Einen Boykott der Olympischen Spiele lehnte er erneut ab. China müsse allerdings daran erinnert werden, dass die Verbesserung der Menschrechtslage in Tibet Voraussetzung sei, um "respektierte Gastgeber" der Spiele zu sein, sagte der 72-Jährige.
Ein westlicher Diplomat sagte in Peking der Nachrichtenagentur AFP, der von der chinesischen Führung organisierte Kurzbesuch in der tibetischen Hauptstadt Lhasa sei "ein guter erster Schritt, aber er geht nicht weit genug, um die Forderungen nach einem uneingeschränkten Zugang zu erfüllen". Vertreter von 15 ausländischen Botschaften hatten nach ihrem Eintreffen in Lhasa am Freitagabend mit Sicherheitskräften und tibetischen Bürgern gesprochen. Am Morgen besichtigte die Delegation den buddhistischen Jokhang-Tempel, dessen Mönche am Mittwoch ihrem Unmut während des Besuchs ausländischer Journalisten Luft gemacht hatten.
EU-Außenkommissarin Ferrero-Waldner sagte: "Ich habe niemals einen Boykott gefordert." Die "Bild am Sonntag" hatte die Außenkommissarin zuvor mit den Worten zitiert, in den kommenden Wochen solle über Boykott-Maßnahmen entschieden werden. Eine Drohung gegenüber China sei nicht ihre Absicht gewesen, sagte die österreichische EU-Kommissarin.
Die EU ist in der Frage von Boykottmaßnahmen bei den Olympischen Spielen gespalten. Spitzenpolitiker aus Polen, Tschechien und Estland haben bereits angekündigt, der Eröffnungsveranstaltung fernzubleiben. Auch die Bundesregierung hatte erklärt, weder Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) noch andere Kabinettsmitglieder würden zu der Zeremonie am 8. August in Peking fahren.
