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Fackellauf wirft
schon vor seinem Beginn Schatten auf Olympia 2008
Die Neue Epoche,
29.04.07
Dissonanzen auf
„harmonischer Reise“ des olympischen Feuers schon vor ihrem Start –
Taiwan wollte Fackel nur an Drittland übergeben – Protestierende
Free Tibet-Aktivisten am Mt. Everest verhaftet
Daniel Ulrich, Taipei
Die
Tibet-Aktivisten zeigten Transparent, um gegen die Route des
Fackellauf durch Tibet auf den Mt. Everest zu protestieren (Foto:
Getty Images) 
Die Olympische
Charta des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) sieht eine
Trennung zwischen Sport und Politik vor. Nun zeigt sich im Vorfeld
der Olympischen Spiele in Peking 2008, dass diese Trennung an der
Realität im Reich der Mitte vorbeigeht. Der „harmonische Reise“
genannte Weg des olympischen Feuers sollte auch über Taiwan und
Tibet führen. Taiwan möchte die Fackel nur an ein Drittland
übergeben und am Mt. Everest wurden fünf protestierende Aktivisten
verhaftet.
Der olympische
Fackellauf nach Peking trägt den vollmundigen Titel „harmonische
Reise“. Schon vor seinem Beginn wird er diesem Namen nur schwer
gerecht. Die chinesische Regierung zeigt sich erneut unerbittlich
gegenüber Taiwan, dessen Wunsch es war, die olympische Fackel durch
ein Drittland zu bekommen und an ein Drittland weiterzugeben, um
seine Souveränität von der Volkrepublik China zu zeigen. China sieht
Taiwan – Historikern zufolge fälschlicherweise - als abtrünnige
Provinz. Zum Missfallen von Taiwan verbreitet China, dass Taiwan der
erste Stopp der Fackel in der Volksrepublik China sei. Jiang Xiaoyu
vom Vorbereitungskomitee für die Olympischen Spiele in Peking
verurteilte die Absage aus Taipei als „Verletzung gegen die
Olympische Charta und die Prinzipien des Internationalen Olympischen
Komitees (IOC), Sport und Politik zu trennen“.
Einen
Vorgeschmack auf diese Trennung zwischen Sport und Politik bekamen
taiwanesische Sportler zu spüren, als sie bei einer Siegerehrung bei
den Internationalen Kinderspielen in Thailand im vergangenen Jahr
die taiwanesische Flagge hochhielten und ein bereitstehender
chinesischer Sportfunktionär sie ihnen gewaltsam entriss. Da Taiwan
auf Druck Chinas von fast keinem Land anerkannt wird, dürfen die
Sportler international meist auch nur unter „Chinese Taipei“ bei
Sportereignissen antreten und keine taiwanesischen Flaggen
hochhalten.
Protest gegen
Fackellauf in Tibet
Eine ähnliche
Haltung vertritt das IOC gegenüber Free Tibet–Aktivisten, die gegen
die Route des Fackellaufs durch Tibet auf den Mt. Everest
protestierten. „Wir wollen nicht in irgendwelche politischen Fragen
verwickelt werden“, meinte dazu Hein Verbruggen, Chef der
IOC-Koordinierungskommission für die Olympischen Spiele vor
Journalisten in Peking.
„Ihr (die
chinesische Regierung) könnt eure Fackel zu dem höchsten Punkt eures
eigenen Landes bringen, kommt nicht nach Tibet“, ist einer der
Aktivisten nahe des Basislagers am Fuße des Mount Everest, wo die
Vorbereitungen für den Fackellauf stattfinden, auf einem Video zu
hören.
„Die chinesische
Regierung versucht die Olympischen Spiele 2008 zu benützen, um die
Besetzung Tibets zu überdecken“, sagte ein Vertreter von Free Tibet
in Katmandu. Die Aktivisten wurden nach ihrem Protest mit der
Begründung, eine „gesetzwidrige Aktion“ gesetzt zu haben,
ausgewiesen.
Menschenrechtsorganisationen kritisieren das IOC, bei der Vergabe
der Spiele gegen seine eigene Charta verstoßen zu haben, indem es
über die schlechte Menschenrechtssituation hinwegsah. Romtreue
Katholiken, Tibeter, unabhängige Gewerkschafter,
Demokratieaktivisten und die Meditationsbewegung Falun Gong werden
vom chinesischen Staat verfolgt. Chinas Polizei kann ohne
Gerichtsurteil Menschen mehrere Jahre lang einsperren. Jährlich
werden an die 10.000 Menschen hingerichtet, wobei sie häufig in
Sportstadien erst gedemütigt werden. |