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*Paten ohne
Zeigefinger*
Süddeutsche
Zeitung, 31.1.07
Chinesen sind in Afrika beliebt, weil sie nicht belehren
von
Arne Perras
Kampala
- Wer bei Afrikanern zum Tee geladen ist, kann manchmal noch Relikte
alter Zeiten bewundern, hübsches Geschirr, auf dem der
Produktionsstempel aus Großbritannien eingebrannt ist. Aber diese
Stücke werden rar, meistens ist auf der Unterseite etwas anderes zu
lesen:
"Made in China". Auch auf den Straßen ist die Zeitenwende
unübersehbar, viele Trucks und Minibusse, die über Afrikas Pisten
holpern, tragen chinesische Schriftzeichen. Und wer auf dem
Kontinent reist, der begegnet in Hotels fast überall chinesischen
Geschäftsleuten, die so ziemlich mit allem handeln, was man sich
vorstellen kann.
Afrikanische Regierungen haben ihre Arme für die Chinesen weit
geöffnet. Euphorie hat sich breitgemacht über den neuen großen
Bruder aus Fernost, der so viel verspricht und tatsächlich einiges
anschiebt. Vor allem aber gefällt vielen Afrikanern, dass sich die
Asiaten den belehrenden Zeigefinger verkneifen, den die früheren
Kolonialmächte so gerne bemühen. Dies ist ein nahezu unschlagbarer
psychologischer Vorteil im Wettbewerb umd die Gunst dieser Staaten.
Und mit diesem Pfund wuchtert China, wo es kann.
Noch tun sich afrikanische Länder schwer, die langfristigen
Auswirkungen der chinesischen Politik abzuschätzen, es hängt auch
sehr vom Blickwinkel ab, zu welchem Urteil sie kommen. Präsidenten
und Minister setzen oft große Hoffnung in die Beziehungen,
regierungsnahe Kolumnisten schreiben Lobgesänge auf den neuen
Freund, mit Überschriften wie "China und Afrika Hurra". Vor allem
schwingt dabei mit, dass sich die Chinesen wohltuend abheben würden
von den "großen Meistern des Universums", wie ein ugandischer
Beobachter schrieb.
Gemünzt ist dies auf die früheren europäischen Kolonialmächte und
wohl auch auf die Amerikaner. Diese Länder stünden für eine
bestimmte "Methode von Imperium", die prahlerisch sei,
einschüchternd und belehrend. China dagegen begegne den Afrikanern
auf Augenhöhe, betrachte
sie als ebenbürtige Partner. Und diese Botschaft, die von
einflussreichen Publizisten in Afrika befördert wird, dürfte Gehör
finden auf einem Kontinent, dessen Menschen sich vom Rest der Welt
ausgeschlossen fühlen.
Ob die Chinesen die Erwartungen ausfüllen können, muss sich noch
erweisen. Und natürlich teilen nicht alle afrikanischen Politiker so
positive Einschätzungen. Südafrikas Präsident Thabo Mbeki hat sich
bislang am lautesten gegen diese Sicht der Dinge gewandt. Er warnte
vor einem chinesischen Kolonialismus, der die heimische Wirtschaft
gefährden könne. Probleme dieser Art zeigen sich längst;
Billigprodukte aus Fernost überschwemmen den Kontinent, sodass
afrikanische Kleinproduzenten wie Schneider nur noch schwer bestehen
können. Auch andere Klagen werden laut. In Sambia mehren sich
Vorwüfte, dass chinesische Investoren die Minenarbeiter schlecht
behandelten. Und wer mit Leuten im Südsudan spricht, bekommt zu
hören, dass China im Ölgeschäft so viele eigene Arbeiter mitbringt,
dass für Afrikaner keine Jobs mehr blieben.
Der Westen scheut das Risiko
Andererseits investieren die Chinesen immer häufiger dort, wo es
westlichen Unternehmern zu riskant erscheint. Sie bauen fleißig
Straßen, Brücken, Eisenbahnen, von denen es überall zu wenige gibt.
Das kann die Entwicklung eines Landes manchmal weiterbringen als
alle gut gemeinten Hilfsprojekte des Westens zusammen. Dass Chinesen
kühl kalkülieren, schreckt die Afrikaner nicht. Im Gegenteil, bei
manchen kratzt es am Selbstwertgefühl, dass sich die Europäer nur
als barmherzige Helfer sehen, anstatt auszuloten, ob sie nicht auch
Geld in ganz normale Geschäfte stecken können.
Wer sich in Afrika für Menschenrechte und Demokratie engagiert,
sieht die Rolle der Chinesen meist skeptischer als die Vertreter der
Regierungen. Denn es gibt einige drastische Fälle, in denen die
Chinesen skrupellose Regime stützen, um eigene
Wirtschaftsinteressen zu schützen oder ihren Einfluss auszubauen.
Simbabwe ist ein gutes Beispiel und auch der Sudan, der seinen Krieg
in Darfur auch deshalb so brutal führen kann, weil Peking als
Veto-Macht im UN-Sicherheitsrat starken Druck auf Khartum
verhindert. Dass China propagiert, es sei gegen jede Einmischung in
die inneren Angelegenheiten anderer Staaten, mag noch andere
Autokraten dazu verlocken, Peking als Paten zu wählen -- und nicht
die lästig nachbohrenden Europäer.
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