Buddhistische
Tage: Der Dalai Lama hat seine Botschaft
des Friedens und des Dialogs der Religionen
auch
nach Freiburg getragen. Tausende kamen, um ihn zu sehen.
Zum Abschluss seines elftägigen Deutschlandbesuchs hat der Dalai
Lama am Sonntagmorgen zum Dialog der Religionen aufgerufen.
Keine Glaubensrichtung dürfe für sich einen
Alleinstellungsanspruch erheben, sagte das geistliche und
politische Oberhaupt der Tibeter. Gefragt sei ein Miteinander.
"Die Gemeinsamkeiten der verschiedenen Religionen sind größer als
die Unterschiede", sagte er. "Die Stärkung der Werte ist das
gemeinsame Ziel aller Religionen."
In den Dialog müsse auch der Islam eingebunden werden. "Die
Gewalttaten einzelner fanatischer Menschen dürfen nicht dazu
führen, dass der Gesprächsfaden mit einer ganzen Religion
abreißt", sagte 72 Jahre alte Friedensnobelpreisträger.
Gewalt werde von jeder Religion abgelehnt. "Dies darf auch in der
derzeit weltweit spannungsgeladenen Zeit nicht übersehen werden."
Am Samstagmorgen strömten rund 500 Menschen zur Einweihung der
Stupa im Freiburger "Tibeth Kailash Haus" durch den Dalai Lama.
Die Statue gilt als ein Denkmal mit buddhistischer Symbolkraft Er
quittierte das Ereignis mit Witz und Selbstironie.
Der
Dalai Lama drückt OB Dieter Salomon beim Empfang im Rathaus die
Hand.
Nach
der Einweihungszeremonie, die aus murmelnden Gesängen bestand,
richtete der Dalai Lama sich an die Menschen: "Ich weiß selber
nicht so genau, was das für ein Stupa ist", sagte er gelassen.
Es gebe schließlich so viele. Naja, und das sei eben eine davon.
"Aber das Wichtige ist ja nicht der äußere Stupa, sondern die
innere Haltung des Buddhismus: Gelassenheit, ein warmes Herz, eine
altruistische Haltung, Weisheit und Intelligenz."
Am Ende der Rede fragte er: "Was soll ich noch sagen? Ich weiß es
nicht." Dann lachte er väterlich und weise wie der Weihnachtsmann
und alle lachten mit.
Zum Schluss gab er noch schelmisch einen Tipp, nicht zu viel
Gebetsfähnchen aufzuhängen: "Am Anfang symbolisieren sie Frische
und Reinheit, am Ende, wenn sie schmutzig geworden sind, das
Gegenteil."
Bei einem Empfang im Freiburger Rathaus kritisierte er später die
Menschenrechtspolitik Chinas. "Die Wirtschaft boomt. Aber die
Demokratisierung Chinas macht keine Fortschritte. Die
Weltgemeinschaft darf nicht wegschauen."
Tausende kamen zum Vortrag des Dalai Lama in die
Messehalle.
Der
Dalai Lama sagte, die Weltgemeinschaft müsse darauf hinwirken,
dass China einen Reformprozess einleitet: "Es geht um
Menschenrechte, es geht um Religions- und Pressefreiheit."
Selbst innerhalb der chinesischen Regierung gebe es Vertreter
einer liberalen Politik. "Diese Reformkräfte müssen von außen
unterstützt werden", meinte der buddhistische Religionsführer.
"Es kann im Dialog mit China nicht allein um wirtschaftliche
Interessen gehen." China sei auf dem Weg zur wirtschaftlichen
Supermacht. Von westlichen Ländern, unter anderem von Deutschland,
werde es dabei finanziell unterstützt. Daher müsse Deutschland
auch Mut zur Kritik haben.
In der Freiburger Messehalle hielt der Dalai Lama vor knapp 10 000
Menschen am Samstag einen Vortrag zu den Themen Spiritualität und
Erziehung.
Gestern kehrte der Dalai Lama in sein Exil nach Indien zurück. Er
sagte zu seiner bisher längsten Auslandsreise: "Ich habe in
Deutschland in den vergangenen Tagen ein großes Interesse und eine
ungeheure Begeisterung erlebt. Diese Unterstützung ist eine große
Chance für den Dialog über die Grenzen der Religionen und Kulturen
hinweg."
Von
BZ-Redakteurin Ulrike Derndinger und Agenturen