Der 13. Juli 2001 war ein
Tag großer Freude in Peking. Zehntausende
strömten auf den Platz des himmlischen Friedens,
um die Vergabe der Olympischen Spiele an die
chinesische Hauptstadt zu feiern. Dieser Tag im
Juli vor sieben Jahren war auch ein Tag großer
Versprechen und großer Erwartungen. China selbst
hatte während der Bewerbung um die Olympischen
Spiele nämlich das gemacht, was es jetzt immer
strikt ablehnt: Politik und Sport miteinander
gekoppelt.
Der Vizepräsident des
Bewerbungskomitees, Liu Jingmin etwa hatte
argumentiert, die Vergabe der Spiele an Peking
werde die Entwicklung der Menschenrechte
fördern. Und auch das Internationale Olympische
Komitee stimmte ein: Der damalige
Generaldirektor des IOC erkannte zwar die
Menschenrechtsverletzungen in China an. Er
erklärte aber zugleich, das IOC nehme die Wette
an, dass es in sieben Jahren viele Veränderungen
geben werde.
Entwicklung und
Stillstand zugleich
Sieben Jahre später hat
sich tatsächlich vieles verändert. Gegenüber
2001 hat sich beispielsweise das chinesische
Bruttosozialprodukt verdoppelt. 2003 hat China
erstmals einen Menschen ins All geschossen, eine
neue Führungs-Generation regiert heute das Land.
Aber vieles ist gleich
geblieben: Die Freiheitsrechte der Menschen
werden weiterhin massiv missachtet,
Andersdenkende stehen immer noch mit einem Bein
im Gefängnis. Auch wenn man die Verhältnisse
nicht mit dem nackten Terror der Kampagnen aus
der Mao-Ära vergleichen kann.
Menschenrechtsanwälte – immerhin gibt es sie –
werden an ihrer Arbeit gehindert. Das Internet
wird zensiert. Und nirgendwo auf der Welt sitzen
so viele Journalisten in Haft wie in China.
Bei den Vorbereitungen
für die Spiele konnte China seine Stärken voll
ausspielen: Die von oben gesteuerte
Mobilisierung gewaltiger Ressourcen; die
Entwicklung und Durchführung von großen
Kampagnen zur Erziehung der Bevölkerung – etwa
zum Englischlernen oder auch zum Anstehen an
Bushaltestellen; die Fähigkeit, ausländisches
Kapital und Know-How anzuziehen. Es wurden
großartige Infrastrukturprojekte geschaffen,
neue U-Bahnen und ein neuer Flughafenterminal
gebaut. Das neue Nationalstadion ist schon heute
eine Ikone der Architektur.
Diese Stärken bei
harten Faktoren stehen den Schwächen bei den
weichen Faktoren jedoch gegenüber: Bei der
Transparenz etwa, bei der Herrschaft des Rechts,
beim Umgang mit abweichenden Meinungen. Die
Reaktion auf die Proteste in Tibet im März war
nicht das, was man von einer selbstbewussten,
offenen und modernen Regionalmacht erwarten
würde.
Peking putzt sich
raus
Kein Aufwand ist der
Regierung zu groß, um sich als modern zu
präsentieren: 30 Milliarden Euro gingen in den
Bau der olympischen Infrastruktur. Industrien
rund um Peking werden wochenlang stillgelegt, um
für blauen Himmel zu sorgen. Und obwohl Wasser
auch in der umliegenden Provinz Hebei Mangelware
ist, wird es von dort nach Peking geführt.
Doch der Glanz der
neuen Stadien und die Beherrschung der modernen
Technik werden aus den Olympischen Spielen kein
Fest der Jugend der Welt machen. Und deswegen
sollte Peking endlich die Gelassenheit lernen,
die einem Land von seiner Größe und seiner
Kultur ansteht. Auch und vor allem im Umgang mit
Andersdenkenden.