Ärger zwischen
Prag und Peking: Topolánek mit Tibet-Flagge am Revers
In zwei Wochen beginnen die
Olympischen Sommerspiele. In Peking herrscht laut
Medien-Berichten eine gewisse Anspannung, ob alles klappt, wie
es sich die chinesische Führung vorstellt. In diese Situation
ist vor kurzem der tschechische Premier Mirek Topolánek
geplatzt. Er hatte bei einer Pressekonferenz zu seiner Fahrt zu
den Spielen einen Stecker mit der tibetischen Flagge am
Anzugrevers angebracht. Und das hat nun zu diplomatischen
Verstimmungen zwischen Prag und Peking geführt.
Schon im April hatte Premier Topolánek klar gestellt, dass er
nicht an der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Peking
teilnehmen wird. Als Grund nannte er die politische Situation in
Tibet. Vor zwei Wochen trat dann der Premier erneut vor die
Presse und sagte folgende Worte:
„Ich habe die Bitte erhalten,
unsere Sportler bei den Olympischen Spielen in Peking zu
unterstützen. Ich möchte bei dieser Pressekonferenz sagen, dass
ich der Bitte entsprechen werde. Ich glaube, dass jene, die die
Tschechische Republik bei diesem größten Fest des Sportes
repräsentieren werden und sich fünf Jahre lang darauf
vorbereitet haben, es verdienen, dass ihr Regierungschef sie
unterstützt. Deswegen habe ich die Einladung des tschechischen
Olympischen Komitees angenommen.“
Zugleich betonte der Premier
aber, dass dies nichts an seiner Meinung zu den Ereignissen in
Tibet ändere. Mirek Topolánek will erst nach der Eröffnungsfeier
aufbrechen, diese findet am 8. August statt. Anvisiert ist für
die Reise der Termin vom 13. bis 18. August. Die wahre Brisanz
lag jedoch nicht in den Worten, wie sich mittlerweile
herausgestellt hat. Sie steckte viel mehr an Topoláneks
Anzugrevers: Dort hatte der Premierminister nämlich einen
kleinen Stecker mit der tibetischen Flagge angebracht. Zwar war
der Stecker klein, doch in China wurde dies genau registriert.
Das Land der Mitte hat nun offiziellen Protest eingereicht, wie
am Freitag vergangener Woche bekannt wurde. Gegenüber dem
Tschechischen Fernsehen sagte der Sprecher der chinesischen
Botschaft in Prag, Qian Zhou:
„Tibet ist ein untrennbarer
Teil von China. Auf der anderen Seite ist die tibetische Flagge
das Symbol der so genannten tibetischen Exilregierung. Das
heißt, das Hissen der Flagge bedeutet, seine Unterstützung für
die Unabhängigkeit Tibets auszudrücken.“
Der tschechische Botschafter in
Peking, Vítězslav Grepl, wurde deswegen ins chinesische
Außenministerium zitiert. Denn trotz anders lautender Äußerungen
soll die Reise des tschechischen Regierungschefs nämlich doch
keine rein sportliche Angelegenheit werden, wie Grepl
erläuterte:
„Ich bin vom Regierungsamt
informiert worden, dass Premier Topolánek Interesse hat, sich
mit Vertretern Chinas zu treffen.“
Hoch gestellte Vertreter Chinas
werden aber nach dem Vorfall kaum Lust verspüren, sich mit
Topolánek zu treffen, urteilt die tschechische Presse.
Tschechien wurde um Erläuterung gebeten. Die Frage aus Peking
lautet, ob sich die tschechische China-Politik geändert habe.
Botschafter Grepl verneinte dies gegenüber chinesischen
Vertretern:
„Ich habe betont, dass es
Themen gibt, bei denen wir eine Übereinstimmung erst noch suchen
und dass auf die Tibet-Frage in der Tschechischen Republik
politisch empfindlich reagiert wird. Zugleich habe ich gesagt,
dass nie auch nur ein tschechischer Politiker verbal die
territoriale Integrität Chinas in Frage gestellt hat und wir als
Land der Europäischen Union die Politik eines einheitlichen
Chinas weiterführen.“
|