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U.N. Ermittlungsbeamter stellt „verbreiteten Folter in China“ fest

 

New York Times by Joseph Kahn

Beijing, 02.12.05                                           

Ein hoher Ermittlungsbeamter der Vereinten Nationen verurteilte die verbreitete Anwendung von Folter der chinesischen Strafjustizvollzugsbehörden und sagte, dass Beijing sein Strafrecht überarbeiten, den Richtern mehr Machtbefugnis einräumen und die Arbeitslager aufheben sollte, bevor solche Missbräuche beendet werden könnten.

Der Sonderberichterstatter der Kommission für Menschenrechte der Vereinten Nationen, Manfred Nowak, stellte einige Fortschritte mit weniger Gewaltanwendung gegen Gefangene fest, seit das Land im Jahre 1988  die internationale Vereinbarung  gegen Folter unterzeichnet hatte.

Aber Geständnisse ab zu ringen und abweichendes Verhalten zu bekämpfen seien nach wie vor die Hauptziele des chinesischen Strafjustizsystems. Die Polizei und Gefängnisaufsicht werden dazu angehalten Schuldbekenntnisse ab zu ringen und werden sehr selten für die Benützung unter anderem von Elektroschocks, Schlafentzug, Untertauchen ins Wasser oder Abflüssen bestraft. „Dies sind Techniken, welche die Kommission für Menschenrechte als Folter betrachtet“, sagte er.

 „Folter, trotz dass sie in China weit verbreitet ist, kommen im Speziellen in städtischen Ballungszentren besonders häufig vor“, sagte Mr. Nowak anlässlich einer Pressekonferenz in Beijing. „Es ist eine wesentliche, strukturelle Reform notwendig, um das Problem an zu gehen.“   

Mr. Nowaks ursprünglicher Untersuchungsbericht, ungewöhnlicher Weise  abgeschwächt durch Normen der Vereinigten Nationen, könnte wahrscheinlich die chinesische Regierung unangenehm überraschen, die zwar zugibt das Missbräuche vorkommen, aber in Anspruch nimmt, dass das Gesetz Folter untersagt und die besondere  Art der Behandlung von Strafsachen  das Problem massiv vermindert hätte.

Ein Sprecher des Aussenministeriums sagte am Freitagabend, dass die Regierung immer noch die Anmerkungen von Mr. Nowak überprüft und daher noch keine entsprechende Antwort vorbereitet hätte.

Die chinesische Führung hatte lange Zeit erklärt, dass sie auf Basis von Gesetzen regiert und war begierig darauf, ausländische Investoren und ihre eigene Bevölkerung davon zu überzeugen, dass der Einparteien Staat innerhalb der Normen des internationalen Rechts agiert.

Aber das chinesische Justizsystem in Sachen Strafrecht enthält viele Elemente eines autoritären Regimes. Die Polizei und die Gerichte setzen oft das Recht von Schutz vor Folter und irrtümlicher Verurteilung nicht durch, wie dies in Ländern mit weiter entwickeltem Rechtssystemen der Fall ist.   

Der Bericht der Vereinten Nationen könnte dazu beitragen, den Druck auf Beijing zu erhöhen sein Strafrecht zu überprüfen, die Abschaffung von ausser gerichtlichen Internierung in Straflagern zu bewirken sowie eine Reduktion der Anwendung von Todesstrafen.  Rechtsgelehrte und einige Regierungsoffizielle befürworten solche Schritte, aber der machtvolle Sicherheits-apparat des Landes - beauftragt die Sicherheit im Lande zu gewährleisten und abweichende Meinungen zu verhindern – bekämpft die Forderung, die Rechte von Straftätern oder Beschuldigten zu verbessern.  

Mr. Novaks zweiwöchige Untersuchung von chinesischen Gefängnissen und Haftanstalten war die erste seiner Art für die Anti-Folter Einheit der Vereinten Nationen und davor verging eine Dekade diplomatischer Vorarbeiten, um diese zu ermöglichen. Er erhielt kein Zugang zu 30  Gefangenen in mehreren Hauptgefängnissen in Beijing als auch in entfernten Gebieten wie Tibet und Xinjiang, wo die Verfolgung von religiösen und ethnischen Minderheiten als allgemein üblich angesehen wird. 

Obwohl er der chinesischen Regierung gegenüber seine Anerkennung dafür aussprach, dass er diesen Besuch machen konnte und es ihm erlaubt wurde, private Unterhaltungen mit Gefangenen, Folteropfern und ihren Verwandten zu führen, sagte er, war er auch viele Male mit Versuchen zur Behinderung und Einschränkung bei seinen Ermittlungen konfrontiert.   

Die Polizei und Sicherheitsleute überwachten ihn ständig, wodurch einige Leute davon abgeschreckt wurden ihn zu treffen, sagte er. Er beschwerte sich darüber, dass seine Gefängnisbesuche nur während des Tages und während „der Arbeitszeit“ der Gefängniswärter durchgeführt werden konnte und das ihm nicht erlaubt wurde zu photographieren oder seine Gespräche auf zu zeichnen,  wie dies Standardpraxis bei seinen Ermittlungen überall in der Welt bisher waren. 

Er sagte, dass diese Restriktionen ihn Schwierigkeiten bereitet hätten, einen kompletten Übersicht  über die Foltersituation im Lande zu gewinnen. Er sagte, dass eine „Kultur der Angst“ überall vorherrschte und dass einige Gefangene inklusive solche, die früher Beschwerden an seinem Büro gerichtet hatten,  während seines Besuches behauptet hätten, dass sie nicht gefoltert würden oder konnten sich nicht mehr an Details erinnern. „Es war ein augenfälliges Gefühl von Angst und Selbstzensur“, sagte Mr. Nowak.  

Auch so hätte er Hinweise für verbreiteten Missbrauch vorgefunden. Solche Probleme seien bemerkenswerter Weise sogar in Beijing feststellbar, wo im Allgemeinen angenommen wird, dass die nationale Gesetzgebung über die Behandlung von Häftlingen besser beachtet werden als in kleineren Städten oder ländlichen Gegenden.     

Zum Beispiel, sagte er, wurden Leute die zum Tode verurteilt wurden und auf die Berufung in Häftlingsanstalten in Beijing warteten, gefesselt und waren während 24 Stunden pro Tag in Fesseln. Sie waren dadurch auf die Hilfe von anderen Gefangenen angewiesen, um zu essen und die Toilette zu benutzen.  

Mr. Nowak berichtete, dass er bekannte politische Gefangene in Beijings Gefängnis Nr. 2 getroffen hätte, die berichteten, dass sie anhaltenden Foltern ausgesetzt waren. Der Gefangene He Depu, ein Dissident der geholfen hatte, eine oppositionelle politische Partei zu gründen und deshalb im Jahre 2003 ein achtjährige Strafe wegen Umsturzversuchs der Regierung erhielt, sagte, dass er gezwungen wurde während vollen 85 Tagen ununterbrochen in seinem Bett regungslos zu  liegen und dies mit seitlich über dem Kopf gestreckten Händen. Wenn seine Hände während er einschlief sich bewegten, wurde er aufgeweckt und es wurde ihm befohlen, die vorgeschriebene Haltung wieder ein zu nehmen.  

Die Behörden verbaten einzig Arten von Folter die bleibende Schäden zurück liessen, auf chinesisch „kuxing“ genannt, dass kurz gesagt der Definition entspricht, zurückbleibende Narben und Behinderungen zu vermeiden, sagte Mr. Nowak. Die Behörden hätten nicht genug unternommen, um Strafen zu verbieten, die Schäden hinterlassen die nicht sichtbar sind, sagte Mr. Nowak.  

Die Untersuchungen ergaben, dass die Techniken inklusive das Tragen von Hauben und Augenbinden, Schläge durch Mitgefangene, Handschellen und Fussfesseln für längerer Zeit, Aussetzung an extremer Kälte oder Hitze, erzwungener Beibehaltung von peinlichen Körperhaltung während einer langen Zeit und die Verweigerung von medizinischer Betreuung beinhalteten. "Schlafentzug ist vielleicht die meistübliche Art der Gewalt", sagte Mr. Nowak.  

Zusammenfassend macht er die Feststellung, dass in letzter Zeit die Regierung Schritte unternommen hättet, um Folter zu reduzieren zusätzlich mit der Herausgabe von Anweisungen im Jahre 2004, welche Folter und Drohungen zur Erlangung von Geständnissen verbieten.   

Aber er sagte, dass er ausreichende Beweismittel dafür gefunden hätte, dass die Gerichte bei ihren Schuldsprüchen immer noch stark auf erzwungene Geständnisse sich abstützten.  

Er sagte, dass Folter in ländlichen Arbeitslagern, die von Polizisten, über die wenig Aufsicht geführt  werden, üblich seien. Anhänger des Fanglun Gong Glaubens und Praktizierende, welche die Behörden als grössere Bedrohung für die nationale Sicherheit ansehen, würden regelmässig ohne grössere Überprüfung in den Lagern interniert werden und regelmässig gezwungen als eine Form der Strafe „anstrengende Positionen“ ein zu nehmen.  

Mit der eingegangenen Verpflichtung zur Beseitigung von Folter muss China neue Rechte für strafverdächtige einführen inklusive das Recht zu Schweigen, welches ein Privileg bildet gegen Selbstbelastung und zur Vermeidung von durch Folter erzwungene Beweisführungen. 

Er empfahl auch, dass die Gerichte gestärkt werden und ihnen die Oberaufsicht über die Häftlinge übertragen werden müssten.

 

Anmerkung der Redaktion: Gemäss Bericht der NZZ v. 3./4.12.05 soll der Bericht der Plenarversammlung der Uno-Menschrechtskommission im kommenden Jahr vorgelegt werden.

 

Übersetzung: Tenzin N. Emchi

 

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