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Geschichte


Gyüshi:
Die
Tibetische Medizin (tib: gso-pa rig-pa, "das Wissen vom
Heilen") zählt zu den ältesten Medizinsystemen der Welt.
Sie ist keine Volksmedizin, sondern eine Art
traditionelle „Schulmedizin“. Diese wurde im 8.
Jahr-hundert aus den damals vorherrschenden
Medizintraditionen Asiens und nach den Lehren Buddhas
erschaffen und schriftlich festgehalten. Integriert
wurden dabei die Medizintraditionen der Indischen
Medizin (Ayurveda), der Chinesischen Medizin (TCM), der
Persischen Medizin (Unani, als Erbin der altgriechischen
Medizintradition) und der Schamanischen Medizin der
Himalajaregion. In ihrer heutigen Form beruht die
Tibetische Medizin auf dem im 12. Jahrhundert verfassten
Grundlagenwerk Gyüshi (oder vier Tantras der Medizin).
Darin werden rund 1600 Krankheiten und tausende von
Heilmitteln beschrieben.
Prinzipien der Tibetischen
Medizinlehre
Das System der
traditionellen Tibetischen Medizin umfasst im
wesentlichen ca. 700 Rezepturen, die meist aus einer
Vielzahl (bis zu 100) vorwiegend pflanzlichen
Inhaltsstoffen zusammengesetzt sind. Dazu gehört auch
ein hoch entwickeltes, äusserst komplexes und präzises
System der Pulsdiagnose. Für die Therapie spielen neben
Arzneien auch Verhaltens- und Diätanweisungen eine
wichtige Rolle. Weiter bekannt sind manuelle Methoden
wie Massage, Akupunktur, Akupressur, Schröpfen etc.
Äussere Therapien
(Quelle: Padma AG)
Zu den äusseren Therapien
gehören unter anderem Moxibustion (eine Wärmebehandlung,
die auf den Energiefluss in den subtilen Kanälen wirkt
und Blockaden auflöst), verschiedene Formen der Massage,
Kompressen, Dampf- und Medizinalbäder.
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Das
wichtigste Z iel
einer Behandlung in der Tibetischen
Medizin ist es, die aus dem
Gleichgewicht geratenen Körperprinzipien
zu harmonisieren. Der Tibetische Arzt
stellt deshalb zuerst Fragen nach dem
Verhalten und der Ernährung des
Patienten. Seine Vorschläge zu einer
eventuellen Verhaltensanpassung oder
Ernährungsänderung sind ein wichtiger
Bestandteil der Therapie. Nach der
Befragung vertieft der Arzt seinen
ersten Eindruck durch die Zungendiagnose
und die Urindiagnose. Eine spezifische
Diagnose über den allgemeinen
energetischen Zustand des Patienten und
die Verfassung der einzelnen Organe
erhält er durch das Erfühlen des Pulses
(sieh Bild) .
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PPulsdiagnose |
Sie gilt als die
wichtigste Methode. Das
Erlernen bedingt eine
mehrjährige Erfahrung,
um die zahlreichen Pulse
unterscheiden zu können.
Der Tibetische Arzt
ertastet dabei eine
Anzahl von
unterschiedlichen
Pulsen, welche durch den
"Wind", der mit dem Blut
durch die Gefässe
fliesst,
unterschiedlichste
Gestalten und
Ausprägungen annehmen
können. An den
verschiedenen Pulsarten
kann der Arzt
feststellen, welche der
drei Körperprinzipien im
Ungleichgewicht ist und
welches Organ von der
Krankheit betroffen ist. |
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BBeobachtung und
BBefragung |
Ein weiterer wichtiger
Bestandteil der Diagnose
ist die Beobachtung und
Befragung des Patienten.
Die Befragung umfasst
hauptsächlich Ess- und
Lebensgewohnheiten als
auch die Frage nach
psychischen Belastungen.
Die Beobachtung soll dem
Arzt eine
Typologisierung des
Patienten bezüglich der
drei Körperenergien
ermöglichen, damit er
Veranlagungen und
Neigungen des Patienten
in die Diagnose mit
einbeziehen kann. |
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UUrinanalyse, Augen-
uund Zungendiagnose |
Diese Methoden werden
unterstützend zu den
zwei erstgenannten
eingesetzt. |
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Ratschläge zu Ernährung und Verhalten
Nach dem Verständnis der
Tibetischen Medizin sind viele Krankheiten auf falsche
Ernährung und
Lebensgewohnheiten zurückzuführen. Eine Anpassung der
Ernährung und des Verhaltens hin zu optimalen
Bedingungen ist deshalb der erste therapeutische
Schritt.
Abgabe
von Arzneimittel
Arzneimittel werden
eingesetzt, wenn die Verhaltensänderung alleine nicht
mehr ausreicht, um eine Besserung zu erreichen, die
Krankheit schon weiter fortgeschritten ist.
Die tibetischen
Arzneimittel sind normalerweise Mischungen, die
mehrheitlich aus pflanzlichen Bestandteilen bestehen.
Sie enthalten mitunter auch tierische und mineralische
Komponenten. Ihre Wirkkraft beruht auf einer Kombination
mehrerer Inhaltsstoffe, die nach einem bestimmten System
so zusammengestellt werden, dass es möglichst keine
Nebenwirkungen gibt.
Das Ziel der Behandlung
ist es, das Ungleichgewicht der Elemente im menschlichen
System wieder auszugleichen und damit die Krankheit an
ihren Wurzeln zu bekämpfen. Über den Geschmack
beurteilen die Tibetischen Ärzte die Qualität und
Wirkung einer Heilpflanze. Denn über den Geschmack
können sie feststellen, welche Elemente ein Heilmittel
enthält.
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sauer |
Feuer |
Erde |
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Es gibt sechs Geschmacksrichtungen, die in der
Natur in unter-schiedlichen Kombinationen
vorkommen. Jeder der sechs verschiedenen
Geschmäcker süss, sauer, salzig, bitter, scharf
und astringierend wird von zwei Elementen
gebildet (siehe Tabelle). Diese zwei Elemente
sind dann für die therapeutische Wirkung des
entsprechenden Geschmacks verantwortlich. Sie
helfen dem Patienten, auf der elementaren Ebene
Schwächen und Dominanzen auszugleichen. Neben
dem Geschmack beschreiben die Tibetischen Ärzte
eine Pflanze durch ihre Potenz und die
spezifische Wirkung auf ein Körperorgan. |
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salzig |
Feuer |
Wasser |
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scharf |
Feuer |
Wind |
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süss |
Wasser |
Erde |
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bitter |
Wasser |
Wind |
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herb |
Erde |
Wind |
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Anwendung im Westen
Bei uns bekannt wurde die
Tibetische Medizin vor allem durch den Dokumentarfilm
„Das Wissen vom Heilen“ (1997) von Franz Reichle. Er
dokumentiert darin unter anderem die Herstellung und
Anwendung tibetischer Heilmittel im Westen. Die
Tibetische Medizin liefert einen wichtigen Beitrag zur
Behandlung heutiger Zivilisationskrankheiten wie
Durchblutungs-störungen und Arteriosklerose sowie
weitere chronisch-entzündliche Erkrankungen. Auch bei
Verdauungsstörungen und Reizdarm haben sich tibetische
Heilmittel bewährt. Kennzeichen und gleichzeitig Stärke
der tibetischen Kräuterpräparate sind Vielstoffgemische,
das heisst, die Arzneimittel bestehen aus einer Vielzahl
verschiedener Naturstoffe – dies im Gegensatz zu den bei
uns üblichen Monopräparaten, die nur einzelne
Bestandteile enthalten. Erst die Kombination
verschiedener Bestandteile macht die Wirkung aus. Die
vielfältige Zusammensetzung der tibetischen Heilmittel
ermöglicht eine Wirkung auf mehreren Ebenen und
reduziert gleichzeitig unerwünschte Nebenwirkungen. Die
Dosierung der einzelnen Inhaltsstoffe ist zudem im
Vergleich zu gewohnten Pflanzenheilmitteln sehr gering.
Weitere Informationen unter:
http://www.men-tsee-khang.org/
http://www.padma.ch
http://www.tibetischemedizin.org
http://www.tibetan-medicine.org
Forschung mit tibetischen
Heilmitteln
Die Tibetische Medizin
sieht sich heute als Ergänzung zur westlichen Medizin.
S. H. der Dalai Lama plädiert ausdrücklich für einen
Brückenschlag zwischen östlicher und westlicher Medizin
sowie für die Erforschung der tibetischen Heilmittel
nach modernen w estlichen Massstäben. Die Anerkennung der
Tibetischen Medizin hängt nicht zuletzt von
Erkenntnissen aus wissenschaftlichen Studien ab. Gerade
in einer Zeit fortschrei-tender Forschungstätigkeit ist
es von grösster Bedeutung, die Studien zur Tibetischen
Medizin auch in der internationalen Fach-welt zu
publizieren. In der weltweiten Forschung zur Tibetischen
Medizin und in der Entwicklung neuer tibetischer
Heilmittel nimmt die Schweiz eine wichtige Stellung ein.
Hier werden durch die Firma Padma die europaweit
einzigen tibetischen Arzneimittel nach westlichen
Qualitätsstandards hergestellt. Um das Verständnis und
die Akzeptanz der Tibetischen Medizin zu fördern,
beteiligt sich Padma auch wesentlich an der weltweiten
Erforschung tibetischer Arzneimittel. Gegenwärtig
arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an
Universitäten in der Schweiz, Österreich, Dänemark,
Israel und anderen Ländern mit Padma-Rezepturen. Durch
klinische Studien belegt ist zum Beispiel die
Durchblutungs-fördernde Wirkung des Kräuterpräparats Padma 28. Eindrücklich sind dessen Erfolge insbesondere
bei so genannten "peripheren arteriellen
Verschlusskrankheiten" (PAVK), also schmerzhaften
Durchblutungsstörungen in den Beinen. Weitere
Anwen-dungsbereiche sind schlecht verheilende Wunden,
chronische Bronchitis oder Polyarthritis. Die
Kräutertablette wirkt zudem antientzündlich, stärkt das
Immunsystem und fördert dank ihrer stark antioxidativen
Wirkung den Zellschutz. Das heisst, das Präparat ist im
Stande, die so genannten freien Radikale zu
neutralisieren. Diese sind bekannt dafür, Körperzellen
zu zerstören und damit die Degeneration des Körpers zu
fördern. Die beschriebenen Eigenschaften weisen auf ein
beträch-tliches Potential auch in der
Krankheitsvorbeugung hin. Klinisch nachgewiesen ist auch
die Wirkung tibetischer Arznei-mittel im Bereich
Magen-Darmstörungen. Eine neuere Studie zeigt
bemerkenswerte Ergebnisse des Präparats Padma Lax bei
Verstopfung und Reizdarm. Die Resultate sind
insbesondere bezüglich starker Blähungen jenen von
konventionellen Medikamenten überlegen, verbunden mit
einer ausgezeichneten Verträglichkeit.
Qualität tibetischer Heilmittel
Wie alle Arzneien müssen
auch tibetische Heilmittel für die Anwendung im Westen
dieselben hohen
Qualitätsstandards erfüllen. Dies
ist auch unabdingbar für die Akzeptanz der Tibetischen
Medizin in der westlichen Schulmedizin. Die Her-stellung
tibetischer Arzneien stellt deshalb hohe Anforderungen
an Rohstoffqualität, Verarbeitung und Kontrolle der
Natur-präparate. Als europaweit einzige Herstellerin ist
die Padma AG im schweizerischen Schwerzenbach auf die
Produktion von pflanzlichen Heilmitteln auf der
Grundlage tibetischer Rezepturen spezialisiert. Ihre
Präparate erfüllen international gültige Qualitätsnormen
und werden in verschiedenen Ländern Europas und in den
USA und Kanada vertrieben. Seit kurzem sind im Kanton
Appenzell Ausserrhoden eine Reihe neu entwickelter
Padma-Präparate zugelassen. Sie werden gegen Volksleiden
eingesetzt wie Rheuma, Grippe, Husten,
Magen-Darm-Störungen, Leber- und Gallenbeschwerden und
Venenleiden. Weitere Informationen:
http://www.padma.ch
Praxis der Tibetischen Medizin in
Europa
Zur Zeit sind in Europa
nur wenige tibetische Ärzte tätig. Es ist daher wichtig,
dass bei uns im Westen mehr Kenntnisse über Tibetische
Medizin erworben werden (siehe unten: Kurse). Neben der
einwandfreien Qualität der tibetischen Arznei-mittel ist
allerdings noch eine Anpassung der gesetzlichen
Rahmenbedingungen notwendig, damit Tibetische Medizin
auch bei uns im Westen verstärkt Fuss fassen kann.
Service
Informationen zu
tibetischen Ärzten im Westen geben folgende
Institutionen:
1.Kailash-Institut für
Traditionelle Tibetische Medizin, Wallstr. 8, D- 79098
Freiburg i. Brsg. Tel.+49-(0)761-66814,
Fax +49-(0)761-66813.
2.Verein DANA e.V.,
Gesellschaft zur Erhaltung tibetischer Kultur und
Medizin, Rheinstr. 5, D- 80803 München.
Fax: +49-(089)-33 95 96;
E-Mail: info@dana-ev.de
3.Niederländische
Stiftung zur Förderung Tibetischer Medizin NSTG,
Prinzengracht 200, NL- 1016 HD Amsterdam.
Tel. +31-578-62 00 30;
Fax +31-20-62 42 810
Tibetische Ärzte:
Frau
Dr. tib. med. Dönckie
Emchi
Grenzgasse
14
A-Wien
ÖSTERREICH
Tel. 0043 (1)
78 97 114
Schweizer
Adresse:
Brauerstrasse 50
CH-8400
Winterthur
SCHWEIZ
052 / 212 56
90
Mail:
tibetmedizin.emchi@bluewin.ch
http://www.tibet-medizin.ch/
Kurse in Tibetische
Medizin
The New Yuthok Institute for Tibetan
Medicine, Mailand. Dr. Pasang Yonten Arya.
Viale Spagna 77,
20099, Sesto S. Giovanni
(Milano). E-Mail: newyuthok@newyuthok.com
Weiterbildung Tibetische
Medizin für ÄrztInnen
Deutsche
Ärztegesellschaft für Akupunktur DÄgfA, München. Tel.
+49-(0)89 710 05-11, Fax
+49-(0)89 710 05-25.
E-Mail: fz@daegfa.de
Tibetische Massage
(Aus-/Weiterbildung):
IG Tibetische Medizin, Am Luchsgraben 53,
CH- 8051 Zürich.
Tel. +41-(0)1-321 52 31, Fax
+41-(0)1-321 52 31
Links
1.Tibetan Medical & Astrological
Institute TMAI (Men-Tsee-Khang), Dharamsala, India.
Offizielles
Lehrinstitut für Tibetische Medizin:
http://www.men-tsee-khang.org
2.Informationszentrum für
Tibetische Medizin, Franz-Stockmayerstr. 30a, A- 6410
Telfs, Tel.: +43-(0)5262-61111.
E-Mail:
info@tibetischemedizin.org
Bücher
Gabriele Feyerer: „Padma
28 und andere tibetische Kräutermittel“. Windpferd
Verlag, D-Aitrang, 2001, zweite, erweiterte Aufl. 2002.
ISBN 3-89385-362-6 (eine unabhängige Kennerin der
westlichen und östlichen Naturmedizin berichtet über
ihre persönlichen Erfahrungen).
Gerti Samel: „Tibetische
Medizin. Diagnosemethoden und Therapien auf einen
Blick“. Mosaik-Verlag, München 1998, ISBN 3-576-11202-2
(bekannte Publizistin für Gesundheit).
Gerti Samel: „Die sieben
Tibeterinnen – Das Geheimnis der Lebenslust“. Wunderlich
Verlag, 2001,
ISBN 3805206941
(tibetische Typologie der verschiedenen Menschentypen
und ihrer Lebensweise).
Dr. med. Egbert
Asshauer:„Gesund bleiben mit der Heilkunst der Tibeter“.
Trias, Stuttgart 1999, ISBN 3893734791 (Erfahrungen
eines Schulmediziners).
Besonders zu empfehlende
Buch über dieses Thema
Terry Clifford: "Tibetische Heilkunst",
Einführung in Theorie und Praxis der altbewährten
Naturheilkunde der Tibeter mit einem Vorwort Seiner
Heiligkeit dem Dalai Lama. Ullstein Sachbuch Nr. 34648,
Frankfurt / M - Berlin
April 1990, ISBN 3-548-34648-0
Video
Das Wissen vom Heilen“, von Franz
Reichle. 1997, 90 Min.; Euro-Dokumentarfilm über
Tibetische Medizin in Ost und West. U.a. mit dem Dalai
Lama und seinem Leibarzt. Verkauf:www.amazon.de oder:
Columbus Film AG, Steinstr. 21,
CH-8036 Zürich, Tel.
+41-(0)1 462 73 66, Fax +41-(0)1 462 01 12.
Tibetische Medizin - Ausführung einer praktizierenden,
tibetischen Ärztin
Dr. Dönckie Emchi, Tibetische Ärztin
Die Entstehung und Entwicklung der Tibetischen Medizin
reicht auf einen Zeitraum von über zweitausend Jahre
zurück und ihr Erfahrungsschatz ist ein wichtiger Teil
des kulturellen Erbe Tibets. Daran hat sich bis zum
heutigen Tag nichts geändert und es gibt wohl kein
anderes Land, in dem die Medizinlehre derart eng mit dem
eigenen Verständnis von Kultur verwoben ist. Sie ist
eine gelungene Synthese aus der Buddhistischen Tradition
und verschiedenen lokalen, zentralasiatischen
Heilkünsten wie der Bön-Kultur. Es heisst auch, dass
griechische und persische Ärzte in Tibet gelernt und
gelehrt haben. Zu ihrer Blütezeit wurde sie wohl in ganz
Zentralasien praktiziert. So findet man viele Tibetische
Rezepte in der zeitgenössischen Mongolischen
Traditionen.
Die Tibetische Heilkunst wurzelt
auf den ethischen Grundprinzipien des Buddhismus. Die
Grundlage dazu bildet der im
zwölfte
Jahrhundert von Yuthok Yonden Gönpo im Buch „Güdshi“
zusammen gefasste vier Medizin-Tantras.
Als Ursache für jegliches Übel als auch Krankheiten gilt
die falsche Sichtweise der Realität. Wie die Phänomene
der bedingten Existenz, sind Krankheiten auch das
Produkt von Ursache und Wirkung. Es gibt zwei
Hauptursachen der Krankheit: Eine Langfristige und eine
Kurzfristige.
Unwissenheit, Ignoranz und Verblendung oder Unbewusstheit sind die entscheidenden Ursachen aller
Krankheiten. Aufgrund von Unwissenheit und Verblendung
kann man nicht die Wirklichkeit der Phänomene wahrnehmen
und bleibt dadurch im persönlichen Ego verhaftet. Dieses
wiederum verursacht die zwei anderen Geistesgifte der
Anhaftung, Begierde, Hass und Zorn.
Auf Basis der drei Geistesgifte
entstehen die Uraschen der langfristigen Krankheiten.
Die Kurzfristige Ursache der Krankheit sind die drei „Nyes-pa“
(Körper - Prinzipien)
nämlich Lhung
(Wind), Tripa
(Galle) und Bad ken (Schleim).
Sie werden durch die drei Geistesgifte hervorgerufen:
Anhaftung (Begierde) verursacht
Wind, Hass (Zorn) verursacht Galle und Verblendung
(Unwissenheit) Schleim. Diese drei Körperprinzipien
bestimmen die Grundstruktur im Energiesystem des
Körpers. Sie stehen mit allen lebenswichtigen Funktionen
des Körpers, der Organe, der sieben Grundgewebe des
Körpers und den drei Ausscheidungen in Beziehung.
Die sieben Grundgewebe des Körpers sind:
(Nahrungs) Essenz, Blut, Muskeln (Sehnen), Fettgewebe,
Knochen, Mark und Zeugungssäfte. Die drei Ausscheidungen
sind: Schweiß, Urin und Exkremente.
Wenn die drei Körpersäfte, sieben Grundgewebe des
Körpers und die drei Ausscheidungen in der Balance sind,
ist man gesund, wenn sie unausgeglichen sind, wird man
krank.
Es gibt vier Faktoren, die für die Unausgeglichenheit
verantwortlich sind:
1. falsche Ernährung
2. falsche körperliche, seelische und geistige
Verhaltensweise
3. schlechtes klimatische und soziale Umfeld
4. Einfluss von schlechten Energien
Da alles zusammen hängt, hat die
Unausgeglichenheit in einem Organ oder in einem der
Körpersäfte Auswirkungen auf den Rest des Organismus.
Diese Kräfte stehen in direktem oder indirektem
Zusammenhang zu den fünf Elementen, aus denen die äußere
Welt oder die Natur besteht. Durch die Nahrungsaufnahme
werden sie zu den fünf inneren Elementen. Die fünf
Elemente sind Wind,
Feuer, Wasser, Erde und Raum (Äther).
Element Wind/Luft
ist dem
Prinzip Wind
zugeordnet: untrennbar verbunden mit dem
Bewusstsein, die Atmung, die Blutbildung und die
Verteilung des Blutes im Körper, die Aktivität der
Muskeln und Nerven, die Funktion der Sexual- und der
Sinnesorgane. Klarheit der Sinne und der Gedanken, dem
Gedächtnis und der Konzentration, mit Körperkraft und
Willensstärke.
Element Feuer ist
der Prinzip
Galle
zugeordnet: Trennung der Nahrungsbestandteile und der
Erhaltung der Körperwärme. Gallen Prinzip ist die Basis
für alle auflösenden, verbrennenden Prozesse, der
Verdauungs- und Stoffwechselprozesse unserer Anschauung.
Sie unterstützt das Sehen und gibt uns eine gesunde
Hautfarbe. Sie fördert den Intellekt, die
Entschlusskraft und schenkt Mut und Selbstvertrauen.
Die Elemente Erde/Wasser
sind dem Prinzip
Schleim
zugeordnet: Es reguliert die Körperflüssigkeiten und
sorgt zum Beispiel für ausreichende Feuchtigkeit in den
Atemwegen, den Bronchialschleim, die Verschleimung der
festen Nahrungsbestandteile und die Beweglichkeit der
Gelenke, die von ausreichen Gelenksschmiere abhängt.
Aber auch die Unterscheidung der
verschiedenen Geschmacksarten und der
Sinneswahrnehmungen ist mit der Schleimenergie
verbunden.
Diese Elemente sollten weniger im atomistischen Sinne
verstanden werden, vielmehr sind damit grundlegende
Kräfte oder Eigenschaften gemeint. Die elementare Kraft
Wind und Wind als Grundprinzip in der Medizin stehen im
direkten Zusammenhang.
Die anderen Elemente und
Grundprinzipien lassen sich ähnliche verbinden..
Das Element oder
Körper Prinzip
Wind ist die Bewegung schlechthin. Es lässt sich
wie die anderen beiden
Körper-Prinzipien in fünf
Untergruppen aufteilen:
Der Lebenserhaltende-,
Aufwärtsbewegende-, alles Durchdringende-, mit Feuer
einhergehender und
Abwärtsbewegende Wind.
Es gibt
keine Diskrepanz zwischen Psychischer, Psychosomatischer und Somatischer
Medizin. Eine Krankheit kann integrativ behandelt
werden.
Medikamente und Psychotherapie sind keine Gegensätze,
denn die Ganzheitlichkeit wird immer gefordert. Nur die
Erfahrung des Arztes oder der Ärztin bildet die Grenze.
Diagnose:
Zur Diagnose verlassen sich Tibetische Ärzte/innen
ausschließlich auf ihre fünf Sinne.
1.
Befragung: Kurze Befragung der Vorgeschichte, Verlauf der
Krankheit und aktueller Zustand.
2.
Betrachtung:
- Rudimentäres Untersuchen durch Überprüfung von
Körperliche Struktur des Patienten.
- Urin Diagnose: Farbe, Geruch, Blasenbildung,
Geräusche, Sedimentbildung und
Energiestörfelder.
- Zungendiagnose: Untersuchung nach Belag, Farbe,
Dicke, Glanz usw.
- Augendiagnose: Farbe, Form, Glanz.
- Nageldiagnose: Farbe, Form und Muster
3. Abtastung:
- Beschaffenheit der Haare und Haut
- Pulsdiagnose: Jede Strömung eines einzelnen Saftes
hat einen charakteristischen Puls. Es werden
die Säfte und Körperenergien beurteilt, die
zunächst in Hitze- und Kälteströmungen eingeteilt
werden. Zwölf dieser Grund Pulse/Pulskombinationen
müssen jedem Arzt oder jeder Ärztin
geläufig sein – Insgesamt gibt es 43 üblich
angewandte Pulse(70000 Störungen werden
unterschieden).
- Bei Kleinkindern wird die Diagnose an den Ohrvenen
festgelegt.
Therapie
Es kommen vier verschiedene Arten von Behandlung in
Frage:
1. Ernährung:
Ein körpereigenes Gleichgewicht entsteht durch die
richtige Auswahl der aufgenommenen Nahrung nach den
Elementen und ihrem bestimmten Eigenschaften.
Hauptsächlich angepasst auf die Grundkonstitution jedes
Individuums, Tages und Jahreszeit.
2. Veränderung des Verhaltens:
Anstreben eines alltäglichen Verhaltens, das Geistige,
emotionale und körperliche Handlungen in ausgeglichener
und achtsamer Weise lebt.
3. Medizin:
Verordnung der natürlichen Drogen, die aus Mineralien,
Edelsteinen, Pflanzen, Kräuter, Wurzel, Früchten und
Metallen hauptsächlich aus dem Himalaja – Gebiet
bestehen. Ihrer wohlausgewogenen Vermischung zu einer
Gesamtkomposition aus vielen verschiedenen Ingredienzien
stellt eine hoch wissenschaftliche und zugleich
intuitive Kunst dar. Die Medizin wird in ca. zehn
verschiedenen Gallenischen Formen zubereitet wie z.B.
Pillen, Pulver, Brühen, Medizinische Butter, Aschen,
Extrakte usw. verabreicht.
Die Traditionelle Tibetische Medizin sucht nicht eine
isolierte pharmakologische Wirkung, sondern die
Harmonisierung eines gestörten Elementen Systems oder
Zustand der Körper- Seele. Diese wird durch die genaue
Mischung von Kräuter, Mineralien etc. erreicht, die
genau nach der Richtlinien der Elementen Lehre der
Traditionellen Tibetischen Medizin Prinzipien
hergestellt wird erreicht. Die Fähigkeit der Tibetischen
Medizin eine synergisch-komplexe Heilwirkung ohne
Nebenwirkungen auszulösen, ist unvergleichbar und
einzigartig.
4. Physikalische Therapie:
Die Physikalische Therapie wird in zwei Hauptgruppen
unterteilt, eine sanftere und eine härtere Technik.
Die sanfteren Techniken sind:
-
Heiße und kalte Kompressen,
-
Bäder in mineralhaltigen Quellen und Medizinische Bäder,
- verschieden Artige Tibetische
Massage wie Ölmassage (Ku
nye),
Steinmassage (Do nye),
Bambusmassage(Yuk chö), Muschel
Massage (Mgia chip
nye)
- Akupressur mit warmer Butter zur Lösung von Blockaden.
- Hor me Therapie mit Kräutergemisch und warmen Öl zur
Lösung hauptsächlich von Seelischen Blockaden.
Die härteren Techniken sind:
-
Ableitende Methoden wie Aderlasse: die an über 70
Stellen mit einem Stich ein paar Tropfen Blut
austreten lassen.
-
Moxstibution : Brennung mit
Beifusskapseln (Traditionell mit Leontopodium
franch., aber aus Pflanzenschutzgründen nicht
verwendet) 71 Stellen am Körper- vor allem bei
Psychosomatischen und Psychovegetativen Störungen.
-
Tibetische Akupunktur : Goldnadeltherapie – die
eingreifende Methode bei Störungen ernster Natur. 7-10
cm lange Nadel, die hauptsächlich in der Fontanelle
gestochen wird.
Ist dem Therapie der Traditionellen Chinesischen Akupunktur nicht
gleichzusetzen.
-
Schröpfen mit Kupfer, Horn oder Kristall Glaskopf.
-
Kauterisation: Behandlungen mit den Brenneisen (ca.
20cm langer Metallstab mit Gold, Silber oder
Metallspitze) bei Tumor oder schwere heilbare
Krankheiten.
Kann mit direkter Hautberührung oder nur mit Hitze
behandelt werden.
Auch einige Somatische Behandlungen werden durchgeführt:
-
Chakra Heilung:
darf nur durch erfahrene hohe Lama
durchgeführt werden – bei Besessenheit von Dämonen und
böse Geistern. Bei Psychotischen Krankheiten, die auch
karmisch bedingt sein können.
-
Handauflegen: Benützen ebenfalls nur Lamas bei Krankheiten unter Einfluss
böser Geister.
-
Yoga/Atemübung/ Meditation:
Reinigung feinstofflicher Kanäle, die die Lebensenergie
stützen.
-
Visualisierung des Medizin Buddhas/Rezitieren von Mantras:
ist ebenfalls eine spirituelle
Heilmethode, die das Gleichgewicht der Säfte
wiederherstellt durch geistige Reinigung und
Aufbauen von Kräften.
Durch das Rezitieren von Heil- Mantras wird Fluss der
Lebensenergie in den Kanälen des feinstofflichen Körpers
durch Laute harmonisiert. Dieser schwingt in einem
bestimmten Rhythmus. Je nach Krankheit gibt es
individuelle Heil-Mantras. Wir werden krank, wenn seine
Schwingungen gestört sind. Mantras sind Gebetsformeln,
in denen geheiligte Silben aneinander gereiht und
rhythmisch wiederholt werden.
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darf ohne die Autorisierung der Verfasserin nicht
anderweitig publiziert werden.
Weitere Infos siehe unter :
www.tibet-medizin.ch. |