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Proteste gegen
Tibet-Ausstellung
Spiegel online,
20.02.07
Die Berliner Ausstellung "Tibet-Klöster öffnen ihre Schatzkammern"
sollte zu einem Botschafter der tibetischen Kultur und Religion
werden. Doch schon vor der Eröffnung sorgt die Schau für massiven
Protest.
Tibet : Klöster öffnen ihre Schatzkammern
Berlin
- Es sollte eine spektakuläre Ausstellung werden: Das Museum für
Asiatische Kunst in Berlin-Dahlem zeigt ab morgen zum Teil noch nie
ausgestellte religiöse Kunstschätze aus den Klöstern Tibets.
 Der
Yidam Guhyasamaja-Akshobhya, China, Ming-Dynastie (1403-1424):
Potala, Lhasa
Doch nun melden deutsche Tibet-Organisationen bereits vor der
Eröffnung massiven Protest an. So forderten der Verein der Tibeter
in Deutschland, die International Campaign for Tibet Deutschland und
die Tibet Initiative Deutschland in einer gemeinsamen Erklärung
Bundespräsident Horst Köhler "als Schirmherr der Ausstellung" dazu
auf, "zu Religionsunterdrückung, politischer Verfolgung und
systematischer Benachteiligung in Tibet Stellung zu beziehen".
Denn die Ausstellung sei eine "unerträgliche Ausblendung
historischer Wahrheit", teilte die International Campaign for Tibet
mit. Es werde nicht darauf hingewiesen, dass ein Großteil der
tibetischen Kunstschätze in den sechziger und siebziger Jahren von
den chinesischen Invasoren zerstört worden seien. Die politische
Geschichte Tibets sowie aktuelle Menschenrechtsverletzungen würden
"konsequent ausgeklammert".
Eine Bedingung für die Realisierung der Ausstellung mit bis zu 1500
Jahren alten Kunstwerken war jedoch, "dass die Ausstellung nicht
politisch ausgenutzt werden darf - von keiner Seite", wie die
Kuratorin und Ostasien-Wissenschaftlerin Jeong-Hee Lee-Kalisch
sagte.
Die Ausstellung ist eine Weltpremiere, da zum ersten Mal einige der
bedeutendsten Klöster Zentraltibets Schätze aus ihren reichen
Sammlungen als Leihgaben zur Verfügung stellten, um sie als
Botschafter der tibetischen Kultur und Religion einem westlichen
Publikum zugänglich zu machen, wie die Ausstellungsmacher betonten.
Zu den glanzvollen Skulpturen, farbenprächtigen Gemälden, kostbaren
Manuskripten und reich verzierten Altargeräten gehört auch die
goldene und mit Juwelen verzierte Skulptur des tausendarmigen
Avalokiteshvara, der "Gottheit des unermesslichen Mitgefühls", die
sich im Dalai Lama reinkarniert. Fast unscheinbar dagegen, aber
unglaublich gut erhalten ist die älteste Buddha- Skulptur aus dem
Jahr 473 nach Christus.
Darüber hinaus sind Werke aus den Residenzen der Dalai Lamas und aus
dem Tibet Museum in Lhasa zu sehen. Viele dieser Gemälde, Schreine
und Buddhafiguren haben Tibet noch nie zuvor verlassen, da sie bis
heute als Ritual- und Kultobjekte dienen. Die Ausstellung mit etwa
150 Kunstwerken, die so noch nie in Europa gezeigt wurden, feierte
zuvor in der Essener Villa Hügel einen großen Erfolg.
albi/ddp/dpa
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