Ein Jahr vor den
Olympischen Spielen zeigt China nach Ansicht von Menschenrechtlern
"keine bedeutenden Fortschritte" in Menschenrechtsfragen. Aus
Sorge um die Stabilität verschärften die Behörden vielmehr die
Kontrolle chinesischer Aktivisten und Medien, um jeden Protest vor
den Spielen zu ersticken, beklagte heute die in New York ansässige
Menschenrechtsorganisation Human Rights in China (HRiC)
in einem Bericht zum 8. August, wenn der Countdown für die Spiele
ein Jahr vor der Eröffnungsfeier beginnt. Exiltibeter riefen zu
einem "globalen Aktionstag für Tibet" auf. Am Jahrestag sind
Protestaktionen an chinesischen Botschaften in der Hauptstädten
der Welt geplant. Dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC)
soll eine Petition übergeben werden, in der freier Zugang für
Journalisten in Tibet gefordert wird.
Der
HRiC-Asiendirektor Brad Adams beklagte, anstelle eines
vorolympischen "Frühlings mit größeren Freiheiten und Toleranz
gegenüber Andersdenkenden, sehen wir die Knebelung von
Dissidenten, Verfolgung von Aktivisten und Versuche, unabhängige
Berichterstattung zu verhindern". Die chinesische Regierung
fürchte, durch die Enthüllung von sozialen und politischen
Problemen in eine peinliche Situation zu geraten, verstehe aber
nicht, dass eine solche autoritäre Unterdrückung "noch
beschämender" sei. Die Organisation führte
Menschenrechtsverletzungen wie Folter, Zensur der Medien und des
Internets, Einschränkungen der religiösen Freiheiten und eine
Unterdrückung ethnischer Minderheiten in Tibet und Xinjiang auf.
China habe
die größte Zahl an Hinrichtungen. Gerichtsverfahren seien höchst
mangelhaft. Angeklagte hätten keinen Zugang zu angemessener
Verteidigung. Gerichte seien nicht unabhängig. Beweise seien oft
durch Misshandlungen erzwungen, beklagte HRiC. Der Sprecher der
FDP-Bundestagsfraktion für Menschenrechte und humanitäre Hilfe,
Florian Toncar, sagte in Berlin, die Bundesregierung müsse in
Peking endlich einfordern, dass die chinesische Regierung ihren
Teil der Olympia-Abmachung einhalte und die Menschenrechtslage
verbessere. Ein Jahr vor den Spielen sei von den einst
versprochenen Fortschritten bei den Menschenrechten in China nicht
viel zu spüren. Die Menschenrechtsorganisation Reporter ohne
Grenzen hatte Ende Juni eine Kampagne für Meinungsfreiheit in
China
gestartet.
(dpa) /
(anw/c't)