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Sabriye
Tenberken
Kulturkurier.de,
26.03.07
Stadtbücherei
Erlangen
Am Montag, den 26.März, 19.30 Uhr kommt mit Sabriye Tenberken
eine Frau in das media.ART.zentrum, die, obgleich erst 36 Jahre alt,
bereits wahrhaft Großes geleistet hat und weltweit mit ihrer
Lebensgeschichte für Aufsehen sorgt.
Sabriye Tenberken erblindete im Alter von 12 Jahren. Trotzdem
studierte sie Tibetologie, Soziologie und Philosophie, bestieg 5.000
m hohe Pässe, beschreibt in ihren Büchern die Farben Tibets und
betreibt erfolgreich Sportarten wie Kajakfahren und Reiten.
Ih
re erste große Tat war die Entwicklung einer speziellen
Brailleschrift, also einer Punktschrift für Blinde, für die
tibetische Schriftsprache. Diese wurde inzwischen zur offiziellen
Blindenschrift Tibets. 1997 reiste sie das erste Mal ohne sehende
Begleitung nach Tibet. 1998 gründet sie das Blinden-Zentrum Tibet "Braille
Without Borders", das seine Arbeit in Lhasa mit der Unterrichtung
von fünf blinden tibetischen Kindern im Lesen und Schreiben der
tibetischen Blindenschrift begann. Sie musste zahlreiche Hindernisse
überwinden, wie Missachtung und Gleichgültigkeit von offizieller
Seite, aktive Anfeindungen und unregelmäßige finanzielle
Unterstützung. Heute jedoch verändert ihr Blindenzentrum das Leben
einer großen Zahl junger blinder Tibeter. Die Leistungen der Schüler
beginnen den traditionellen Glauben der Tibeter, dass Blindheit eine
Bestrafung für die Sünden in früheren Leben ist, zu verändern.
2004 nahm sie an
einer von Erik Weihenmayer, dem ersten blinden Mount
Everest-Besteiger, geleiteten Bergsteigerexpedition in Tibet,
zusammen mit ihren Schülern sowie einem amerikanischen Filmteam
teil. Der Film Blindsight wurde prämiert. Die Expedition jedoch
scheiterte an schlechten Witterungsverhältnissen.
Sabriye Tenberken wurde vielfach ausgezeichnet: unter anderem wurde
sie im Jahr 2000 von den Mitgliedern des International Women’s Club
zur Frau des Jahres gewählt, im gleichen Jahr erhielt sie den
Charity Bambi des deutschen Medienpreises, 2005 das
Bundesverdienstkreuz und 2006 den „Mother Theresa Award“.
Sabriye Tenberken sagt: „Es sollte keine Grenzen für Blinde geben“.
Sie beweist es.
Projektbeschreibung aus
www.braillewithoutborders.org
Das “Braille
Ohne Grenzen „ Trainings-Zentrum ist ein Zentrum für Blinde, indem
Kinder und Erwachsene auf ihr Leben in der Welt der Sehenden
vorbereitet werden. Ziel des Blindenzentrums ist es einmal, Kinder
in einer vorbereitenden Grundschule in Blindentechniken zu
unterrichten, um sie, ausgestattet mit blindenspezifischem
Lehrmaterial, in weiterführende regulären Schulen mit Sehenden
integrieren zu können. Zum anderen erhalten jugendliche und
erwachsene blinde Menschen in dieser Einrichtung eine Ausbildung,
die sie befähigt, in der Welt der Sehenden einen adäquaten Beruf
ausüben zu können.
Das Blinden-Zentrum nimmt Kinder zwischen 3 und 15 Jahren in sein
Vorschulprogramm auf. Die Kinder werden aus Dörfern und Städten der
Autonomen Region Tibet ausgewählt und, auf Grund der meist großen
Entfernungen von Lhasa zu den Heimatdörfern, in einem Internat
untergebracht. Nach einer zwei bis dreijährigen Ausbildungszeit und
ausgerüstet mit dem entsprechenden Lehrmaterial können die Kinder
dann in die Schulen ihrer Heimatdörfer integriert werden. Zur
Ausbildung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen entwickelte das
Zentrum einen Ausbildungsgang. Neben Blindenschrift und
Orientierungstechniken erlernen sie Englisch und Chinesisch. Darüber
hinaus erlernen sie einen Beruf, sei es im medizinischen,
handwerklichen oder landwirtschaftlichen Bereich.
Um das Blinden-Zentrum Tibet auszubauen und alle weitergehenden
Pläne der Organisation "Braille Without Borders" (Braille Ohne
Grenzen) zu verwirklichen, brauchen wir Ihre Unterstützung!
VIELEN DANK!
Das Braille Without Borders Team

Projekthintergrund
Das Projekt "Blinden-Zentrum Tibet" ist durch die Initiative der
damaligen Tibetologie-Studentin Sabriye Tenberken aus Bonn
entstanden. Sabriye Tenberken ist selbst blind und hat zum Studium
der tibetischen Texte eine tibetische Blindenschrift auf der Basis
des Braille-Schrift-Systems einerseits und der tibetischen
Silbenschrift andererseits entwickelt. Diese Blindenschrift wurde
von einem tibetischen Gelehrten geprüft und für einsichtig, einfach
und schnell erlernbar befunden. Da die tibetische Sprache bisher
über keine eigene Brailleschrift verfügte, machte er den Vorschlag,
die Brailleschrift von Sabriye Tenberken tibetischen Blinden zugute
kommen zu lassen. Im Sommer 1997 reiste sie daraufhin durch die
Autonome Region Tibet, um vor Ort die Möglichkeit zu erkunden,
blinden Tibetern eine Ausbildung zu geben. Blinde und Sehgeschädigte
hatten bisher in der Autonomen Region keinen Zugang zu Schulen oder
Ausbildungsstätten. Viele leben in Hütten, isoliert von der
Gesellschaft, und werden von Familienmitgliedern oder Nachbarn
ernährt. Einige der blinden Kinder werden im frühen Alter ausgesetzt
und werden gezwungen auf den Strassen der Städte um Geld und
Lebensmittel zu betteln. Nach neusten Statistiken gibt es in der
Autonomen Region bei 2,4 Millionen Einwohnern 30 bis 40.000 Blinde,
viele davon sind Kinder im schulfähigen Alter. Sehschädigungen und
Blindheit sind sowohl durch mangelhafte Ernährung als auch durch
extremes Klima bedingt. Ursachen sind zum einen das Fehlen von
Vitamin A in der Nahrung, zum anderen Ruß in den Häusern, der durch
Kohle- und Yackdung-Beheizung entsteht. Die wichtigsten Gründe sind
aber Wind, Staub und vor allem die sehr starke UV-Strahlung. Hinzu
kommt der Mangel an adäquater Hygiene und medizinischer Versorgung.
Die häufigste Erkrankung ist der Graue Star der aber in den meisten
Fällen durch operative Eingriffe geheilt werden kann. Viele dieser
notwendigen Operationen werden durch mobile augenheilkundliche
Stationen ausgeführt. Einer großen Gruppe blinder Menschen kann
jedoch auf diese Weise nicht geholfen werden, für sie ist ein
Rehabilitations- und Ausbildungszentrum wie dieses dringend
erforderlich. Sabriye Tenberken führte viele Gespräche mit Eltern
blinder Kinder, mit blinden Jugendlichen und Erwachsenen, sowie mit
lokalen Organisationen. Daraus entstand im Sommer 1997, in
Zusammenarbeit mit Vertretern offizieller tibetisch-chinesischer
Behörden, der Plan zur Gründung einer Blindenschule als Beginn des
Blinden-Zentrums Tibet.

Einige Zeichen des tibetischen Braille-Schrift-Systems
(entwickelt von Sabriye Tenberken, 1992)
Start des
Blinden-Zentrums Tibet mit einer Internatsschule für blinde Kinder
in Lhasa
Im Mai 1998 eröffneten Sabriye Tenberken und der holländische
Techniker Paul Kronenberg eine Vorschule für blinde Kinder. Sie fand
zunächst Unterkunft in einem Schulkomplex außerhalb von Lhasa. Sechs
blinde und stark sehgeschädigte Kinder zwischen 6 und 12 Jahren
wurden aus verschiedenen Regionen Tibets nach Lhasa geholt. Sie
kamen mit unterschiedlichen Voraussetzungen. Sie waren entweder gut
oder kaum in die Dorfgemeinschaft integriert, was sich stark auf ihr
Verhalten und ihren Entwicklungsstand auswirkte. Einer der damals 9
jährigen Jungen war unternehmungslustig und seiner Umwelt gegenüber
sehr aufgeschlossen. Er kümmerte sich hilfsbereit und umsichtig auch
um seine Mitschüler. In seinem Heimatdorf war er Viehhirt. Ein
anderer 12 jähriger dagegen hatte bei seiner Ankunft autistische
Züge. Er war in seiner Entwicklung etwa einem 4jährigen Kind
vergleichbar. Dieser Junge wurde in seinem Heimatdorf in einem
dunklen Raum angetroffen, in dem er sich offenbar hauptsächlich
aufzuhalten hatte. Bis auf 2 Kinder, die erst mit 8 und 9 Jahren
erblindeten, hatte keines der anderen eine Schule besucht. Gemeinsam
aber lebten sie sich schnell ein. Einige der Kinder dieser ersten
und auch der zweiten Generation gehen jetzt in eine reguläre Schule.
Zur Zeit werden 30 Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Zentrum
unterrichtet.

Projektziel
Braille Without Borders (Braille Ohne Grenzen)
Projektziel ist die Selbstintegration blinder Menschen in die
tibetische Gesellschaft.
Konzeption des Rehabilitations- und Trainingszentrums
Das Projekt gliedert sich in vier Teilbereiche, die Schritt für
Schritt zusammen mit der Tibetan Disabled Person's Federation (TDPF)
aufgebaut und weiter entwickelt wurden:
a. Vorbereitende Grundschule
b. Berufsausbildung
c. Förderung der Selbstintegration
d. Herstellung von Lehr- und Lernmaterial für Blinde und
Sehgeschädigte
a. Vorbereitende Grundschule
Internatsschule
Die Bevölkerungsdichte in der Autonomen Region Tibet ist sehr
gering. Regionen mit blinden Kindern und Erwachsenen sind meist
schwer zu erreichen. Ein individuelles Training in den einzelnen
Dörfern wäre äußerst kostspielig und aus organisatorischer Sicht zu
aufwendig. Aus diesen Gründen ist eine zentrale Einrichtung für die
Ausbildung blinder und sehgeschädigter Menschen unumgänglich. Werden
blinde Menschen während ihrer Ausbildung in einem zentralgelegenen
Institut untergebracht, kann ein Training in blinden-spezifischen
Techniken sehr viel effektiver durchgeführt werden. Da die
Auszubildenden aus ihrem täglichen Umfeld herausgenommen werden,
lernen sie neue Techniken in unbekannten Situationen anzuwenden.
Zudem bietet das Blinden-Zentrum für sehgeschädigte und blinde
Menschen eine Möglichkeit, sich während ihrer zwei bis drei jährigen
Ausbildungszeit über ihre Erfahrungen und Probleme in der Welt der
Sehenden mit anderen Blinden auszutauschen.
Inhalt des vorbereitenden Grundschul-Trainings:
Die Kinder erhalten ein Training in unterschiedlichen
Blindentechniken. Dazu gehört die Orientierung im Raum und in der
näheren Umgebung der Schule, der Gebrauch des Blindenstocks, Essen
mit Stäbchen und grundlegende hygienische Fertigkeiten. Zudem werden
sie im Lesen und Schreiben der tibetischen, chinesischen,
englischen und mathematischen Brailleschrift unterrichtet. Neben
den Blindenschrift-Techniken erlernen sie die Grundlagen der
chinesischen und englischen Umgangssprache. Je nach Alter und
Fortschritt werden die Kinder in eine Frühförderungs-, eine
Orientierungs- und eine Vorbereitungsstufe eingeteilt. Nach ein bis
zwei Jahren sind sie dann auf die Eingliederung in reguläre
Grundschulen vorbereitet und können sich selbst integrieren. Sie und
ihre zukünftigen Lehrer werden regelmäßig durch Mitarbeiter des
Blinden-Zentrums Tibet beraten und unterstützt.

b.
Berufsausbildung
Blinde und sehgeschädigte Jugendliche und Erwachsene können im
Blinden-Zentrum
Tibet ein Mobilitätstraining absolvieren.
Dazu wird ein Berufsaus-bildungsprogramm angeboten, durch das blinde
Menschen
je nach Eignung die Befähigung zu Berufen in folgenden Bereichen
erwerben können:
• Krankenpflege: Tibetische und chinesische medizinische Massage
und Physiotherapie,
• Musische Ausbildung: Gesang, Komposition,
Instrumentalunterricht,
• Büroarbeit: Umgang mit einem, für Blinde ausgestatteten
Computer.
In Shigatse ist eine Trainingsfarm entstanden
• Landwirtschaft: Milch-, Yoghurt- Käseherstellung, Tierhaltung,
Anbau von Gemüse und Getreide
• Geplant werden zusätzlich Berufe in traditionellem Handwerk:
Herstellen von
Strickwaren, Teppichen, Stoffen, Tonwaren und Körben.
c. Förderung
der Selbstintegration
Im Sinne der Braille Ohne Grenzen-Philosophie ist Integration erst
dann erfolgreich, wenn sie vom Blinden selbst vollzogen wird. Daher
legen wir in der Ausbildung von blinden Kindern und Erwachsenen
großen Wert auf die Förderung von Selbstvertrauen und
Selbstakzeptanz. Die Supervision dieser sich selbst integrierenden
blinden Menschen ist notwendig, spielt unserer Erfahrung nach aber
nur eine untergeordnete Rolle.
d. Herstellung von Lehr- und Lernmaterial für Blinde und
Sehgeschädigte
Braille-Druckerei
Das Blinden-Zentrum Tibet errichtete eine Druckerei zur Herstellung
von Schulbüchern in tibetischer, chinesischer und englischer
Brailleschrift. Der deutsche blinde Mathematiker Eberhard Hahn
entwickelte ein Computer-Programm, mit Hilfe dessen geschriebenes
Tibetisch durch die Wyllie Transliteration in Tibetische
Brailleschrift konvertiert werden kann. Mit einem Braille-Drucker
werden dann die tibetischsprachigen Bücher ausgedruckt.

Werkstatt
Blindenspezifische Hilfsmittel, wie: Langstöcke, Schreibgeräte,
Spielzeug usw. werden ebenfalls in diesem Zentrum hergestellt. Zur
Zeit wird eine kleine, sehr handliche Braille-Schreibmaschine für
den Markt in Entwicklungsländern entworfen.
Das Rehabilitations- und Trainingszentrum soll mit der Unterstützung
von Sponsoren noch ca. weitere drei Jahre durch die Organisation
Braille Without Borders und der Tibet Disabled Person's Federation,
unter der Leitung von Sabriye Tenberken und Paul Kronenberg
aufgebaut werden, um dann in tibetische Hände übergeben werden zu
können.
Lokale
Mitarbeiter des Projektes:
• Ein Hausvater und eine Hausmutter leben im Projekt und kümmern
sich um die täglichen Nöte der Kinder. Sie sind während der gesamten
unterrichtsfreien Zeit für sie verantwortlich.
• Eine Köchin bereitet täglich die Mahlzeiten für die Kinder und
Mitarbeiter.
• Zwei Reinigungskräfte sorgen täglich für ein sauberes Zentrum.
• Zwei tibetische Lehrerinnen wurden von Sabriye Tenberken in der
tibetischen Brailleschrift ausgebildet. Sie unterrichten
eigenständig Tibetisch, Chinesisch, Englisch und Mathematik.
• Ein selbst blinder Massagetrainer übernahm den medizinischen
Zweig.
• Zusätzlich haben die Kinder Sport- und Gymnastikunterricht.
• Eine Schreibkraft unterhält die Buchproduktion. Zudem übernimmt
sie den Computerunterricht der Kinder.
• Drei Jugendliche sind mit dem Gebrauch eines Computers vertraut
gemacht. Der Computer ist mit einer Braille-Zeile und einer
Sprachausgabe ausgerüstet, sodass Blinde fast alle gängigen
Programme nutzen können.
Einige Kinder
des Zentrums
Tendsin
Tendsin ist 18 Jahre alt und kommt aus einem kleinen Bauerndorf,
etwa 40 km von Lhasa entfernt. Tendsin ist ein sehr aufgeweckter und
intelligenter Junge. Er ist einer der wenigen blinden Kinder in
Tibet, die in ihrer Dorfgemeinschaft eine eigene Aufgabe hatten und
dadurch gut integriert waren. Während die anderen Kinder in der
Schule über ihren Schulbüchern brüteten, bekam er die
verantwortungsvolle Aufgabe, in den Bergen die Yaks und Ziegen des
Dorfes zu hüten. Tendsin ist in medizinischer Massage und
Physiotherapie ausgebildet. Er hat, zusammen mit 4 weiteren
Schülern, eine eigen medizinischen Massage- und
Physiotherapi-epraxis eröffnet
Gyendsen
Gyendsen ist 17 Jahre alt und kommt aus dem Lhoka-Bezirk, etwa 200
km südöstlich von Lhasa. Mit 9 Jahren, er hatte schon eine
Grundschulklasse erfolgreich absolviert, litt er an einer schweren
Augeninfektion, die aufgrund der großen Entfernung bis zum nächsten
Augenarzt nicht schnell genug versorgt werden konnte. Er ist jetzt
vollkommen blind, kann sich aber sehr gut orientieren. Er reitet und
schwimmt gerne und ist stets ein fröhlicher Junge mit einem
unvergleichlich strahlenden Lächeln. Seit Herbst 2003 geht er in
eine reguläre Schule. Er hat viel Freunde und ist ein
ausgezeichneter Schüler.
Kyila
Kyila ist 20 Jahre alt und kommt aus der Stadt Lhatse. Nach
erfolgreichem Abschluss in der 3-jährigen medizinischen
Massageausbildung eröffnete sie zusammen mit der ebenfalls blinden
Diggi als erste eine eigene Massagepraxis. Kyila studiert im Moment
für ein Jahr Englisch in England.
Norbu
Norbu ist 15 Jahre alt, körperlich aber mit einem 11jährigen zu
verwechseln. Sein Heimatdorf ist etwa 700 km von Lhasa entfernt.
Norbu kann mit einem Auge noch ein bisschen sehen, er ist voller
Energie und darum fast immer in Bewegung. Er ist ausgebildet als
Käser und arbeitet jetzt auf der Farm in Shigatse in der Käserei.

Heutiger Stand
des Projektes
Lokalität des Zentrums
Das Blinden-Zentrum Tibet ist in dem früheren Anwesen einer
bekannten Adelsfamilie im Zentrum der Stadt Lhasa untergebracht. Für
die Bedürfnisse des Trainings- und Ausbildungs-Zentrums weist dieses
Haus ideale Bedingungen auf. Es ist zweistöckig, im tibetischen Stil
erbaut und enthält große Räume, die als Wohn- und Trainings-Räume
für Kinder und Auszubildende genutzt werden. Im Vorderhof errichtete
Paul Kronenberg ein weiteres Schulgebäude im tibetischen Stil.
Dieses Gebäude enthält zwei Klassenzimmer, eine Gymnastikhalle mit
Bad, eine Buchdruckerei, Toiletten und Duschen, zwei Schlafsäle,
drei Wohnräume für Personal und eine Bibliothek. Der Keller wurde
ausgebaut und bietet Platz für einen Musikraum, eine Werkstadt, ein
weiteres Klassenzimmer und ein kleines Teehaus, das als "Teehaus im
Dunkeln" einmal im Monat für Tibeter und Touristen geöffnet wird.
Das Projekt befindet sich in der Nähe des Stadtzentrums. So kann das
Mobilitätstraining in der Stadtmitte durchgeführt werden. Auf diese
Weise gehört bereits ein Blinder, der mit Hilfe seines weißen
Stockes seine Welt erkundet, zum Alltag in Lhasa. Das Anwesen wurde
durch Spenden finanziert, um es für die Blindenbildung in der
Tibetischen Autonomen Region für alle Zeiten zu sichern.
Unterrichtsgruppen
Bis jetzt haben insgesamt 88 Kinder, Jugendliche und Erwachsene im
Blindenzentrum Unterricht bekommen. Der Unterricht gliedert sich in
fünf Klassen:
• a: Frühförderung
Unterrichtsstufe von Kindern zwischen drei und sieben Jahren
• b: Orientierungsstufe
Unterricht für Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, die für ein
Jahr in Blindentechniken ausgebildet werden, um sich dann zu einem
weiteren Werdegang entscheiden zu können
• c: Vorbereitende Grundschulklasse
Unterricht für Kinder, die kurz vor der Einschulung in die
Regelschule stehen.
• d: Berufsausbildung (Massage)
Unterricht in medizinischer Massage und Physiotherapie
• e: Berufsausbildung (Musik)
Der Unterricht richtet sich an musikalisch talentierte Jugendliche
und junge Erwachsene, die in Gesang, Komposition und
Instrumentalunterricht ausgebildet werden.
• Vier Jugendliche wurden bereits erfolgreich ausgebildet. Zur
Zeit findet die musikalische Ausbildung wegen Mangel an
Interessenten nicht statt.
Im Frühjahr 2004 wurde die Trainingsfarm in Shigatse in Betrieb
genommen. Dort werden blinde Erwachsene in Tierhaltung,
Landwirtschaft, Käseherstellung und in handwerklichen Berufen
ausgebildet.
Für die Berufsausbildung blinder Jugendlicher und Erwachsener werden
Berufe gewählt, die zum einen mit speziellen Methoden für Blinde
erlernbar sind und die zum anderen in die kulturellen Bedürfnisse
der tibetischen Gesellschaft integriert werden können.
Medizinische Massage und Physiotherapie:
Da bisher in den meist abgelegenen Regionen Tibets keine
medizinischen Masseure und Physiotherapeuten tätig sind, sieht das
Blinden-Zentrum in der Ausbildung und Ausübung von Massage-Techniken
eine große Berufschance für blinde Tibeter. Die Ausbildung in
Massage wird unter der Leitung eines blinden, in Chengdu
ausgebildeten Massagelehrers durchgeführt. Die Auszubildenden werden
in chinesischen und tibetischen Massagepraktiken unterrichtet. Sie
erhalten zusätzlich eine Ausbildung in westlichen
physiotherapeu-tischen Methoden. Einmal im Jahr erhalten die
Schülerinnen und Schüler einen Intensivkurs in Osteopathie durch
eine selbst blinde Lehrerin aus der Schweiz.

Käseherstellung
Die lang geplante Käseproduktion hat mit der Herstellung des "Lhasarella
naturale" seinen Anfang genommen. In der Käserei der Farm werden
neben Frisch- und Weichkäse-produkten, auch die Herstellung von
Butter, Joghurt und tibetischen Hartkäsen unterrichtet. Im September
2005 hat ein holländischer Käser eine Ausbildung auf der Farm in
Shigatse durchgeführt. Es wird seitdem auch ein „Tibetino-Käse“
hergestellt. Mit dem Verkauf dieser Milchprodukte hoffen wir einen
Teil der laufenden Kosten des Projektes decken zu können.
"Teahouse in the Dark"
Regelmäßig wird das "Teehaus im Dunkeln" für unterschiedliches
Publikum geöffnet. Sehende werden in vollkommender Finsternis von
blinden Kindern zunächst durch einen Dschungel geführt. Man hört
Geräusche, spürt Wind auf der Haut und kann Obstbäume,
Schlingpflanzen und Blumen ertasten. Dann geht es über eine
Hängebrücke und schließlich durch einen Tücherwald. Am Ende gibt es
das Teehaus, in dem alle Besucher verschiedene Getränke bestellen
können und bezahlen müssen. Bezahlt wird mit speziell gefalteten
Geldscheinen. Die Besucher werden darauf im Vorhinein vorbereitet.
Diese Veranstaltungen sollen dem Sehenden eine vielfältige Welt der
Blinden eröffnen. Sie haben jeweils unterschiedliche Themen:
"Geschichten im Dunkeln", "Picknick im Dunkeln" oder "Dancing in the
Dark".
Tibetan
Disabled Person's Federation ( TDPF)
Diese Organisation ist eine Unterorganisation des Chinesischen
Behindertenverbandes. Der Chinesische Behindertenverband hat seit
Mitte der 80iger Jahre unter der Leitung Deng Pu Fengs, dem
behinderten Sohn Deng Xiao Pings Großartiges geleistet. Er hat für
ein neues Behindertengesetz gesorgt, das Blinden, Tauben und
körperlich Behinderten das Arbeitsleben und die Integration
erleichtert. Die Tibetan Disabled Person's Federation, unter der
Leitung von Chinpel (Direktor von TDPF), und Wangchen Gelek
(stellvertretender Direktor), unterstützt das Projekt auf
vielfältige Art. TDPF wird zusammen mit der Organisation "Braille
ohne Grenzen" die Verantwortung für Rehabilitation und Ausbildung
der Blinden Tibets übernehmen und das Blinden-Zentrum im Sinne von
Sabriye Tenberken und Paul Kronenberg weiterführen
AWARDS
and NOMINATIONS:
1999 Sabriye Tenberken erhält den „Norgall- Preis „ des
International Women's Club ,Frankfurt / Main.
1999 Sabriye Tenberken und Paul Kronenberg erhalten in Holland
den "Zilveren Jandaia", einen Preis für die geleistete humanitäre
Arbeit.
2000 Sabriye Tenberken erhält in Berlin den Charity-Bambi
2001 Sabriye Tenberken wird vom World Economic Forum zum "Global
Leader for Tomorrow"ernannt.
2002 Sabriye Tenberken und Paul Kronenberg erhalten den „ALBERT
SCHWEIZER AWARD for charity work „,überreicht von der Johann
Wolfgang von Goethe Stiftung in der Schweiz
2003 Sabriye Tenberken und Paul Kronenberg erhalten im Oktober
2003 von der Holländischen Königin den "Ridder in de orde van Oranje
Nassau", den Orden „ Ritter von Oranien und Nassau“
2004 Sabriye Tenberken wird vom Time Magazine Europa
zum„European Hero 2004“ ernannt.
• Sabriye Tenberken wird von TIME Magazine Asien zum „Asia’s
Hero 2004 „ernannt.
2005 Sabriye Tenberken wird vom World Economic Forum zum "Young
Global Leader“ernannt.
2005 Sabriye Tenberken erhält den „Christopher Award“ in New
York
2005 Sabriye Tenberken erhält den “Luce Hadley Award for
Courage” in New York
2005 Sabriye Tenberken erhält im Oktober in Berlin aus den
Händen von Bundespräsident Dr. Horst Köhler das „Bundeserdienstkreuz
am Bande“
2005 Sabriye Tenberken und Paul Kronenberg erhalten im Dezember
in Berlin den „Nationalen Fundraising Award 2005
2006 September:"Chomolongma Friendship Award" vergeben vom
Gouverneur der Autonomen Region Tibet.
2006 September: Sabriye Tenberken empfaengt den "National
Friendship Award" von der Regierung der V.R. China
2006 Oktober: Sabriye Tenberken wird mit dem "Mother Theresa
Award" geehrt.
2006 Oktober: Braille Without Borders wird mit dem "Mother
Theresa Award" geehrt.
2006 November: Sabriye Tenberken empfaengt den "Kinderpreis" vom
Junior Verlag in Nuernberg |