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Gericht spricht tibetischen Nomaden wegen Protesten für schuldig
DailyNet, 02.11.07
Wie
Ra dio
Free Asia berichtet, hat ein Gericht in der südwestchinesischen
Provinz Sichuan den tibetischen Nomaden Rongye Adrak, der am
6. August bei einem traditionellen Pferderennen in aller
Öffentlichkeit die Rückkehr des Dalai Lama gefordert hatte, der
Gefährdung der
Staatssicherheit für
schuldig befunden. Wie der Tibetische Dienst von RFA aus Quellen in
Lithang erfuhr, wurde Rongye Adrak am 29. Oktober in Dartsedo (chin.
Kangding) vor Gericht gestellt. Der Volksgerichtshof der Autonomen
Präfektur Ganzi erhob Klage gegen ihn wegen des Versuchs der
"Spaltung" des Landes und der Gefährdung der Staatsmacht während
einer öffentlichen Versammlung in Lithang am 1. August.
Rongye Adrak sagte dem Richter von der Anklagebank aus: "Als ich
‚Lang lebe der Dalai Lama!' rief und die Freilassung der tibetischen
politischen Gefangenen forderte, wurde ich festgenommen und
anschließend formell verhaftet.
Der Hauptgrund für meine Tat war, daß es in Tibet niemanden gibt,
der kein Vertrauen in den Dalai Lama hätte, der nicht loyal zu ihm
stünde und seine Rückkehr nicht herbeisehnte. Im Widerspruch dazu
verbreitet die chinesische Regierung Propagandalügen und behauptet,
die Tibeter in Tibet hätten nicht mehr den Wunsch, ihn zu sehen und
hätten den Glauben an ihn verloren. Doch das ist falsch, aber wir
haben nicht die Freiheit, es zu sagen."
Der Richter erklärte
Rongye Adrak, er habe "sehr schwere" Verbrechen begangen:
"Du bist des
Verbrechens der Gefährdung der Volksrepublik China schuldig. Der
Dalai Lama, dem Du ein langes Leben gewünscht und dessen Rückkehr
nach Tibet Du gefordert hast, ist jemand, der sich mit verschiedenen
ausländischen Staatsleuten und Organisationen verschworen hat und
auf vielfältige Weise versucht, unser Land zu spalten."
Rongye Adrak, der
das im Exil lebende Oberhaupt der Tibeter zweimal in Nordindien
getroffen hat, wo auch seine beiden Töchter zur Schule gehen, wurde
ferner für die Massenproteste von über eintausend Nomaden aus
Lithang verantwortlich gemacht, die seine Freilassung gefordert
hatten. Weiter legte der Richter ihm "wirtschaftliche Verluste" zur
Last, die auf Grund seines öffentlichen Protests entstanden seien.
Der Richter fuhr
fort: "Du hast ihn nicht nur zweimal in Indien getroffen, sondern
hast nach Deiner Rückkehr hier in Lithang Proteste angezettelt. Das
beweist, daß Du die Spaltung und Zerrüttung dieses Landes geplant
hast.
Über eintausend
tibetische Einwohner von Lithang haben sich zusammengerottet und
Einlaß in Regierungsgebäude erzwungen. Diese Vorfälle hast Du
ebenfalls zu verantworten. Du wirst die volle Härte des Gesetzes für
diese Taten zu spüren bekommen."
Ein Beamter, der beim Volksgerichtshof Ganzi den Anruf des
Tibetischen Dienstes von RFA entgegennahm, erklärte, die Anklage
gegen Rongye Adrak sei rechtens: "Rongye Adrak wurde nach
chinesischem Recht vor Gericht gestellt und keine der Anklagen wurde
zu Unrecht erhoben. Er wurde in Übereinstimmung mit den Gesetzen
unseres Landes angeklagt."
Gemeinsam mit Rongye
Adrak standen Adruk Gyatso und Chaktsa Lobsang vor Gericht.
Adruk Tseten, dem Neffen von Rongye Adrak, warf der Richter
"Kontakte zu allen möglichen Medien in der ganzen Welt und Eingehen
auf ihre Fragen" vor. Hierdurch habe er dem internationalen Ansehen
Chinas geschadet.
Der Richter
verkündete, der Urteilsspruch werde der Regierung von Lithang in
sechs bis sieben Tagen bekanntgegeben werden.
Rongye Adrak, der
zur Nomadensiedlung von Yonru gehört, wurde beim festlichen
Pferderennen in Lithang verhaftet, nachdem er Peking aufgefordert
hatte, dem Dalai Lama die Rückkehr in das von China besetzte Tibet
zu gestatten.
Nomaden und
Einwohner der Stadt sammelten sich in Lithang und forderten seine
Freilassung. Sie schickten eine 200 Mann starke Abordnung zu
Gesprächen mit den chinesischen Behörden, nachdem die Polizei
gedroht hatte, einige der Demonstranten zu erschießen.
Tausende
paramilitärischer Kräfte wurden auf die Proteste hin in die Region
beordert. Unter der Bedingung, daß Rongye Adrak freigelassen werde,
erklärten sich schließlich die Nomaden bereit, das Feld zu räumen.
China hat den Dalai
Lama, der echte Autonomie für die Tibeter innerhalb der
Volksrepublik China fordert, von der Zukunft Tibets ausgeschlossen
und kürzlich eine großangelegte politische Kampagne in den
tibetischen Regionen von Sichuan und unter den tibetischen Kadern in
Tibet gestartet, um die Leute dazu zu bringen, sich von ihm zu
distanzieren.
Originalbericht im
Kham-Dialekt von Dawa Dolma und Lobsang Choephel des Tibetischen
Dienstes von Radio Free Asia. Übersetzung von Karma Dorje. Direktor
des Tibetischen Dienstes: Jigme Ngapo. Auf Englisch publiziert von
Luisetta Mudie und Sarah Jackson-Han.
Deutsche
Übersetzung: Internationale Gesellschaft fur Menschenrechte (IGFM),
Arbeitsgruppe München
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