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Tibet-Votum im
Liechtensteinischen Parlament
(Durch
das liechtensteinische Parlament inzwischen angenommene Votum - Anm.
d. Redaktion)
Votum durch den Abgeordneten Harry
Quaderer

Herr
Landtagspräsident
Geehrte Damen
und Herren Abgeordnete
Sicherlich wird es einige Abgeordnete in diesem Hohen Hause geben,
welche sich ernsthaft fragen, was haben Tibet und die Volksrepublik
China überhaupt mit Liechtenstein zu tun. Warum soll sich
Liechtenstein in Angelegenheiten anderer Länder einmischen? Hat das
liechtensteinische Parlament überhaupt Gewicht und Ansehen? Werden
wir international wahrgenommen?
Nun, meine Damen
und Herren, ich werde in meinem Votum versuchen zu erklären, warum
diese Resolution auch für Liechtenstein von Bedeutung ist und ich
werde versuchen zu erklären, dass diese Resolution vor allem für das
ehemals souveräne Land Tibet von Bedeutung ist. Was Souveränität
bedeutet, durften wir letztes Jahr in Hülle und Fülle in
Liechtenstein zur Kenntnis nehmen. Bekanntlich hat das Land in
aller Ausgiebigkeit 200 Jahre Souveränität gefeiert.
Wenn wir
Liechtensteiner dem Trugschluss unterliegen, dass Souveränität etwas
ganz Natürliches und Selbstverständliches ist, kann uns vielleicht
die jüngste Geschichte Tibets eines besseren belehren: uns allen
sollten, wenn nicht die Augen, dann doch die Ohren aufgehen.
Lassen Sie mich
bitte erklären, warum ich, aber auch die Abgeordneten Josy
Biedermann und Andrea Matt ziemlich schnell von dieser Resolution
überzeugt waren.
Der kanadische
Parlamentarier und grosse Freund Tibets, Senator Consiglio di Nino,
hat in einer weltweiten Inititative, Parlamentarier-Innen dazu
aufgefordert, sich für eine Resolution zu engagieren, die zum Dialog
zwischen Tibet und der Volksrepublik China aufruft, und sich klar
für die legitimen Autonomiebestrebungen Tibets einsetzt.
Senator di Nino
hat für diese weltweite Aktion das symbolträchtige Datum, den 10
März angepeilt. Am 10. März 1959 kam es zum grossen tibetischen
Volksaufstand gegenüber der chinesischen Besatzungsmacht, der blutig
niedergeschlagen wurde. Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama flüchtete
in der Folge mit ca. 100'000 TibeterInnen ins indische Exil.
Natürlich war es
nicht möglich diese Resolution weltweit am gleichen Tag zu
verabschieden, da die verschiedensten Parlamente nicht alle zur
gleichen Zeit tagen. Liechtenstein ist mir seiner Resolution etwas
verspätet, jedoch lieber zu spät als gar nie. Es wäre dies die
zweite liechtensteinische Tibet-Resolution nach derjenigen von
1996.
Der Gedanke, des
Senatoren Di Ninos war es, eine Resolution zu verabschieden,
getragen von ParlamentarierInnen, welche, weltweit gesehen, mehrere
hundert Millionen Personen repräsentieren.
Das europäische
Parlament hat am 15. Februar eine ausführliche und klare Resolution
mit grosser Mehrheit verabschiedet.
Diese Resolution
wurde allen Abgeordneten zugestellt und sie ist natürlich auf dem
Internet jederzeit abrufbar.
Bitte gestatten
Sie mir, dass ich den liechtensteinischen Tibet-Resolutionstext,
nochmals im vollen Wortlaut wiedergebe.
Resolution des
liechtensteinischen Landtags zum Dialog zwischen der chinesischen
Regierung und dem Gesandten des Dalai Lama.
Der
Liechtensteiner Landtag
-
erklärt sich
solidarisch mit der Tibet-Resolution des Europäischen Parlaments vom
15.2.2007
-
legt der
Regierung der Volksrepublik China und dem Dalai Lama nahe, trotz
ihrer Differenzen in bestimmten wesentlichen Angelegenheiten den
Dialog ohne Vorbedingungen wieder aufzunehmen und fortzusetzen, und
zwar in einer in die Zukunft gerichteten Weise, die pragmatische
Lösungen ermöglicht, welche mit der territorialen Integrität Chinas
in Einklang stehen und den Erwartungen des tibetischen Volkes
Rechnung tragen;
- begrüsst die von
der Regierung der Volksrepublik China verabschiedeten Gesetze und
Regelungen bezüglich einer regionalen ethnischen Autonomie, erklärt
sich aber darüber besorgt, dass viele dieser Rechtsvorschriften
Bedingungen enthalten, die ihre Durchführung behindern oder
beeinträchtigen;
- und zu guter
letzt,
- beauftragt
seinen Präsidenten, diese Entschliessung im Wege über die Fürstliche
Regierung dem Präsidenten, der Regierung und dem Parlament der
Volksrepublik China und dem Dalai Lama zu übermitteln.
Der
Resolutionstext ist vernünftig und im Hinblick für das von
Liechtenstein für die Sache Tibets Leistbare ohne weiteres
vertretbar.
Es geht im
Wesentlichen um einen diplomatische Akzent, der kraft unseres
Parlaments verstärkt wird. Wir
Parlamentarier Liechtensteins, repräsentieren nicht Millionen,
sondern nur Tausende von Mitbürgern, jedoch repräsentieren wir die
Stimmen von Bürgern und Bügerinnen eines souveränen,
selbst bestimmten Fürstentum Liechtensteins.
Gerne möchte ich
einiges Grundsätzliche formulieren.
Ein chinesisches
Sprichwort sagt: „Selbst die
blasseste Tinte ist besser als das beste Gedächtnis“.
Bekanntlich
neigt das menschliche Gedächtnis dazu, unzuverlässig zu werden, und
unbequeme Sachen zu verdrängen.
Es darf aber
nicht sein, dass ein Verbrechen gegenüber der Menschheit von der
Dimension „eines kulturellen Völkermords“ wie er in Tibet
nachweislich begangen wird, in Vergessenheit gerät.
Mit dem
Einmarsch von Maos Truppen in den Jahren 1949/1950 endete eine fast
2000jährige Souveränität und die Selbstbestimmung des selbständigen
Landes Tibet. Tibet büsste seine Eigenstaatlichkeit ein und wurde
von der VR China total kolonialisiert.
Wie Sie wissen,
ist der Tibetischen Bevölkerung seit der militärischen Besetzung
durch die VR China bis herauf in die Gegenwart unsägliches Leid
zugefügt worden. Zerstörungen, Raubbau, Politische Verfolgung,
Unterdrückung und Repressionen sind an der Tagesordnung geblieben.
Es sprengt den Rahmen, auch nur eine dürre Liste der Untaten
aufzuzählen.
Jeder der sich
mit der Menschenrechtsproblematik auseinandersetzt, findet
erschreckende, weil verbürgte und unabhängige Berichte bei Amnesty
International oder ‚Human Rights Watch“. Was den politischen und
völkerrechtlichen Status von Tibet anbelangt, würde ich das Buch des
Schweizer Völkerrechtsexperten, Tibet Kenners und Juristen Hans
Mäder ‚TIBET – Land mit Vergangenheit und Zukunft’ wärmstens
empfehlen.
Selbstbestimmung
und Souveränität sind uns LiechtensteinernInnen kein Fremdwort.
Liechtenstein, das in der Staatengemeinschaft ein „Nadelkopf“
darstellt, konnte sich staatsrechtlich einigermassen absichern. Es
durfte dabei stets vom goodwill und von der Nachsicht von grösseren
Staaten profitieren.
Tibet, ein Land,
das 60 mal so gross wie die Schweiz oder sagen wir einfach, das die
Grösse von Europa hat, ist von der VR China gewalttätig einverleibt
worden. Die Welt hat praktisch tatenlos zugeschaut. Die Tibeter und
Tibeterinnen kämpfen jetzt nun schon fast seit 60 Jahren für etwas,
das ihnen ohne Wenn und Aber zusteht, nämlich für eigentliche
Selbstbestimmung.
Der gewaltlose
Aufruf zum Widerstand des Dalai Lamas wird in Tibet noch immer
befolgt. Eine Mehrheit befürwortet auch den so genannten Mittleren
Weg des Dalai Lamas, die eine wirkliche Autonomie innerhalb eines
föderativ geordneten Chinas anstrebt. Dies zeugt, angesichts der
unverminderten Unterdrückung durch die chinesischen Besatzer, von
einer Menschlichkeit, die ihresgleichen sucht.
Was kann
Liechtenstein tun?
Im Traktandum 19
werden wir das Gesetz betreffend die Internationale Humanitäre
Zusammenarbeit und Entwicklung (IHZE-Gesetz) aufgrund der in der
Eintrittsdebatte und 1. Lesung vom März , wahrscheinlich doch
einstimmig verabschieden.
Ich möchte Ihnen
allen Artikel 1 des IHZE Gesetztes in Erinnerung rufen,
Da steht unter
der Rubrik Grundsätze.
Absatz 1
Liechtenstein
will seine Verantwortung innerhalb der Weltgemeinschaft wahrnehmen
und sich mit Menschen, die hinsichtlich ihrer Lebensbedingungen und
ihrer Lebensqualität benachteiligt sind, solidarisch zeigen. Oder unter
Artikel 1 Absatz 2 Buchstabe d) Für Frieden, Freiheit und Sicherheit
aller Menschen sowie für die Wahrung ihrer Menschenwürde eintreten.
Dies, nur um 2
Punkte dieses doch wichtigen Gesetzes herauszugreifen. Liechtenstein
hat gegenüber der Frage Tibets auch Verantwortung zu tragen!
Ungeachtet der Tatsache, des vielleicht springenden Punktes, dass
auch liechtensteinische Produzenten mit und in China Geschäfte
machen.
Wer in einer
volkswirtschaftlichen Produktionskette verbunden, darf aber die
Menschenrechtssituation gerade in einem Riesenland wie der VR China
nicht ausblenden. Auch das Geschäft muss, wenn es nachhaltig sein
will, Grundregeln eines gewissen Fair-plays mit gesundem
Menschenverstand einfordern.
Ich wiederhole
das chinesische Sprichwort: Selbst
die blasseste Tinte ist besser als das menschliche Gedächtnis!
Die
Volksrepublik China wird nächstes Jahr die olympischen Spiele in
Beijing ausrichten. Die olympischen Spiele werden, weltweit von
Milliarden von Fernsehzuschauern und von Millionen Leuten vor Ort
aus der ganzen Welt verfolgt. Sicherlich wird auch eine
liechtensteinische Delegation mit dabei sein und es werden sehr
viele LiechtensteinerInnen am Fernsehen die sportlichen Wettkämpfe
mitverfolgen. Ich halte es für angebracht, dass die für
Liechtenstein teilnehmenden SportlerInnen über die politische
Situation von unterdrückten Minderheiten in der VR China und
insbesondere über die Lage in Tibet informiert werden.
Ohne Hellseher
zu sein, bin ich mir sicher, sollte die chinesische Führung in
Sachen Tibet zum gegenseitigen Dialog ohne Vorbedingungen und
Schuldzuweisungen bereit sein und einlenken, dass dies für die
Volksrepublik China von enormem längerfristigen Nutzen & Gewinn sein
würde. China könnte hiermit wahrlich Grösse zeigen, das es nicht
nur menschenmässig und flächenmässig verkörpert!
Die
Weltgemeinschaft würde eine solche Geste auf verschiedenste Art und
Weise honorieren. Ich schaue einer solchen Entwicklung mit Hoffung
entgegen. Ich denke, dass der weltweite Appell zum Dialog nicht
ignoriert werden kann und darf.
Ich appelliere
an unsere Regierung und im speziellen an unsere Aussenministerin
sich für die Belange Tibets stark zu machen.
Vergessen wir
auch nicht, dass Liechtenstein eine nähere Beziehung zu Tibet
eingegangen ist, nicht zuletzt durch die Präsenz von Tibetischen
Flüchtlingen, welche in Liechtenstein aufgenommen wurden.
Der Dalai Lama
besuchte als Gast des Fürsten das Land.
Das Land
Liechtenstein hat einen Teil der Tibetica-Sammlung von Heinrich
Harrer, der mehrere Jahre in Liechtenstein gelebt hatte, erworben.
Die seinerzeitige Ausstellung 1991 im Landesmuseum war ein
Riesenerfolg. Es wäre an der Zeit diese Sammlung wieder einmal
öffentlich zu zeigen.
Ich gebe jetzt
schon eine Anregung an unsere Regierung und an unsere Schulen.
Fördern Sie das Bewusstsein für das Drama, das sich in Tibet auf
dem Dach der Welt abspielt.
A propos
Bewusstsein zur Förderung der Menschenrechte. In der Landespresse
ist mir kürzlich ein Artikel mit der Überschrift „Es soll nicht nur
beim Reden bleiben“ ins Auge gestochen. Eine Gruppe
engagierter Personen aus Liechtenstein hat den Verein Amnesty
Liechtenstein gegründet, welcher die Aufmerksamkeit für
Menschenrechtsverletzungen zum Dauerthema machen möchte. Der Verein
folgt den Zielen von Amnesty International. Den Gründern dieses
Vereins danke ich mit der Zusicherung, dass ich ihre Grundsätze im
Parlament vertreten werde.
Als Mitglied der
APK würde es mich sehr freuen, wenn die Regierung Liechtensteins
sich noch im Jahre 2008 zu einem Tibet-Event bekennen würde.
Vielleicht liesse sich eine offizielle Delegation des Tibetischen
Exilparlaments mit seinem Ministerpräsidenten Prof. Samdong Rinpoche
einladen? Vielleicht liessen sich die Schulen für einen Event
einbinden? Bestimmt hat unsere Regierung noch weit bessere Ideen.
[Ich möchte es
nicht unterlassen, all denen zu danken, die sich im Vorfeld für
diese Resolution engagiert haben].
Danke.
Reaktion des
chinesischen Konsulats aus Zürich
(per Email an die
Abgeordneten im Parlament als Versuch zur Beeinflussung von deren
Entscheid)
Liebe
Abgeordneten,
mit Erstaunen
habe ich erfahren, dass 3 Abgeordneten Ihres Landtages einen
Tibet-Antrag gestellt haben, den der Landtag in den nächsten > Tagen
besprechen und verabschieden würde. Ich habe auch ein Interview in
der Zeitung "Liechtensteiner Vaterland" vom 21. April 2007 zur
Kenntnis genommen. Erlauben Sie mir bitte, auf diesem Weg meine
Meinungen zu dem Tibet-Antrag und meine Opposition dagegen zum
Ausdruck zu bringen. Tibet ist seit dem 13. Jahrhundert ein
Bestandteil Chinas. Das ist eine geschichtliche Tatsache und wird
auch von der internationalen Gemeinschaft einschliesslich
Liechtenstein anerkannt. Kein einziges Land bestreitet dies. Die
Regierung und der Landtag Liechtensteins sprechen für die
Festhaltung an der "Ein China"-Politik aus, was wir sehr schätzen
und wofür wir uns sehr herzlich bedanken. Wir werden nie vergessen,
dass Liechtenstein eins der europäischen Länder war, die am
frühesten die Volksrepublik China anerkannt hat und die
diplomatischen Beziehungen mit China aufgenommen haben. Wir können
also nicht verstehen, warum der Landtag im Widerspruch ihrer
erklärten Politik eine Resolution über einen
Bestandteil Chinas besprechen und verabschieden würde.
Ich darf mir
vorstellen, dass sich Liechtensteiner Politiker und Bevölkerung mit
Sicherheit darüber nicht freuen und es nicht erlauben würden, wenn
ein anderes Land ebenfalls eine Resolution über eine Angelegenheit
Liechtensteins befassen, dadurch politischen Druck auf Liechtenstein
ausüben und Finger darauf zeigen wollte, was
Liechtenstein machen oder nicht machen sollte. Denn nach dem
Völkerrecht und Charta der Uno würde dies eine klare Einmischung in
die innere Angelegenheiten des souveränen Staates von Liechtenstein
bilden, was unterlassen werden soll.
Seit der Einführung der Reform und Öffnung Ende 70er Jahre hat ganz
China einschliesslich Tibet grosse Veränderungen erfahren. Die
Wirtschaft entwickelt sich mit einem durchschnittlichen
Jahreswachstum von mehr als 9%. Das Lebensniveau der Bevölkerung
steigt ständig. Die Kultur wird besser geschützt und gefördert. Die
Menschenrechtslage, für die sich die westlichen Politiker
interessieren, haben sich auch erheblich verbessert. China ist nicht
perfekt, so wie kein Land in der Welt perfekt ist. Ein Land mit 1,3
Mrd. Menschen haben noch viele Schwierigkeiten und Probleme vor
sich.
Deswegen bemühen
sich die chinesische Regierung und Bevölkerung sich zur Zeit, die
Strategie der nachhaltigen, harmonischen und friedlichen
Entwicklung des Landes zu verwirklichen. Aber die grossen
Fortschritte, die China auf allen Gebieten erzielt hat, werden von
aller Welt anerkannt und begrüßt. Der Interviewer der Zeitung
"Liechtensteiner Vaterland" ist nie in China bzw. in Tibet gewesen,
wie er selbst zugegeben hat, kennt China überhaupt nicht, ist aber
vollen Vorurteile gegen China. Seine Vorwürfe und Verleumdungen
entsprechen den Tatsachen in Tibet nicht. Man würde sich fragen, wie
er eine "moderate und vernünftige Resolution" stellen kann?! Jeder,
der einmal China oder Tibet besucht hat, würde ihm nicht glauben.
Liebe Abgeordneten, in dem Kontakt mit Dalai Lama zeigt die
chinesische Zentralregierung grosse Geduld und das Tor des Dialogs
bleibt immer noch offen. Der Kernpunkt des Problems liegt aber
darin, dass Dalai Lama mit seinen Abspaltungstätigkeiten nicht
aufhören will. Die von ihm viel gesprochene "Autonomie für Tibet" läßt sich leicht als echte Unabhängigkeitsbestrebungen entlarven.
Der Tibet-Antrag spricht gleiche Sprache wie Dalai Lama und stellt
eine Unterstützung seiner Abspaltungstätigkeiten dar, was für die
chinesische Seite nicht zu akzeptieren ist. Eine solche Resolution
könnte den Dialog zwischen Dalai Lama und der Zentralregierung
überhaupt nicht vorantreiben, wie die Abgeordneten es erhofften,
und eher komplizierter und schwieriger machen.
Denn Dalai Lama
würde sich dadurch ermutigt fühlen und weiterhin hartnäckig an
seiner Abspaltungsposition festhalten. Ich kann mich noch erinnern,
dass der Landtag im Jahr 1996 trotz
Opposition der chinesischen Seite eine Tibet-Resolution
verabschiedete, was damals den guten Beziehungen unserer beiden
Länder Schaden zufügte. Dank gemeinsamer Bemühungen entwickeln sich
die Beziehungen in den letzten Jahren wieder sehr gut. Allein die
Handelsvolumen steigen von Jahr zu Jahr mit einem hundertprozentigen
Wachstum. Wir beide Länder profitieren von der
freundschaftlichen Zusammenarbeit und sollen sie weiter pflegen und
fortsetzen. Es ist normal, dass wir unterschiedliche Meinungen zu
manchen Fragen haben, weil unsere geschichtliche und kulturelle
Hintergründe sowie gegenwärtiges Entwicklungsniveau verschieden
sind. Wir können durch Dialoge auf der Grundlage der
Gleichberechtigung und des gegenseitigen Respekts unser
beideseitiges Verständnis vertiefen und die Differenzen reduzieren.
Wir legen auch grossen Wert darauf, von anderen Ländern zu lernen,
um uns stets zu verbessern. Im Gegenteil würde ein aufgezwungener
Tibet-Antrag oder eine Resolution keine Wirkung erzielen. Sie
könnte nur das Gefühl des anderen verletzen und den Beziehungen
unserer beiden Länder eher schaden als nutzen.
Sehr geehrte Abgeordneten, von den gemeinsamen Interessen unserer
beiden Länder ausgehend, darf ich um Ihre Verständnis für unseren
Standpunkt bitten und hoffen, dass Sie einen richtigen Entscheid
treffen in der Frage des Tibet-Antrags könnten. Ich bin auch jede
Zeit gerne bereit, mit Ihnen zusammenzutreffen und Meinungen zu den
Fragen vom gemeinsamen Interesse auszutauschen.
mit ausgezeichneten Hochachtung
Ihr Xiaosi LI
Generalkonsul der VR China |