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Der Alpinist und Autor Heinrich Harrer ist am Samstag
gestorben. Berühmt machten ihn "sieben Jahre in Tibet"
und die Freundschaft mit dem Dalai Lama.
Klagenfurt (SN, APA, dpa). Heinrich Harrer ist am
Samstag mit 93 Jahren im Krankenhaus in Friesach in
Kärnten gestorben. Er war Generationen ein Begriff als
Lehrer des Dalai-Lama, als Buchautor, Bergsteiger,
Forscher und wohl auch Abenteurer. Er wird am kommenden
Samstag in seiner Heimatgemeinde Hüttenberg beigesetzt
werden.
"Wenn ich die Zivilisation hinter mir lasse, fühle ich
mich sicher", hatte er seine Gefühle bei all seinen
Forschungsreisen beschrieben. Und als Rückblick auf
seine weltumspannenden Expeditionen erklärt: "Ich hatte
noch das große Glück, Menschen zu begegnen, die mit
ihrem einfachen Dasein zufrieden waren und Hass und
Neid, wie sie zu unserer viel gepriesenen Zivilisation
gehören, nicht kannten."
Die Begegnung, die sein Leben verändern sollte, war wohl
die mit dem Dalai Lama. In Lhasa war Harrer von 1946 bis
1951 Erzieher und Berater des jungen Dalai Lama gewesen. Harrers Buch "Sieben Jahre in Tibet" wurde ein
Welterfolg.
Die Geschichte, wie er nach Tibet gelangt war, ist an
Abenteuern kaum zu überbieten. Am Tag als Harrer 1938
die letzte Prüfung seines Staatsexamens im Sport- und
Geographiestudium ablegte, fuhr er nach Grindelwald in
die Schweiz. Gemeinsam mit dem Wiener Fritz Kasparek
sowie den Deutschen Anderl Heckmair und Ludwig Vörg
schaffte er am 24. Juli die Erstbesteigung der fast 2000
Meter hohen Eiger-Nordwand im Berner Oberland, an der in
den Jahren zuvor zahlreiche Alpinisten gescheitert
waren.
Dieser Erfolg brachte Harrer zunächst eine Berufung in
die deutsche Himalaja-Expedition 1939 zum Nanga Parbat.
Zwar wurde bei dieser der Gipfel nicht erreicht, doch
fanden die beteiligten Alpinisten eine neue
Aufstiegsroute durch die Diamir-Wand. Auf dem Rückweg
Anfang September wurden Harrer und seine Gefährten vom
Ausbruch des Weltkrieges überrascht und von den
Engländern interniert. Der Österreicher nützte diese
Zeit, um Hindostani, Tibetisch und Japanisch zu lernen.
Nach vier Ausbruchsversuchen aus der britischen
Internierung hatte Heinrich Harrer beim fünften Mal
Erfolg und entkam am 29. April 1944 mit einem Kameraden
aus dem Lager in Indien. Es folgte eine 21 Monate
dauernde Flucht über rund 2000 Kilometer bis nach Tibet.
Dort trat er in den Dienst des Dalai-Lama, des
weltlichen und geistigen Oberhaupts der Tibeter.
Ein Schatten aus der NS-Zeit fiel auf Harrer Die
Jahrzehnte seit Tibet führten Harrer zu Forschungsreisen
rund um die Welt, unter anderem nach Südamerika,
Grönland, Alaska, Afrika, Hawaii, Tahiti und Neuguinea,
wo er 30 Gipfel zum ersten Mal bestieg und mit den
Papuas zusammenlebte. Es folgten Nepal, Surinam,
Französisch-Guyana, Sudan und Borneo. In mehr als 20
Büchern verarbeitete Harrer seine Eindrücke. Zuletzt kam
im Sommer 2005 der Bild-Textband über den Himalajastaat
Bhutan heraus: "Denk ich an Bhutan" (Herbig).
Ende Ende der neunziger Jahre wurde eine Schattenseite
im Leben von Heinrich Harrer bekannt. Er räumte ein,
nicht nur Mitglied der NSDAP, sondern auch der SS
gewesen zu sein. "Ich glaube, ich muss nicht extra
betonen, dass ich ein reines Gewissen habe", sagte er
damals. Gleichzeitig betonte er, dass er im Rahmen der
SS niemals irgendwelche Tätigkeiten ausgeübt habe. Aus
heutiger Sicht stelle seine damalige Partei- und
SS-Mitgliedschaft jedoch eine "äußerst unangenehme
Sache" dar, die er "schlucken und überstehen" müsse,
hatte Harrer erklärt.
Die Freundschaft zwischen Harrer und dem 14. Dalai-Lama,
Tenzin Gyatso, hielt bis zuletzt: Das geistige und
weltliche Oberhaupt der Tibeter erwies Harrer an dessen
80. und zuletzt im Jahr 2002 zum 90. Geburtstag die Ehre
und besuchte ihn in seiner Geburtsgemeinde. Das dort
geplante Europäische Tibet-Zentrum, für das der
Spatenstich im Mai vorgesehen ist, kann Harrer nicht
mehr erleben.
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und LH Jörg Haider
würdigten den Verstorbenen am Wochenende als große
Persönlichkeit.
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