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TIBETISCHE MEDIZIN – EINE ÜBERSICHT

 

Geschichte 

              

Gyüshi: Die Tibetische Medizin (tib: gso-pa rig-pa, "das Wissen vom Heilen") zählt zu den ältesten Medizinsystemen der Welt. Sie ist keine Volksmedizin, sondern eine Art traditionelle „Schulmedizin“. Diese wurde im 8. Jahr-hundert aus den damals vorherrschenden Medizintraditionen Asiens und nach den Lehren Buddhas erschaffen und schriftlich festgehalten. Integriert wurden dabei die Medizintraditionen der Indischen Medizin (Ayurveda), der Chinesischen Medizin (TCM), der Persischen Medizin (Unani, als Erbin der altgriechischen Medizintradition) und der Schamanischen Medizin der Himalajaregion. In ihrer heutigen Form beruht die Tibetische Medizin auf dem im 12. Jahrhundert verfassten Grundlagenwerk Gyüshi (oder vier Tantras der Medizin). Darin werden rund 1600 Krankheiten und tausende von Heilmitteln beschrieben.

 

Prinzipien der Tibetischen Medizinlehre 

Die Tibetische Medizin beruht auf einer ganzheitlichen Betrachtungsweise. Sie strebt das innere Gleichgewicht der Kräfte im Körper an. Den Ursachen von Krankheiten liegen nach tibetischer Medizinlehre die drei Geistesgifte Hass, Ignoranz und Gier zugrunde. Sie hängen unmittelbar mit den drei zentralen Körperenergien oder Körperprinzipien Galle (tibetisch: rLung), Schleim (Tripa) und Wind (Bekän) zusammen. Diese sind nicht mit unseren gleich lautenden Begriffen vergleichbar, sondern stehen für bestimmte energetische Zustände und Formen. Galle zeigt sich in der Form von Körper-wärme, Schleim in der Form von Flüssigkeit und Wind als Bewegung. In einem gesunden Körper sind die Körperprinzipien im Gleichgewicht. Die drei Körper-prinzipien mani-festieren sich über die fünf Elemente Erde, Wasser, Luft, Feuer und Raum. Aus den verschie-denen Kombinationen dieser fünf Elemente ergeben sich unterschiedliche Geschmacksrichtungen. Die tibetischen Arzneien wirken im Körper vornehmlich über die Geschmacksempfindung; der Geschmack ist Teil der Heilwirkung. Unterschieden werden sechs Geschmacksrichtungen (süss, sauer, salzig, bitter, scharf, herb). Deshalb haben zum Beispiel auch die teils in Europa erhältlichen tibetischen Teemischungen einen ausgeprägten Geschmack.

 

Diagnose und Therapie 

Das System der traditionellen Tibetischen Medizin umfasst im wesentlichen ca. 700 Rezepturen, die meist aus einer Vielzahl (bis zu 100) vorwiegend pflanzlichen Inhaltsstoffen zusammengesetzt sind. Dazu gehört auch ein hoch entwickeltes, äusserst komplexes und präzises System der Pulsdiagnose. Für die Therapie spielen neben Arzneien auch Verhaltens- und Diätanweisungen eine wichtige Rolle. Weiter bekannt sind manuelle Methoden wie Massage, Akupunktur, Akupressur, Schröpfen etc.

 

Äussere Therapien

(Quelle: Padma AG)

Zu den äusseren Therapien gehören unter anderem Moxibustion (eine Wärmebehandlung, die auf den Energiefluss in den subtilen Kanälen wirkt und Blockaden auflöst), verschiedene Formen der Massage, Kompressen, Dampf- und Medizinalbäder.

 

Das wichtigste Ziel einer Behandlung in der Tibetischen Medizin ist es, die aus dem Gleichgewicht geratenen Körperprinzipien zu harmonisieren. Der Tibetische Arzt stellt deshalb zuerst Fragen nach dem Verhalten und der Ernährung des Patienten. Seine Vorschläge zu einer eventuellen Verhaltensanpassung oder Ernährungsänderung sind ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Nach der Befragung vertieft der Arzt seinen ersten Eindruck durch die Zungendiagnose und die Urindiagnose. Eine spezifische Diagnose über den allgemeinen energetischen Zustand des Patienten und die Verfassung der einzelnen Organe erhält er durch das Erfühlen des Pulses (sieh Bild) .

PPulsdiagnose

Sie gilt als die wichtigste Methode. Das Erlernen bedingt eine mehrjährige Erfahrung, um die zahlreichen Pulse unterscheiden zu können. Der Tibetische Arzt ertastet dabei eine Anzahl von unterschiedlichen Pulsen, welche durch den "Wind", der mit dem Blut durch die Gefässe fliesst, unterschiedlichste Gestalten und Ausprägungen annehmen können. An den verschiedenen Pulsarten kann der Arzt feststellen, welche der drei Körperprinzipien im Ungleichgewicht ist und welches Organ von der Krankheit betroffen ist.

BBeobachtung und BBefragung

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Diagnose ist die Beobachtung und Befragung des Patienten. Die Befragung umfasst hauptsächlich Ess- und Lebensgewohnheiten als auch die Frage nach psychischen Belastungen. Die Beobachtung soll dem Arzt eine Typologisierung des Patienten bezüglich der drei Körperenergien ermöglichen, damit er Veranlagungen und Neigungen des Patienten in die Diagnose mit einbeziehen kann.

UUrinanalyse, Augen- uund Zungendiagnose

Diese Methoden werden unterstützend zu den zwei erstgenannten eingesetzt.

 

Ratschläge zu Ernährung und Verhalten

Nach dem Verständnis der Tibetischen Medizin sind viele Krankheiten auf falsche Ernährung und Lebensgewohnheiten zurückzuführen. Eine Anpassung der Ernährung und des Verhaltens hin zu optimalen Bedingungen ist deshalb der erste therapeutische Schritt.

 Abgabe von Arzneimittel

Arzneimittel werden eingesetzt, wenn die Verhaltensänderung alleine nicht mehr ausreicht, um eine Besserung zu erreichen, die Krankheit schon weiter fortgeschritten ist.

Die tibetischen Arzneimittel sind normalerweise Mischungen, die mehrheitlich aus pflanzlichen Bestandteilen bestehen. Sie enthalten mitunter auch tierische und mineralische Komponenten. Ihre Wirkkraft beruht auf einer Kombination mehrerer Inhaltsstoffe, die nach einem bestimmten System so zusammengestellt werden, dass es möglichst keine Nebenwirkungen gibt.

Das Ziel der Behandlung ist es, das Ungleichgewicht der Elemente im menschlichen System wieder auszugleichen und damit die Krankheit an ihren Wurzeln zu bekämpfen. Über den Geschmack beurteilen die Tibetischen Ärzte die Qualität und Wirkung einer Heilpflanze. Denn über den Geschmack können sie feststellen, welche Elemente ein Heilmittel enthält.

  

sauer

Feuer

Erde

 

Es gibt sechs Geschmacksrichtungen, die in der Natur in unter-schiedlichen Kombinationen vorkommen. Jeder der sechs verschiedenen Geschmäcker süss, sauer, salzig, bitter, scharf und astringierend wird von zwei Elementen gebildet (siehe Tabelle). Diese zwei Elemente sind dann für die therapeutische Wirkung des entsprechenden Geschmacks verantwortlich. Sie helfen dem Patienten, auf der elementaren Ebene Schwächen und Dominanzen auszugleichen. Neben dem Geschmack beschreiben die Tibetischen Ärzte eine Pflanze durch ihre Potenz und die spezifische Wirkung auf ein Körperorgan.

 

salzig

Feuer

Wasser

 

 

scharf

Feuer

Wind

 

 

süss

Wasser

Erde

 

 

bitter

Wasser

Wind

 

 

herb

Erde

Wind

 

Anwendung im Westen 

Bei uns bekannt wurde die Tibetische Medizin vor allem durch den Dokumentarfilm „Das Wissen vom Heilen“ (1997) von Franz Reichle. Er dokumentiert darin unter anderem die Herstellung und Anwendung tibetischer Heilmittel im Westen. Die Tibetische Medizin liefert einen wichtigen Beitrag zur Behandlung heutiger Zivilisationskrankheiten wie Durchblutungs-störungen und Arteriosklerose sowie weitere chronisch-entzündliche Erkrankungen. Auch bei Verdauungsstörungen und Reizdarm haben sich tibetische Heilmittel bewährt. Kennzeichen und gleichzeitig Stärke der tibetischen Kräuterpräparate sind Vielstoffgemische, das heisst, die Arzneimittel bestehen aus einer Vielzahl verschiedener Naturstoffe – dies im Gegensatz zu den bei uns üblichen Monopräparaten, die nur einzelne Bestandteile enthalten. Erst die Kombination verschiedener Bestandteile macht die Wirkung aus. Die vielfältige Zusammensetzung der tibetischen Heilmittel ermöglicht eine Wirkung auf mehreren Ebenen und reduziert gleichzeitig unerwünschte Nebenwirkungen. Die Dosierung der einzelnen Inhaltsstoffe ist zudem im Vergleich zu gewohnten Pflanzenheilmitteln sehr gering. Weitere Informationen unter:

http://www.men-tsee-khang.org/

http://www.padma.ch

http://www.tibetischemedizin.org

http://www.tibetan-medicine.org 

Forschung mit tibetischen Heilmitteln

Die Tibetische Medizin sieht sich heute als Ergänzung zur westlichen Medizin. S. H. der Dalai Lama plädiert ausdrücklich für einen Brückenschlag zwischen östlicher und westlicher Medizin sowie für die Erforschung der tibetischen Heilmittel nach modernen westlichen Massstäben. Die Anerkennung der Tibetischen Medizin hängt nicht zuletzt von Erkenntnissen aus wissenschaftlichen Studien ab. Gerade in einer Zeit fortschrei-tender Forschungstätigkeit ist es von grösster Bedeutung, die Studien zur Tibetischen Medizin auch in der internationalen Fach-welt zu publizieren. In der weltweiten Forschung zur Tibetischen Medizin und in der Entwicklung neuer tibetischer Heilmittel nimmt die Schweiz eine wichtige Stellung ein. Hier werden durch die Firma Padma die europaweit einzigen tibetischen Arzneimittel nach westlichen Qualitätsstandards hergestellt. Um das Verständnis und die Akzeptanz der Tibetischen Medizin zu fördern, beteiligt sich Padma auch wesentlich an der weltweiten Erforschung tibetischer Arzneimittel. Gegenwärtig arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Universitäten in der Schweiz, Österreich, Dänemark, Israel und anderen Ländern mit Padma-Rezepturen. Durch klinische Studien belegt ist zum Beispiel die Durchblutungs-fördernde Wirkung des Kräuterpräparats Padma 28. Eindrücklich sind dessen Erfolge insbesondere bei so genannten "peripheren arteriellen Verschlusskrankheiten" (PAVK), also schmerzhaften Durchblutungsstörungen in den Beinen. Weitere Anwen-dungsbereiche sind schlecht verheilende Wunden, chronische Bronchitis oder Polyarthritis. Die Kräutertablette wirkt zudem antientzündlich, stärkt das Immunsystem und fördert dank ihrer stark antioxidativen Wirkung den Zellschutz. Das heisst, das Präparat ist im Stande, die so genannten freien Radikale zu neutralisieren. Diese sind bekannt dafür, Körperzellen zu zerstören und damit die Degeneration des Körpers zu fördern. Die beschriebenen Eigenschaften weisen auf ein beträch-tliches Potential auch in der Krankheitsvorbeugung hin. Klinisch nachgewiesen ist auch die Wirkung tibetischer Arznei-mittel im Bereich Magen-Darmstörungen. Eine neuere Studie zeigt bemerkenswerte Ergebnisse des Präparats Padma Lax bei Verstopfung und Reizdarm. Die Resultate sind insbesondere bezüglich starker Blähungen jenen von konventionellen Medikamenten überlegen, verbunden mit einer ausgezeichneten Verträglichkeit. 

 

Qualität tibetischer Heilmittel

Wie alle Arzneien müssen auch tibetische Heilmittel für die Anwendung im Westen dieselben hohen Qualitätsstandards erfüllen. Dies ist auch unabdingbar für die Akzeptanz der Tibetischen Medizin in der westlichen Schulmedizin. Die Her-stellung tibetischer Arzneien stellt deshalb hohe Anforderungen an Rohstoffqualität, Verarbeitung und Kontrolle der Natur-präparate. Als europaweit einzige Herstellerin ist die Padma AG im schweizerischen Schwerzenbach auf die Produktion von pflanzlichen Heilmitteln auf der Grundlage tibetischer Rezepturen spezialisiert. Ihre Präparate erfüllen international gültige Qualitätsnormen und werden in verschiedenen Ländern Europas und in den USA und Kanada vertrieben. Seit kurzem sind im Kanton Appenzell Ausserrhoden eine Reihe neu entwickelter Padma-Präparate zugelassen. Sie werden gegen Volksleiden eingesetzt wie Rheuma, Grippe, Husten, Magen-Darm-Störungen, Leber- und Gallenbeschwerden und Venenleiden. Weitere Informationen: http://www.padma.ch  

 

Praxis der Tibetischen Medizin in Europa 

Zur Zeit sind in Europa nur wenige tibetische Ärzte tätig. Es ist daher wichtig, dass bei uns im Westen mehr Kenntnisse über Tibetische Medizin erworben werden (siehe unten: Kurse). Neben der einwandfreien Qualität der tibetischen Arznei-mittel ist allerdings noch eine Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen notwendig, damit Tibetische Medizin auch bei uns im Westen verstärkt Fuss fassen kann.  

Service 

Informationen zu tibetischen Ärzten im Westen geben folgende Institutionen:

1.Kailash-Institut für Traditionelle Tibetische Medizin, Wallstr. 8, D- 79098 Freiburg i. Brsg. Tel.+49-(0)761-66814,

Fax +49-(0)761-66813.

2.Verein DANA e.V., Gesellschaft zur Erhaltung tibetischer Kultur und Medizin, Rheinstr. 5, D- 80803 München.

Fax: +49-(089)-33 95 96; E-Mail: info@dana-ev.de

3.Niederländische Stiftung zur Förderung Tibetischer Medizin NSTG, Prinzengracht 200, NL- 1016 HD Amsterdam.

Tel. +31-578-62 00 30; Fax +31-20-62 42 810

Tibetische Ärzte:

Frau

Dr. tib. med. Dönckie Emchi

Grenzgasse 14

A-Wien

ÖSTERREICH

Tel.  0043 (1) 78 97 114

 

Schweizer Adresse:

 

Brauerstrasse 50

CH-8400 Winterthur

SCHWEIZ

052 / 212 56 90

 

Mail: tibetmedizin.emchi@bluewin.ch

http://www.tibet-medizin.ch/

 

Kurse in Tibetische Medizin 

The New Yuthok Institute for Tibetan Medicine, Mailand. Dr. Pasang Yonten Arya. Viale Spagna 77,

20099, Sesto S. Giovanni (Milano). E-Mail: newyuthok@newyuthok.com

Weiterbildung Tibetische Medizin für ÄrztInnen 

Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur DÄgfA, München. Tel. +49-(0)89 710 05-11, Fax

+49-(0)89 710 05-25. E-Mail: fz@daegfa.de

Tibetische Massage (Aus-/Weiterbildung):

IG Tibetische Medizin, Am Luchsgraben 53, CH- 8051 Zürich. Tel. +41-(0)1-321 52 31, Fax

+41-(0)1-321 52 31 

Links 

1.Tibetan Medical & Astrological Institute TMAI (Men-Tsee-Khang), Dharamsala, India. Offizielles Lehrinstitut für Tibetische Medizin: http://www.men-tsee-khang.org

 

2.Informationszentrum für Tibetische Medizin, Franz-Stockmayerstr. 30a, A- 6410 Telfs, Tel.: +43-(0)5262-61111.

E-Mail: info@tibetischemedizin.org

Bücher

Gabriele Feyerer: „Padma 28 und andere tibetische Kräutermittel“. Windpferd Verlag, D-Aitrang, 2001, zweite, erweiterte Aufl. 2002. ISBN 3-89385-362-6 (eine unabhängige Kennerin der westlichen und östlichen Naturmedizin berichtet über ihre persönlichen Erfahrungen).

Gerti Samel: „Tibetische Medizin. Diagnosemethoden und Therapien auf einen Blick“. Mosaik-Verlag, München 1998, ISBN 3-576-11202-2 (bekannte Publizistin für Gesundheit).

Gerti Samel: „Die sieben Tibeterinnen – Das Geheimnis der Lebenslust“. Wunderlich Verlag, 2001,

ISBN 3805206941 (tibetische Typologie der verschiedenen Menschentypen und ihrer Lebensweise).

Dr. med. Egbert Asshauer:„Gesund bleiben mit der Heilkunst der Tibeter“. Trias, Stuttgart 1999, ISBN 3893734791 (Erfahrungen eines Schulmediziners). 

Besonders zu empfehlende Buch über dieses Thema

Terry Clifford: "Tibetische Heilkunst", Einführung in Theorie und Praxis der altbewährten Naturheilkunde der Tibeter mit einem Vorwort Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama. Ullstein Sachbuch Nr. 34648, Frankfurt / M - Berlin April 1990, ISBN 3-548-34648-0

Video

Das Wissen vom Heilen“, von Franz Reichle. 1997, 90 Min.; Euro-Dokumentarfilm über Tibetische Medizin in Ost und West. U.a. mit dem Dalai Lama und seinem Leibarzt. Verkauf:www.amazon.de oder: Columbus Film AG, Steinstr. 21,

CH-8036 Zürich, Tel. +41-(0)1 462 73 66, Fax +41-(0)1 462 01 12.

 

 

Tibetische Medizin - Ausführung einer praktizierenden, tibetischen Ärztin

Dr. Dönckie Emchi, Tibetische Ärztin

Die Entstehung und Entwicklung der Tibetischen Medizin reicht auf einen Zeitraum von über  zweitausend Jahre zurück und ihr Erfahrungsschatz ist ein wichtiger Teil des kulturellen Erbe Tibets. Daran hat sich bis zum heutigen Tag nichts geändert und es gibt wohl kein anderes Land, in dem die Medizinlehre derart eng mit dem eigenen Verständnis von Kultur verwoben ist. Sie ist eine gelungene Synthese aus der Buddhistischen Tradition und verschiedenen lokalen, zentralasiatischen Heilkünsten wie der Bön-Kultur. Es heisst auch, dass griechische und persische Ärzte in Tibet gelernt und gelehrt haben. Zu ihrer Blütezeit wurde sie wohl in ganz Zentralasien praktiziert. So findet man viele Tibetische Rezepte in der zeitgenössischen Mongolischen Traditionen.

Die Tibetische Heilkunst wurzelt auf den ethischen Grundprinzipien des Buddhismus. Die Grundlage dazu bildet der im zwölfte Jahrhundert von Yuthok Yonden Gönpo im Buch „Güdshi“ zusammen gefasste vier Medizin-Tantras. 

Als Ursache für jegliches Übel als auch Krankheiten gilt die falsche Sichtweise der Realität. Wie die Phänomene der bedingten Existenz, sind Krankheiten auch das Produkt von Ursache und Wirkung. Es gibt zwei Hauptursachen der Krankheit: Eine Langfristige und eine Kurzfristige.  

Unwissenheit, Ignoranz und Verblendung oder Unbewusstheit sind die entscheidenden Ursachen aller Krankheiten. Aufgrund von Unwissenheit und Verblendung kann man nicht die Wirklichkeit der Phänomene wahrnehmen und bleibt dadurch im persönlichen Ego verhaftet. Dieses wiederum verursacht die zwei anderen Geistesgifte der Anhaftung, Begierde, Hass und Zorn.  

Auf Basis der drei Geistesgifte entstehen die Uraschen der langfristigen Krankheiten. Die Kurzfristige Ursache der Krankheit sind die drei „Nyes-pa“ (Körper - Prinzipien) nämlich Lhung (Wind), Tripa (Galle) und Bad ken (Schleim). Sie werden durch die drei Geistesgifte hervorgerufen:  

Anhaftung (Begierde) verursacht Wind, Hass (Zorn) verursacht Galle und Verblendung (Unwissenheit) Schleim. Diese drei Körperprinzipien bestimmen die Grundstruktur im Energiesystem des Körpers. Sie stehen mit allen lebenswichtigen Funktionen des Körpers, der Organe, der sieben Grundgewebe des Körpers und den drei Ausscheidungen in Beziehung.

Die sieben Grundgewebe des Körpers sind: (Nahrungs) Essenz, Blut, Muskeln (Sehnen), Fettgewebe, Knochen, Mark und Zeugungssäfte. Die drei Ausscheidungen sind: Schweiß, Urin und Exkremente.

Wenn die drei Körpersäfte, sieben Grundgewebe des Körpers und die drei Ausscheidungen in der Balance sind, ist man gesund, wenn sie unausgeglichen sind, wird man krank.

Es gibt vier Faktoren, die für die Unausgeglichenheit verantwortlich sind:  

1. falsche Ernährung

2. falsche körperliche, seelische und geistige Verhaltensweise

3. schlechtes klimatische und soziale Umfeld

4. Einfluss von schlechten Energien

Da alles zusammen hängt, hat die Unausgeglichenheit in einem Organ oder in einem der Körpersäfte Auswirkungen auf den Rest des Organismus. Diese Kräfte stehen in direktem oder indirektem Zusammenhang zu den fünf Elementen, aus denen die äußere Welt oder die Natur besteht. Durch die Nahrungsaufnahme werden sie zu den fünf inneren Elementen. Die fünf Elemente sind Wind, Feuer, Wasser, Erde und Raum (Äther).

Element Wind/Luft ist dem Prinzip Wind zugeordnet: untrennbar verbunden mit dem Bewusstsein, die Atmung, die Blutbildung und die Verteilung des Blutes im Körper, die Aktivität der Muskeln und Nerven, die Funktion der Sexual- und der Sinnesorgane. Klarheit der Sinne und der Gedanken, dem Gedächtnis und der Konzentration, mit Körperkraft und Willensstärke.

Element Feuer ist der Prinzip Galle zugeordnet: Trennung der Nahrungsbestandteile und der Erhaltung der Körperwärme. Gallen Prinzip ist die Basis für alle auflösenden, verbrennenden Prozesse, der Verdauungs- und Stoffwechselprozesse unserer Anschauung. Sie unterstützt das Sehen und gibt uns eine gesunde Hautfarbe. Sie fördert den Intellekt, die Entschlusskraft und schenkt Mut und Selbstvertrauen.

Die Elemente Erde/Wasser sind dem Prinzip Schleim zugeordnet: Es reguliert die Körperflüssigkeiten und sorgt zum Beispiel für ausreichende Feuchtigkeit in den Atemwegen, den Bronchialschleim, die Verschleimung der festen Nahrungsbestandteile und die Beweglichkeit der Gelenke, die von ausreichen Gelenksschmiere abhängt.

Aber auch die Unterscheidung der verschiedenen Geschmacksarten und der Sinneswahrnehmungen ist mit  der Schleimenergie verbunden.   

Diese Elemente sollten weniger im atomistischen Sinne verstanden werden, vielmehr sind damit grundlegende Kräfte oder Eigenschaften gemeint. Die elementare Kraft Wind und Wind als Grundprinzip in der Medizin stehen im direkten Zusammenhang. Die anderen Elemente und Grundprinzipien lassen sich ähnliche verbinden..

Das Element oder Körper Prinzip Wind ist die Bewegung schlechthin. Es lässt sich wie die anderen beiden Körper-Prinzipien in fünf Untergruppen aufteilen:

Der Lebenserhaltende-, Aufwärtsbewegende-,  alles Durchdringende-, mit Feuer einhergehender und Abwärtsbewegende Wind.  

Es gibt keine Diskrepanz zwischen Psychischer, Psychosomatischer und Somatischer Medizin. Eine Krankheit kann integrativ behandelt werden.

Medikamente und Psychotherapie sind keine Gegensätze, denn die Ganzheitlichkeit wird immer gefordert. Nur die Erfahrung des Arztes oder der Ärztin bildet die Grenze.

Diagnose:

Zur Diagnose verlassen sich Tibetische Ärzte/innen ausschließlich auf ihre fünf Sinne.

1.  Befragung: Kurze Befragung der Vorgeschichte, Verlauf der Krankheit und aktueller Zustand.

2. Betrachtung:                                                   

   - Rudimentäres Untersuchen durch Überprüfung von Körperliche Struktur des Patienten.

   - Urin Diagnose: Farbe, Geruch, Blasenbildung, Geräusche, Sedimentbildung und

     Energiestörfelder.

   - Zungendiagnose: Untersuchung nach Belag, Farbe, Dicke, Glanz usw.

   - Augendiagnose: Farbe, Form, Glanz.

   - Nageldiagnose: Farbe, Form und Muster

3. Abtastung:

   - Beschaffenheit der Haare und Haut

   - Pulsdiagnose: Jede Strömung eines einzelnen Saftes hat einen charakteristischen Puls. Es werden

     die Säfte und Körperenergien beurteilt, die zunächst in Hitze- und Kälteströmungen eingeteilt

     werden. Zwölf dieser Grund Pulse/Pulskombinationen müssen jedem Arzt oder jeder Ärztin

     geläufig sein – Insgesamt gibt es 43 üblich angewandte Pulse(70000 Störungen werden

     unterschieden).

   - Bei Kleinkindern wird die Diagnose an den Ohrvenen festgelegt.

 

Therapie

Es kommen vier verschiedene Arten von Behandlung in Frage:

1. Ernährung: Ein körpereigenes Gleichgewicht entsteht durch die richtige Auswahl der aufgenommenen Nahrung nach den Elementen und ihrem bestimmten Eigenschaften.

Hauptsächlich angepasst auf die Grundkonstitution jedes Individuums, Tages und Jahreszeit.

2. Veränderung des Verhaltens: Anstreben eines alltäglichen Verhaltens, das Geistige, emotionale und körperliche Handlungen in ausgeglichener und achtsamer Weise lebt.

3. Medizin: Verordnung der natürlichen Drogen, die aus Mineralien, Edelsteinen, Pflanzen, Kräuter, Wurzel, Früchten und Metallen hauptsächlich aus dem Himalaja – Gebiet bestehen. Ihrer wohlausgewogenen Vermischung zu einer Gesamtkomposition aus vielen verschiedenen Ingredienzien stellt eine hoch wissenschaftliche und zugleich intuitive Kunst dar. Die Medizin wird in ca. zehn verschiedenen Gallenischen Formen zubereitet wie z.B. Pillen, Pulver, Brühen, Medizinische Butter, Aschen, Extrakte usw. verabreicht.

Die Traditionelle Tibetische Medizin sucht nicht eine isolierte pharmakologische Wirkung, sondern die Harmonisierung eines gestörten Elementen Systems  oder Zustand der Körper- Seele. Diese wird durch die genaue Mischung von Kräuter, Mineralien etc. erreicht, die genau nach der Richtlinien der Elementen Lehre der Traditionellen Tibetischen Medizin Prinzipien hergestellt wird erreicht. Die Fähigkeit der Tibetischen Medizin eine synergisch-komplexe Heilwirkung ohne Nebenwirkungen auszulösen, ist unvergleichbar und einzigartig.

4. Physikalische Therapie: Die Physikalische Therapie wird in zwei Hauptgruppen unterteilt, eine sanftere und eine härtere Technik.

  

Die sanfteren Techniken sind:

 - Heiße und kalte Kompressen,

- Bäder in mineralhaltigen Quellen und Medizinische Bäder,

- verschieden Artige Tibetische Massage wie Ölmassage (Ku nye), Steinmassage (Do nye),

  Bambusmassage(Yuk chö), Muschel Massage (Mgia chip nye)

- Akupressur mit warmer Butter zur Lösung von Blockaden.

- Hor me Therapie mit Kräutergemisch und warmen Öl zur Lösung  hauptsächlich von Seelischen Blockaden.

 

Die härteren Techniken sind: 

  1. Ableitende Methoden wie Aderlasse: die an über 70 Stellen mit einem Stich ein paar Tropfen Blut austreten lassen.
  2. Moxstibution : Brennung mit Beifusskapseln (Traditionell mit Leontopodium franch., aber aus Pflanzenschutzgründen nicht verwendet) 71 Stellen am Körper- vor allem bei Psychosomatischen und Psychovegetativen Störungen.
  3. Tibetische Akupunktur : Goldnadeltherapie – die eingreifende Methode bei Störungen ernster Natur. 7-10 cm lange Nadel, die hauptsächlich in der Fontanelle gestochen wird. Ist dem Therapie der Traditionellen Chinesischen Akupunktur nicht gleichzusetzen.
  4. Schröpfen mit Kupfer, Horn oder Kristall Glaskopf.
  5. Kauterisation: Behandlungen mit den Brenneisen (ca. 20cm langer Metallstab mit Gold, Silber oder Metallspitze) bei Tumor oder schwere heilbare Krankheiten. Kann mit direkter Hautberührung oder nur mit Hitze behandelt werden.

  

Auch einige Somatische Behandlungen werden durchgeführt:

 

-          Chakra Heilung: darf nur durch erfahrene hohe Lama durchgeführt werden – bei Besessenheit von Dämonen und böse Geistern. Bei Psychotischen Krankheiten, die auch karmisch bedingt sein können.

      -          Handauflegen: Benützen ebenfalls nur Lamas bei Krankheiten unter Einfluss böser Geister. 

-          Yoga/Atemübung/ Meditation: Reinigung feinstofflicher Kanäle, die die Lebensenergie stützen. 

-          Visualisierung des Medizin Buddhas/Rezitieren von Mantras: ist ebenfalls eine spirituelle

      Heilmethode, die das Gleichgewicht der Säfte wiederherstellt durch geistige Reinigung und

      Aufbauen von Kräften. 

Durch das Rezitieren von Heil- Mantras wird Fluss der Lebensenergie in den Kanälen des feinstofflichen Körpers durch Laute harmonisiert. Dieser schwingt in einem bestimmten Rhythmus. Je nach Krankheit gibt es individuelle Heil-Mantras. Wir werden krank, wenn seine Schwingungen gestört sind. Mantras sind Gebetsformeln, in denen geheiligte Silben aneinander gereiht und rhythmisch wiederholt werden.

 

Diese Publikation ist urheberrechtlich geschützt und darf ohne die Autorisierung der Verfasserin nicht anderweitig publiziert werden.

Weitere Infos siehe  unter : www.tibet-medizin.ch.

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