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Entwicklungsforum: Peking singt das
Lied vom blühenden Tibet
Die Presse,
29.11.2007
Das chinesische und
das exiltibetische Bild vom Hochland widersprechen sich fundamental.
wien
(b. b.) Ein jährliches Wirtschaftswachstum von zwölf Prozent,
Senkung der Analphabetenrate von 95 Prozent in den frühen
Fünfzigerjahren auf heute weniger als zehn Prozent, laufende
Modernisierung der Infrastruktur, Pflege der tibetischen Sprache und
Kultur: Es ist das Bild eines aufblühenden Tibet, das chinesische
Regierungsvertreter beim derzeit in Wien laufenden
Tibet-Entwicklungsforum verbreiten.
Die Absicht des Forums ist dabei klar: auch österreichische
Unternehmen zu motivieren, sich wirtschaftlich im Autonomen Gebiet
zu engagieren. Der China-Beauftragte der Gemeinde Wien,
Ex-Vizebürgermeister Sepp Rieder, kündigte bei der Veranstaltung die
Gründung eines österreichisch-chinesischen Technologie-Parks
(Finanzrahmen: 150 Millionen Euro) in Wien an.
Alle Vertreter aus Peking betonten, wie umfangreich die
Unterstützung des übrigen China für das wirtschaftlich noch weit
hinter dem Rest des Landes herhinkende Tibet sei. Der Vizepräsident
der autonomen Region, Ni Ma Ci Ren, selbst ein gebürtiger Tibeter,
sprach von der „besten geschichtlichen Phase“, die das Hochland
derzeit durchmache. Tibets Bevölkerung könne heute ein „glücklichen
Leben“ führen.
Exil-Tibeter widersprechen dieser offiziellen Sicht vehement: Sie
weisen darauf hin, dass noch immer jedes Jahr tausende Tibeter über
die gefährlichen Himalayapässe nach Süden zu flüchten versuchen;
dass Peking die Sinisierung weiter vorantreibe und so die tibetische
Kultur kontinuierlich zurückgedrängt werde; dass die Ressourcen des
Hochlandes rücksichtslos ausgebeutet würden; dass die politischen
Mitsprachemöglichkeiten der indigenen Tibeter minimal seien; dass
die Religionsausübung nur eingeschränkt möglich sei. |