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TCHRD, Juli 2005
Jamyang Jinpa, 27, aus
dem Dorf Theko,
Gemeinde
Ngura, berichtete dem TCHRD, wie in seiner Gegend nach
Gold gegraben wird. Wie er sagt, wirken sich die
Aktivitäten der Bergarbeiter verheerend für den
Lebensunterhalt der Nomaden in dieser Gegend aus.
Um ihn zu zitieren: “Seit Juli 2004 bauen die Chinesen
Bodenschätze an dem Berg Dokri ab, der zum Gebiet der
Gemeinde Nyima gehört und 15 km vom Kreis Machu entfernt
ist. Niemand durfte dem Berg mehr zu nahe kommen. Das
ganze Areal wurde mit Stacheldraht abgezäunt und
außerhalb wurden Polizisten aufgestellt, die das Gelände
bewachen. Die Nomaden, die im Zuge ihrer saisonbedingten
Wanderungen mit ihren Herden zu diesem Berg zu kommen
pflegten, müssen ihr Vieh nun woandershin bringen, da
ihnen verboten wurde, es jenseits dieses Geländes zu
führen.
Chinesische
Bergbau-Experten entdeckten reiche Goldlager in der
Gegend und verwendeten Dynamit und andere Sprengstoffe,
um das Golderz abzubauen.Infolge des Einsatzes der
Sprengstoffe sind die Flüsse nun verschmutzt und das
Wasser ist wegen seines hohen Chemikaliengehalts
untrinkbar geworden. Gegen Ende letzten Jahres
verendeten 40 Stück Vieh, nachdem sie aus dem
verunreinigten Fluß getrunken hatten. Die hiesige
Bevölkerung appellierte an die Behörden, den Erzabbau zu
stoppen, weil ihr Lebensunterhalt dadurch bedroht sei.
Diese schlugen das Ansuchen jedoch in den Wind und
erklärten den Dorfbewohnern und Nomaden, das Land, auf
dem sie wohnten, gehöre der Regierung und diese könne
tun, was immer sie für angemessen halte.
Dieser Berg war traditionellerweise eine Quelle des
Lebensunterhalts für die ganze Bevölkerung. Wegen der
durch den Sprengstoff freigesetzten Chemikalien ist der
gesamte Berg jetzt als Viehweide nutzlos geworden. Nicht
nur auf dem Berg selbst, sondern auch um ihn herum
wächst kein Gras mehr. Da die Tiere nicht mehr genug zu
fressen haben, sterben sie der Reihe nach und bringen
die Nomaden zur Verzweiflung.”
Das Aussterben der
Nomadenkultur
“Die Behörden sagten den
Nomaden, sie sollten ihre Lebensweise ändern und als
Alternative irgendein Geschäft betreiben. Als Anreiz
versprachen sie ihnen, sie würden von Steuern befreit
und ihre Kinder könnten zur Schule gehen. Weiter rieten
sie ihnen, feste Häuser auf ihrem Grund und Boden zu
bauen, denn die Regierung würde die Hälfte der Baukosten
übernehmen. Als die Häuser dann jedoch fertig waren,
mußten die Nomaden 70% der Kosten selbst tragen. Darüber
hinaus beanspruchte die Regierung das obere Stockwerk
eines jeden Hauses und ließ dort chinesische Zuwanderer
einziehen.”
Im Laufe der letzten Jahre wurden dem TCHRD zahlreiche
Fälle dieser Art berichtet. Es ist eine Taktik der
Regierung, den Tibetern Versprechungen zu machen, um sie
für ihre Projekte zu gewinnen, aber nach Fertigstellung
der Projekte erhalten die betroffenen Haushalte entweder
keinen einzigen Groschen oder sie müssen mehr bezahlen,
als vereinbart war. Die Behörden überreden die Nomaden
und Bauern, daß sie ihr Land für Entwicklungsprojekte
räumen und statt dessen ein Geschäft anfangen, welches
letzten Endes dem Staat mehr Einkommen verschafft.
Das TCHRD ist entsetzt über das gewissenlose Handeln der
chinesischen Regierung, die unbedarfte Nomaden und
Bauern dazu animiert, für staatliche Projekte von ihrem
angestammten Land zu weichen. Die Nomaden und Bauern
sind einer solch plötzlichen Veränderung ihres
Lebensstils nicht gewachsen, sie können ihren Unterhalt
nicht mehr bestreiten und enden oft als Bettler in den
Städten.
Übersetzung: Irina Raba, Augsburg, Adelheid Dönges,
München, Angelika Mensching, Hamburg
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