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Rongye Adrak und weitere Tibeter zu
langen Haftstrafen verurteilt
Pressemitteilung
TRCHD, 20.11.07
   
Das Tibetische Zentrum für
Menschenrechte und Demokratie (TCHRD) in Dharamsala/Nordindien ist
zutiefst empört über die heute erfolgte hastige Verurteilung Rongye
Adraks und drei weiterer Tibeter durch das Mittlere Volksgericht von
Kardze und missbilligt auf das schärfste das äußerst harte gegen sie
ergangene Urteil.
Rongye Adrak, der am 29. Oktober 2007 vom Mittleren Volksgericht von
Kardze vierer „Verbrechen“, die von Störung der öffentlichen Ordnung
bis zu Staatsgefährdung reichten, angeklagt wurde, ist einer dem
TCHRD zugegangenen bestätigten Information zufolge heute zu acht
Jahren Gefängnis mit Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte für
weitere vier Jahre verurteilt worden. Adruk Lopoe wurde zu zehn
Jahren, Kunkhen (Jamyang Goinqen) zu neun Jahren und Lothok zu drei
Jahren verurteilt.
Am 29. Oktober war Rongye Adrak, in Handschellen gelegt, dem
Mittleren Volksgericht von Kardze vorgeführt und von diesem für
schuldig befunden worden. Heute wurde er unter der Anklage der
„Aufhetzung zur Spaltung des Staates und der Untergrabung der
Einheit des Landes“ sowie der „schweren Störung der öffentlichen
Ordnung“ zu acht Jahren Gefängnis und Verlust der bürgerlichen
Ehrenrechte auf vier Jahre verurteilt.
Adruk Lopoe, ein Neffe Rongye Adraks, bekam mit zehn Jahren
Gefängnis unter der Anklage der „Verschwörung mit ausländischen
separatistischen Kräften zur Spaltung des Landes und der Verteilung
politischer Pamphlete“ die härteste Strafe. Kunkhen (Jamyang
Goinqen), ein Künstler, der am 22. August willkürlich und ohne
Angabe von Gründen von Organen des Büros für Öffentliche Sicherheit
(PSB) von Lithang festgenommen worden war, wurde wegen
„spalterischer Aktivitäten“ zu neun Jahren Gefängnis verurteilt.
Lothok (ein 36jähriger Nomade und Vater von fünf Kindern aus
Lithang) erhielt von demselben Gericht eine Strafe von drei Jahren.
Es gibt keine Information über den physischen Zustand dieser Männer,
noch wohin sie nach Verkündung des Urteils gebracht wurden.
Rongye Adrak, ein 52jähriger Nomade und Vater von 11 Kindern, wurde
nach seiner friedlichen Solo-Demonstration am 1. August 2007 bei den
jährlichen Reiterspielen von Lithang in Kardze, „Tibetische Autonome
Präfektur“ („TAP“), Provinz Sichuan, verhaftet. Nach Adraks
Festnahme durch Beamte des Büros für Öffentliche Sicherheit (PSB)
von Lithang versammelten sich Hunderte von ortsansässigen Tibetern
und Nomaden aus Lithang und Umgebung vor dem Haftzentrum des PSB, um
ihre Solidarität mit Adrak zu bekunden und seine sofortige
Freilassung zu fordern. Wenig später wurden sie von einem großen
Kontingent paramilitärischer Kräfte in voller Kampfausrüstung unter
Einsatz von Tränengas und Warnschüssen auseinandergetrieben.
Am Abend des 21. August 2007 stürmten Kräfte des PSB und der
Bewaffneten Volkspolizei (People’s Armed Police/PAP) von Lithang in
großer Zahl plötzlich Adraks Heimatdorf Yonru Karshul, Kreis
Lithang, „TAP“ Kardze, Provinz Sichuan, und nahmen mehrere seiner
Neffen fest. Nach Aussage unserer Quelle drangen die PSB- und
PAP-Kräfte zuerst in Adraks Haus ein und fragten nach Adruk Lopoe,
einem Mönch des Klosters Lithang, der den Appell für die Freilassung
Adraks angeführt hatte. Da Adruk Lopoe nicht zu Hause war, nahmen
die Sicherheitskräfte zwei seiner Brüder, Adruk Gyatso und Adruk
Nyima, willkürlich fest und schafften sie gewaltsam in das örtliche
PSB Haftzentrum. Die Milizen von PSB und PAP durchsuchten das ganze
Haus der Familie auf der Suche nach Beweismaterial zur Unterstützung
ihrer Anklage.
Unserer Quelle zufolge stellte sich der 45jährige Mönch Adruk Lopoe,
nachdem er von der Festnahme seiner zwei Brüder erfahren hatte,
wenige Stunden später dem PSB-Kreisamt von Lithang und erklärte dem
diensthabenden Offizier, er sei die Person, die sie suchten, und sie
sollten seine zwei Brüder jetzt freilassen. Ohne auf seine Bitte
einzugehen, nahmen die PSB-Beamten auch ihn fest. Erst sechs Stunden
später wurden Adruk Nyima und Adruk Gyatso wieder auf freien Fuß
gesetzt. Adruk Lopoe, der sich mit Elan für die Ausbildung der
Jugend einsetzte, ist auch ein engagierter Kämpfer gegen die
Entwaldung, den Holzschlag und die Jagd von Wildtieren in seiner
Heimat Kardze.
Auf die Protestaktion und die Verhaftung von Rongye Adrak hin
starteten die chinesischen Behörden einen massiven Feldzug zur
„patriotischen Erziehung“ in allen monastischen Institutionen von
Lithang und sogar in jenen Dorfgemeinden, in denen einige Tibeter
festgenommen worden waren, die sich offen gegen die Behörden
gestellt hatten.
Das TCHRD stellt die Integrität des chinesischen Gerichts in Frage,
das tibetische Nomaden zu langen Haftstrafen verurteilt hat, nur
weil sie gewaltlos ihre grundlegenden Menschenrechte wahrnahmen und
den Wünschen der Tibeter in Tibet auf völlig friedliche Weise
Ausdruck verliehen. Die Tatsache, daß das Mittlere Volksgericht von
Kardze sein Urteil nur dreieinhalb Monate nach der Festnahme der
Beschuldigten sprach, zeigt eindeutig, dass das ganze
Justizverfahren summarisch und willkürlich war.
Das TCHRD wendet sich schärfstens gegen die Verurteilung von Rongye
Adrak und der drei anderen Tibeter, denn indem sie ihr Recht auf
Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung wahrnahmen, verstießen
sie weder gegen die Verfassung noch die Gesetze Chinas. Das TCHRD
ist tief besorgt um das Schicksal von Rongye Adrak, Adruk Lopoe,
Kunkhen und Lothok and ersucht die Regierungen in der ganzen Welt
wie auch die internationale Gemeinschaft um sofortige Intervention.
Da diese Nomaden nichts weiter getan haben, als daß ihre Meinung und
ihre Gedanken frei zum Ausdruck gebracht und ihre grundlegenden
Menschenrechte gewaltlos wahr-genommen haben, appelliert das TCHRD
an die chinesischen Behörden, sie bedingungslos freizulassen.
Angesichts des Überhandnehmens summarischer Gerichtsprozesse und
Verurteilungen an chinesischen Gerichten drängt das TCHRD die
chinesischen Behörden, Rongye Adrak und den mit ihm Verurteilten
eine Wiederaufnahme ihres Verfahrens unter fairen Bedingungen mit
angemessener gesetzlicher Vertretung zu gewähren und sich dabei an
alle nationalen und internationalen rechtlichen Normen zu halten.
Übersetzung: Adelheid Dönges, Revision:
MoKa (IGFM) |