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Kurzfassung des Jahresberichts 2006 der TCHRD
Im Jahr 2006 gab
es eine ganze Reihe schlimmer Entwicklungen, und die chinesischen
Behörden in Tibet ließen keinerlei Anzeichen für irgendein Nachgeben
erkennen. Das ganze Jahr hindurch wurden immer wieder Verstöße gegen
die Menschenrechte von uns dokumentiert, welche sowohl die
bürgerlichen und politischen als auch die wirtschaftlichen,
sozialen und kulturellen Rechte des tibetischen Volkes betrafen.
Willkürliche Festnahmen, Inhaftierung und die Zustände in den
Gefängnissen in Tibet sind so entsetzlich wie eh und je. Im
vergangenen Jahr zogen besonders zwei Ereignisse weltweite
Aufmerksamkeit auf sich: der Start der Eisenbahnlinie Gormo-Lhasa
und die Tragödie am Nangpa-Paß. Sie ließen die allgemeine Besorgnis
wegen des kulturellen Genozids in Tibet weiter anwachsen und machten
die Not der Tibeter deutlich, die wegen der Verletzung ihrer Rechte
aus dem chinesisch besetzten Tibet fliehen.
Die Gormo-Lhasa Eisenbahn nahm im Juli 2006 offiziell ihren Betrieb
auf. Seitdem die Pläne zu ihrem Bau bekannt wurden, war diese
höchste Eisenbahnlinie der Welt ständig Gegenstand von Kontroversen.
Unter den vielfältigen Bedenken dagegen sind die wegen der
politischen Motive und der Aspekt der ethnischen Säuberung besonders
wichtig. So behauptet die chinesische Regierung steif und fest, die
Bahn diene in erster Linie der Entwicklung und dem Ausbau des
Tourismus. In Wirklichkeit jedoch geben die Stationierung von
Soldaten in großer Zahl und der gewaltige Zustrom von chinesischen
Siedlern, die offensichtliche strategische und politische Bedeutung,
die Bedrohung der Umwelt und das mit dem Bau der Eisenbahn
einhergehende Hegemonialstreben der Chinesen Grund zu tiefer Sorge.
Die Bahn fördert den Zustrom riesiger Menschenmassen und die
Ansiedlung unzähliger Han-Chinesen: Tibet wird sich unweigerlich
physisch und kulturell verändern, womit die tibetische Identität
allmählich verloren geht. Die Region wird eine beispiellose
Ausbeutung ihrer Bodenschätze erleben, die Schaffung von neuen
Arbeitsplätzen und Unternehmen wird plötzliche und gewaltige
demographische Veränderungen zur Folge haben.
Die entscheidenden Faktoren wie wissenschaftliches und technisches
Know-how, Fachkenntnisse und Erfahrung, über die hauptsächlich
Chinesen verfügen und die von der Regierung gebotenen Anreize werden
einen gewaltigen Bevölkerungstransfer auslösen, während die Tibeter
in ihrem eigenen Land völlig ausgeschlossen und an den Rand gedrängt
werden. Obwohl die Regierung sehr viel Aufhebens von der Entwicklung
und den Segnungen des Tourismus macht, haben die Bauern und Nomaden
dabei keine Stimme und ihre Anliegen bleiben unberücksichtigt. Mit
80% ist der tertiäre Sektor der bedeutendste in Tibet und dennoch
werden seine Bedürfnisse nicht wahrgenommen. Mit seiner Investition
in die wirtschaftlich gesehen keineswegs gewinnbringende Eisenbahn
verfolgt Peking einen eindeutigen Zweck:
Die politischen Motive sind vorrangig, wie der ehemalige Präsident
der VR China, Jiang Zemin, bereits 2001 sagte: "Einige Leute rieten
mir, dieses Projekt nicht weiter zu verfolgen, weil es kommerziell
unrentabel sei. Ich antwortete ihnen, dies sei eine politische
Entscheidung, und wir würden das Projekt um jeden Preis zum Erfolg
führen, selbst wenn es einen wirtschaftlichen Verlust bedeutete."
China beabsichtigt, die widerspenstige Region wirtschaftlich und
politisch noch stärker in den Griff zu bekommen. Die Eisenbahn dient
als politisches Werkzeug, das dafür geschaffen wurde, die tibetische
Identität auszulöschen.
Wesentlich weniger als in "harte" infrastrukturelle
Entwicklungsprojekte wurde dagegen in die Entfaltung von
Humankapital, also in den Bildungs- oder Gesundheitssektor
investiert. Was die grundlegenden Aspekte der menschlichen
Entwicklung betrifft, setzt Peking eindeutig die falschen
Prioritäten in Tibet. China hat wieder einmal gezeigt, daß ihm die
Verlegung von Eisenbahnschienen,
d.h. die Schaffung eines Werkzeuges zur Kontrolle und Beherrschung,
wichtiger ist als die Einrichtung von Schulen und Krankenhäusern in
den ländlichen Gebieten, etwas, das den Tibetern echte
Partizipation und eine positive Entwicklung bringen könnte. Peking
läßt keinen Zweifel daran, daß es mit seinen Plänen zur Entwicklung
und Modernisierung Tibets seinen eigenen Interessen dient und seine
langfristigen Ziele verfolgt – auf Kosten des tibetischen Volkes.
Die verzweifelte Lage des tibetischen Volkes wurde der
internationalen Gemeinschaft am 30. September 2006 dramatisch vor
Augen geführt, als sie mit ansehen mußte, wie chinesische
Grenzschützer willkürlich auf fliehende Tibeter schossen, wobei
mindestens zwei Personen am Nangpa-Paß ums Leben kamen. Trotz des
allgemeinen Schocks und der Verurteilung dieser Tat durch
Einzelpersonen, NGOs, Regierungen und Diplomaten auf der ganzen Welt
liegt das weitere Schicksal der 32 Personen, die bei dem
Fluchtversuch verhaftet wurden, im Dunkeln.
Enttäuschend war, daß das Büro der UN-Hochkommissarin für
Menschenrechte (OHCHR) kein Wort über die Tragödie verlor, um China,
ein ständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat, nicht gegen sich
aufzubringen. Während zur Zeit der Abfassung dieses Berichts eine
offizielle Erklärung des Menschenrechtskommissariats immer noch auf
sich warten läßt, gelobten die Behörden in Tibet, den Tibetern die
Flucht noch mehr zu erschweren. Am 28. Dezember 2006 wurde während
einer Video-konferenz, an der sämtliche PSB-Dienststellen in der TAR
teilnahmen, beschlossen, mit aller Härte gegen fliehende Tibeter
vorzugehen. Die Teilnehmer der Konferenz, die unter dem Vorsitz des
obersten PSB-Chefs stattfand, verfügten, „in der ersten Hälfte 2007
gegen illegale Grenzüber-schreitungen scharf vorzugehen“, wobei sie
dies als einen Teil der Kampagne zur Bekämpfung des Separatismus und
zur Förderung der Stabilität in der Region bezeichneten. Alle
Verwaltungsämter in der TAR wurden angewiesen, dieser Direktive
Folge zu leisten und die Öffentlichkeit darüber in Kenntnis zu
setzen.
Übersetzung: Irina Raba, Adelheid Dönges, Revision: Angelika
Mensching
Die deutsche
Version des Berichts "Kuxing - Torture in Tibet" von dem Tibetan
Centre for Human Rights and Democracy, Text-Graphik-Integration, 104
Seiten, 50 Bilder, in Ringspiralenbindung steht nun zur Verfügung
und kann um 10 € + Porto bei der Internationale Gesellschaft für
Menschenrechte (IGFM) bestellt werden. Siehe auch:
http://www.igfm-muenchen.de/Publikationen/PublTibet.html
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