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Trin-gyi-Pho-Nya
Tibet's Environment and Development Digest
May 15, 2006, Vol. 4, Issue 2, von Tashi Tsering
Für
westliche
Bergbauunternehmen
ist Tibet ein noch weitgehend unberührtes Terrain.
Deshalb haben auf dem tibetischen Hochplateau
bisher nur kleinere Privatunternehmen Bergbau betrieben.
Das
ist hauptsächlich auf mangelndes Kapital,
technologisches Know-how und die Infrastruktur im
Transportsektor zurückzuführen. Außerdem fehlte es den
Chinesen an dem politischen Vertrauen, um Tibet für
westliche Unternehmen zu öffnen. Doch die Umstände haben
sich jetzt geändert.
China ist zu einer boomenden Wirtschaftsmacht geworden,
und mit westlichen Gesellschaften werden Verträge
abgeschlossen, um ihr Kapital und technisches Können ins
Land zu ziehen – vor allem steht nun das ideale
Transportmittel, die unlängst fertig gestellte Eisenbahn
von Golmud nach Lhasa, zur Verfügung. Diese veränderten
Umstände führten dazu, daß sich jetzt chinesische und
westliche Unternehmen danach drängen, sich der
Bodenschätze Tibets zu bemächtigen. Und damit droht die
Gefahr einer großflächigen Umweltzerstörung,
vergleichbar mit der Abholzung der Wälder Tibets von den
sechziger bis zu den neunziger Jahren.
Bedauerlicherweise halten die chinesische Regierung bzw.
die von ihr kontrollierten Unternehmen stur daran fest,
ihre Pläne zum Abbau der Bodenschätze Tibets in die Tat
umzusetzen. Daher sollten die Vorsteher der örtlichen
Gemein-schaften möglichst bald, d.h. ehe es zu spät ist,
über die drohenden
Gefahren unterrichtet werden und auf ihren gesetzlichen,
ihnen nach der chinesischen Verfassung zustehenden
Rechten bestehen. Sie sollten sich mit den zuständigen
Behörden, mit Vertretern der Zivilgesellschaft und den
Medien in Verbindung setzen, um das öffentliche Bewußtsein für die sozialen Kosten und den hohen Preis,
den der Abbau von Bodenschätzen der Umwelt abverlangt, wachzurütteln.
Außerdem sollten sie verlangen, daß Chinas eigene
Gesetze, etwa das Gesetz zur
Überprüfung der Folgen für die Umwelt von 2003, bei der
Durchführung dieser Projekte beachtet werden.
Ob westlichen Konzernen im Hinblick auf diesen
Goldrausch zu einem Engagement in Tibet geraten oder
davon abgeraten werden sollte, ist dieser Tage, wo
einige Unternehmen bereits beginnen, Bergwerke in Tibet
zu betreiben, ein heiß diskutiertes Thema. In den
”Richtlinien für Internationale Entwicklungsprojekte und
nachhaltige Investition in Tibet”, die von der
Tibetischen Regierung im Exil
in Dharamsala formuliert wurden, wird angedeutet, daß
die Tibeter keine westlichen Bergbaukonzerne bei sich
haben wollen. Bei dieser ganzen Debatte sollten sich die
Tibeter klar darüber sein, daß Bergbau nicht Entwicklung
bedeutet, sondern eine Ausbeutung von Ressourcen.
Zusätzlich zu dem Verlust von wertvollen Bodenschätzen
sind die Kosten des Bergbaus für die Umwelt gigantisch,
gleichgültig wie wissenschaftlich und sorgfältig bei dem
Abbau vorgegangen wird. Wenn das Glas
zerbrochen ist, ist es unwichtig, ob es mit einem Hammer
oder mit behandschuhten Händen zerbrochen wurde: Ein
zerbrochenes Glas ist allemal ein zerbrochenes Glas.
Wenn der westlichen Investitionswut kein Widerstand
entgegen gesetzt wird, wird sich die Bergbauindustrie in
Tibet noch mehr ausweiten, und Ausbeutung und
Umweltschädigung werden sowohl durch die Aktivitäten
chinesischer als auch westlicher Gesellschaften rasant
um sich greifen.
Bei den modernen von westlichen Konzernen in Tibet
eingeführten Goldabbauverfahren werden sehr viele
Maschinen, Chemikalien und Wasser gebraucht. Für jede
Unze Gold, die gewonnen wird, müssen Hunderte von Tonnen
Fels bewegt und aufbereitet werden. 200 Tonnen Gestein
ergeben schätzungsweise 1 Unze Gold, von der 80%
nichtlebens-notwendigen Zwecken wie der Schmuckherstellung zugeführt werden. Da Zyanid die
Chemikalie der Wahl für die Gold-gewinnung ist – ein
Teelöffel einer 2%igen Zyanidlösung reicht, um einen
Menschen zu töten –, kann nicht genug vor den Gefahren
für die Umwelt flußabwärts gewarnt werden, besonders da
die für westliche Gesellschaften interessanten Bergwerke
alle an Flüssen liegen. Zusätzlich ist die
Bergbauindustrie so aufgebaut, daß die örtlichen
tibetischen Gemeinschaften keine Vorteile davon haben
werden, abgesehen von vielleicht ein paar
Hilfsarbeiterjobs, die zudem mit hohen Risiken und
Vergiftungsgefahren verbunden sind. Und in dem Maße, wie
in Tibet immer mehr Terrain in Bergbaureviere
umgewandelt wird, werden immer mehr Menschen und ihre
Gemeinschaften Opfer von Zwangsumsiedlungen.
Wenn man die westlichen Bergbaugesellschaften von ihrem
Vorhaben abbringen will, Gewinne durch die Plünderung
der Bodenschätze Tibets und damit einer Ausweitung
seiner ohnehin bestehenden Probleme zu machen, dann ist
es jetzt Zeit zu handeln. Gegenwärtig gibt es nur ein
paar, zumeist kanadische, Unternehmen, die an dieser
Ausbeutung beteiligt sind, und ihre Bergwerke haben den
Betrieb noch nicht voll aufgenommen. Wenn es keinen
Widerstand gibt, werden diese Bergwerke voll in Betrieb
genommen und noch vergrößert werden, und viele weitere
Unternehmer werden im Zuge des Goldrausches angezogen
werden. Die Continental Minerals in Vancouver z.B. ist
gegenwärtig dabei Gelder bereitzustellen, um ihre 12 qkm
große Goldmine Shenthongmon bei Shigatse in Zentraltibet
voll der Nutzung zuzuführen und an einem weiteren in der
Nähe befindlichen Areal von 109 qkm einen
Geschäftsanteil zu erwerben. Nun ist das Schicksal der
Shenthongmon Berge ohnehin besiegelt, denn selbst wenn
Continental sich aus Tibet zurück-ziehen sollte, würden
chinesische
Gesellschaften die Goldmine übernehmen und weiter betreiben. Dennoch ist eine Kampagne gegen
Continental und andere westliche Unternehmen, die in
Tibet operieren, sinnvoll, damit sie ihre
Geschäftstätigkeit nicht ausweiten und damit andere
Gesellschaften davon abgehalten werden, in ein politisch
umstrittenes Territorium wie Tibet vorzudringen.
www.tibetjustice.org,
dev@tibetjustice.org
Übersetzung: Adelheid Dönges, München, Revision,
Angelika Mensching, Hamburg
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