Spannungen wegen Weideland und
Viehbestand in den tibetischen Gebieten |
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Die
Entwicklungspolitik der chinesischen Regierung wirkt
sich in Tibet verheerend auf das Leben einheimischer
Bauern und Nomaden aus. Als die größte Errungenschaft
der Revolution wird von den Chinesen gepriesen, daß der
breiten Masse des Volkes ein Grundauskommen ermöglicht
wurde, doch die auf dem Lande lebenden Tibeter müssen
weiterhin jeden Tag einen harten Existenzkampf bestehen.
Die Landreformpolitik, sowie weitere
entwicklungspolitische Maßnahmen auf tibetischem Gebiet
resultierten in der kompletten Marginalisierung der
Tibeter, die nun ein armseliges Leben führen. Auch kam
es zwischen der einheimischen Bevölkerung, den Behörden
und ethnischen Chinesen zu Spannungen.
Zwei Neuankömmlinge aus Tibet (Gemeinde Dharmar,
Landkreis Sershul, TAP Kardze), die anonym bleiben
möchten, erzählten, tibetische Einwohner seien von den
Kreisbehörden geschlagen worden, als sie zur Bestreitung
ihres Lebensunterhalts an einem verbotenen Ort
chinesische Raupenpilze (cordyceps sinensis) pflückten.
”Die Behörden zäunten ein riesiges Graslandareal ein,
das von jeher die Lebensgrundlage der Tibeter dieser
Gegend bildete. Die Nomaden weideten ihre Tiere auf
diesem Grasland und die örtlichen Bewohner suchten dort
nach Yartsa Gunbhu, das ihnen auf dem Markt einen guten
Preis einbringt. Jahrzehntelang bestritten die dortigen
Familien ihren Lebensunterhalt auf diese Weise.
Im März 2003 ließen die Behörden das Grasland einzäunen
und verboten der Bevölkerung es zu betreten. Die Nomaden
und andere Bewohner, die von diesem Weideland lebten,
hatten nun keine Einkommensquelle mehr. Als die
Behörden das Verbot nach einem Jahr immer noch nicht
gelockert hatten, rissen etwa 2.000 Leute aus den
Gemeinden Thenda, Deshung und Dharmar den Zaun nieder
und fingen an, Yartsa Gunbhu zu sammeln. Als die
Behörden davon erfuhren, kamen 11 Polizeifahrzeuge zu
der Stelle.
Der Polizei gelang es zwar, die Leute zu beruhigen, aber
sie konnten sie nicht davon abhalten, den Raupenpilz zu
pflücken. In den folgenden Tagen wurden acht Tibeter
festgenommen und in der örtlichen Niederlassung des
Public Security Bureau vernommen. Während ihrer Haft
wurden sie schwer geschlagen. Das Verbot wurde bis heute
nicht aufgehoben.”
Anfang Mai 2005 hatte ein Flüchtling dem TCHRD von einem
Zwist unter Tibetern wegen des Pflückens des Heilpilzes
im Kreis Dzatoe, TAP Yushu, Qinghai, berichtet. Bei
einem Zusammenstoß am 20. Mai 2005 zwischen Bewohnern
des Kreises Dzatoe und des Kreises Nangchen gab es zwei
Tote und viele Verletzte.
Bei einem anderen Zwischenfall, der von Radio Free Asia
am 8. September 2005 berichtet wurde, brannten Hunderte
von Tibetern in der Gemeinde Manigango, TAP Kardze,
einen Schlachthof nieder. Das von einem chinesischen
Unternehmer und einem Beamten der Kreisverwaltung
betriebene Schlachthaus hatte Druck auf die dort
ansässigen Tibeter ausgeübt, ihre Tiere unter dem
Marktpreis zum Schlachten abzugeben. Die Tibeter drangen
in das Gebäude ein, befreiten alle Tiere und brannten es
nieder. Die Polizei nahm im Zusammenhang mit dem
Abbrennen des Schlachthofs 50 Personen zum Verhör fest.
Fast alle, bis auf acht, sollen inzwischen wieder auf
freien Fuß gesetzt worden sein.
Übersetzung: Adelheid Dönges, München,
Angelika Mensching, Hamburg
Revision: Erika Baker, Bristol/England
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