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Ratgeber für Umgang mit Chinesen empört
Frankreich
Basler Zeitung, 10.01.07
Paris. AP/baz.
Wie
kommt man mit Chinesen am besten ins Geschäft? Auf keinen Fall
sollten Tibet, Taiwan oder das Massaker auf dem Platz des
Himmlischen Friedens erwähnt werden. Nachzulesen ist die Empfehlung
in einem neuen Ratgeber des französischen Tourismusministeriums und
offiziellen Fremdenverkehrsbüros. Für Menschenrechtsorganisationen
ist die Broschüre eine Schande für die Grande Nation, die sich gerne
als Vorreiter der Menschenrechte präsentiert.
«Chinesische Touristen - wie man sie am besten willkommen heisst»,
lautet der Titel des 65-Seiten dicken Büchleins. Es soll
französischen Geschäftsleuten helfen, auf den boomenden
Frankreich-Tourismus der Chinesen zu reagieren. 660'000 Gäste aus
dem asiatischen Land besuchten Frankreich 2006, zehn Prozent mehr
als im Vorjahr.
Eine Empfehlung: «Stellen Sie Sojasosse und Chilipaste bereit, damit
chinesische Touristen das französische Essen nachwürzen können - sie
könnten es sonst zu fade finden.» Auf keinen Fall sollte man die
Gäste aus Fernost in einem Hotelzimmer mit der Nummer 4
unterbringen, da diese Zahl mit dem Tod in Verbindung gebracht
werde. Und auf keinen Fall sollte man sich bei Verabredungen
verspäten: «Das wird als Beleidigung verstanden», heisst es in der
Broschüre, die Tourismusminister Leon Bertrand im Dezember
vorstellte.
Politikthemen vermeiden
Dem
Wohlbefinden der Gäste - und potenziellen Geschäftspartner - sind
Gespräche über Politik ebenso abträglich, finden die staatlichen
Herausgeber: «Vermeiden Sie die chinesische Politik, etwa die
Ereignisse auf dem Platz des Himmlischen Friedens oder strategische
Fragen zu Taiwan oder Tibet.» Beim Tiananmen-Massaker wurden am 4.
Juni 1989 hunderte, vielleicht tausende Menschen von chinesischen
Sicherheitskräften getötet. Es war die blutige Niederschlagung der
Demokratiebewegung. Für den Fall, dass Taiwan seine Unabhängigkeit
von China erklärt, hat Peking mit einem Angriff gedroht. Und seit
das Reich der Mitte 1950 Tibet besetzte, werden immer wieder
Vorwürfe wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen gegen Peking
erhoben.
Als
«schändlich» bezeichnete Marcelle Roux, Vorsitzende der Organisation
France Tibet, den offiziellen Ratgeber. Elisabeth Alles von der Liga
für Menschen- und Bürgerrechte nannte sie skandalös. Kritik kommt
auch von Amnesty International. Die Empfehlungen stünden in Einklang
mit der zunehmend zurückhaltenden Politik von Paris und anderer
europäischer Regierungen gegenüber der Menschenrechtslage in China.
«Sie fassen China in dieser sensiblen Frage nur noch mit
Samthandschuhen an», sagte Amnesty-Sprecher Francis Perrin. «Dabei
ist auf lange Sicht nichts gewonnen, wenn man Schlüsselthemen unter
den Teppich kehrt.»
Aussenministerium geht auf Distanz zu Broschüre
Auf
dem Umschlag des Ratgebers prangen die Logos des
Tourismusministeriums und der Fremdenverkehrsagentur Maison de la
France. Dazu findet sich das Leitmotiv der französischen Revolution:
Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Maison-de-la-France-Sprecher
Franck Paillard verteidigte die defensive politische Haltung und
erklärte, Ziel sei es, Gäste aus China nicht zu verärgern. «Es ist
nicht so, dass wir die Themen nicht ansprechen wollten», sagte er.
«Aber die Chinesen fühlen sich dadurch ganz offensichtlich gestört.»
Das französische Aussenministerium distanzierte sich inzwischen von
der Broschüre. Diese spiegele in keiner Weise eine gewandelte
Haltung Frankreichs gegenüber China wieder, erklärte das Aussenamt
gegenüber der AP. |