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Klimawandels im Reich der Mitte: Wasserknappheit und Ausdehnung
der Wüsten
Die Presse, 08.02.07
Sein
Ziel, weniger CO2 in die Luft zu blasen, hat das Land weit verfehlt.
Folgen des Klimawandels im Reich der Mitte: Wasserknappheit und
Ausdehnung der Wüsten.
Von unserer Korrespondentin JUTTA LIETSCH
Gelblich-blau
steht der Himmel über Peking, scharf peitscht der Wind durch die
Straßen, bläst Staub und Sand durch die Fensterritzen. Ungewöhnlich
früh meldeten sich heuer die Vorboten der Frühjahrsstürme. 2006
fegten die Winde aus den Wüsten- und Lössgebieten des Nordwestens 17
Mal durch die Straßen Pekings und hinterließen allein im April rund
300.000 Tonnen Sand und Staub. Heuer, warnte die chinesische
Umweltbehörde, muss sich Peking auf besonders viele Sandstürme
gefasst machen, da es ungewöhnlich warm war. Kein Schnee hält den
Sand am Boden.
Nicht nur
Stürme, auch Überschwemmungen, Taifune und Dürren häufen sich in
China: 2704 Menschen starben allein im Vorjahr unter extremen
Wetterereignissen. Schaden: 21 Milliarden Euro. Prognose: In den
kommenden Jahren wird es nur noch schlimmer.
Jahrzehntelang hatten Umweltschützer in Peking vor den dramatischen
Entwicklungen gewarnt, die sich zunächst oft in abgelegenen Gegenden
des riesigen chinesischen Reiches ankündigten. Dabei ist das Land
Opfer und Täter zugleich: Sein Ziel, weniger Treibhausgase in die
Luft zu blasen, hat China im vergangenen Jahr weit verfehlt: Als
"schwarzes Jahr für die Umweltsituation" bezeichnete
Umwelt-Vizeminister Pan Yue das Jahr 2006 - obwohl im Januar letzten
Jahres ein neues Gesetz zur Förderung erneuerbarer Energien in Kraft
trat, das saubere Kraftwerke fördern soll.
Ein im
Januar gegründetes Klima-Institut soll die Regierung dabei beraten,
wie sie auf die Folgen des Wetterwandels reagieren muss. Die
Chinesische Akademie der Wissenschaften wird die Arbeit von elf
Ministerien und Forschungsstellen koordinieren - neben dem Umweltamt
auch die mächtigste Wirtschaftsbehörde Chinas, das Nationale
Entwicklungs- und Reformkomitee.
Es ist kurz
vor zwölf: Immer knapper wird das Wasser, weil immer mehr Menschen
immer mehr verbrauchen. Aber auch das wärmere Klima ist
mitverantwortlich dafür, dass viele Seen, die noch auf alten Karten
verzeichnet sind, inzwischen ganz oder teilweise verdunstet sind.
Selbst der riesige Qinghai-See im Westen Chinas könnte in spätestens
zweihundert Jahren verschwunden sein, warnen Chinas Geologen.
Gleichzeitig schmelzen die Gletscher in atemberaubender
Geschwindigkeit: In den Höhen des Himalaya schrumpften die Eisdecken
in den vergangenen 30 Jahren um über 131 Quadratkilometer jährlich.
Berghänge in Tibet, die früher regelmäßig vom Schnee bedeckt waren,
liegen heute frei. Die Schneegrenze hat sich durchschnittlich um 100
Meter zurückgezogen, in manchen Höhen sogar um 350 Meter.
Kurzfristig
hat die Schneeschmelze dazu geführt, dass Täler und Ebenen des Dachs
der Welt feucht und fruchtbar geworden sind. Vielerorts entstanden
sogar neue Seen. Doch die Katastrophe ist abzusehen: Bis Mitte des
Jahrhunderts werden die Gletscher nach Berechnungen chinesischer
Experten um weitere 28 Prozent abnehmen - selbst wenn es ab jetzt
nicht mehr wärmer werden sollte. Die Folge: Die Wasserreserven des
Plateaus werden stark schrumpfen.
Die Folgen
sind unabsehbar, nicht nur für China, sondern für ganz Asien. Denn
das Qinghai-Tibet-Plateau, ein Viertel der chinesischen Landmasse,
ist die Quelle für viele der wichtigsten Flüsse Asiens: Hier
entspringen Yangtse, Mekong, Ganges, Brahmaputra und der Gelbe
Fluss. |