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Proteste aus  Pelwar und Sog gegen den Abbau von Bodenschätzen


(TCHRD), Dharamsala

März 2006, Teil 2
 

Seit geraumer Zeit bauen die Chinesen in den Distrikten Pelwar, Präfektur Chamdo, und Sog, Präfektur Nagchu, beide in der TAR, Bodenschätze ab. In letzter Zeit stießen diese Bergbauaktivitäten allerdings auf den Widerstand der einheimischen Bevölkerung, so daß es immer wieder zu Protesten kam. 2004 gab es in Sog einen massiven Zusammenstoß zwischen den Einwohnern und den Vertretern der Distriktverwaltung, welche den Abbau der Bodenschätze befürworten. Einige der protestierenden Tibeter wurden im Anschluß daran heftig geschlagen und ein paar auch ernstlich verletzt. Mehrere Einwohner, die man der Beteiligung an dem Protest bezichtigte, wurden sogar
inhaftiert.

Dennoch ließ sich die Bevölkerung von den Einschüchterungsmaßnahmen der Regierung nicht entmutigen und protestierte weiter gegen den Bergbau, der die Ressourcen bereits empfindlich reduziert und der fragilen Umwelt in der Region irreparable Schäden zugefügt hat. Der die Umwelt gefährdende Abbaubetrieb hat das Leben der Einwohner in den betroffenen Gebieten schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die Proteste und Initiativen der ortsansässigen Tibeter erfuhren mittlerweile weltweite Zustimmung. Die internationale Gemeinschaft hat sich wiederholt besorgt an die chinesische Regierung gewandt und um die Stillegung gebeten.

Am 27. April 2003 legte die chinesische Verwaltung im Bergwald von Sarding im Distrikt Pelwar Feuer. Dieses geriet außer Kontrolle und hatte katastrophale Folgen für den Baumbestand und den natürlichen Lebensraum der Wildtiere. Da es mehrere Tage lang nicht eingedämmt werden konnte, entstanden den Einwohnern enorme Schäden.

Die Feuersbrunst tötete Vieh und Haustiere, sogar die Mutter einer Nomadenfamilie kam um, als das Feuer auf die nahe gelegenen Weiler übergriff und die Einwohner der betroffenen Gegend in Angst und Schrecken versetzte. Darüber hinaus hat das Feuer ungeheure Verwüstungen angerichtet, der Lebensraum der Wildtiere und Vögel sowie das Rückzugsgebiet einiger seltener im tibetischen Hochland lebender Arten wurden zerstört. Viele Häuser in den betroffenen Weilern und Siedlungen wurden in Schutt und Asche gelegt, und die Menschen mußten alle Hoffnung auf eine Rückkehr zu ihrem bisherigen Leben aufgeben. Für die Bewohner der Gegend brachte das Feuer einen nicht wieder gutzumachenden Schaden und Zerstörungen mit sich, da es auch auf das Grasland und die Weiden übergriff und die Nahrungsgrundlage von Vieh und Mensch vernichtete. Das Futter- und Nahrungsangebot ging drastisch zurück, so daß die tibetischen Nomaden und Hirten nicht mehr wußten, wovon sie leben sollten.

Nach dem Wüten der von örtlichen Kadern verursachten Feuersbrunst appellierten die Opfer immer wieder an die Behörden und trugen ihnen ihre Beschwerden vor und verlangten angemessenen Schadensersatz für die erlittenen Verluste und Hilfe zur Wiederherstellung ihrer Lebensgrundlage. Man gewährte ihnen jedoch nur eine armselige Entschädigung von 300 Yuan. Abgesehen von der schäbigen Summe erhielten die Betroffenen, selbst nachdem sie ihren angestammten Grund und Boden mit all ihrem Besitz verloren hatten, keinerlei Hilfsleistungen. In den folgenden Tagen sprachen die betroffenen Familien bei den Behörden weiter um eine angemessene Entschädigung vor, aber sie wurden jedes Mal mit leeren Händen weggeschickt. Als ob das nicht genug wäre, wurde den Antragstellern auch noch gedroht, man werde sie hart bestrafen und streng gegen sie vorgehen, falls sie weiterhin Schadensersatz forderten.

Wie berichtet wurde, verhielten sich die Behörden gleichgültig und unternahmen ein Jahr lang gar nichts, um den Opfern zu einer Entschädigung zu verhelfen. Aus purer Verzweiflung und  Hoffnungslosigkeit suchten mehrere der Geschädigten Zuflucht bei anderen Familien des nahe gelegenen Dorfes Dongting. Einige fanden bei Verwandten in Lhasa zeitweiligen Unterschlupf, wo sie als letzten Ausweg ihre Anliegen den dortigen höheren Instanzen vortragen wollten. Die Behörden in Lhasa nahmen Kontakt zu den Dienststellen in Chamdo auf, um zu klären, ob die von den Opfern vorgebrachten Klagen den Tatsachen entsprächen. Die Beamten aus Chamdo teilten ihren Vorgesetzten in Lhasa jedoch mit, das Feuer hätte keine so gravierenden Schäden verursacht, wie von den Familien angegeben wurde. Folglich wiesen die Behörden die Ansprüche der Geschädigten kategorisch zurück und stritten die Verluste an Vieh oder sonstigem Eigentum der Einwohner sowie die Umweltschäden und die Vernichtung von natürlichen Lebensräumen durch das Feuer ab.

Einige Zeit später tauchte eine Gruppe von Beamten aus Chamdo plötzlich bei den in Lhasa versammelten Antragstellern auf, um herauszufinden, wer die Beschwerde organisiert und die Petition an die vorgesetzten Behörden in Lhasa eingereicht hätte. Zudem drohten sie den Opfern massive Repressalien nach ihrer Rückkehr in ihre Heimat an. Einige Tage danach wurde eine Experten-kommission in die Region geschickt, um die durch das Feuer verursachten Schäden zu untersuchen. Die Bewohner waren aber derart verängstigt, daß sich keiner von ihnen traute, die Wahrheit zu sagen und den Beamten das genaue Ausmaß der Verwüstung zu schildern.

Vollkommen fassungslos mußten sie erleben, wie die örtlichen Behörden, statt ihnen Hilfe und Schadensersatz zukommen zu lassen, chinesische Arbeiter anreisen ließen, um auch noch jene Bäume, die von der Feuersbrunst verschont geblieben waren, abzuholzen. Einem Augenzeugen zufolge beobachteten einige Einwohner ein paar örtliche Beamte dabei, wie sie selbst Bäume fällten und das Holz für ihren eigenen Haushalt und Privatgebrauch abtransportierten.

Auch in der Gegend von Serdong in Chamdo protestierten die Einwohner in ähnlicher Weise gegen Behördenvertreter und Bergbauunternehmen und verlangten, daß das in dieser Gegend florierende Geschäft mit dem Abbau von Gold eingestellt werde. Als Erwiderung auf die Proteste gaben die Behörden der Region Chamdo eine strenge Warnung heraus und setzten die Aktion mit konterrevolutionären Verbrechen gleich, welche dem chinesischen Gesetz zufolge als die übelsten Straftaten überhaupt gelten und mit Härte bestraft werden. In der knapp gehaltenen Verlautbarung hieß es: “Wir hoffen, daß ihr mit eurem Protest nicht die alte tibetische Feudalgesellschaft wiederherstellen und die Einheit und staatliche Integrität der VR China verletzen wolltet. Abgesehen davon ist es euch nicht gestattet, gegen den Goldabbau zu protestieren.”

Unterdessen wandten sich die Opfer und Geschädigten unter der Leitung eines Sprechers an eine Reihe von höheren Instanzen, wie die Regierung der TAR, die zuständigen Gerichtshöfe und Regionalbüros, und reichten dort ihre Petitionen ein. Die Verwaltung von Chamdo wurde daraufhin von der Provinzregierung in Lhasa angewiesen, den Goldabbau sowie die Abholzung für drei Monate einzustellen. Die Lokalbehörden ignorierten diese Anweisung ihrer vorgesetzten Regierungsstellen jedoch und fuhren mit dem Goldabbau und der Abholzung fort mit der Begründung, es handle sich hierbei um die einzigen Einkommensquellen für sie und die Bevölkerung. Ferner versicherten sie, es würden angemessene Maßnahmen ergriffen, damit es künftig zu keinen derartigen Vorfällen mehr komme. Sie behaupteten auch, der Schutz der Umwelt und der natürlichen Ressourcen solle in Zukunft absolute Priorität genießen. Sie brachten die Hoffnung zum Ausdruck, die Provinzregierung werde künftig keine Einstellung des Abbaus von Bodenschätzen oder des Holzeinschlags mehr anordnen, weil solch eine Maßnahme weder der Regierung noch der Entwicklung der Bevölkerung diene. Man hoffe, die Provinzregierung werde die örtliche Verwaltung selbst dann unterstützen, wenn wegen des Goldabbaus und der Abholzung Kritik von der internationalen Gemeinschaft käme und Druck ausgeübt werde.


Übersetzung: Irina Raba, Augsburg, Adelheid Dönges, München (IGFM)

 

 

 

 

 

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