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Von Burma bis Tibet: Das Aufbegehren
der buddhistischen Mönche
Wiener Zeitung, 12.11.07
(klh)
Die
Proteste in Burma (Myanmar)
wurden von buddhistischen Mönchen angeführt. Auch wenn der
Buddhismus der Ethnologin Miriam Kapp zufolge im Prinzip eine
unpolitische und zum Teil sehr individualistische Religion ist, gibt
es in verschiedenen Ländern eine Tradition des Aufbegehrens der
Mönche gegen politische Zustände.
Burma: Buddhistische Mönche kämpften schon Anfang des 20.
Jahrhunderts gegen die britischen Kolonialherren. Die Klöster wurden
zu Zentren der nationalen und kulturellen Wiedererweckung. So ist
auch der erste Held der Unabhängigkeitsbewegung der Mönch U Wisara,
der 1939 nach einem Hungerstreik im Gefängnis starb. Er hatte gegen
unmenschliche Haftbedingungen protestiert.
1988 unterstützten viele Mönche die Demokratiebewegung, die blutig
niedergeschlagen wurde, und bei den Protesten im September standen
sie gar in der ersten Reihe. Gleichzeitig hält aber ein Teil des
Klerus Abstand zur Politik.
Vietnam:
Eine der spektakulärsten Aktionen buddhistischen Aufbegehrens setzte
der südvietnamesische Mönch Thich Quang Duc. Am 11. Juni 1963 nahm
er an einer befahrenen Kreuzung in Saigon den Lotussitz ein. Zwei
andere Mönche überschütten ihn mit Benzin, Thich zündete ein
Streichholz an. Er blieb betend sitzen, während die Flammen seinen
Körper auffraßen. Die Aufnahmen vom brennenden Mönch gingen um die
Welt und warfen ein mehr als schiefes Licht auf die
süd-vietnamesische Regierung und die mit ihr verbündeten USA.
Der Mönch protestierte mit seiner Aktion gegen die Politik des
Präsidenten der Republik Südvietnam, Ngo Dinh Diem. Dieser gehörte
der katholischen Minderheit an und hatte eine christliche
Bekehrungskampagne eingeleitet, die bei den Buddhisten, die mehr als
70 Prozent der Bevölkerung ausmachten, heftigen Widerstand auslöste.
Seinen Höhepunkt erreichte der Konflikt, als im Mai 1963 in der
Stadt Hue Buddhisten verboten wurde, am Geburtstag Buddhas
traditionelle Fahnen zu hissen. Es kam zu Demonstrationen, die
Sicherheitskräfte gingen mit äußerste Härte vor, mehrere Menschen
starben. Kurz darauf zündete sich Thich an.
Der brennende Mönch war der Anfang vom Ende für Präsident Diem. Die
mit ihm verbündeten USA trauten ihm nicht mehr zu, die Bevölkerung
hinter sich zu einen. Generäle putschten mit Zustimmung Washingtons
gegen Diem; er wurde hingerichtet.
Tibet: Er gilt für viele Menschen als Inbegriff der Sanftmut
und eines friedlichen Widerstandes: der Dalai Lama, der seit
Jahrzehnten um eine Selbstbestimmung des tibetischen Volkes ringt.
Tibet war von 1720 bis 1912 chinesisches Protektorat und nach dem
Ende des chinesischen Kaisertums faktisch selbständig. 1950/51
marschierten chinesische kommunistische Truppen in Tibet ein. 6000
Klöster und Tempel wurden zerstört. Dies führte gemeinsam mit
Repressionen, Hungersnöten und Bedrohungen des Dalai Lama 1959 zu
einem Volksaufstand. Der Aufstand wurde von China brutal
niedergeschlagen, zehntausende Menschen starben.
Der Dalai Lama flüchtete nach Indien und gründete die tibetische
Exilregierung.
Seitdem reist er um die Welt, um die Öffentlichkeit auf das Anliegen
des tibetischen Volkes aufmerksam zu machen. Er plädiert für einen
gewaltlosen, friedlichen Widerstand. Seine Haltung gründet sich
einerseits in der militärischen Unterlegenheit der Tibeter gegenüber
der chinesischen Volksarmee. Andererseits wurzelt sie stark in
seiner Glaubensüberzeugung: Der Dalai Lama hat wiederholt zum
Ausdruck gebracht, dass Gewalt prinzipiell abzulehnen ist. Da "alle
Menschen Schwestern und Brüder sind", gelte das Prinzip der
Feindesliebe.
Die Haltung des Dalai Lamas hat weitere Tote in Tibet verhindert.
Doch hat sich China nicht bewegt. Die Tibeter haben bisher bezüglich
einer Autonomie oder Selbstbestimmung keinerlei Zugeständnisse von
Peking
erhalten. |