Peking/dpa.
China will die olympische Fackel auf dem höchsten Berg der Welt
entzünden und dann zur Eröffnung der nächsten Spiele nach Peking
tragen lassen. Damit der Fackellauf im nächsten Jahr zügig
vonstatten geht, ist in dieser Woche mit dem Bau einer über 100
Kilometer langen befestigten Straße zum Mount Everest begonnen
worden. Die Kosten für den Ausbau des bisherigen Schotterweges zum
5200 Meter hoch gelegenen Basislager sollen mit 150 Millionen Yuan
(etwa 15 Millionen Euro) relativ bescheiden ausfallen. Die neue,
von der Ortschaft Tingri ausgehende Straße soll aber nicht nur dem
Fackellauf, sondern auch dem Touristenverkehr zum Mount Everest
dienen, wie amtlichen chinesischen Medien zu entnehmen ist.
«In den letzten
Jahren sind immer mehr Touristen in das Everest-Basis-Lager
gekommen», sagte der Chef der tibetischen Regionalregierung,
Qiangba Puncog, am Mittwoch Journalisten. Touristen hätten immer
wieder geklagt, der bisherige Weg zum Qomolangma (Everest) sei «in
schlechtem Zustand und unsicher».
Tatsächlich
erfordert der Weg von Tingri zum Everest von der Handvoll
Jeepfahrer, die im Sommer täglich Touristen und Bergsteiger
transportieren, größte Umsicht und hohes Können: Steinschlag,
Erdrutsche und Sturzbäche sind an der Tagesordnung. Manchmal wird
der Weg nach oben auch von Erdbeben erschüttert.
Die
Zentralregierung in Peking verspricht sich von Strukturmaßnahmen
dieser Art eine Verbesserung der Lebensbedingungen der rund 2,8
Millionen Einwohner der Region Tibet, die 1951 von chinesischen
Truppen besetzt wurde. Verwaltungschef Puncog beziffert die Zahl
der Tibeter in der Region auf 92 Prozent. Nicht dazu gerechnet
werden aber offensichtlich die in Tibet stationierten chinesischen
Soldaten und Hunderttausende chinesischer Wanderarbeiter.
Viele Exil-Tibeter
sind dagegen, dass das Olympische Feuer vom Mount Everest durch
Tibet nach Peking getragen wird. Sie argwöhnen, China wolle den
Fackellauf politisch ausbeuten. Das geistige Oberhaupt der
Tibeter, der im indischen Exil lebende Dalai Lama, hat sich bisher
zum chinesischen Everest-Projekt nicht geäußert. Die Eröffnung der
ersten chinesischen Eisenbahnverbindung in die Region zum
Jahresbeginn hatte er allerdings als Sprungbrett für den Beginn
einer «zweiten Invasion» Tibets bezeichnet.
Unabhängig von
politisch motivierten Bedenken haben sich indische Umweltexperten
gegen die neue Straße zum Mount Everest ausgesprochen. «Derartige
Eingriffe von Menschenhand sind gefährlich für den Himalaja,
besonders im Hinblick auf die drohende Erderwärmung», sagte der
Gletscherexperte Syed Iqbal Hasnain der «Times of India».