|
Yahoo: Vergleich mit
chinesischen Dissidenten
Die
Presse.com
(A), 14.11.07
Yahoo wird die beiden Regimekritiker finanziell unterstützen, zu
deren Verhaftung der US-Konzern durch Herausgabe von Daten
beigetragen hatte.
Yahoo!
Inc. CEO Jerry Yang, left, greets Chinese dissident Shi Tao's mother
Gao Qin Sheng, second from the left, and dissident Wang Xiaoning's
wife Yu Ling, right, who are accompanied by Chinese dissident Harry
Wu, third from the left, prior to a Congressional hearing on Nov. 6,
2007.
Der Internetkonzern Yahoo hat in
einem Rechtsstreit um das Schicksal von zwei inhaftierten
chinesischen Dissidenten in einen Vergleich eingewilligt. Das
Unternehmen werde die Familien der Männer finanziell unterstützen
und einen humanitären Fonds für andere Dissidenten und deren
Angehörige einrichten, teilte Yahoo am Dienstag mit. Ein Anwalt der
Familien sagte, die Vereinbarung enthalte kein Schuldeingeständnis
des Unternehmens.
Yahoo hatte Informationen über die Online-Aktivitäten der
Dissidenten Shi Tao und Wang Xiaoning an die chinesischen Behörden
weitergereicht. Die Männer, die regimekritisches Material über das
Yahoo-Portal veröffentlicht hatten, waren danach verhaftet und nach
eigenen Angaben gefoltert worden. Sie wurden unter anderem wegen
"Verrats von Staatsgeheimnissen" zu zehn Jahren Gefängnis
verurteilt.
Die Familien der Männer hatten im April bei einem Bundesgericht in
Kalifornien Klage gegen Yahoo eingereicht. Das Unternehmen
argumentiert, es sei nach chinesischen Gesetzen zur Herausgabe der
E-Mails verpflichtet gewesen. Die Menschenrechtsorganisation Human
Rights USA, die die Angehörigen in dem Rechtsstreit vertreten hatte,
erklärte, die Kläger und die Dissidenten selbst seien mit dem
Vergleich zufrieden. Einzelheiten der Vereinbarung wurden nicht
bekanntgegeben.
US-Kongress übte Druck aus
Yahoo war vor einer Woche bei einer Anhörung im US-Kongress wegen
seines Verhaltens scharf kritisiert worden. Im Zuge dieses Hearings
war Konzernchef Jerry Yang auch mit den Angehörigen der Dissidenten
zusammen gekommen. Laut Human Rights trug der Druck des Kongresses
wesentlich zum Zustandekommen des Vergleichs bei. Yang selbst wurde
in der Yahoo-Mitteilung mit den Worten zitiert: "Nachdem ich die
Familien getroffen hatte, war mir klar, dass wir dies (den Abschluss
des Vergleichs) für sie, für Yahoo und für die Zukunft tun mussten."
China ist mit mehr als 120 Millionen Internet-Nutzern einer der am
stärksten wachsenden Online-Märkte der Welt. Klarer Marktführer in
China ist Taobao von Alibaba, an dem sich Yahoo mit 40 Prozent
beteiligt hatte. Yahoo hatte eine Milliarde US-Dollar bezahlt und
ähnlich wie eBay sein chinesisches Online-Geschäft mit Alibaba
zusammengelegt. Das Internet-Unternehmen Google hat eine chinesische
Website gestartet, die
sich an die Zensurbestimmungen des Pekinger Regimes hält.
Google: Kein Geschäft ohne Zensur
Google ist an der chinesischen Suchmaschine Baidu beteiligt. Um die
Genehmigung für eine chinesische Website mit der Adresse ".cn", zu
erhalten, verpflichtete sich Google, für diesen Dienst Adressen aus
seiner Datenbank zu entfernen, die von der kommunistischen Regierung
als anstößig betrachtet werden. Zu solchen verbotenen Themen gehören
Diskussionen über Taiwan und Tibet oder die blutige Niederwerfung
der chinesischen Demokratiebewegung von 1989.
Einen rasanten Anstieg der Festnahmen von Cyber-Dissidenten in China
hatte die Menschenrechts- und Gefangenenhilfe-Organisation amnesty
international (ai) verzeichnet. Die Inhaftierungen erfolgen laut
ai-Bericht überwiegend wegen "Subversion" oder "Gefährdung der
Staatssicherheit". Peking fördert die Internet-Nutzung vor allem in
Wirtschaft und Bildung, versucht aber, die Bevölkerung von
regimekritischen Berichten oder Nachrichten von
Menschenrechtsgruppen fernzuhalten.
Alle Internet-Cafés seien verpflichtet, die Polizei über ihre Kunden
zu informieren. Jeder, der im Internet surft, sei der potenziellen
Gefahr der Zwangsarbeit und Haft ausgesetzt, erklärte die
Organisation. China
ist das Land mit den meisten inhaftierten Journalisten. Ein Großteil
von ihnen wurde wegen Beiträgen in Blogs oder anderen
Internet-Angeboten ins Gefängnis gesteckt. (Ag.) |