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11.
Panchen Lama Gendun Choekyi Nyima wird 17 Jahre alt
TCHRD, Dharamsala
Am 25. April
2006 wurde der 11. Panchen Lama, Gendun Choekyi
Nyima, 17 Jahre alt und es jährt sich zum elften Mal seit er
verschwunden
ist. Er wurde seit dem 17. Mai 1995 nicht mehr gesehen,
nachdem der Dalai Lama ihn als die Wiedergeburt des 10. Panchen
Lama, Erdeni Choekyi Gyaltsen, anerkannt hatte. Es gibt seit dieser
Zeit auch keinerlei Informationen über seinen Verbleib. Es wird
allgemein angenommen, daß er sich zusammen mit seinen Eltern an
einem unbekannten Ort in chinesischem Gewahrsam befindet.
Am 13. April 2006 wurde Asma Jahangir, der UN
Sonderberichterstatterin für Religionsfreiheit, von der chinesischen
Regierung mitgeteilt, daß Gendun Choekyi Nyima zur höheren Schule
gehe, daß er “ein normales, glückliches Leben führt und eine gute
kulturelle Bildung erhält”. Was unter der Aussage “gute kulturelle
Bildung” zu verstehen ist, wurde von chinesischer Seite jedoch nicht
definiert. Bis zum heutigen Tag durften weder Privatpersonen noch
Regierungsvertreter Gendun Choekyi Nyima besuchen, und die Besorgnis
um sein Wohlergehen hält unvermindert an.
Darüber hinaus erklärte die chinesische Regierung Asma Jahangir,
Gendun Choekyi Nyima sei nicht der Panchen Lama, sondern ein
gewöhnlicher tibetischer Junge. An demselben Tag hielt die
chinesische Regierung ein Religionsforum ab – ihr allererstes seit
der Gründung der Volksrepublik China. Überraschend trat der von
China eingesetzte Panchen Lama, Gyaincain Norbu, als einer der
Hauptredner bei diesem Forum auf. Die Regierung suchte auf diese
Weise die Unterstützung für ihn
zu mehren und seine Legitimität zu festigen. Es bleibt jedoch
Tatsache, daß das tibetische Volk in seinem Herzen und Denken den
vom Dalai Lama gemäß der tibetischen Tradition anerkannten Gendun
Choekyi Nyima als den 11 Panchen Lama betrachtet.
Am 14. Mai 1995 erkannte Seine Heiligkeit der Dalai Lama den damals
sechs Jahre alten Gendun Choekyi Nyima als die Reinkarnation des 10.
Panchen Lama an. Die Regierung der VR China erklärte diese
Ankündigung für ungültig und gesetzwidrig. Drei Tage später
verschwanden Gendun Choekyi Nyima und seine Eltern und wurden
seither nie mehr gesehen. China hat die UN Konvention über die
Rechte des Kindes am 29. August 1990 unterzeichnet und sie am 2.
März 1992 ratifiziert. Seine
Festhaltung des jungen Panchen Lama stellt eine grobe Verletzung der
Konvention über die Rechte des Kindes, sowie der chinesischen als
auch internationalen Gesetze dar.
Im Oktober 2000 versuchten die chinesischen Behörden eine britischen
Delegation glauben zu machen, der Junge sei wohlauf und besuche die
Schule. Sie behaupteten, die Eltern wollten nicht, daß Ausländer
oder Medienvertreter in sein Leben eindringen. Der britischen
Delegation wurden zwei Fotos eines Knaben von ungefähr dem gleichen
Alter gezeigt, die angeblich den Panchen Lama darstellten. Es war
jedoch unmöglich, die Identität des Jungen auf den Fotos zu
verifizieren oder
festzustellen, wo sie aufgenommen worden waren, und ebenso wenig
durfte die britische Delegation die Bilder mitnehmen.
Im August 2001 bekam eine Delegation polnischer Parlamentarier, die
Lhasa besuchte, auf ihre wiederholten Fragen zu hören, Gendun
Choekyi Nyima sei wohlauf und gesund. Man versprach den Mitgliedern
der Delegation, ihnen innerhalb von sechs Wochen Fotos des Knaben
zuzuschicken, aber diese trafen niemals bei ihnen ein. Statt dessen
erhielt die polnische Regierung einen Brief von der chinesischen
Botschaft in Warschau, in dem wiederholt wurde, Gendun Choekyi Nyima
und seine
Eltern wünschten nicht, daß ihr friedliches Dasein von Fremden
gestört werde; abgesehen davon respektiere die chinesische Regierung
die Entscheidungsfreiheit ihrer Bürger und hoffe, das polnische Volk
hätte dafür ebenfalls Verständnis.
Während des Treffens einer Regierungsdelegation aus der TAR mit
einer Delegation des Europäischen Parlaments im März 2002 wurde die
Behauptung wiederholt, die Eltern von Gendun Choekyi Nyima wollten
nicht, daß er gestört werde. Die TAR-Delegation lehnte es ab, Fragen
nach den Fotos zu beantworten, die der polnischen Delegation
versprochen worden waren. Angesichts der Weigerung der Chinesen,
Bilder zu liefern, auf denen Gendun Choekyi Nyima eindeutig
identifiziert werden kann oder unabhängigen Personen Zugang zu dem
Jungen und seiner Familie zu gewähren, muß das tibetische Volk das
Schlimmste befürchten.
Das fortgesetzte Verbergen des Panchen Lama vor der Öffentlichkeit
steht in krassem Widerspruch zu der Behauptung Chinas, in Tibet
würde die Religionsfreiheit respektiert. Im Gegenteil gibt dies zu
der Befürchtung Anlaß, daß diesem religiösen Würdenträger mit einem
derart herausragenden Status die ihm gebührende traditionelle
religiöse Ausbildung verweigert wird, vorausgesetzt, er ist
überhaupt noch am Leben.
In den seit seiner Entführung zusammen mit seinen Eltern vergangenen
elf Jahren konnten internationale Gremien und
Menschen-rechtsbeobachter nichts über seinen Verbleib und seinen
Zustand in Erfahrung bringen. Chadrel Rinpoche, der ehemalige Abt
des Klosters Tashi Lhunpo, dem Sitz des Panchen Lama, und der Leiter
der Suchkommission nach der Wiedergeburt des 11. Panchen Lama, sowie
sein Assistent Champa Chungla verschwanden am 14. Mai 1995 auf dem
Flugplatz von Chengdu, Provinz Sichuan. Am 21. April 1997
verurteilte das Mittlere Volksgericht von Shigatse
Chadrel Rinpoche zu 6 Jahren Haft. Er wurde der “Verschwörung zur
Spaltung des Landes” und der “Preisgabe von Staatsgeheimnissen”
angeklagt. Weiterhin wurde er beschuldigt, bei der Suche nach dem
11. Panchen Lama gemeinsame Sache mit dem Dalai Lama gemacht zu
haben. Obwohl Chadrel Rinpoches sechsjährige Haftstrafe am 16. Mai
2001 zu Ende ging, wird er vermutlich immer noch in Shigatse unter
Hausarrest gehalten. Jampa Chungla, der 56jährige ehemalige
Assistent von Chadrel
Rinpoche, wurde 1995 wegen seiner Zugehörigkeit zu dem Suchkomitee
nach dem 11. Panchen Lama festgenommen. Er wurde zu 4 Jahren
Gefängnis und 2 Jahren Aberkennung der bürgerlichen Rechte
verurteilt. Selbst nach Verbüßung seiner ursprünglich auf 4 Jahre
lautenden Strafe wird er immer noch in Gewahrsam gehalten.
Im Juni 2005 legte die “Arbeitsgruppe für Zwangsverschleppung und
unfreiwilliges Verschwinden” der UN-Menschenrechtskommission der
chinesischen Regierung in Bangkok die Frage nach dem Panchen Lama
vor und erklärte, daß “sie es begrüßen würde, wenn sie von der
Regierung Chinas Dokumente zur Bestätigung ihrer Aussage erhielte,
daß der Junge und seine Eltern die Regierung um Schutz gebeten
haben, ein normales Leben führen und sich bester Gesundheit
erfreuen”. Bedauerlicherweise erfolgte von den chinesischen
Regierungsvertretern keine plausible oder positive
Antwort.
Das Tibetan Centre for Human Rights and Democracy (TCHRD) ist
erschüttert darüber, daß Gendun Choekyi Nyima, der am 25. April 2006
siebzehn Jahre alt wird, immer noch von der chinesischen Regierung
unter Verschluß gehalten wird. Angesichts des Mißlingens sämtlicher
Versuche unabhängiger Gremien, ihn zu Gesicht zu bekommen, fordert
das TCHRD die Vereinten Nationen und ihre diversen thematischen
Ausschüsse auf, ihren Druck auf die chinesische Regierung zu
erhöhen, damit sie der Bitte des UN-Komitees für die Rechtes des
Kindes, Gendun Choekyi Nyima zu besuchen und sich seiner Gesundheit
und Lebensumstände zu vergewissern, stattgibt.
Übersetzung: Adelheid Dönges, München,
Revision: Angelika Mensching, Hamburg
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