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China weiht in Tibet höchste Bahnlinie der Welt ein
zio.ch
/ sda, 30.06.06
Die höchste Eisenbahnlinie der Welt
wird am Samstag von Chinas Machthabern in der von ihnen
unterworfenen Region Tibet eingeweiht.
Das Megaprojekt kostete offiziellen
Angaben zufolge 33,9 Milliarden Yuan (5,2 Milliarden Franken).
In teilweise mehr als 5000 Metern Höhe über dem Meeresspiegel werden
Züge fahren, die Peking und die tibetische Hauptstadt Lhasa
miteinander verbinden. Seit 2001 wurde fieberhaft am letzten
Teilstück der 4561 Kilometer langen Strecke gearbeitet.
Die Einweihung, zu der voraussichtlich Präsident Hu Jintao kommt,
wird nach einem bemannten Raumflug im Oktober und dem Mega-Staudamm
der Drei Schluchten ein weiteres Symbol für die rasante Entwicklung
Chinas mit seinem zweistelligen Wachstum sein.
In zwei Tagen können Reisende jetzt von Peking auf das Dach der Welt
fahren - zu einem günstigen Preis. Ein "harter Sitz" in der dritten
Klasse ist schon für unter 60 Franken zu haben, für die "weiche
Liege" muss der Fahrgast rund 200 Franken hinblättern.
Die neue Bahn bricht damit den alten Höhenrekord der historischen
Lima-Huancayo-Linie in Peru, die sich auf bis zu 4800 Metern Höhe
schleppt.
Hoffnung für Tourismus
Mit der Zugverbindung hoffen die Pekinger Behörden nicht nur, den
Tourismus in die landschaftlich atemberaubende Region zu fördern,
der gesamte Westen des Landes, der dem allgemeinen Wirtschaftsboom
hinterherhinkt, soll so einen Anstoss bekommen. Auch politisch
versucht Peking Gewinn aus dem Projekt zu ziehen.
Die staatlich kontrollierte Presse berichtet seit Wochen über die
technische Meisterleistung einer Bahnlinie in den Höhen des
tibetischen Hochplateaus, wo sich verschneite Gipfel, Wüsten, Seen,
vereiste Böden und grüne Wiesen aneinanderreihen. Täglich sendet das
Fernsehen Berichte über die bevorstehende Eröffnung der Bahn.
Dalai Lama skeptisch
Das geistliche Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, liess aus dem
indischen Exil mitteilen, er sei nicht gegen das Projekt, solange
damit keine politischen Ziele verfolgt würden.
Doch für Kritiker besteht daran kein Zweifel: "Das ist die vorletzte
Phase der völligen Inbesitznahme Tibets durch China, die letzte
Phase kommt dann mit einer Autobahn", sagt der französische Sinologe
Jean-Luc Domenach, der von "Durchdringung und Kolonisierung"
spricht.
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