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Tibet-Problem ist noch immer nicht gelöst

Dalai-Lama und ein neuer tibetanischer Parteisekretär liefern sich einen Kampf um die Köpfe

Von Falk Hornuß


Seit dem die chinesische Volksbefreiungsarmee in Tibet vor mehr als 50 Jahren einmarschierte, kam das Land nicht wirklich zur Ruhe. Teils gewalttätige Entgleisungen seitens der kommunistischen Partei, aber auch seitens tibetanischer Mönche vergifteten immer wieder das politische Klima. Die Tatsache das der Dalai Lama im Westen wie ein Popstar verehrt wird, hat auch nicht gerade zur Klärung der Situation beigetragen.

In letzter Zeit scheint es in Tibet etwas ruhiger geworden zu sein. Und endlich ist die tibetische Hautstadt Lhasa auch mit dem Zug zu erreichen. Die Isolierung Tibets wird sich also lockern.

Die Organisation International Campaign for Tibet bringt mit dem tibetanischen Führer Dalai Lama und dem südafrikanischen Erzbischof Desmond Tutu zwei der im Westen bedeutendsten Friedenskämpfer für die alljährliche Zeremonie zur Verleihung des Preises Light of Truth (Licht der Wahrheit) in Brüssel zusammen. Der Dalai Lama wird dabei dem Friedensnobelpreisträger Erzbischof Tutu den Preis, eine einfache tibetanische Butterlampe, in Anerkennung seiner Führungsleistungen beim Eintreten für die Rechte der Unterdrückten in seinem Land und in der ganzen Welt überreichen. Mit dem Preis werden Einzelpersonen und Institutionen geehrt, die bedeutende Beiträge zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Tibet geleistet haben.

Tsering Jampa, geschäftsführender Direktor der International Campaign for Tibet in Europa, erklärte: „Die engen Freunde Dalai Lama und Desmond Tutu sind beide in den Siebzigern, doch ihr Einsatz für Wahrheit, Versöhnung und Konfliktlösung durch friedliche Mittel bleibt unverändert. Ihre Botschaft, daß das 21. Jahrhundert ein Jahrhundert des Dialogs und nicht des Konflikts sein sollte, ist nun mehr denn je für die Welt nötig." Bei seinem Besuch in Brüssel wird der Dalai Lama auch das Europaparlament und belgische Minister über seinen anhaltenden Dialog mit Peking über die Zukunft von Tibet und seine vor kurzem beantragte Reise nach China informieren sowie Unterstützung für das Herbeiführen konkreter Fortschritte im Prozeß suchen.

„Dies ist ein entscheidender Moment für Tibet und das tibetanische Volk, da wir mit dem Dialogprozeß nach zehn Jahren diplomatischen Patts vorwärts kommen. Die Europäische Union ist in einer einmaligen Position, um den Ausgang des Prozesses zu beeinflussen. Der Dalai Lama hat nun die Initiative ergriffen, indem er den Chinesen die Hand reicht, um eine Pilgerfahrt nach China zu machen. Wir hoffen, daß dieser Besuch im Herzen Europas die politischen Entscheidungsträger und Führer in der EU bestärken kann, damit diese ihre chinesischen Amtskollegen zu einer Antwort auf dieses Engagement für den Dialog ermuntern und damit Tibets geistlicher Führer sich mit ihnen persönlich zur Diskussion der Zukunft Tibets treffen kann." so Kelsang Gyaltsen, der Gesandte des Dalai Lamas für Europäische

Angelegenheiten.

Ein enger Vertrauter des chinesischen Staats- und Parteichefs Hu Jintao tritt derweil an die Spitze der Kommunistischen Partei in der autonomen Region Tibet. Der 55-jährige Zhang Qingli, ein Han-Chinese wie seine Vorgänger, ist zum neuen Parteichef Tibets ernannt worden. Zhang, bisher stellvertretender Regierungschef der Region, löst als Parteisekretär Yang Chuantang ab. Hu Jintao hatte seine Parteikarriere in den achtziger Jahren als Parteichef in Tibet begonnen. Zhang soll wahrscheinlich die Liberalisierung in Tibet fortführen. So gibt es seit einigen Jahren mehrere Radio- und Fernsehprogramme in tibetanischer Sprache. Auch der Förderung der tibetanischen Volkskultur wurde in den letzten Jahren mehr Raum gegeben. Eine Versöhnung scheint also möglich zu sein. Doch zu optimistisch sollte man dabei nicht sein. Zu groß sind einfach noch die Interessenunterschiede zwischen KP und dem Dalai Lama.

 

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