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Druck auf China gefordert


Gazeta Wyborcza (Polen), 9./10. Dezember 2006
 

Interview mit Phuntsok Nyidrol

Von Ewa Kedzierska

Ich verdanke meine Freiheit den Regierungen jener Länder, die Druck auf China ausgeübt haben – sagt die 34-jährige tibetische Nonne Phuntsok Nyidrol am Tag der Menschenrechte zur „Gazeta“, nachdem sie fast die Hälfte ihres Lebens im Drapchi Prison, dem schlimmsten Gefängnis Tibets verbracht hatte.

Nyidrol wurde zusammen mit anderen Nonnen 1989 wegen einer friedlichen Demonstration gegen die chinesische Besetzung Tibets verhaftet und zu 9 Jahren Gefängnis verurteilt. Später wurde ihre Haft um 8 Jahre verlängert, da sie Lieder für die Unabhängigkeit Tibets aufgenommen und aus dem Gefängnis geschmuggelt hatte.

Ewa Kedzierska: Sie wurden 1989, nur 3 Tage nach der Verleihung des Nobelpreises an Seine Heiligkeit des Dalai Lama, wegen Ihrer Slogans für ein „Freies Tibet“ verhaftet. War es der Nobelpreis, der Sie zu diesen Slogans inspiriert hatte?

Phuntsok Nyidrol: Die Demonstrationen in Lhasa begannen schon 1987. Wir wollten die UNO und die ganze Welt über die tatsächliche Situation in Tibet informieren.

E.K.: Sie haben zusammen mit 13 anderen Nonnen im Gefängnis heimlich patriotische Lieder aufgenommen mit Texten wie z.B. „Steht auf, Gefangene von Drapchi“, „sie haben unsere Heimat in einem Meer von Blut und Tränen ertränkt“, „sie haben meinen Lehrer vergiftet und ermordet“, „die Rotchinesen müssen raus aus Tibet, lasst uns unser Leben für die Unabhängigkeit opfern“. War das die Haftverlängerung von 8 Jahren wert?

P.N.: Ich wusste, was ich tat und war mir der Konsequenzen bewusst.


E.K.: 1998 revoltierten die Drapchi-Häftlinge gegen die chinesische Fahne und das Absingen der chinesischen Nationalhymne. Durch die folgenden grausamen Strafmaßnahmen wurden vier Nonnen zu Tode gefoltert. Woher nahmen Sie die Kraft, um weiterzumachen?

P.N.: Die physischen Folterungen waren unvorstellbar. Ich kann darüber nicht sprechen. Am schlimmsten war aber die mentale Manipulation. Die Wachen zwangen uns zu wiederholen, wie wunderbar die chinesische Herrschaft und wie vorteilhaft die chinesische Erziehung wäre. Wir waren von jeglichen Nachrichten abgeschnitten, sie haben sogar aus ihren Propagandazeitungen alles Tibetbezogene herausgeschnitten.

E.K.: Was geschah nach Ihrer Befreiung im Jahr 2004?

P. N.: In Wahrheit war das keine Befreiung, sondern ein zweites Gefängnis. Im ersten Jahr wohnten Polizisten bei mir im Haus. Danach konnte ich mich bewegen, jedoch nur in Begleitung. Besucher mussten zwei Dokumente vorweisen, eines mit Angabe des Besuchsgrundes sowie einen Bericht über ihre Tätigkeit während der vergangenen acht Jahre.

E.K.: Dank internationalem Druck ließ die Regierung der VRC Sie nach 2 Jahren „Hausarrest“ zwei Monate vor dem Gipfeltreffen Bush und Hu Jintao nach Amerika ausreisen.

P.N.: Ich konnte es nicht glauben, nicht einmal dann, als mich der UN-Beamte informierte. Damals glaubte ich niemandem, denn die Chinesen logen immer.
Mir geht es bis heute noch nicht gut. In den Staaten unterzog ich mich verschiedenen ärztlichen Untersuchungen und Operationen. Ich habe Probleme mit Lunge und Nieren. Dort, wo sie mich mit Elektrostöcken schlugen, sind die inneren Organe geschädigt. Ich hätte da noch eine Bitte. Bitte üben Sie Druck auf die chinesische Regierung für die Freilassung von Lobsang Tenzin aus. Er ist seit 1988 im Gefängnis und sein Zustand ist kritisch. Ich habe ihn einmal gesehen, er war angekettet. Ich kann nachfühlen, was er durchgemacht hat, ich habe es selbst erlebt. Sein Körper ist bereits tot, nur seine Seele lebt noch.

(Sinngemäße Wiedergabe der englischen Übersetzung eines polnischen Interviews)

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