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Internationale Pressespiegel zum Menschenrechtstag und Team Tibet

Presseportal, 11.12.07
Tibet Initiative Deutschland
kritisiert Ablehnung Tibets durch IOC
Pressemitteilung der TID
Die Tibet Initiative Deutschland e.V. (TID) verurteilt die
Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), kein
tibetisches Team zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking
zuzulassen. Die Begründung der Ablehnung ist nach Ansicht der TID
willkürlich und geradezu zynisch: Das IOC lehnt die Bewerbung ab,
weil Tibet - seit über 50 Jahren von der Volksrepublik China
gewaltsam besetzt - kein souveräner Staat ist.
"In der Geschichte der Olympischen Spiele gibt es genügend Beispiele
dafür, dass nicht nur unabhängige Staaten zur Teilnahme zugelassen
wurden, wie etwa Osttimor im Jahr 2000", erklärt Wolfgang Grader,
Vorstandsvorsitzender der TID. "Es ist nicht nachzuvollziehen, warum
Tibet abgelehnt wird, während beispielsweise Hongkong und Taiwan
seit Jahrzehnten mit eigenen Teams antreten dürfen. Hier können nur
politische Motive im Spiel sein." Laut eigener Webseite erkennt das
IOC nicht nur Nationen, sondern auch "unabhängige Territorien,
Nationengemeinschaften, Protektorate und geographische Gebiete" an.
Die Tibet Initiative Deutschland setzt sich seit Monaten gemeinsam
mit über 150 anderen Organisationen für das tibetische Team ein. Die
Zulassung des "Team Tibet" würde für das tibetische Volk auch eine
Anerkennung ihrer kulturellen und ethnischen Identität bedeuten, die
durch Chinas Assimilierungspolitik zunehmend gefährdet ist.
Im August dieses Jahres hatte sich ein Nationales Olympisches
Komitee (NOC) Tibet gegründet und um die Teilnahme an den
Olympischen Spielen 2008 mit einem eigenen tibetischen Team
beworben. Das Team besteht aus 30 tibetischen Sportlern, welche als
Flüchtlinge im Exil leben müssen. Am heutigen Tag der Menschenrechte
haben etwa 100 Tibeter und Tibet-Aktivisten beim Treffen des IOC in
Lausanne für die Zulassung des "Team Tibet" demonstriert.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
online, 11.12.07
Die Tibeter rollen die
Fahnen ein
Von Evi Simeoni, Lausanne
Draußen die politischen Konflikte - drinnen das Thema Doping: An
seinem Hauptquartier in Lausanne erlebte das Internationale
Olympische Komitee (IOC) zu Beginn seiner dreitägigen
Exekutivsitzung einen aufschlussreichen "Tag der Menschenrechte".
Vor der breiten Glastür schnurrten die Luxuslimousinen an einer
Gruppe von etwa hundert Exil-Tibetern vorbei, die forderten, im
nächsten Jahr eine eigene Mannschaft zu den Olympischen Spielen in
Peking entsenden zu dürfen. Hinter dieser Aktion steht der Vorwurf
an das IOC, seine Spiele an ein Land vergeben zu haben, das
systematisch Menschenrechte verletzt.
Mauer des Schweigens
Während am Montag drinnen die Juristen in aller Stille an der
Imagerettung Olympias feilten, stimmten draußen vor der Tür die
Tibet-Flüchtlinge ihre Hymne an. Ihre Heimat wird seit mehr als
fünfzig Jahren von China besetzt gehalten, doch sie wollen ein
eigenes Team nach Peking entsenden, das sich aus 30 Sportlern
rekrutieren soll. Im August hatten sie ein eigenes Nationales
Olympisches Komitee (NOK) gegründet und einen Brief und ihre
Statuten nach Lausanne gebracht.
Sie seien, beklagte der in der Schweiz lebende Präsident Wangpo
Tethong, auf eine Mauer des Schweigens gestoßen. Am Montag nun
wurden sie vorgelassen, der Präsident und zwei Athleten, zu Michel
Filliau, dem zuständigen IOC-Manager. Seine Antwort: Ein NOK kann
nur dann vom IOC akzeptiert werden, wenn sein Land von der
internationalen Gemeinschaft anerkannt ist. Die Tibeter rollten ihre
Fahnen ein und zogen im Regen wieder ab. Den "Internationalen Tag
der Menschenrechte" setzten sie woanders fort.
Open PR, 10.12.07
Erklärung des TCHRD zum
Internationalen Tag der Menschenrechte
Pressemitteilung von IGFM
München
Anläßlich des 59. Internationalen Menschrechtstages, den wir heute
begehen, grüßt und dankt das Tibetische Zentrum für Menschenrechte
und Demokratie,
tchrd.org, all jenen Menschen auf der
ganzen Welt, die sich für den Schutz und die Förderung der
fundamentalen Grundrechte einsetzen, für die dem
Menschen innewohnende Würde und die gleichen und unveräußerlichen
Rechte, auf die alle Mitglieder der menschlichen Familie mit ihrer
Geburt ein Anrecht haben. Die Allgemeine Erklärung der
Menschenrechte (UDHR), die am 10. Dezember 1948 von der
Vollversammlung der UNO verabschiedet wurde, stellt "das von allen
Völkern und Nationen zu erreichende gemeinsame Ideal" bezüglich der
Menschenrechte dar.
Obwohl es zur Formulierung dieser Erklärung vieler Jahre bedurfte
und sie nun schon Jahrzehnte zurückliegt, erfordert der Kampf darum,
dass einem jeden Erdenbürger der Anspruch auf die 30 in ihr
festgeschriebenen Freiheiten und Rechte auch gewährt wird, unser
Engagement nicht nur heute, sondern jeden Tag.
Der 10. Dezember ist für die Tibeter nicht nur als der
internationale Menschenrechtstag wichtig, sondern auch als ein Tag,
an dem sie der Verleihung des Friedensnobelpreises an den Dalai Lama
1989 in Anerkennung seines unermüdlichen gewaltlosen Einsatzes für
Frieden und Menschenrechte gedenken. Das TCHRD erinnert heute an die
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die darin verankerten Werte
und würdigt die Bemühungen von uns allen zur Verteidigung der
Menschenrechte des tibetischen Volkes in
Tibet.
In den vergangenen elf Monaten mussten die Tibeter in Tibet
erfahren, wie ihre Menschenrechte und Freiheiten schlimmer denn je
von den chinesischen Behörden missachtet wurden. Es ist äußerst
bedauerlich und zu verurteilen, dass die VR China, obwohl sie als
ein ständiges Mitglied der UNO den meisten
UN-Menschenrechtsverträgen beigetreten ist, die fundamentalen in der
UDHR niedergelegten Grundsätze nicht respektiert und einhält,
sondern diese in eklatantester Form in Tibet regelmäßig verletzt und
dabei noch ungestraft^bleibt. Die chinesischen Behörden verweigern
den Tibetern weiterhin systematisch ihre Menschenrechte.
In den vergangenen elf Monaten des Jahres 2007 hat das TCHRD u.a.
die folgenden Ereignisse dokumentiert:
" Die erhaltenen Informationen über eine ganze Reihe neuer Fälle von
Festnahmen von Tibetern unter dem Verdacht politischer Aktivitäten.
" Am 1. Januar 2007 traten die neuen 56 Artikel umfassenden
"Maßnahmen für die Handhabung der religiösen Angelegenheiten" in
Kraft, die von dem 11. Ständigen Ausschuß der Volksregierung der "TAR"
verabschiedet wurden. Statt den religiösen Angelegenheiten Schutz zu
gewähren, ist der einzige Zweck
dieser neuen Bestimmungen, die Einhaltung der staatlichen
Vorschriften bezüglich religiöser Einrichtungen, deren Mitarbeitern
und gläubigen Bürgern, sowie was die Stätten der Anbetung und
religiösen Aktivitäten
angeht, gewaltsam durchzusetzen.
" Mitgliedern der KP und Beschäftigten im Öffentlichen Dienst, sogar
dem gewöhnlichen Volk in Lhasa, wurde in der Woche, in der im März
die Politische Konsultativkonferenz in Peking tagte, der Besuch von
Tempeln verboten. Man drohte ihnen mit dem Verlust der
Parteimitgliedschaft oder Entlassung aus dem Dienst, falls sie in
der Hauptstadt buddhistische Tempel zum Gebet aufsuchten.
" China verschärfte sein Verbot religiöser Aktivitäten in Tibet,
besonders während des heiligen Monats Saka Dawa ab dem 17. Mai 2007
waren die Gläubigen von scharfen Restriktionen betroffen. Chinas
"Staatliche Verwaltung für Religiöse Angelegenheiten" (SARA) gab
einen 14 Artikel umfassenden "Maßnahmenkatalog für die Reinkarnation
lebender Buddhas im tibetischen Buddhismus" heraus, der am 1.
September in Kraft trat. Dies^zeigt deutlich, wie entschlossen die
KP ist, die jahrhundertealte Tradition und religiöse Praxis der
Tibeter zu untergraben und in Misskredit zu bringen. Die neuen
Maßnahmen, die von der offiziellen Presse als ein "wichtiger Schritt
zur Institutionalisierung der Verwaltung von Wiedergeburten"
beschrieben wurden, richten sich bewusst gegen einen der zentralen
Glaubensinhalte des tibetischen Buddhismus, wenn sie
"Bestätigungsverfahren" für lebende Buddhas vorschreiben. Sie sind
ein Beweis für die Absicht der KP, die tibetische religiöse
Hierarchie zu untergraben und zu zersetzen und die Autorität der
rechtmäßigen religiösen Führungspersönlichkeiten in Tibet, vor
allem die des Dalai Lama, zu schwächen.
" China erhöhte den Druck auf das Kloster von Tulku Tenzin Delek,
Kham Nalanda Thekchen Jangchub Choeling, und ließ am 19. Juli 2007
zwei ältere Frauen, Odho und Apha Bomo, beide aus dem Dorf Othok,
Kreis Nyagchuka, "TAP" Kardze, Provinz Sichuan, festnehmen. Den
Frauen wurde vorgeworfen, sie hätten ihre Landsleute dazu
aufgehetzt, sich ihrem Appell nach der Freilassung Tenzin Deleks
anzuschließen. Nachdem die Behörden dann den Dorfchef von Othok
verpflichteten, für ihr weiteres "gutes Betragen" die Garantie zu
übernehmen, wurden sie am 27. August entlassen.
" Am 1. August 2007 wurde Ronggye Adrak verhaftet, weil er während
des jährlichen Pferderennenfestes in Lithang öffentlich seine
Meinung geäußert hatte. Auf Ronggye Adraks Verhaftung hin erließen
die Behörden in Lithang und den umliegenden Gebieten scharfe
Restriktionen, weil sie massive Proteste der ihn unterstützenden
Bevölkerung befürchteten. Sie stellten zusätzliche Kontingente der
Bewaffneten Volkspolizei (PAP) zur Verstärkung bereit, um die
Aktivitäten seiner Sympathisanten zu überwachen. Am 21.
August wurden drei seiner Neffen, Adruk Lopoe, Adruk Nyima und Adruk
Gyatso, willkürlich festgenommen. Nyima und Gyatso wurden zwar nach
sechs Stunden wieder auf freien Fuß gesetzt, aber Adruk Lopoes
Verbleib war bis zu seinem Gerichtsverfahren unbekannt.
" Am 19. August 2007 wurde Lothok, ein 36jähriger tibetischer Nomade
und^Vater von fünf Kindern aus dem Dorf Drakar Latse, Distrikt
Lithang, in einem Gästehaus in Chengdu, der Provinzhauptstadt
Sichuans, willkürlich festgenommen.
" Eine beinahe vollendete gold- und kupferbeschlagene riesige Statue
von Guru Rinpoche im Kloster Samye, Kreis Dranang, Präfektur Lhoka,
"TAR", wurde in dem den Buddhisten heiligen Monat Saka Dawa, Mitte
Mai, von den Milizen der PAP zerstört. Eine weitere Statue von Guru
Rinpoche wurde in der ersten Oktoberwoche in Ngari Darchen, Distrikt
Purang, Präfektur Ngari, "TAR", niedergerissen. Bei einem ähnlichen
Vorfall musste am 14. August 2007 der Bau einer Statue von Guru
Rinpoche im Dorf Rongpatsa, Distrikt Kardze, "TAP" Kardze, auf
Befehl der Lokalbehörden eingestellt werden.
" Seit der ersten Septemberwoche 2007 haben die chinesischen
Behörden in Lithang und den umliegenden Kreisen einen intensiven
Feldzug zur "patriotischen Erziehung" gestartet. Am 2. September
wurde Adruk Kalgyam, ein tibetischer Nomade aus dem Dorf Youru
Kharshul, verhaftet, weil er den Kadern bei der Umerziehung
widersprochen hatte. In ähnlicher Weise wurde am 3. Oktober Jamyang
Tenzin, ein Mönch des Klosters Youri Geydenling im Distrikt Lithang
wegen seines offenen Widerstandes gegen die Behörden bei der
patriotischen Umerziehung festgenommen. Über beider Schicksal liegen
keine Informationen vor.
" Um den 7. September hielt die Polizei 40 Schüler fest, die tags
zuvor angeblich auf die Mauern der Polizeistation und anderer
Gebäude ihres Dorfes Parolen gekritzelt hätten, in denen sie die
Rückkehr des Dalai Lama und Freiheit für Tibet forderten. Innerhalb
von 48 Stunden wurden alle bis auf sieben aus der Polizeihaft
entlassen. Die sieben, die aus Nomadenfamilien stammen, sind Schüler
der Mittelschule von Amchok Bora im Distrikt Labrang, "TAP" Gannan,
Provinz Gansu. Vier von den sieben Schülern, die alle wegen der
Anbringung der Graffitis geschlagen und misshandelt wurden, befinden
sich noch in Gewahrsam. Die Anwendung der Folter ist in Tibet immer
noch endemisch und eine weitverbreitete Praxis, obwohl China die
UN-Konvention gegen Folter unterschrieben und ratifiziert hat.
" Das Verbot der Folter ist im internationalen Völkerrecht eindeutig
festgeschrieben. Es ist unmissverständlich und absolut und bindend
für alle Staaten und in allen Gebieten, die ihrem Herrschaftsbereich
unterstehen. Es gilt unter allen Umständen und für alle Zeiten.
Ebenso wenig ist Folter zulässig, wenn sie in anderen Worten
umschrieben wird: Grausame und unmenschliche Behandlung sind
inakzeptabel und illegal, ungeachtet dessen, wie sie bezeichnet
werden.
" Erhöhte Überwachung und strengere Maßnahmen vor und nach der
Auszeichnung des Dalai Lama mit der höchsten Auszeichnung, die einem
Bürger zuteil werden kann, durch die USA am 17. Oktober zogen eine
Reihe von Verletzungen der fundamentalen Menschenrechte der Tibeter
in Tibet nach sich. Die chinesischen Behörden trafen diverse
Vorsichtsmaßnahmen. So wurde die Überwachung aufgestockt,
verdächtige Individuen wurden strenger kontrolliert und ehemalige
politische Gefangene vorsichtshalber sogar in Gewahrsam genommen.
Insbesondere im Kloster Drepung ist die Lage weiterhin angespannt,
und die Mönche unterstehen fortwährend erhöhter Überwachung. Ein
großes Kontingent an PAP-Kräften marschierte in dem Kloster auf, wo
sie das Menschenrecht auf Bewegungsfreiheit einschränkten. Ein Mönch
und vier Laien wurden im Kloster Amdo Labrang Tashikyil im Distrikt
Sangchu, "TAP" Kanlho, Provinz Gansu, festgenommen, nachdem sie sich
zum Sangsol Gebet versammelt und Feuerwerkskörper entzündet hatten,
um die Auszeichnung des Dalai Lama zu feiern. Außerdem sollen zwei
Tibeter aus dem Dorf Othok, Distrikt Lithang, "TAP" Kardze, am 17.
Oktober festgenommen worden sein, nachdem sie Gebetsfahnen aufzogen
und das Sangsol Gebet ausführten, um die Verleihung der höchsten
zivilen Ehre der USA an den Dalai Lama zu feiern.
" Am 18. Oktober wurden am Nangpa Paß von den Grenzschutztruppen
erneut Schüsse auf fliehende Tibeter abgefeuert, wonach von der
Gruppe von 46 Flüchtlingen nun neun vermisst werden und drei
festgenommen wurden.
" Am 20. November verurteilte das Mittlere Volksgericht von Kardze
Ronggye Adrak zu acht Jahren Gefängnis und dem Verlust der
politischen Rechte für vier Jahre wegen des Delikts der "Aufhetzung
zur Spaltung des Landes und Untergrabung der Einheit der Nation" und
der "ernsthaften Störung der öffentlichen Ordnung". Adruk Lopoe, ein
Neffe Ronggye Adraks, wurde unter der Anklage der "Kollaboration mit
ausländischen separatistischen Kräften zur Spaltung des Landes und
Verteilung von politischen Pamphleten" mit zehn Jahren Gefängnis am
härtesten bestraft. Der Künstler Kunkhen (Jacmyang Goingqen), der
willkürlich am 22. August von den PSB-Beamten des Kreises Lithang
aus unbekanntem Grund festgenommen worden war, wurde zu neun Jahren
Gefängnis verurteilt, weil er "spalterischen Tätigkeiten"
nachgegangen sei. Der Nomade Lothok wurde von demselben Gericht zu
drei Jahren Gefängnis verurteilt.
" Über 130 Tibeter befinden sich noch in Tibet in verschiedenen
Gefängnissen, bloß weil sie ihr Recht auf freie Meinungsäußerung
wahrnahmen. Der Verbleib des Panchen Rinpoche, Gedhun Choekyi Nyima,
und vieler bedeutender religiöser Führungsgestalten liegt immer noch
im Dunkeln. Der Fall von Ronggye Adrak und seiner drei Gefährten aus
Lithang und die harten Gefängnisstrafen, die der Mittlere
Volksgerichthof von Kardze wegen der ungenau definierten Anklage der
"Gefährdung der Staatssicherheit" über sie verhängte, machen das
Ausmaß der Repression deutlich. Sie zeigen, welchen Preis die
Tibeter in Tibet zahlen müssen, wenn sie die in der chinesischen
Verfassung verankerten Rechte friedlich ausüben, sowie andere
grundlegende Menschenrechte, die von den internationalen auch von
China unterschriebenen Verträgen geschützt werden.
Das TCHRD nimmt diesen wichtigen Gedenktag zum Anlass, seine
Besorgnis darüber zum Ausdruck zu bringen, dass die im chinesischen
Gesetz mit ungenauen Begriffen formulierten Anklagepunkte wie
"Gefährdung der Staatssicherheit", "Störung der öffentlichen
Ordnung" und "Verbrechen gegen die öffentliche Ordnung" immer öfter
von der chinesischen Justiz herangezogen werden, um Tibeter
festzunehmen und im Gefängnis verschwinden zu lassen. Das TCHRD
drängt die chinesische Führung, der Praxis der Folter und der
patriotischen Umerziehung in den Klöstern Tibets sofort ein Ende zu
setzen. Es verlangt, dass China die Bestimmungen der UN-Konvention
gegen Folter (CAT) und des Internationalen Vertrags über
Wirtschaftliche, Soziale und Kulturelle Rechte (ICESCR), denen es
beiden beigetreten ist, auch respektiert. China sollte seinen
Verpflichtungen nachkommen und die Zusatzprotokolle zu dem CAT und
dem Internationalen Vertrag über Bürgerliche und Politische Rechte (ICCPR)
ratifizieren. Das Zentrum für Menschenrechte und Demokratie ruft die
chinesische Regierung erneut dazu auf, sich an die internationalen
Menschenrechtsnormen zu halten und die Garantien seiner eigenen
Verfassung zu respektieren.
Wiener Zeitung online, 10.12.07
Tibet darf bei Olympia 2008
nur zuschauen
Lausanne/Wien. Wenn Olympischen Spiele nahen, ist die Weltpolitik
nicht weit. Im kommenden Jahr ist Peking Schauplatz der größten
Sportveranstaltung der Welt, das regt Interesse und allerlei
Kampagnen an. Die jüngste ist der Wunsch des inoffiziellen
nationalen Olympia-Komitees Tibets, an den Spielen teilzunehmen.
Die von mehreren Aktivisten vor dem Hauptsitz des internationalen
Komitees in Lausanne geforderte Aufnahme wurde vom IOC jedoch mit
dem Hinweis, dass nur souveräne Staaten an Spielen teilnehmen
dürfen, abgelehnt. Auch Katalonien hat es bereits mehrfach probiert,
ist allerdings mit dem Ansuchen
stets gescheitert.
Freilich hat es auch einige Ausnahmen gegeben, etwa nach dem
Zusammenbruch der Sowjetunion, als in Barcelona 1992 die ehemalige
Sowjet-Athleten unter dem Namen GUS - Gemeinschaft Unabhängiger
Staaten - an den Sommerspielen teilnahm. "Vielleicht sehen wir uns
2012 in London", sagte Wangpo Tethong, der Präsident des tibetischen
NOK, das derzeit rund 30 Athleten umfasst.
Tibet sieht sich seit 1959, nach einem blutig niedergeschlagenen
Volksaufstand, unter chinesischer Fremdherrschaft. Das geistige
Oberhaupt der Tibeter, der 14. Dalai Lama, lebt seit damals im Exil.
Bis heute lehnt China jegliche Verhandlungen über die Gewährung
eines Autonomiestatus ab.
Spiegel online, 10.12.07
Jones ohne Medaillen,
Olympia ohne Tibet
Tibet darf bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking kein eigenes
Team an den Start schicken. Das deutsche Skisprung-Idol Helmut
Recknagel befindet sich nach seinem künstlichen Koma auf dem Weg der
Besserung. Doping-Sünderin Marion Jones wird ihre Olympia-Medaillen
sicher verlieren.
Tibet darf bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking kein eigenes
Team an den Start schicken. Das IOC erteilte dem im August
gegründeten inoffiziellen Nationalen Olympischen Komitee (NOK) des
Landes am Himalaya heute eine Absage. "Es steht ja in der
Olympischen Charta, dass wir nur unabhängigen Staaten, die von der
internationalen Staatengemeinschaft anerkannt sind, NOK-Status geben
können", sagte IOC-Vizepräsident Thomas Bach. Die Erfüllung dieser
Kriterien sei im Fall von Tibet nicht gegeben.
Der Präsident des inoffiziellen NOKs, Wangpo Tethong, wurde im
Hauptquartier am Genfer See aber erstmals von einem IOC-Offiziellen
empfangen. Er übergab der Kommission für NOK-Angelegenheiten (NOC
Relations) eine Petition. "Wir wollen an den Spielen teilnehmen, und
wir sehen uns nicht als Chinesen. Das IOC hat bei der Anerkennung
von NOKs immer wieder Ausnahmen gemacht", sagte Tethong und nannte
Taiwan, Hongkong sowie Palästina.
taz,
10.12.07
Olympische Spiele 2008 in
Peking
Ein Team für Tibet
Seit Wochen trainiert der Deutsch-Tibeter Namri Dagyab den
Marathon. Ob er 2008 mit dem "Team Tibet" starten darf, entscheidet
jetzt das Olympische Komitee.
VON JON MENDRALA
Mit einem eigenen Team bei den Olympischen Spielen für ihre Region
antreten - das ist der Traum einer Gruppe von Exil-Tibetern, die
2008 in Peking in verschiedenen Disziplinen teilnehmen wollen. Ob
das so genannte Team Tibet das darf, entscheidet das Internationale
Olympische Komitee (IOC) am Montag in Lausanne.
Der 32jährige Namri Dagyab hat lange auf diesen Tag gewartet. Er ist
der einzige Deutsch-Tibeter, den das Team Tibet in die chinesische
Hauptstadt schicken will. Kürzlich hat er beim Budapester Marathon
seine persönliche Bestzeit eingestellt: Drei Stunden, 17 Minuten.
Nicht schlecht für einen Amateur, aber nicht gut genug, um einen
Platz in den Medaillenrängen zu ergattern. Der Weltrekord für die
42,195 Kilometer liegt momentan bei etwa zwei Stunden. "Ich bin
vielleicht nicht der entrechtete, politische Flüchtling, den man
sich vorstellt, denn ich bin in Deutschland sozialisiert worden",
sagt Namri, "aber für ein Team Tibet bei den Olympischen Spielen zu
starten, hätte Signalwirkung. Wir sind zwar primär Sportler - aber
natürlich hat das Thema Tibet immer auch eine politische Dimension.
Ob wir das wollen oder nicht", sagt Namri.
Nach der Annexion Tibets durch die chinesische Armee, waren Namri
Dagyabs Eltern ins britische Exil geflüchtet. Als der Vater einen
Ruf an die Uni Bonn bekam, zogen Namris Eltern in die Bundesrepublik
und ließen sich in der Nähe der BKA-Zentrale bei Meckenheim im
Rheinland nieder. Noch heute wohnen seine Eltern dort und auch
Namris Heimat liegt am Rhein: "Wenn Deutschland gegen Tibet Fußball
spielen würde, wäre ich wahrscheinlich sogar für Deutschland", sagt
er und grinst. Namri und seine zwei Jahre jüngere Schwester sind in
Deutschland geboren und hier aufgewachsen. Untereinander sprechen
sie nur deutsch. "Ein chinesisches Sprichwort lautet: Die Fische
reden nicht über das Wasser. Für mich war die deutsche Sprache immer
leichter, obwohl ich im Kindergarten noch kein Wort deutsch konnte".
Soeben hat er seine Dissertation fertig geschrieben, die
Verteidigung steht noch aus. Studiert hat Namri VWL, Tibetologie und
Sinologie. "Ich war mehrere Male in Tibet und in China - ich habe
eine große Sympathie für die chinesische Kultur und die Chinesen".
Namri glaubt daher, man müsse strikt zwischen der chinesischen
Regierung und der Bevölkerung, unterscheiden. Auch durch sein
Sinologiestudium habe er mit vielen chinesischen Kommilitonen
Kontakt gehabt. "Ich habe viele Chinesen getroffen, die überhaupt
keine Meinung zum Thema Tibet haben, geschweige denn, dass sie
überhaupt mit der Problematik vertraut sind. Vielleicht mag ich
Deutschland deshalb so, weil man sich hier der Vergangenheit stellt
und aus ihr lernen will."
Gestartet hat die Initiative "Bring Tibet to the Games 2008" ein
internationaler Zusammenschluss verschiedener Organisationen. Auf
der deutschen Seite unterstützt der Verein "Tibet Initiative
Deutschland" die Sportler. Der Verein fördert seit 1989 die
tibetische Kultur, sowie die Selbstbestimmung des tibetischen
Volkes. Anna Momburg-Vanderpool leitet von Berlin aus die
Olympia-Kampagne: "Natürlich hätten wir uns mehr öffentliche
Resonanz gewünscht. Unsere Schweizer Kollegen haben da andere
Möglichkeiten als wir: Die tibetische Exilcommunity der Schweiz ist
die größte Westeuropas." Während in Deutschland nur knapp 200
tibetischstämmige Menschen leben, haben sich in der Schweiz knapp
3000 Exiltibeter versammelt.
Sowohl mehrere UNO-Einrichtungen,
als auch das Hauptquartier des Roten Kreuzes sind dort ansässig, so
dass viele Flüchtlinge genau blieben, wo sie am Ende ihrer Flucht
angelangt waren. Und so sind sechs der achtzehn Olympioniken aus
Tibet eidgenössische Staatsangehörige. Die Sportler des Team Tibet
sind allesamt in Westeuropa, den USA oder Indien groß geworden. Doch
die Erfahrungen ihrer Eltern und die Pflege der tibetischen Kultur
sind bei allen Sportlern tief verankert.
"Wenn ich nicht fahren dürfte, wäre das nicht nur zutiefst
ungerecht, sondern reine Politik des IOC". Ganz falsch dürfte der
einzige deutsche Tibeter des achtzehnköpfigen Teams damit nicht
liegen. Zwar ist es beinahe ausgeschlossen, dass die Funktionäre das
Gastgeberland China brüskieren wollen, doch sportpolitisch wäre eine
Sonderregelung für ein Team Tibet durchaus möglich: Seit Atlanta
1996 darf ein Team Palestine an den Start gehen und auch bei den
Spielen im Jahr 2000 durften die Australier Sportlern
aus Ost Timor zujubeln. Ein Nationales Olympisches Komitee (NOK) des
indonesischen Pazifikstaats wurde allerdings erst drei Jahre später
gegründet. Zwar traten die Sportler aus Ost Timor nicht als Team,
sondern als so genannte "Individual Olympic Athletes" (IOA) an. Ihr
gemeinsames Auftreten wurde allerdings in der Heimat als ein
wichtiges Symbol für den Inselstaat empfunden, der sich nach
blutigen auseinandersetzungen erst kurz zuvor von Indonesien
losgesagt hatte.
Vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) können die
tibetisch-stämmigen Sportler keine Hilfe erwarten. DOSB-Sprecher
Gerd Graus verweist auf ein Positionspapier vom Mai 2007 zum Thema
Menschenrechte in China: "Die Anerkennung eines NOK Tibet ist eine
Angelegenheit des IOC, das darüber unter Berücksichtigung aller
Regeln - zu denen auch die Anerkennung eines Staates gehört -
beraten wird. Noch sind die Sportfunktionäre des IOC zu keiner
öffentlichen Stellungnahme bereit. Nur soviel, man habe keine
"Bewerbung aus Tibet" erhalten. Das NOK des Landes habe nichts in
Lausanne eingereicht. Zwar hat der tibetische NOK-Präsident Wangpo
Tethong de facto eine Starterlaubnis für Olympia 2008 eingereicht -
nur wurde diese nicht als solche von den gleichen IOC-Gremien
anerkannt. Die Funktionäre scheinen zu hoffen, dass das Startverbot
wegen eines vermeintlichen Formfehlers weniger Kontroversen
verursachen wird, als wenn eine ausführliche Erklärung über die
Nichterteilung einer Starterlaubnis öffentlich gemacht würde. Doch
Lausanne und Peking sind weit weg von Berlin. An diesem nasskalten
Dezembertag wird Namri Dagyab langsam unruhig und zieht die
Laufschuhe an, um im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark seine
Runden zu drehen. Sein Trainingspensum beläuft sich momentan auf
knapp 120 Kilometer pro Woche.
TEAM TIBET
Seit 1989 unterstützt die Tibet Initiative Deutschland (TID) das
Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes und fordert
kulturelle, politische und religiöse Freiheitsrechte für die
autonome Region der Volksrepublik China. Im Mai 2007 startete die
internationale Kampagne "Bring Tibet to the Games 2008", die in
Deutschland von der TID koordiniert wird. Ziel ist es, Sportler
eines Nationalen Olympischen Komitees (NOK) Tibet zu den Olympischen
Sommerspielen nach Peking zu schicken. Achtzehn Exilathleten kämpfen
derzeit in ihren Disziplinen um Punkte, Zeiten und Weiten. Aus
Deutschland gibt es mit dem Marathonläufer Namri Dagyab nur einen
Sportler, der das Land seiner Eltern in China vertreten will. Am Tag
der internationalen Menschenrechte befindet das Internationale
Olympische Komitee (IOC) in Lausanne darüber, ob es im kommenden
Jahr ein "Team Tibet" geben darf.
Süddeutsche Zeitung, 10.12.07
Menschenrechte
Die dunklen Seiten der Macht
Japan, China, Indien, EU und USA: Wie halten es fünf
Wirtschaftsmächte mit den Menschenrechten? Ein Trauerspiel in neun
Akten.
CHINA
Cyber-Zensoren
Die Hoffnungen auf Informationsfreiheit, die viele in das Internet
setzten, erscheinen angesichts der Lage in China naiv. Die
chinesische Führung begreift das Netz lediglich als wetieres zu
zensierendes Mediuem. Hunderte internationaler Internetadressen sind
gesperrt, Tausende chinesischer Webseiten wurden geschlossen. Dass
seit Jahren inländische und ausländische Journalisten starken
Einschränkungen ausgesetzt sind, ist bekannt. Bei kritischer
Berichterstattung drohen ihnen dieselben Strafen wie vielen, die
sich für Menschenrechte einsetzen, sei es das Recht auf angemessenen
Wohnraum oder die Meinungs- und Pressefreiheit.
Umgang mit Menschenrechtsaktivisten und Kritikern
Rechtsanwälte, Journalisten, Internetnutzer und viele andere Bürger,
die sich für Menschenrechte wie Meinungs- oder Pressefreiheit
einsetzen, leiden immer noch unter Repressionen. Häufig werden
Menschen über lange Zeit arrestiert, ohne dass Anklage erhoben wird.
Bürgerrechtler werden observiert oder befinden sich in Hausarrest.
Zunehmend werden auch ihre Familien drangsaliert.
Todesstrafe
China ist mit Abstand das Land mit den meisten Hinrichtungen. Im
Jahr 2006 wurden in China nach Schätzung von amnesty international
auf Grundlage öffentlich zugänglicher Informationen mindestens 2790
Todesurteile verhängt und mindestens 1040 Menschen hingerichtet,
wenngleich die tatsächlichen Zahlen um vieles höher gewesen sein
dürften. Manche Berichte sprechen von bis zu 8000 Hingerichteten.
Folterungen, willkürliche Inhaftierungen und unfaire
Gerichtsverfahren
Es gibt Berichte über Folterungen und Misshandlungen wie etwa
Fußtritten, Schlägen, Elektroschocks, das Aufhängen an den Armen,
das Anketten in schmerzhaften Positionen, Verbrennungen mit
Zigaretten sowie Schlaf- und Nahrungsentzug. Ein leitender
Behördenvertreter räumte im November ein, dass jedes Jahr mindestens
30 Fehlurteile auf die Anwendung von Folter zurückzuführen waren,
wobei die tatsächliche Zahl sehr wahrscheinlich um einiges höher
lag.
Es ist davon auszugehen, dass sich in ganz China Hunderttausende
Menschen in Hafteinrichtungen der "Umerziehung durch Arbeit"
befinden.
Diskriminierung von ethnischen Gruppen
Die Rechte auf freie Meinungsäußerung, Religions- und
Vereinigungsfreiheit von Tibetern in der autonomen Region Tibet und
in anderen Landesteilen sind in hohem Maße eingeschränkt. Zudem
sehen sich Tibeter Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt ausgesetzt.
An die 100.000 Nordkoreaner leben dem Vernehmen nach in China im
Verborgenen. Jede Woche nehmen die Behörden schätzungsweise 150 bis
300 von ihnen fest und bringen sie gegen ihren Willen nach Nordkorea
zurück, ohne das Amt des UN-Hochkommissars für Flüchtlinge (UNHCR)
dabei einzuschalten.
Auch sollen die Behörden ein Belohnungssystem für Hinweise über
Nordkoreaner sowie hohe Geldstrafen für deren Unterstützer
eingeführt haben.
Diskriminierung der Wanderarbeiter
Wanderarbeiter, die aus ländlichen Regionen in die Städte strömen,
sind einer Vielzahl von Diskriminierungen ausgesetzt. Millionen
warten auf die Zahlung ausstehender Löhne und haben keinen Zugang zu
Krankenversicherungen. Ihren Kindern fehlt die Möglichkeit zum
Schulbesuch. Mehrere auf Privatinitiative gegründete Schulen für
Kinder von Wanderarbeitern wurden geschlossen. Es wurde vermutet,
dass diese Maßnahmen darauf abzielen, die Zahl der in der
chinesischen Hauptstadt ansässigen Wanderarbeiter vor den
Olympischen Spielen 2008 in Peking zu reduzieren.
Stuttgarter Nachrichten 4.12.07
Tibet und der Traum von
Olympia
Wie Exilsportler des von China besetzten Landes mit Dieter
Baumanns Hilfe 2008 in Peking starten wollen
Von Lukas Eberle
Gontscho Gyagang hatte
nach dem Zieleinlauf einen Hustenanfall. Völlig erschöpft vom
Halbmarathon beim 32. Nikolauslauf in Tübingen stützte sich der
41-jährige Tibeter auf seine dreckverschmierten Knie und brachte
erst einmal kein Wort heraus. In 1:23.55 Stunden landete er auf dem
38. Platz - doch noch hügeliger als die 21,1 Kilometer lange
Laufstrecke im Tübinger Norden ist Gyagangs Weg zu den Olympischen
Spielen. Sollte aus seinem Traum, in Peking zu starten, Wirklichkeit
werden, wartet dort die doppelte Distanz auf ihn. Der Tibeter will
nämlich in China im Marathonlauf antreten.
Gemeinsam mit 30 Athleten, die als Exiltibeter auf der ganzen Welt
verstreut leben, kämpft Gantscho Gyagang dafür, bei der
Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2008 mit der rot-blau
gestreiften Flagge der tibetischen Exilregierung ins Pekinger
Olympiastadion einzulaufen. Denn dieses Team Tibet hat eine Vision
von Frieden und Freiheit - mit Hilfe des Sports wollen sich die
Athleten solidarisch hinter das tibetische Volk stellen. "Das Motto
der Spiele, ,Eine Welt, ein Traum', trifft für uns Tibet nicht zu",
sagt Wangpo Tethong, der Präsident des im August gegründeten
Nationalen Olympischen Komitees (NOK) von Tibet. "Unser Land ist von
China besetzt, und die Menschen haben dort unter großen Repressionen
zu leiden", fügt Tethong hinzu. Das Team Tibet will sein Anliegen
auf gewaltlosem Weg voranbringen. "Unser Ziel ist es, das Thema
Tibet zur Diskussion zu stellen", sagt der NOK-Präsident und erzählt
von gekappten Telefonleitungen, verschlüsseltem Internet,
kultureller Ausbeutung und von "der schlimmen Zeit, die Tibet unter
der Besatzung Chinas erlebt".
Der Sport soll den Tibetern helfen, für die Probleme ihrer Heimat
ein Bewusstsein in der Weltöffentlichkeit zu schaffen. Dafür hat
Wangpo Tethong beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) im
schweizerischen Lausanne einen Antrag auf die Teilnahme des
tibetischen Nationalteams in Peking gestellt. Auch das NOK von Tibet
hat seinen Sitz in der Schweiz, dem Land, das die meisten
Exiltibeter aufgenommen hat. Mit diesem olympischen Motto "Bring
Tibet to the 2008 Games" (Unterstütze Tibet auf dem Weg zu den
Spielen 2008) bemühen sie sich nun um Aufmerksamkeit - nicht ohne
Erfolg.
Auf der Projekt-Homepage haben sich schon Unterstützer aus mehr als
80 Nationen eingetragen. Nicht nur prominente Sportler, auch Musiker
wie der deutsche Rapper Curse oder die Popband Wir sind Helden haben
online ihre Verbundenheit mit dem Team Tibet ausgedrückt. Nach nur
zwei Tagen war die Website in China allerdings gesperrt. "Dazu
sollen virenverseuchte E-Mails unsere Aktionen stören", sagt Wangpo
Tethong, "aber wir lassen uns nicht aufhalten. Wir haben keine Angst
vor China."
Beim Nikolauslauf in Tübingen startete das Team Tibet auf Einladung
Dieter Baumanns. Der 5000-Meter-Olympiasieger von 1992 engagiert
sich ebenfalls für ihren Olympiatraum. Besonders das tibetische
Oberhaupt, der Dalai Lama, gab für Baumann den Ausschlag für seine
Unterstützung. "Er ist eine beeindruckende Persönlichkeit. Mir
gefällt seine Politik und sein Auftreten", sagt der 42-jährige, der
sich trotz aller Solidarität den Sieg beim Nikolauslauf nicht nehmen
ließ. Dominik Kelsang Erne überquerte die Ziellinie zwar gut 22
Minuten nach Baumann, doch der Halbtibeter mit dem Schweizer Akzent
will bei den Sommerspielen ja im Tischtennis aufschlagen. "Es wäre
eine große Ehre, für Tibet zu starten. Ich will mit meinem Sport
einen Beitrag zu unserer Vision leisten", sagt der 26-jährige, der
mit seinem Tischtennisclub Young Stars Zürich bereits Schweizer
U-18-Mannschaftsmeister wurde.
Doch nüchtern betrachtet hat das Team Tibet wenig Chancen, das
Olympiastadion in Peking von innen zu sehen. Bisher hat das IOC
keine Reaktion auf den Antrag der Tibeter gezeigt, und langsam läuft
die Zeit davon. Es fehlt wohl ein international bekannter
tibetischer Sportler, der sich an die Spitze der Initiative stellen
könnte. "Es ist sehr schwierig, mit dem IOC ins Gespräch zu kommen",
sagt Wangpo Tethong, und ergänzt: "Unsere Kampagne wird aber auch
nach 2008 weiterleben. Und wenn wir erst 2012 in London dabei sind,
ist das auch ein Erfolg."
Eine Hintertür bleibt: die Tibeter könnten unter der IOC-Flagge bei
den Spielen starten als unabhängiger Olympiateilnehmer also. Noch
glaubt das Team Tibet aber fest an seinen Erfolg. So wie Jigme
Pünkang, dessen Eltern aus Tibeter in die Schweiz geflüchtet sind.
"Es wäre ein Traum, einmal nach Tibet zu reisen. Aber durch mein
Engagement für das Team Tibet habe ich wohl für immer ein
Einreiseverbot", sagt der 25-jährige Sprinter und bringt seine
hehren Bemühungen auf den Punkt: "Es geht ja nicht ums Gewinnen, es
geht um Tibet." |