Acht
Aktivisten, sieben davon
US-Amerikaner, demonstrieren für ein
freies Tibet. (Bild: dpa)
PEKING - In T-Shirts mit der Aufschrift «Befreit
Tibet» versammelten sich fünf Demonstranten am
Eingang des Minderheiten-Parks südlich vom
Olympia-Gelände und zeigten ein Banner mit der
Aufschrift: «Tibetans are dying for freedom», was
zweideutig als «Tibeter streben nach Freiheit» und
«Tibeter sterben für die Freiheit» übersetzt werden
kann. Zwei andere entrollten daneben auf einer
Brücke ein «Befreit Tibet»-Banner, wie die
Organisation Students For a Free Tibet aus New York
berichtete.
Eine Japanerin
tibetischer Abstammung habe außerdem Besucher des
Parks über Menschenrechtsverletzungen in Tibet
aufgeklärt. Die anderen sieben Teilnehmer waren
US-Amerikaner. Der Protest wurde innerhalb von gut
fünf Minuten von der Polizei aufgelöst. Der
Korrespondent des britischen Fernsehsenders ITV
News, John Ray, wurde vorübergehend von der Polizei
festgehalten. «Vielleicht war der Protest illegal,
aber meine Berichterstattung nicht», sagte Ray der
Deutschen Presse-Agentur dpa und sprach von einem
«groben Verstoß gegen die Regeln für die olympische
Berichterstattung». Der Club der
Auslandskorrespondenten in China kritisierte die
Polizei.
Bereits am
Wochenende hatten Tibet-Aktivisten mehrmals mit
Aktionen in Peking auf die Lage in Tibet aufmerksam
gemacht. Sie wurden festgenommen und abgeschoben.
Für den jüngsten Protest hatten sie sich eine einen
symbolträchtigen Platz ausgesucht. In einer
Mitteilung kritisierten sie den Minderheiten-Park
als «Werkzeug bei dem Versuch der chinesischen
Regierung, die Chinesen und die ganze Welt von der
Legitimität ihrer Herrschaft über Tibet zu
überzeugen».
In dem
Freiluftmuseum werden Tänze, Gesänge und Bräuche der
55 offiziell anerkannten Minderheiten sowie deren
traditionelle Bauweise vorgeführt. Der 1992
errichtete Park solle die «ethnische Einheit
erhöhen» und konzentriere sich auf die «patriotische
Erziehung», heißt es in einer Einführung auf der
Website der Touristenattraktion. «Während tibetische
Gesänge und Tänze in Peking vorgeführt werden, ist
unsere Kultur in Tibet bedroht», kritisierte die
Geschäftsführerin von Students For a Free Tibet,
Lhadon Tethong.
Unmittelbar nach
dem Protest sperrte die Polizei den Park für etwa
eine Dreiviertelstunde ab. Über einem
Ausstellungsgebäude im tibetischen Stil wehte danach
neben Gebetsfahnen auch demonstrativ die chinesische
Nationalflagge. Von Tibetern war in dem Park
gleichwohl keine Spur - tibetische Mönche aus dem
südwestchinesischen Sichuan, die sonst in dem Park
gewohnt hatten, sind seit Monaten verschwunden. «Sie
kehren erst im kommenden Jahr zurück», hatte eine
Verkäuferin berichtet. Seit den blutigen Unruhen im
März in Tibet haben die Behörden Berichten zufolge
die Kontrolle der tibetischen Bevölkerung überall in
China verschärft.
Eigentlich sollen
in dem Park alle Völker Chinas vertreten sein. Aber
auch Angehörige der 21 Millionen Muslime des
Riesenreichs suchen die Besucher des Parks derzeit
vergebens: Weder muslimische Hui, Usbeken oder
Tadschiken noch die derzeit von der Regierung
argwöhnisch beäugten Uiguren sind in der
weitläufigen Anlage zu finden. Die Behörden fürchten
Proteste und haben vor einer Bedrohung der Spiele
durch mutmaßliche uigurischen Terrorgruppen und
Islamisten gewarnt. Seit vergangenen Montag hat es
bei Gewaltakten in der Uiguren-Region Xinjiang nach
amtlichen Angaben 31 Tote gegeben. (dpa)