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Schröder kanzelt Merkel
ab
Der Tagesspiegel, 10.11.2007
 Berlin
- Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) hat bei einem Besuch in
China die Politik seiner Nachfolgerin Angela Merkel (CDU)
kritisiert. Am Rande eines Seminars in Peking warf Schröder ihr vor,
sie habe mit dem Empfang des Dalai Lama einen „Fehler begangen“. Er
bedauere, dass „die Gefühle des chinesischen Volkes verletzt“ worden
seien, zitiert ihn die Zeitung „China Daily“. Schröders Büro
bestätigte, der Altkanzler sei korrekt wiedergegeben worden.
Auf den Empfang des geistigen Oberhaupts der Tibeter im Kanzleramt
am 23. September hatte China sehr verärgert reagiert und mehrere
bilaterale Treffen abgesagt. Den Empfang bezeichnete Peking als
„schwere Einmischung in innere Angelegenheiten“. China wirft dem
Dalai Lama vor, er wolle Tibet abspalten.
Schröder sagte weiter, er sei „nicht glücklich mit einigen der
jüngsten Schritte unserer Regierung“. Respekt für die Souveränität
und territoriale Integrität seien der Kern der deutsch- chinesischen
Beziehungen. Seine Vorgänger und er hätten es deshalb immer
abgelehnt, den Dalai Lama zu treffen.
Unionspolitiker reagierten empört auf Schröders Aussagen. Es sei
„ein einmaliger Vorgang“, dass ein Altkanzler seiner Nachfolgerin
„im Ausland derartig in den Rücken“ falle, sagte der
CDU-Außenpolitiker Eckart von Klaeden. Damit habe Schröder den
Interessen Deutschlands geschadet. Klaeden monierte auch, dass
Schröder den russischen Präsidenten Putin als „lupenreinen
Demokraten“ bezeichnet hatte.
Brisant ist Schröders Kritik auch, weil Außenminister Frank-Walter
Steinmeier (SPD) sie im Kern teilt und dies auf dem SPD-Parteitag
kürzlich auch deutlich gemacht hatte. Der Außenminister bekrittelte
am Freitag auch Merkels Russlandpolitik. Die Beziehungen zu Moskau
dürften nicht ständig mit einem „ängstlichen Blick auf die
Schlagzeile zu Hause“ betrieben werden, sagte er mit Anspielung auf
Treffen Merkels mit Putin. Den Empfang des Dalai Lama im Kanzleramt
hatte diese Woche auch die Grünen-Politikerin Antje Vollmer
kritisiert, die sich für die kulturelle Autonomie Tibets einsetzt.
Für Tibet sei dadurch nichts gewonnen, sagte sie der „Zeit“. hmt
(Erschienen im
gedruckten Tagesspiegel vom 10.11.2007)
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