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"Go west" auf Chinesisch


Web.de, 22.03.07

Lhasa (dpa/gms) - Sie führt zu den Gipfeln des Himalaya und legt Hunderte von Kilometern auf ständig gefrorenem Boden zurück: Die neue Bahnstrecke nach Tibet macht das "Dach der Welt" leichter zugänglich.

Die Qinghai-Tibet-Bahn fährt bis nach Lhasa. (dpa/gms-Bild vom 01.07.2006)
© dpa

Seit dem Start der Zugverbindung am 1. Juli hat der Tourismus in Chinas Autonomer Region Tibet um mehr als 50 Prozent zugelegt. Die hohe Hotelauslastung bringt aber auch Veränderungen mit sich in einer Gegend, die auch in mehr als 50 Jahren unter chinesischer Herrschaft unerschütterlich tibetisch geblieben ist - kulturell wie religiös.

Anders als Kalifornien, das zu den Goldrausch-Zeiten im 19. Jahrhundert von amerikanischen Pionieren in einer "Go West"-Bewegung erschlossen wurde, hat das unterentwickelte Tibet wenig zu bieten außer seiner unberührten Hochgebirgslandschaft und sauberen Umwelt. Der Tourismus ist zu einem Eckpfeiler der Wirtschaft geworden.

Die Bahnstrecke nach Lhasa verläuft über mehr als 500 Kilometer auf Permafrostboden. Chinesische Ingenieure haben mehr als zehn Jahre auf der Qinghai-Tibet-Hochebene an den Gleisen gearbeitet. In etwa 5000 Metern über Meeresniveau fällt selbst im Juli Schnee, so dass die Fahrt an schneebedeckten Gipfeln entlang führt.

Nach offiziellen Angaben erwartet Tibet für dieses Jahr insgesamt 2,6 Millionen Besucher, im vergangenen Jahr waren es 1,8 Millionen. Die Touristen kommen nicht nur mit dem täglich verkehrenden Zug, für den Tickets schwer zu bekommen sind, sondern auch in voll besetzten Bussen aus der Provinz Sichuan.

In Lhasa angekommen, breiten sich die Pilger vor dem Potala-Palast aus und besuchen den Jokhang-Tempel. Andere bevölkern, ständig ihre Gebetsmühlen drehend, die Barhor Street. Die religiösen Rituale hat der Tourismus noch nicht geändert.

Nicht alle Tibeter sind sich der wirtschaftlichen Veränderungen durch die Bahnstrecke bewusst. Doch in Dangxiong, etwa 200 Kilometer nördlich von Lhasa, haben die Yak-Hirten die Zeichen der Zeit schon erkannt. Cidan Duoji zum Beispiel lebt in dem Ort Tang Kaka. Er besitzt 98 Yaks und etwa 40 Schafe, die sein Vater jeden Sommer auf eine 40 Kilometer entfernte Bergweide bringt.

Der Haushalt mit acht Personen verdient umgerechnet etwa 5.650 Euro im Jahr - für tibetische Verhältnisse überdurchschnittlich viel. Die Yaks und Schafe liefern das Essen für die Familie und sind nicht zum Verkauf bestimmt.

"Der Zug wird den Transport von Gütern aus anderen chinesischen Provinzen nach Tibet stark erleichtern", sagt Cidan Duoji, während er seinen Gästen heiße Yak-Buttermilch und getrocknetes Yak-Fleisch serviert. "Das wird viele Dinge für uns preiswerter machen und die wirtschaftliche Entwicklung der Region vorantreiben."

Tibetische Gruppen in Übersee beurteilen den Bau der Bahnstrecke dagegen kritisch: Der Zug werde genutzt, mehr chinesische Siedler in die Region zu bringen und die einheimische Bevölkerung an den Rand zu drängen. Die Bahn werde den Druck auf das Ökosystem Tibets erhöhen, die militärische Präsenz Chinas stützen und die tibetische Identität und Kultur auslöschen. Die Regierung in Peking hat diese Vorwürfe zurückgewiesen: Der Tourismus und mehr Geschäfte verbesserten die Lebensbedingungen in der unterentwickelten Region, so ihre Position.

"Wir haben ein "Win-win-Szenario" geschaffen, bei dem Tourismus und der Schutz unserer Umwelt Hand in Hand arbeiten", sagt auch Ja Nuo, der Tourismus-Generaldirektor für Tibet. Noch immer klaffe eine Lücke zwischen der touristischen Entwicklung in Tibet und anderen Provinzen. Die Region sei in der Lage, mehr Touristen zu verkraften als die rund 4000 Reisenden, die bisher pro Tag in Tibet ankommen

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