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Liebe und Leid
beim Eisenbahnbau
FR-online,
27.04.07
  
Die
chinesische Führung ließ einen melodramatischen Spielfilm über die
Errichtung der Bahnstrecke nach Tibet drehen.
Es war das
ehrgeizigste und umstrittenste Eisenbahnprojekt Chinas: der
Tibet-Express aufs "Dach der Welt", von dem einst schon der "große
Vorsitzende" Mao Tsetung träumte.
Dass die
höchstgelegene Eisenbahnlinie weltweit nach einem finanziellen und
technischen Kraftakt im letzten Sommer tatsächlich den Betrieb
aufnahm, war bereits ein riesiger PR-Erfolg für die kommunistische
Führung.
Bereits
abgedreht
Doch damit nicht genug: Jetzt liefert die Errichtung der Bahnlinie
auch noch den Stoff für einen aufwendigen Propaganda-Spielfilm. Das
staatliche Filmstudio China Film Group arbeitet an "Qingzang Line",
einem epischen, generationsübergreifenden Drama über die hart
arbeitenden Eisenbahningenieure der Tibet-Linie.
Der Streifen ist
bereits abgedreht und wird derzeit geschnitten. Ein Starttermin
steht noch nicht fest, aber dass die China Film Group versuchen
wird, den Film auch international zu vermarkten, ist so gut wie fix.
Arbeiter bringen
Opfer
Im Mittelpunkt des Films steht der Ingenieur Yu Mingyuan, dessen
Vater, ein Landvermesser, schon in den 50ern an der Bahnlinie
arbeitete und bei katastrophalen Wetterbedingungen ums Leben kam.
"Qingzang Line"
rückt die Strapazen und die Opferbereitschaft der Bahnarbeiter für
die "größere Sache" in den Mittelpunkt. Zwei Jahrzehnte nach dem Tod
seines Vaters ist Yu ein leitender Ingenieur des Bahnprojekts. Das
schlechte Wetter sorgt auch in dieser Generation für Unglück und
kostet einen Kollegen und Yus erste Liebe das Leben.
Der Ingenieur
verliebt sich unglücklich in eine Expertin für Höhenkrankheit, die
seiner verstorbenen Freundin ähnelt, doch sie ist schon vergeben.
Und schließlich sagt er auch noch einen Besuch bei seiner sterbenden
Mutter ab, weil die Vollendung der "Qingzang Line" wichtiger ist.
Auf über 5.000
Meter Höhe
Qingzang ist der zusammengezogene Name der chinesischen Provinz
Qinghai und des angrenzenden Autonomen Gebiets Tibet, das im
Chinesischen Xizang heißt.
Die Trasse führt
über 1.956 Kilometer von der Provinzhauptstadt Xining durch das
Kunlun- und Tanggula-Gebirge. Fast die Hälfte davon liegt mehr als
4.000 Meter über dem Meeresspiegel. Der höchste Punkt misst 5.072
Meter - 255 Meter höher als die peruanische Andenbahn.
Das chinesische
Prestigeprojekt wird von Exil-Tibetern scharf kritisiert. Sie
fürchten eine weitere kulturelle Angleichung der Tibeter und
prophezeien gar eine "zweite Invasion" per Bahn.
Liebe im Zweiten
Weltkrieg
"Qingzang Line"-Regisseur Feng Xiaoning hat sich schon mit seinen
früheren Filmen der Pekinger Führung angedient. In "Liebeskummer am
Gelben Fluss" (1999) geht es etwa um einen US-Piloten, der im
Zweiten Weltkrieg über China abstürzt und sich in eine mutige
chinesische Soldatin verliebt.
China setzte
damals - vor der Ära weltweit erfolgreicher chinesischer
Schwertkampf-Epen - viel daran, den Film international in die Kinos
zu bringen, doch bei westlichen Kritikern fiel er durch.
Joint Venture
mit Warner
Diesmal stehen die Chancen besser: Die China Film Group ist seit
2004 in einem Joint Venture mit dem Hollywood-Studio Warner Bros.
verbunden. Warner brachte unter anderem den Chen-Kaige-Film "Wuji -
Die Reiter der Winde" in die Kinos.
Die China Film
Group ist derzeit mit einem weiteren Propaganda-Großprojekt
beschäftigt. Das Kriegsepos "The Battle of Red Cliff", der erste
Film, den Starregisseur John Woo nach über einem Jahrzehnt in
Hollywood in China dreht, soll unbedingt vor den Olympischen Spielen
2008 in die Kinos |