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Ein Volk im Würgegriff
wienerzeitung.at, 13.12.2009
Derartige Fälle sind in Tibet keine
Ausnahme. Seit dem großen Lhasa-Aufstand von 1959 geht das Pekinger
Regime gegen Versuche des tibetischen Volkes, sich der
systematischen Zerstörung seiner kulturellen Identität zu
widersetzen, mit äußerster Brutalität vor. Allein der Besitz eines
Konterfeis des Dalai Lama oder das Hissen der tibetischen Flagge hat
jahrelange Haftstrafen zur Folge.
Seit dem März-Aufstand im Vorjahr
wurden die Repressionen noch um einiges verschärft. Im Zuge der
umfassendsten Protestaktionen seit 50 Jahren wurden rund 6500
Tibeter festgenommen. Das Schicksal von 1200 der Verhafteten liegt
im Dunkeln. Hunderte Tibeter wurden laut nichtstaatlichen
Pro-Tibet-Organisationen bei der gewaltsamen Niederschlagung des
Aufstandes getötet – offizielle chinesische Stellen sprechen
lediglich von 22 Todesopfern. Vier Tibeter wurden hingerichtet.
Auch nach dem Ende der Unruhen
setzten die chinesischen Behörden ihre Einschüchterungskampagnen
fort: Willkürliche Verhaftungswellen gehören zur Tagesordnung. Unter
den Opfern sind neben Geistlichen auch zahlreiche Schiftsteller und
Bürgerrechtler. So erhielt der Betreiber einer tibetischen Website,
Kunchok Tsephel, im November 15 Jahre Haft, weil er im Netz
tibetische Literatur und Kunst verbreitet hatte.
Über eine Million Tote
Insgesamt fielen seit dem Einmarsch
der Chinesen im Jahr 1950 mehr als eine Million der sechs Millionen
Tibeter dem Vernichtungsfeldzug zum Opfer. Knapp 100.000 Tibeter
wurden zu Tode gefoltert. Mehr als 170.000 kamen in den
Arbeitslagern um; zehntausende Hinrichtungen wurden durchgeführt.
Hinzu kam die systemische Ausmerzung des religiösen Lebens als der
wichtigsten Säule der tibetischen Gesellschaft: Von den einst 6000
Klöstern stehen heute nur noch rund 300.
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