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Exil-Tibeter fordern Boykott der
Olympischen Spiele in Peking
Der Standard, 09.08. 2007
10.000
Menschen demonstrierten in Neu-Delhi für Freiheit für die
Himalaya-Region - China schob festgenommene tibetische Aktivisten ab
Neu-Delhi - Tausende Exil-Tibeter haben in den USA und Indien gegen
Peking als Austragungsort der Olympischen Spiele 2008 protestiert.
In Neu-Delhi gingen rund 10.000 Menschen auf die Straße und
forderten Freiheit für die Himalaya-Region.
In New York zogen rund 1000 Kundgebungsteilnehmer vor das
chinesische Konsulat. Viele trugen tibetische Fahnen und hielten
Transparente mit der Aufschrift hoch: "Boykottiert Olympia 2008 in
Peking." Die chinesische Hauptstadt hatte kurz zuvor mit einer
pompösen Feier den Countdown für die Olympischen Spiele in einem
Jahr gestartet.
Hungerstreik beendet
Eine Gruppe von 14 Tibetern im indischen Exil hat am Donnerstag
ihren Hungerstreik beendet, mit dem sie unter anderem gegen die
Vergabe der Olympischen Spiele an Peking protestierten. Die
Mitglieder des Tibetischen Jugendkongresses folgten mit ihrer
Entscheidung Appellen des Dalai Lama und indischer Abgeordneter. Die
in Neu-Delhi versammelten Aktivisten hatten 33 Tage lang nur Wasser
zu sich genommen.
Die
Hungerstreikenden, von denen der älteste 75 Jahre alt ist, forderten
von China unter anderem auch Auskunft über den Verbleib des
Pantschen Lama, der von den buddhistischen Tibetern als
zweithöchstes geistliches Oberhaupt verehrt wird. Die
Menschenrechtler vermuten China hinter dessen Verschwinden, was die
Volksrepublik bestreitet [Anmerkung Tibet Cafe: China gibt sehr wohl
zu über den Aufenthaltsort des Panchen Lama zu wissen, aber hält ihn
unter Verschluss. Der Panchen Lama wurde mit 6 Jahren von den
Chinesen entführt.]. Seit 1995 wird der damals Sechsjährige
vermisst. Zudem verlangen die Hungerstreikenden Tibeter von Peking
ein Bekenntnis zu den Menschenrechten und eine Unterstützung der
Entwicklung Tibets.
China schob tibetische Aktivisten ab
Die
chinesischen Behörden haben indes acht festgenommene tibetische
Unabhängigkeitsaktivisten aus den USA, Kanada und Großbritannien
abgeschoben. Sie wurden bereits am Mittwoch in ein Flugzeug nach
Hongkong gesetzt, wie die Exekutivdirektorin von "Studenten für ein
freies Tibet", Lhadon Thetong, am Donnerstag in ihrem Internet-Blog
berichtete. Lhadon und ihr Mitstreiter Paul Golding waren am Vortag
auf dem Weg zum Tian'anmen-Platz zur Feier anlässlich des Beginns
des Countdowns ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Peking von
Sicherheitsleuten aufgegriffen worden.
Gemeinsam mit den sechs Aktivisten, die am Dienstag an der Großen
Mauer gegen die chinesische Herrschaft in Tibet protestiert hatten,
wurden sie nach Hongkong geflogen. "Wir sind hier. Wir sind stolz.
Wir sind sehr, sehr müde", berichtete Lhadon, die während ihres
einwöchigen Besuchs in Peking ständig von Sicherheitsagenten in
Zivil verfolgt worden war. Die Aktivisten wollten in Peking nach
eigenen Angaben darauf aufmerksam machen, dass China die Spiele
benutze, um seine "illegale Besetzung zu legitimieren".
Tibet wurde 1950 von chinesischen Truppen besetzt und im folgenden
Jahr dem kommunistischen Staat einverleibt. Aufstände der Tibeter
gegen die chinesische Herrschaft wurden später niedergeschlagen.
Allein 120.000 Tibeter leben seither im indischen Exil - unter ihnen
auch ihr geistliches Oberhaupt, der Dalai Lama.
(APA/Reuters)
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