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Freiburg: Der Dalai Lama eroberte die Herzen


Badische Zeitung, 28.07.07

 Buddhistische Tage: Der Dalai Lama hat seine Botschaft des Friedens und des Dialogs der Religionen Freiburg: Der Dalai Lama eroberte die Herzenauch nach Freiburg getragen. Tausende kamen, um ihn zu sehen.

Zum Abschluss seines elftägigen Deutschlandbesuchs hat der Dalai Lama am Sonntagmorgen zum Dialog der Religionen aufgerufen.

Keine Glaubensrichtung dürfe für sich einen Alleinstellungsanspruch erheben, sagte das geistliche und politische Oberhaupt der Tibeter. Gefragt sei ein Miteinander.

"Die Gemeinsamkeiten der verschiedenen Religionen sind größer als die Unterschiede", sagte er. "Die Stärkung der Werte ist das gemeinsame Ziel aller Religionen."

In den Dialog müsse auch der Islam eingebunden werden. "Die Gewalttaten einzelner fanatischer Menschen dürfen nicht dazu führen, dass der Gesprächsfaden mit einer ganzen Religion abreißt", sagte 72 Jahre alte Friedensnobelpreisträger.

Gewalt werde von jeder Religion abgelehnt. "Dies darf auch in der derzeit weltweit spannungsgeladenen Zeit nicht übersehen werden."

Am Samstagmorgen strömten rund 500 Menschen zur Einweihung der Stupa im Freiburger "Tibeth Kailash Haus" durch den Dalai Lama. Die Statue gilt als ein Denkmal mit buddhistischer Symbolkraft Er quittierte das Ereignis mit Witz und Selbstironie.

Foto: Thomas Kunz
Der Dalai Lama drückt OB Dieter Salomon beim Empfang im Rathaus die Hand.

Nach der Einweihungszeremonie, die aus murmelnden Gesängen bestand, richtete der Dalai Lama sich an die Menschen: "Ich weiß selber nicht so genau, was das für ein Stupa ist", sagte er gelassen.

Es gebe schließlich so viele. Naja, und das sei eben eine davon. "Aber das Wichtige ist ja nicht der äußere Stupa, sondern die innere Haltung des Buddhismus: Gelassenheit, ein warmes Herz, eine altruistische Haltung, Weisheit und Intelligenz."

Am Ende der Rede fragte er: "Was soll ich noch sagen? Ich weiß es nicht." Dann lachte er väterlich und weise wie der Weihnachtsmann und alle lachten mit.

Zum Schluss gab er noch schelmisch einen Tipp, nicht zu viel Gebetsfähnchen aufzuhängen: "Am Anfang symbolisieren sie Frische und Reinheit, am Ende, wenn sie schmutzig geworden sind, das Gegenteil."

Bei einem Empfang im Freiburger Rathaus kritisierte er später die Menschenrechtspolitik Chinas. "Die Wirtschaft boomt. Aber die Demokratisierung Chinas macht keine Fortschritte. Die Weltgemeinschaft darf nicht wegschauen."

Foto: Rita Eggstein
Tausende kamen zum Vortrag des Dalai Lama in die Messehalle.

Der Dalai Lama sagte, die Weltgemeinschaft müsse darauf hinwirken, dass China einen Reformprozess einleitet: "Es geht um Menschenrechte, es geht um Religions- und Pressefreiheit."

Selbst innerhalb der chinesischen Regierung gebe es Vertreter einer liberalen Politik. "Diese Reformkräfte müssen von außen unterstützt werden", meinte der buddhistische Religionsführer.

"Es kann im Dialog mit China nicht allein um wirtschaftliche Interessen gehen." China sei auf dem Weg zur wirtschaftlichen Supermacht. Von westlichen Ländern, unter anderem von Deutschland, werde es dabei finanziell unterstützt. Daher müsse Deutschland auch Mut zur Kritik haben.

In der Freiburger Messehalle hielt der Dalai Lama vor knapp 10 000 Menschen am Samstag einen Vortrag zu den Themen Spiritualität und Erziehung.

Gestern kehrte der Dalai Lama in sein Exil nach Indien zurück. Er sagte zu seiner bisher längsten Auslandsreise: "Ich habe in Deutschland in den vergangenen Tagen ein großes Interesse und eine ungeheure Begeisterung erlebt. Diese Unterstützung ist eine große Chance für den Dialog über die Grenzen der Religionen und Kulturen hinweg."

Von BZ-Redakteurin Ulrike Derndinger und Agenturen
 

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