräußerlich. Jede Frau besitzt sie, gleichgültig, zu
welcher Rasse, Ethnie, Geschlecht oder Altersgruppe sie gehört und
ungeachtet ihres körperlichen oder psychischen Zustands. Und dennoch
werden diese Rechte ständig durch Gewalt gegen Frauen in dieser Welt
verletzt. Die Vereinten Nationen definierten Gewalt gegen Frauen als
eine jede Handlung geschlechtspezifischer Gewalt, die Frauen
physischen, psychischen oder sexuellen Schaden und Leid zufügt; dazu
gehört auch die Androhung solcher Handlungen, Zwang oder
willkürliche Freiheitsberaubung, gleichgültig, ob sie im
öffentlichen oder privaten Leben erfolgen. Diese Gewalt ist durch
die Konzentration auf das Geschlecht des Opfers gekennzeichnet.
In Tibet verübt die chinesische Regierung seit Jahren derartige
Gewaltakte gegen Frauen, indem sie schwangere Frauen zur Abtreibung
zwingt, manchmal gar noch im siebten oder achten Monat. Und die
friedliebenden buddhistischen Nonnen werden brutal gefoltert und
sexuell mißbraucht. Durch eine derartige Gewaltanwendung werden
ihnen ihre Rechte als Menschen verweigert, vor allem, das Recht auf
Leben, auf Gleichheit, auf den höchsten erreichbaren Grad an
körperlicher und mentaler Gesundheit, sowie das Recht, keiner Folter
oder anderer grausamen unmenschlichen und herabwürdigenden Art der
Behandlung oder Bestrafung ausgesetzt zu sein. Die Verweigerung oder
zeitweilige Aufhebung dieser Rechte verletzt nicht nur die Opfer
dieser Gewaltakte, sondern verhindert auch das große Vorhaben des
globalen Friedens.
Derartige Akte der Grausamkeit verstoßen gegen die Konvention zur
Beseitigung aller Formen der Diskriminierung gegen Frauen (CEDAW),
die China im September 1980 ratifizierte, besonders deren Artikel 1
und 2. Sie verstoßen auch gegen die Deklaration der Vierten
Weltkonferenz für Frauen, die 1995 in Peking stattfand, und auf der
das Recht der Frauen auf die freie Wahl in Bezug auf die
Reproduktion bekräftigt wurde. Wie man sieht, setzt sich China über
die international verbürgten Normen für die Menschenrechte von
Frauen rücksichtslos hinweg. Obwohl der Frieden von vielen Dingen
abhängt, so ist doch ein Eckstein zur Erreichung dieses Ziels ein
Konsensus über den grundlegenden Wert jedes Menschenlebens. Dieser
fundamentale Wert erfordert einen tiefen Respekt gegenüber dem
Leben: jeder Form von Leben, seiner Gestalt und Größe. Diejenigen,
die solche Gewaltakte gegen Frauen begangen haben, die wir heute
erneut verurteilen, verhindern durch ihre offene Mißachtung für den
Wert des menschlichen Lebens, daß dieses Ziel erreicht wird.
Die tibetische Frauenvereinigung (TWA) fordert die chinesische
Regierung auf, die Rechte der Frauen zu respektieren. Sie bittet
internationale Gremien, NGOs und besonders Frauenverbände,
angesichts der verheerenden Lage des tibetischen Volkes entschieden
aufzutreten und sich mit Nachdruck für den Schutz der Frauen in
Tibet einzusetzen sowie für Frauen in allen Ländern auf der Welt, wo
der Staat über den Körper der Frauen bestimmt.
Die TWA fordert alle Frauen dieser Welt auf, sich sowohl auf lokaler
als auch globaler Ebene zu vereinigen, sich aktiv für eine
Veränderung einzusetzen und mit echter Leidenschaft zu kämpfen, um
diese Gewaltanwendung durch den gemeinsamen Einsatz unserer Stimmen
und Aktionen zu beenden. Laßt uns zusammenarbeiten, um die
Unterdrückung in eine Chance für uns umzuändern! Die TWA hat 49
Regionalgruppen und über 15.000 Mitglieder außerhalb Tibets. Heute
ist die TWA die zweitgrößte tibetische NGO und die einzige
Frauenorganisation im Exil, die für die Menschenrechte der Frauen in
Tibet und die Übertragung von Verantwortung an die tibetischen
Frauen im Exil, besonders der neuen Flüchtlinge aus Tibet, eintritt.
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