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Olympia 2008 in China: Countdown für die Menschenrechte?
 Europa
Parlament, 04.12.07
Menschenrechte
Peking
bereitet sich auf die Olympischen Sommerspiele 2008 vor. Die EU
sollte in der verbleibenden Zeit die chinesische Führung ganz
besonders deutlich zur Einhaltung der Menschenrechte auffordern und
auch die Lage Tibets zur Sprache bringen – so jedenfalls die
Teilnehmer einer Anhörung im Unterausschuss für Menschenrechte und
einer Konferenz zu Tibet, die im November im Europäischen Parlament
stattfanden.
Von verstärkten
Kontrollen, zunehmender Zensur der Medien und Gängelung von
Dissidenten und Anhängern der Falung-Gong-Sekte berichteten
Teilnemer einer Anhörung am 26. November. Auch Zwangsarbeit,
politisch motivierte Verhaftungen und Folter seien weiter an der
Tagesordnung, berichteten Vertreter von Menschenrechtsorganisationen
während der Anhörung.
Der chinesische „Cyber-Dissident" Hu Jia, der per Internet-Telephon
zugeschaltet war, sprach von einem Menschenrechtsdesaster und einer
Millionen verfolgter Chinesen in Gefängnissen, Lagern und
geschlossenen Anstalten für geistig Kranke.
Während der Westen glaube, die Olympischen Spiele in China könnten
zur Demokratisierung und einer Öffnung des Landes beitragen, nutzten
die chinesischen Machthaber die Spiele, um ihre Politik zu
legitimieren, so Hu Jia. Er forderte Europa auf, am Waffenembargo
gegen China festzuhalten.
Kann der Sport Menschenrechte und Demokratie befördern?
Diskutiert wurde auch, ob der internationale Sport Druck auf China
ausüben könne und solle. Der ungarische EU-Abgeordnete Pál Schmitt
(Europäische Volkspartei - Europäische Demokraten, EVP-ED), der bei
der Anhörung das Internationale Olympische Komitee (IOK) vertrat,
meinte zunächst, das IOK sei nicht in einer Position, die
Menschenrechtslage in China zu beurteilen oder die chinesische
Führung unter Druck zu setzen.
Schmitts Fraktionskollege, der britische Europa-Abgeordnete und
Parlamentsvizepräsident Edward McMillan-Scott erinnerte daran, dass
das IOK in der Vergangenheit Südafrika zur Zeit der Rassentrennung
von den Spielen ausgeschlossen hatte. Schmitt räumte gegen Ende der
Diskussion ein, dass eine politische Erklärung des IOK zur
Menschenrechtslage durchaus angebracht sein könnte und versprach,
sich im IOK dafür einzusetzen.
Die Vorsitzende des Unterausschusses für Menschenrechte, die
französische Grünen-Abgeordnete Hélène Flautre kritisierte, dass die
chinesische EU-Botschaft einer Einladung zu der Anhörung nicht
gefolgt war.
Tibet-Konferenz
Bereits Anfang November hatten Europa-Abgeordnete aus
unterschiedlichen Fraktionen (Mitglieder der „Tibet-Intergroup“)
eine Konferenz über Tibet organisiert, an der Parlamentspräsident
Hans-Gert Pöttering, Menschenrechtsaktivisten, Diplomaten und
Abgeordnete sowie Vertreter des Sports,
darunter Leichtathletik-Olympia-Sieger Dieter Baumann, teilgenommen
haben.
Dabei wurden unter anderem die Lage von tibetischen Sportlern und
die Umweltzerstörung in Tibet und China thematisiert. Erinnert wurde
auch an die Unterdrückung und systematische Unterwanderung des
tibetischen Buddhismus.
Während der Veranstaltung bemängelte Vincent Metten vom EU-Büro der
Internationalen Kampagne für Tibet, dass die Weltgemeinschaft die
Olympiade nicht nutze, um stärkeren Druck auf China auszuüben.
Umgekehrt sei zu beobachten, dass China den Überwachungsdruck in
Tibet im Vorfeld der Spiele erhöhe.
Pál Schmitt sprach sich während der Konferenz gegen einen Boykott
der Olympiade in Peking aus, dies würde „nichts lösen, aber die
Karrieren von Sportlern unwiederbringlich schädigen“.
Team Tibet in Peking?
Die Konferenzteilnehmer forderten in einem Abschlusskommuniqué,
„tibetischen Exil-Sportlern die Teilnahme an den Olympischen Spielen
2008 in Peking zu ermöglichen“.
Der hessische CDU-Abgeordnete Thomas Mann (Vorsitzender der
Tibet-Intergroup) sagte in diesem Zusammenhang, er unterstütze
„ausdrücklich den Vorschlag von Dieter Baumann, den tibetischen
Exilsportlern zumindest eine Olympia-Teilnahme unter der Flagge des
IOK zu ermöglichen." Während der Konferenz hatten tibetische
Sportler die „Team Tibet“- Initiative vorgestellt.
Die Ko-Vorsitzende der Grünen im Europaparlament, die italienische
Abgeordnete Monica Frassoni, forderte, man müsse die Einstellung
überwinden, dass man sowieso nichts tun könne. Vielmehr solle man
sich auf einige wenige Themen konzentrieren und in der verbleibenden
Zeit bis zur Olympiade diese „weise nutzen“. |