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Koch lobt und tadelt Peking


China- und Tibet-Reise

Hr online, 24.07.07

Fünf Tage lang weilte Ministerpräsident Koch auf dem "Dach der Welt" (Bild: hr)

Am Dienstagnachmittag ist Ministerpräsident Roland Koch (CDU) von seiner zehntägigen China- und Tibet-Reise zurückgekehrt. In Peking hatte er die chinesische Führung kritisiert und an sie appelliert, einen echten Dialog mit dem Dalai Lama aufzunehmen.

Wenn einer eine Reise tut, kann er was erzahlen. So auch Hessens "Landesvater". Erstmals besuchte Koch Tibet. Auf Einladung der chinesischen Regierung sollte er sich ein anderes Bild vom "Dach der Welt" machen – und sehen, wie China die wirtschaftliche Situation Tibets täglich verbessere. Koch besichtigte nicht nur Klöster, Tempeln und den Potala-Palast des ins Exil geflüchteten Dalai Lamas, sondern sprach auch mit einer ausgewählten Bauernfamilie und mit Vertretern der tibetischen Regierung. Koch berichtete von "schönen und beeindruckenden Erlebnissen". Fünf Tage lang hielt er sich zusammen mit Vertretern aller Landtagsfraktionen und Journalisten in Lhasa und Shanan auf.

Dalai Lama soll einbezogen werden

Doch Koch machte das Spiel nicht mit. Er sei "in kritischer Neugierde" nach Tibet gekommen, erklärte er gleich zu Beginn seiner Reise. Und hielt sich denn auch mit Kritik an der Tibet-Politik Chinas nicht zurück. Der hessische Ministerpräsident forderte Pekings Führung auf, die bislang erfolglos verlaufenen Gespräche mit den Gesandten des Dalai Lamas zu intensivieren. Er verlangte, dass der höchste Religionsführer des tibetischen Buddhismus in die Gespräche einbezogen werde. "Die Zeit ist reif für ernsthafte Gespräche", sagte Koch gegenüber der hessenschau.

Koch warnte Peking vor einer Vezögerungstaktik. Das Kalkül, auf den Tod des Dalai Lamas zu warten, um dann eine eigene Wiedergeburt des Religionsführers aussuchen zu können, sei fatal. "Nach dem Tod des Dalai Lama entsteht ein Vakuum. Das darf man nicht ohne Not riskieren." Von den Tibetern zu fordern, dass sie sich zuerst dem chinesischen Geschichtsbild unterwerfen müssten, sei zudem ein Ansatz, der Verhandlungen abtöte.

Koch kritisierte außerdem die Beschränkungen der Religionsausübung in Tibet. "Religion ist dort in ihrer Ausübung nicht so, wie wir es uns vorstellen."

Protest am Deutschland-Besuch des Dalai Lama "schädlich"

Den scharfen Protest Pekings gegen den derzeitigen Besuch des Dalai Lamas in Deutschland hält Koch "schädlich für China". Der Religionsführer des tibetischen Buddhismus genieße in Deutschland so viel Akzeptanz wie der Papst.

Ein bisschen Lob hatte Koch aber doch noch für China übrig. Er begrüßte die wirtschaftliche Unterstützung der chinesischen Regierung für Tibet.

Seit über 20 Jahren ist Koch mit dem Dalai Lama befreundet. Im vergangenen Jahr besuchte der religiöse Führer des tibetischen Volks Wiesbaden und wurde wiue ein Popstar gefeiert. Der Dalai Lama flüchtete 1959 nach einem Volksaufstand und lebt inzwischen im indischen Exil.

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