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Yaks auf dem Plateau Nordtibets


Von Zhuang Zhixia

Als ich meinen Fuß auf den Boden Lhasas setzte, wurde ich sofort von einer bronzen Yakstatue auf dem Lhasa-Platz angezogen. Warum stellte die tibetische Bevölkerung ins Zentrum der Haupstadt Lhasa des Autonomen Gebiets Tibet diese Statue? Nachdem ich mit einer Reisegruppe von Shannan, der Wiege der tibetischen Kultur, nach Nagqu in Nordtibet gekommen war, fand ich endlich die Antwort.

Unser Wagen fuhr entlang der Qinghai-Tibet-Landstraße von Lhasa nach Norden. In mein Blickfeld gerieten vor allem Yakherden, die auf der Steppe weideten. Diese Yaks hatten dicke Körper, kurze Beine, kugelförmige Augen und scharfe Zähne. Ihre Haare waren sehr lang, so dass sie schwarze bzw. braune Mäntel zu tragen schienen. Wenn man weit in die Ferne blickte, sahen diese wie schwarze Achate aus, die in einen grünen Teppich hineingesetzt waren. Unserem Reiseführer zufolge ist dieses Gebiet reich an Yaks. Wirklich waren Rinder und Schafe, die wir auf der Strecke von Lhasa bis Nyingchi überall gesehen hatten, verschwunden. Der Grund dafür ist, dass dieses Gebiet im Durchschnitt über 4500 m über dem Meeresspiegel liegt und der Sauerstoffgehalt der Luft um 45% niedriger als in Höhe des Meeresspiegels ist. Der Winter dauert hier acht Monate. Aber Yaks können sich diesen schlechten Klimabedingungen anpassen.

Lobsang Dainzin, der ehemalige Sekretär des Parteikomitees des Nagqu-Bezirkes, erzählte uns sein Abenteuer: Im Anfangsstadium der Erschließung der entvölkerten Zonen fuhren er und seine Mitarbeiter eines Tages per Lastkraftwagen nach Nordtibet. Unterwegs stießen sie auf einen wilden Yak, der den Wagen nicht gesehen zu haben schien. Plötzlich zeigt er seine Wildheit. Er durchbohrte den Wagen mit seinen Hörnern, so dass die beiden hinteren Räder des Wagens vom Boden abhoben. Alle Passagiere bekamen bei diesem „Unfall“ einen tüchtigen Schreck ...

In Nagqu besichtigten wir die Yakfleischverarbeitungsfabrik, die Teppichweberei mit Yakwollen und die Werkstätte für Kunsthandwerke aus Yakschädeln. Ich bemerkte, dass das Alltagsleben der einheimischen Hirten von Yaks abhängt. Sie nutzen Yakmist als Brennstoffe, essen Yakfleisch, trinken Yakmilch und leben in den aus Yakwolle gefilzten Zelten. Die Yaklederboote sind das wichtigste Verkehrsmittel auf dem Wasser. Um uns zu begrüßen, tanzten die einheimischen Hirten den leidenschaftlichen Yakstanz. Als ich die buddhistischen Ermahnungen, die in Yakschädel geschnitzt waren und auf die Mani-Steinhaufen gelegt wurden, fand, verstand ich, dass der Yak von den einheimischen Hirten als Totem verehrt wurde. Damit verband ich sofort die Geschichte, dass einst mehr als 5000 Hirten 520 000 Rinder und Schafe treibend, von Nagqu hierher kamen, um diese entvölkerte Zone zu erschließen. Heute hat diese 300 000 Menschen zählende Nomadennationalität mit ihrem Fleiß und ihrer Unbeirrbarkeit auf dem „Dach der Welt“ ein neues Kapitel in der Geschichte geschrieben.

Anhand historischen Aufzeichnungen kann die Zucht von Yaks bis zum Yarlung-Stamm, den Vorfahren der Tibeter, zurückverfolgt werden. In den Inschriften auf Bronzen der Zhou-Dynastie (v. Chr. 770-256) gab es auch Aufzeichnungen über Yaks. Statistiken zufolge gibt es derzeit weltweit nur 14 Mio. Yaks, davon leben 85% in den Gebieten, die über 3000 m über dem Meeresspiegel liegen, auf dem Qinghai-Tibet-Plateau und den umliegenden Regionen. Die meisten Yaks in der Welt leben in China. Schon in der quaternären Periode verteilten sich die Vorfahren wilder Yaks über Nordchina, die Innere Mongolei und den Nordteil Eurasiens. Nachdem das globale Klima wärmer geworden war, begannen die Nachkommen wilder Yaks, sich auf dem kalten Qinghai-Tibet-Plateau niederzulassen. Heute sind auf dem dünn besiedelten Plateau Nordtibets noch wilde Yaks zu sehen. Einige meiner Mitreisenden planten, hier in Zusammenarbeit mit der Nagqu-Viehzuchtgesellschaft Geschäfte für Kunsthandwerk aus Yakschädeln abzuwickeln und Grenzhandel zu betreiben.

Bevor wir Nagqu verließen, schenkten die gastfreundlichen Gastgeber uns jeweils einen Staubwedel, der aus weißen Yakschwanzhaaren geflochten war. Aufgrund der Seltenheit weißer Yakschwanzen sind derartige Staubwedel immer noch die wichtigste Exportware Nagqus. Ich bewahre dieses wertvolle Geschenk zu Hause auf. Mein Mann versteht mein Interesse für Tibets Yaks sehr gut. Vor kurzem kaufte er für mich einen Kamm aus Yakhorn. Sobald ich diesen in die Hand nehme, fallen mir gleich wieder die Yaks auf dem weiten Plateau Nordtibets ein.

 

 

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