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„Wir brauchen eine echte Autonomie!“
KGS-online, 13.03.07
Seit der Besetzung Tibets im Jahr 1950 durch die Volksrepublik China
kämpfen die Tibeter um ihre Heimat. Heutzutage strebt der Dalai Lama
keine Loslösung aus dem chinesischen Staatsverband an, sondern eine
echte Autonomie, die das Ziel hat, die akut bedrohte Kultur und
Tradition der Tibeter zu erhalten. Kelsang Gyaltsen, ehemaliger
Privatsekretär des Dalai Lama, ist im letzten Jahr für Verhandlungen
nach China gereist, um sich für die Rechte seiner Landsleute
einzusetzen. Warum die Gespräche keinen Fortschritt bringen und
welche Differenzen bestehen, erklärt er KGS-Mitarbeiterin Andrea
Brettner
Wie
ist die Situation in Tibet zur Zeit in Bezug auf die Menschenrechte?
Kelsang
Gyaltsen: Die tibetische Kultur, Sprache und Religion ist ernsthaft
vom Untergang bedroht
Überhaupt
ist es mit den Menschenrechten in der Volksrepublik China sehr
schlecht bestellt. Es gibt beispielsweise keine Versammlungs- und
Religionsfreiheit. All diese politischen Freiheiten, die man im
Westen als normal betrachtet, sind überhaupt nicht vorhanden oder in
ganz geringem Maße. Seit dem Einmarsch der Volksbefreiungsarmee in
Tibet wird unsere Heimat von der chinesischen Regierung verwaltet.
Das bedeutet, dass die Regierung und die Behörden in Tibet die
Politik der chinesischen Regierung ausführen. Nicht-Tibeter, also
Chinesen, die wenig Kenntnis von der tibetischen Kultur haben, die
nicht tibetisch sprechen und auch kaum etwas von der tibetischen
Religion und dem Wertesystem wissen, diese Leute formulieren die
Politik für die Tibeter in Tibet. Deshalb ist auch die Lage in Tibet
gegenwärtig sehr alarmierend. Durch diese Politik und durch den
Zustrom von Chinesen nach Tibet ist das Weiterbestehen der
tibetischen Sprache, Kultur, Religion wirklich sehr ernsthaft in
Frage gestellt.
Befürchten die Tibeter, irgendwann eine Minderheit in der Heimat zu
sein?
Richtig. In den meisten größeren Städten von Tibet wird die Mehrheit
der Bevölkerung von den Chinesen gestellt. In Lhasa, der Hauptstadt
von Tibet, es ist beispielsweise so, dass, wenn ein Tibeter
einkaufen gehen möchte, er ohne chinesische Sprachkenntnisse kaum
zurecht kommt. Denn die meisten Geschäfte gehören Chinesen und
diejenigen, die dort arbeiten, sind ebenfalls Chinesen. Wenn Tibeter
heute zur Post gehen und einen Brief aufgeben, dann müssen sie die
Anschrift in chinesischer Sprache schreiben. Und wenn sie in einer
Bank ein Konto eröffnen möchten, müssen sie die Formulare in
Chinesisch ausfüllen. Selbst wer in Lhasa ein Taxi nimmt, muss
chinesisch sprechen können. Chinesen in Tibet brauchen sich keine
Mühe geben, Tibetisch zu lernen. Die Tibeter hingegen müssen in
Tibet chinesisch sprechen können. Wir Tibeter bezeichnen die
gegenwärtige Entwicklung in Tibet – ob absichtlich oder
unabsichtlich – als eine Art kulturellen Völkermord, weil die
tibetische Kultur, Sprache, Religion, die tibetische Lebensweise
unterminiert und maginalisiert wird. Sie sind vom Untergang bedroht.
Was fordert die tibetische Exilregierung von der chinesischen
Führung?
Der Dalai Lama und die tibetische Exilregierung versuchen im
Gespräch und in Verhandlungen mit der chinesischen Regierung eine
Lösung zu finden, die sowohl für die Tibeter als auch für die
Führung in Peking akzeptabel ist. Das bedeutet, es ist die Position
des Dalai Lama und der tibetischen Regierung im Exil, keine
Unabhängigkeit für Tibet anzustreben, sondern eine echte Autonomie
im Rahmen der Volksrepublik China.
So dass es dem tibetischen Volk möglich ist, im Rahmen der
Volksrepublik China seine Kultur, Identität, seine Sprache, seine
Religion zu pflegen. Tibet würde als Teil der Volksrepublik China
verbleiben, aber die Tibeter müssten in der Lage sein, sich selbst
zu verwalten. Die sogenannte „Autonome Region Tibet“ ist schon heute
laut offizieller chinesischer Regierungspolitik eine autonome
Region. Es ist aber so, dass diese autonome Region gebiets- und
bevölkerungsmäßig weniger als die Hälfte von Gesamttibet umfasst.
Obwohl das Gebiet offiziell autonom ist, wird es in Wahrheit von
Peking aus regiert. Das lokale tibetische Parlament hat zur Zeit
kaum echte Befugnisse und Rechte. Deshalb wünschen wir uns eine
echte Autonomie, nicht nur eine, die dem Namen nach besteht.
Nach den letzten Verhandlungen, die Sie mit der chinesischen
Regierung im Jahr 2006 führten, erklärten Sie, dass keine
Fortschritte zu verzeichnen seien. Allerdings seien sich beide
Seiten klar geworden, welche Differenzen konkret bestehen. Können
Sie diese Differenzen bitte kurz erklären?
Seit 2002 haben wir direkten Kontakt mit der chinesischen Regierung.
Fünf Gesprächsrunden haben stattgefunden. In diesen direkten
Gesprächen haben wir bis heute keine Fortschritte in einer
Verbesserung der Situation für die Tibeter erzielen können. Aber wir
haben heute ein viel klareres Bild davon, welche Position die
chinesischen Regierung vertritt, und die chinesische Regierung hat
ein klareres Bild davon, welche Lösung der Dalai Lama und die
tibetische Regierung im Exil vorsieht. Das größte Problem in diesen
direkten Gesprächen ist offensichtlich der Mangel an gegenseitigem
Vertrauen. Die chinesische Regierung fährt fort, den Dalai Lama zu
kritisieren, er sei nicht aufrichtig mit seiner Aussage, dass er
keine Unabhängigkeit Tibets anstrebe. Ein weiteres Problem ist die
Geschichte von Tibet. Die chinesische Regierung besteht
offensichtlich darauf, dass der Dalai Lama öffentlich aussagt, dass
Tibet seit jeher ein Teil Chinas war. Diese Forderung der Chinesen
entspricht nicht der Geschichtsauffassung der Tibeter. Wir glauben,
dass mit dem Einmarsch der chinesischen Truppen in Tibet im Jahre
1950 eine neue Situation geschaffen wurde. Und deshalb ist die
Position des Dalai Lama und die der tibetischen Regierung im Exil:
„Lasst Vergangenheit vergangen sein. Lass uns nicht über die
historischen Zusammenhänge sprechen. Die Geschichte bietet keine
Handhabe zur Lösung des gegenwärtigen Problems.“
Der Dalai Lama und die tibetische Exilregierung sind bereit, Tibet
als Teil der Volksrepublik China anzuerkennen, wenn dem tibetischen
Volk eine echte Autonomie zuteil wird. Die chinesische Regierung
stellt sich auf den Standpunkt, dass das Anliegen der Tibeter, dass
alle Tibeter in der Volksrepublik China in einer autonomen Einheit
leben müssen – nicht wie jetzt in viele Teile aufgeteilt – nicht zu
verwirklichen sei. Wir sind da anderer Ansicht. Veränderungen von
internen Grenzen hat es in der Volksrepublik China viele Male
gegeben – zum Beispiel in der so genannten „Autonomen Region Innere
Mongolei“. Dort hat auch die chinesische Regierung
Grenzverschiebungen vorgenommen, um den Interessen und Bedürfnissen
der lokalen Bevölkerung gerecht zu werden. Darüber hinaus hat sie
auch in anderen Teilen der Volksrepublik Grenzverschiebungen
vorgenommen. Deshalb sind wir Tibeter der Meinung, dass, wenn der
politische Wille vorhanden ist, die Forderung der Tibeter nicht
unmöglich sein sollte.
Warum bestehen die Tibeter auf eine autonome Einheit für alle
Tibeter?
Nehmen Sie mich als Beispiel. Ich stamme aus Osttibet. Meine Heimat
ist gegenwärtig der chinesischen Provinz Sezuan angegliedert. In
dieser tibetischen Gegend leben etwa 800.000 Tibeter. Wie sollen
diese 800.000 Tibeter in einer Provinz, in der über 100 Millionen
Chinesen leben, längerfristig in der Lage sein, ihre Sprache,
Religion und Kultur zu bewahren? Genauso geht es anderen
Bevölkerungsteilen Tibets, die an andere chinesische Provinzen
angegliedert sind – wo sie eine verschwindend kleine Minderheit
darstellen. Aus diesem Grund geht es uns bei dieser Forderung um das
Überleben des tibetischen Volkes mit seiner ureigenen Kultur,
Sprache, Religion und Identität und um die Anerkennung und
Respektierung des Unversehrtheit des tibetischen Volkes.
Ist es dem Dalai Lama zum jetzigen Zeitpunkt möglich, seine Heimat
zu besuchen?
Leider nicht. Letztes Jahr hat der Dalai Lama offiziell den Wunsch
verkündet, eine Pilgerreise nach China unternehmen zu wollen. Denn
in China gibt es viele heilige buddhistische Stätten. Eine solche
Pilgerreise würde auch die Gelegenheit bieten, mit der höchsten
Führung in China in Kontakt zu kommen. Wir glauben, dass eine solche
Pilgerreise entscheidend dazu beitragen würde, in diesen Gesprächen
einen Durchbruch zu erzielen. Leider hat die chinesische Regierung
bis heute nicht reagiert. Sie hat offiziell verkündet, dass ein
Besuch des Dalai Lama in China in Betracht gezogen werden kann, wenn
er alle separatistischen Tätigkeiten aufgeben würde. Dabei haben der
Dalai Lama und die tibetische Exilregierung seit Jahren klargemacht,
dass keine Unabhängigkeit Tibets angestrebt wird, sondern eine echte
Autonomie. Alle unsere Aktivitäten zielen eben nicht auf die
Trennung von China, sondern auf die gewünschte Autonomie ab.
Insofern ist die Anschuldigung der chinesischen Regierung grundlos.
Was glauben Sie, befürchtet die chinesische Regierung, wenn der
Dalai Lama nach Lhasa kommen würde?
Wir wissen genau, dass in der gegenwärtigen Situation, wenn der
Dalai Lama den Wunsch äußern würde, Teile von Tibet oder auch Lhasa
zu besuchen, die chinesische Regierung dies nicht erlauben wird. Die
chinesische Regierung weiß genau, dass die Tibeter in Tibet dann mit
den Füßen abstimmen und es zu einem noch nie dagewesenen
Massenauflauf an Menschen kommen wird. Eine solche politische
Situation möchte die chinesische Regierung nicht sehen. Deshalb hat
der Dalai Lama in dem Bewusstsein, dass sein Besuch auch
Schwierigkeiten für die chinesische Führung bietet, den Wunsch
geäußert, zunächst eine Pilgerreise nach China zu unternehmen. Wenn
man genügend Vertrauen aufgebaut hat, dann kann man später auch
Besuche in tibetische Gegenden planen.
Manche Tibeter sind der Ansicht, dass ein gewaltsamer Widerstand
effektiver sei. Ist der friedliche Weg des Dalai Lama in Gefahr?
Es ist eine Minderheit, die der Ansicht ist, dass ein gewaltsamer
Widerstand effektiver sei. Allerdings findet diese Minderheit immer
mehr Zustimmung unter den Exiltibetern. Diese Gruppe, die kritisch
gegenüber der Vorgehensweise des Dalai Lama und der tibetischen
Regierung im Exil ist, begründet ihre Kritik auf verschiedenen
Punkten: Erstens sagen sie, dass Tibet ein unabhängiges Land war und
ist und dass es von der Volksrepublik China militärisch besetzt
wurde. Das tibetische Volk hat ein Recht auf Eigenständigkeit und
Unabhängigkeit. Dieses Recht des tibetischen Volkes darf nicht
aufgegeben werden. Der zweite Punkt ist, dass der Dalai Lama und die
tibetische Regierung im Exil ein strikt gewaltloses Vorgehen
vertritt. Die Kritik lautet, dass andere Bevölkerungsgruppen, die
mit Gewalt um ihre Freiheit gekämpft haben, viel mehr Unterstützung
in der internationalen Gemeinschaft finden. Deren Anliegen sei der
Öffentlichkeit viel mehr bewusst und auch die Medien würden diesen
Befreiungsgruppen viel mehr Aufmerksamkeit schenken als den
Tibetern. Deshalb glaubt diese Gruppe von Tibetern, dass das
gewaltlose Vorgehen nicht effektiv sei, um das Anliegen des
tibetischen Volkes in den Brennpunkt der Öffentlichkeit zu stellen.
Als dritter Punkt wird angegeben, dass der Dalai Lama und die
tibetische Regierung seit 1959 im Exil sind. Es sind fast fünfzig
Jahre vergangen und durch das gewaltlose Vorgehen sind wir nicht
näher zu einer Lösung unseres Problems gekommen. Diese
Schlussfolgerung ziehen jene Menschen und fordern einen neuen Kurs.
Dabei ist der Dalai Lama berühmt, gerade weil er diesen friedlichen
Weg gewählt hat. Dadurch wissen Menschen auf der ganzen Welt, was in
Tibet geschehen ist.
Ja, aber es gibt natürlich sehr viele Tibeter, die sagen, dass der
Dalai Lama durch dieses Vorgehen zwar in der Welt berühmt und
beliebt geworden, das tibetische Volk aber einer Lösung des Problems
nicht näher gekommen ist.
Im Sommer 2007 kommt der Dalai Lama nach Hamburg, um die Weisheit
des Buddhismus zu lehren. Nun ist Hamburg ja auch eine Stadt, die
intensiven Handel mit China betreibt. Inwiefern wird die politische
Lage Tibets Thema während seines Besuches sein?
Bei seinem Besuch in Hamburg wird der Dalai Lama über das Thema
„Frieden lernen“ sprechen und dann eine Belehrung abhalten. Der
Besuch in Hamburg ist kulturell-religionsbezogen. Aber es ist
natürlich so, dass, wo immer der Dalai Lama hinreist, er von den
lokalen Behörden als Friedensnobelpreisträger mit Würde und Ehren
empfangen wird. Und daher ist es natürlich möglich, dass es zur
einer Begegnung mit offiziellen Stellen in Hamburg kommen wird. Der
Dalai Lama und die tibetische Regierung im Exil sind nicht gegen
gute Beziehungen mit China. Wir glauben, es ist wichtig,
freundschaftliche Beziehungen zu unterhalten. Schließlich ist China
das bevölkerungsreichste Land der Welt und der Dalai Lama hat des
öfteren ausgesagt, dass es wichtig sei, dieses große Land in die
internationale Völkergemeinschaft zu integrieren. Falsch wäre es,
China zu isolieren und auch Chinas Aufstieg zu unterbinden. Der
Dalai Lama glaubt auch, dass, wenn man gute, freundschaftliche
Beziehungen zu China unterhält, eine Grundvoraussetzung erfüllt sei,
um einen positiven Einfluss auf die Führung in Peking zu nehmen. Es
sei aber nach Ansicht des Dalai Lama auch wichtig, dass man im
Rahmen der freundschaftlichen Beziehungen Menschenrechtsprobleme,
Probleme der Religionsfreiheit und den Minderheitenschutz anspricht.
Es ist immens wichtig für die Weltgemeinschaft, dass wir ein China
haben, das freier ist, liberaler, dass die Menschenrechte besser
beachtet und Minderheiten besser schützt.
Sie waren der Privatsekretär des Dalai Lama, bevor dieser Sie
beauftragt hat, die Gespräche mit den Regierungsvertretern der
Volksrepublik China zu führen. Wie war das Leben für Sie als
Vertrauter des Dalai Lama in Dharamsala und welchen persönlichen
Eindruck bekamen Sie damals von Seiner Heiligkeit?
Für einen Tibeter ist es eine sehr sehr große Ehre, als sein
Sekretär zu arbeiten. Seine Heiligkeit der Dalai Lama ist eine
komplexe Persönlichkeit und er ist ein Mensch mit vielen Interessen.
Aber in erster Linie ist er ein religiöser Mensch und an allem
interessiert, was das Leben betrifft: Umweltschutz, Menschenrechte,
interreligiöse Verständigung, dem Dialog mit der modernen
Wissenschaft. Seine Heiligkeit unterscheidet sich von anderen
ähnlichen Persönlichkeiten. Er überzeugt, weil er wirklich das, was
er öffentlich aussagt, auch in seinem persönlichen Leben
praktiziert. Als sein Privatsekretär habe ich ihn auch auf Reisen
begleitet und immer wieder erlebt, wie er auf Menschen zugeht. Für
ihn gibt keine Unterschiede, ob er sich nun mit einem ganz
gewöhnlichen Bürger trifft, der sich vielleicht für Tibet oder den
Buddhismus interessiert, oder mit einem Präsidenten oder
Ministerpräsidenten. Er schenkt seinem Gegenüber, wer immer das auch
ist, die volle Aufmerksamkeit, wenn er mit ihm spricht.
Seine Disziplin ist bemerkenswert. Auf seinen Reisen sind wir in
Hotels untergebracht. Ich glaube, wir sind immer so acht bis neun
Personen, die ihn begleiten. Das Programm ist immer sehr hektisch,
wir sind immer unter Zeitdruck. Wenn wir unsere Hotelzimmer
verlassen, ist er die einzige Person, die stets schaut, dass alle
Lampen im Zimmer gelöscht sind. Wenn ich in der Hektik oft vergesse,
die Lampen zu löschen – er schaut nach.
Der Dalai Lama ist ja Brillenträger. Damals trug ich auch noch eine
Brille. Als ich einmal sah, dass der Dalai Lama seine Brille mit
einem gewöhnlichen Papiertaschentuch reinigte, holte ich schnell ein
Einweg-Brillenputztuch heraus und gab es ihm. Nachdem er es benutzt
hatte, sah ich, wie der Dalai Lama seine zweite Brille herausholte
und anfing, sie mit dem gleichen Tuch zu Putzen. Schnell ging ich zu
meiner Tasche, um ihm ein neues Putztuch geben zu können. Er sagte:
„Warum hast du ein zweites Päckchen geöffnet? Ich wollte meine
zweite Brille auch noch putzen, weil dieses Putztuch immer noch naß
und frisch ist. Ich wollte es nicht gleich wegwerfen.“ Wir würden
das nicht so machen, sondern putzen und dann das Tuch wegwerfen. Es
gibt viele solcher kleineren Dinge, die mich am Dalai Lama
beeindrucken.
Bitte erzählen Sie weiter.
Ich kann mich nicht mehr genau erinnern. Es war glaube ich in
Deutschland. Der Dalai Lama steht auf seinen Reisen immer sehr früh
auf, so gegen 4.30 Uhr. Der Tag war lang und das Programm
anstrengend für ihn. So gegen Abend, etwa um 18 Uhr, hatte der Dalai
Lama eine Begegnung mit einem Landeskirchenführer. Es war ein
Bischof oder Kardinal, ich weiß es nicht mehr so genau. Er kam
herein und die beiden nahmen Platz auf einer Polstergruppe. Der
Dalai Lama lehnte sich zurück auf seinen Sitz und streckte sich lang
aus. Da bin ich etwas nervös geworden, weil ich befürchtete, dass
der Gast dies als unhöflich auffassen würde (lacht). Dann hat der
Dalai Lama auch noch die Hände hinter den Kopf verschränkt und sich
zurückgelehnt. Mit einer Hand streckte er dann die Hand aus, fasste
den Landeskirchenführer an die Hand, und sagte: „Es war so ein
anstrengender Tag. Sie als Bruder, der an Religion glaubt, bitte
nehmen Sie dies nicht als unhöflich auf. Ich bin wirklich sehr müde
und es tut mir gut, wenn ich mich zurücklehne und entspanne.“ Der
Bischof oder Kardinal, den er zum ersten Mal getroffen hat,
reagierte sehr gut, die Stimmung wurde viel lockerer.
Der Dalai Lama sagt immer, dass, wenn er Menschen trifft, dies für
ihn keine Fremden sind. Er sieht in seinem Gegenüber einen Bruder
oder eine Schwester. Denn genauso wie er hat die andere Person das
Recht nach Glück zu streben und Leiden zu vermeiden. Auf Grund
dieser Überzeugung fühlt sich der Dalai Lama in der Lage, mit seinem
Gegenüber auf einer Ebene zu kommunizieren, die alles viel leichter
macht. Der Dalai Lama versucht nicht, etwas vorzuspielen und jemand
anderes zu sein. Er überzeugt, weil er sich gibt, wie er sich
momentan fühlt.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Eine gute Gesundheit, und dass ich noch lange in der Lage sein
werde, mich für Seine Heiligkeit den Dalai Lama und für mein Volk zu
engagieren.
Wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
Dalai Lama:
Frieden lernen – Die Praxis der Gewaltlosigkeit • 21./22. Juli
2007 (ausverkauft) • • • „Mitgefühl in der globalisierten Welt“
• 22. Juli 2007, Vortrag am Nachmittag (Details werden ab April
2007 bekannt gegeben) • • • Buddhistische Philosophie und
Praxis. Erklärungen zu den „400 Versen“ des indischen Meisters
Aryadeva • 23. bis 27. Juli 2007 • Teilnehmerbeitrag: 225
Euro, ermäßigt 150 Euro, Tageskarten an der Tageskasse erhältlich
(Teilnehmerbeitrag wird noch bekannt gegeben) • Ort: jeweils
Tennisstadion am Rothenbaum, Harvestehude • Informationen und
Kartenvorverkauf: Telefon 0700 35 44 20 07,
www.dalailama-hamburg.de
. Besucher, die
aus Hamburg kommen, können die Karten für die Veranstaltungen auch
direkt in der Buchhandlung Wrage, Schlüterstraße 4, 20146 Hamburg,
Telefon 41 32 97-0 erwerben
Gleichstellung buddhistischer Nonnen – Internationaler Kongress mit
dem Dalai Lama • 18.-20. Juli 2007 •
Weitere
Informationen: Dr. Thea Mohr, Alpenroder Straße 28, Frankfurt,
thea.mohr@congress-on-buddhist-women.org
,
www.congress-on-buddhist-women.org
KASTEN:
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Meditieren im Tempel Buddhas
Im Sommer kommt der Dalai Lama nach Hamburg. Im Tibetischen
Zentrum und dem dazugehörigen Meditationshaus Semkye Ling können
sich Interessierte auf das spirituelle Großereignis vorbereiten.
Oliver Petersen, Tibetisch-Übersetzer und 16 Jahre lang
buddhistischer Mönch, lädt Anfang des Monats zu einem
Einführungsseminar ein, in dem grundlegende Themen erläutert
sowie Methoden buddhistischer Geistesschulung erlernt werden
können. • • • Die Nonne Soenam Choekyi (Maria-Viktoria
Derenbach) bittet um rechtzeitige Anmeldung für ihren
Dreimonatskurs „Was ist Wahrheit?“. Die Teilnehmer setzen sich
mit der Wahrheit vom Leiden des Daseinskreislaufs auseinander
und meditieren gemeinsam. • • • Im idyllisch gelegenen
Meditationshaus Semkye Ling in der Lüneburger Heide bieten
buddhistische Nonnen des Zentrums einige interessante
Einsteigertermine an. Neuinteressierte können sich über den
Buddhismus informieren und erste Erfahrungen mit der Meditation
machen. Das Nonnen-Seminar „Auf zur Befreiung“ mit Thubten
Choedroen, Soenam Choekyi und Sönam Chötso eignet sich für einen
kurzfristigen Ausstieg aus dem Alltag. An fünf Tagen im Tempel
des Meditationshauses Semkye Ling können die Teilnehmer
eingefahrene Verhaltens- und Denkmuster bearbeiten und sich
gegenseitig in ihrem Streben nach innerer Ruhe und Zufriedenheit
unterstützen. Wer künftig seinen Gedanken und Emotionen nicht
mehr hilflos ausgeliefert sein möchte, kann sich zwei Tage lang
intensiv mit der analytischen und der konzentrativen Meditation
auseinandersetzen.
OLIVER PETERSEN:
„Buddhismus heute“ • 4. März 2007, 14- 17.30 Uhr •
Eintritt: 10 Euro, ermäßigt 8 Euro • Ort: Kulturhaus Eppendorf,
Martinistraße 40, Hamburg-Eppendorf
SOENAM CHOEKYI:
„Was ist Wahrheit“ (auch als Fernkurs buchbar) • ab 11. April
2007
(12 Termine), Mi 19 Uhr • • • Ort: Tibetisches Zentrum,
Hermann-Balk-Straße 106, Hamburg-Berne
SÖNAM CHÖTSO:
„Kombitag Buddhismus & Meditation“• 10. März 2007, 7-18.30
Uhr • Teilnehmerbeitrag: 20 Euro
THUBTEN CHOEDROEN, SOENAM CHOEKYI, SÖNAM CHÖTSO:
„3-Nonnen-Seminar: Auf zur Befreiung“ • 13. bis 18. März 2007
• Teilnehmerbeitrag: 200 Euro zzgl. U/V
SÖNAM CHÖTSO:
„Einführung
in die buddhistische Meditation“ • 30. März bis 1. April 2007
• Teilnehmerbeitrag: 80 Euro zzgl. U/V Ort: jeweils
Meditationshaus Semkye Ling, Lünzener Straße 4, 29640
Schneverdingen • Information und Anmeldung: Tibetisches Zentrum
e. V., Telefon 644 35 85 oder tz@tibet.de,
www.tibet.de |
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