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Ein
Rundgang mit dem Reiseleiter durch ein Kinderdorf
Ö1-Journal Panorama "Patenreise nach Dharamsala"- 10.1.2007
Im Exilland des Dalai Lama in Nordindien leben etwa 15.000
tibetische Flüchtlingskinder in SOS-Kinderdörfern, davon mehr als
2.000 in Dharamsala. Nicht alle haben Pateneltern.
Ein Zusammentreffen unterschiedlicher Kulturen
Jedes Jahr Mitte Oktober fahren österreichische Pateneltern
tibetischer Flüchtlingskinder nach Dharamsala. Die Buben und Mädchen
wohnen dort in SOS-Kinderdörfern. Viele Patenmütter und -väter sehen
"ihre" Kinder dort zum ersten Mal persönlich. Im Gepäck haben sie
nicht nur Geschenke, sondern auch vielfältige Erwartungen.
Höhepunkt der 14-tägigen Reise ist das "anniversary" - das
"Kinderdorf-Gründungsfest", in dessen Rahmen der Gruppe auch eine
Audienz beim Dalai Lama gewährt wird. Organisiert wird das Treffen
von Save Tibet, der österreichischen Gesellschaft zur Hilfe an das
tibetische Volk.
Strahlende
Gesichter bei der ersten Begegnung mit den Pateneltern.
Das "anniversary“
Das erste Treffen zwischen den Pateneltern aus Österreich und den
Patenkindern aus Tibet findet im Tibetan Children Village auf einem
Sportplatz statt. Viele Kinder verhalten sich dabei eher schüchtern,
vor allem dann, wenn ihre Flucht aus Tibet noch nicht lange
zurückliegt. Andere wiederum reagieren spontan und sehr herzlich in
ihrer Freude, ihre Pateneltern zum ersten Mal leibhaftig vor sich zu
sehen.
In einem jener Dörfer sind die Heimmütter gerade mit den
Vorbereitungen für das "anniversary" - das
SOS-Kinderdorf-Gründungsfest beschäftigt. Gemeinsam mit den Kindern
schmücken und putzen sie jedes Haus. Am Eingangstor wehen bunte
Fahnen. Es herrscht eine freudig-aufgeregte Stimmung. Als der Dalai
Lama am Sportplatz eintrifft, singt ein Mädchenchor tibetische
Lieder. Hunderte Kinder in ihren blau-grauen Schuluniformen sitzen
auf den Rängen, hören den Reden zu und bestaunen die Künste der
Gymnastikgruppe.
Mädchen
in tibetischer Tracht erwarten ehrfürchtig den Dalai Lama.
Zur Audienz beim Dalai Lama
Während die jüngsten Kinder singen, werden die Pateneltern zur
Audienz beim Dalai Lama gerufen. Sie müssen sich einem
Sicherheitscheck unterziehen. Fotoapparate und Videokameras müssen
sie ablegen. Die Obfrau des Save-Tibet-Vereins stellt die Gruppe vor
und überreicht dem Dalai Lama einen Kalender mit Bildern aus seiner
tibetischen Heimat. Ein Mitarbeiter des Dalai Lama macht ein Foto
von der Gruppe.
Alle
wollen auf's Gruppenfoto mit dem 14. Dalai Lama.
Gemeinsames Einkaufen und Ausflüge im Jeep
Am nächsten Tag steht für viele Patenkinder Einkaufen im Ort auf dem
Programm. Nicht alle haben ihren Pateneltern geschrieben, was sie
sich wünschen oder - besser gesagt - notwendig brauchen. Die Wünsche
der Kinder herauszufinden, ist gar nicht so leicht. Damit ist nicht
unbedingt ein Verständigungsproblem gemeint - denn die Buben und
Mädchen, die schon besser Englisch können, übersetzen gerne ins
Tibetische. Es geht vielmehr darum, das Vertrauen der Patenbuben und
-mädchen zu gewinnen.
Erst nach und nach bei den gemeinsamen Ausflügen lernen einander die
Erwachsenen aus Europa und die tibetischen Flüchtlingskinder immer
besser kennen. Auf offenen Jeeps geht es dabei unter anderem zu
einer indischen Obstplantage in der Ebene nach Norbulingka, wo es
nicht nur einen buddhistischen Tempel, sondern auch ein Puppenmuseum
zu bestaunen gibt.
Gefährliche Flucht über den Himalaya
Über die Erlebnisse auf ihrer Flucht sprechen die meisten Kinder
nicht Manche kommen schon mit drei, vier Jahren über 5.000 Meter
hohe Pässe über Nepal nach Indien - von Erwachsenen am Rücken
getragen. Die Größeren von ihnen stapfen durch den Schnee. Es ist
ein enormes Risiko, das sie auf sich nehmen, um in tibetischer
Sprache eine gute Ausbildung zu bekommen. Immer wieder bleiben
Kinder im Schnee liegen und erfrieren.
Die Flüchtlingsgruppen sind meistens in der Nacht unterwegs.
Tagsüber ist die Gefahr zu groß, entdeckt zu werden. Die
chinesischen Grenzwachen schießen nämlich auch auf Kinder, wie ein
Video des rumänischen Bergsteigers und Fotografen Sergiu Matei vom
30.September 2006 beweist.
Ohne Kinderdörfer keine Flüchtlingskinder?
Insgesamt leben derzeit mehr als 15.000 tibetische Flüchtlingskinder
in nordindischen Kinderdörfern. Gäbe es diese Einrichtungen nicht,
würden die Kinder vielleicht weiter bei ihren Eltern - oft sind es
Nomaden - bleiben, meint der österreichische Reiseleiter und
Ethnologe Hubert Fischer. Er lebt seit 25 Jahren in Dharamsala.
In den Dörfern des von China besetzten Tibet gibt es auch wenige
Schulen, und wenn, dann nur schlechte. Da die Eltern um die Existenz
der Kinderdörfer in Nordindien wissen, wollen sie ihren Kindern dort
eine gute Bildung ermöglichen. Deswegen schicken sie ihre Töchter
und Söhne nach Indien. Doch die Kinder sind entwurzelt, auch wenn
sie in der Exilgemeinschaft der Tibeter leben. Er wüsste nicht, was
er täte, wäre er an der Stelle eines tibetischen Vaters, sagt
Fischer.
Text: Elisabet
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