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von Dsche Tsongkapa Lobsang Drakpa
In seinem großen Werk "Lamrim Tschenmo", der
"Großen Darlegung des Stufenwegs zur
Erleuchtung", gibt der tibetische Meister
Dsche Tsongkapa (1357-1419) Ratschläge für
die Zeit zwischen den Meditationssitzungen.
Wir veröffentlichen im Folgenden eine
Passage aus seinem Werk, das 2000 bei Snow
Lion erschienen ist. Der traditionelle Text
ist auch für die heutige Zeit sehr
bedeutsam..
Im Allgemeinen gibt es zwischen den
Meditationssitzungen vieles zu tun. So kann
man beispielsweise Niederwerfungen und
Umrundungen machen oder Gebete und Schriften
rezitieren. Das Hauptsächliche ist jedoch
Folgendes: Nachdem man sich bemüht hat,
während der Sitzung zu meditieren, und an
den Punkt gekommen ist, die Sitzung zu
beenden, besteht die Gefahr, dass man nicht
mehr fortfährt, sich auf Vergegenwärtigung
und wachsame Selbstprüfung zu stützen und
möglicherweise alles loslässt, was es zu
bewahren gilt: den Meditationsinhalt. Wenn
man dies tut, werden die Fortschritte
äußerst gering sein. Wir sollten deshalb
auch zwischen den Sitzungen die
Aufmerksamkeit auf Belehrungen richten, die
die Bedeutung des Meditationsobjekts
erschließen, und uns immer wieder daran
erinnern.
Wir häufen mit allen uns zur Verfügung
stehenden Mitteln Verdienste an, die
günstige Umstände für das Hervorbringen
guter Qualitäten sind. Wir räumen mit
verschiedenen Mitteln die Hindernisse aus
dem Weg, die ungünstige Bedingungen
darstellen. Die Grundlage für alles ist, das
anzuwenden, was wir wissen, und danach zu
streben, jedes Gelübde, das wir abgelegt
haben, einzuhalten. Es gibt Erklärungen, in
denen diese Punkte als dreifache Übung
zusammengefasst werden: (1) den Geist im
Meditationsinhalt zu schulen, (2) die
Gelübde einzuhalten und (3) Verdienste
anzusammeln.
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Darüber hinaus schulen wir uns in den vier
Gruppen guter Bedingungen, welche die
Ursachen dafür sind, dass der Pfad von
Geistiger Ruhe und Besonderer Einsicht
leicht entsteht: (a) die Sinne zügeln; (b)
bewusst handeln; (c) maßvoll essen und (d)
sich darum bemühen zu praktizieren, ohne zur
falschen Zeit zu schlafen, und während des
Schlafes angemessen zu handeln.
Die Sinne zügeln
Dieser Abschnitt besteht aus fünf Teilen. Im
ersten Teil geht es um das, womit die
Sinne gezügelt werden. Sie werden
gezügelt, indem die Vergegenwärtigung
aufrechterhalten und beharrlich
weitergeführt wird. Die Vergegenwärtigung
aufrechtzuerhalten bedeutet, dass sie
wiederholt geübt wird, ohne die Belehrungen
zu vergessen, die sich auf das Zügeln der
Sinne beziehen, sowie auf die anderen drei
Vorbedingungen. Das kontinuierliche
Aufrechterhalten der Vergegenwärtigung
bedeutet, dass man sie fortwährend mit
Respekt übt. Das, was man zügelt,
sind die sechs Sinne [fünf Sinne plus das
geistige Bewusstsein, Anm. des Übersetzers].
Das, wovor man die Sinne zügelt, sind
die sechs attraktiven und sechs
unattraktiven Sinnesobjekte.
Nach oben
Wie wir die Sinne unter Kontrolle bringen,
lässt sich in zwei Abschnitte einteilen:
1) Die Sinne bewachen: Wenn die sechs
Bewusstseinsarten [Augenbewusstsein etc.]
aktiv sind, die auf den verschiedenen
Sinnesobjekten und Sinneskräften basieren,
erzeugt das geistige Bewusstsein Anhaftung
an die sechs attraktiven Sinnesobjekte oder
Abneigung gegenüber den unattraktiven. Die
Sinne zu bewachen bedeutet, dass wir unseren
Geist vor Anhaftung und Abneigung schützen
und uns große Mühe geben, diese nicht
entstehen zu lassen.
2) Die sechs Sinne zu zügeln
bedeutet, die Sinneskräfte zu stoppen. So
lassen wir sie beispielsweise nicht mit
Sinnesobjekten in Kontakt kommen, die
Leidenschaften hervorrufen, wenn wir sie zum
Beispiel anschauen.
Darüber hinaus beinhaltet "die Sinne
bewachen", dass wir weder von den sechs
Sinnesobjekten Notiz nehmen noch sie uns
vorstellen. Dies erreichen wir durch
Zügelung, auch wenn negative Faktoren wie
Anhaftung auf Grund von Vergesslichkeit oder
starken Leidenschaften aufsteigen. "Notiz
nehmen von" heißt das Wahrnehmen und das
Richten der Aufmerksamkeit auf die
beabsichtigte und unbeabsichtigte
Erscheinung von Sinnesobjekten wie Formen,
die man nicht anschauen sollte. "Sich
vorstellen" kann sich darauf beziehen, dass
das geistige Bewusstsein Sinnesobjekte
wahrnimmt, die Anhaftung, Abneigung und
Unwissenheit hervorrufen, nachdem die sechs
Bewusstseinsarten mit den Objekten in
Berührung gekommen sind. Es kann sich auch
darauf beziehen, von anderen über diese
Sinnesobjekte zu hören und sie sich
daraufhin vorzustellen, obwohl man sie nie
selbst wahrgenommen hat.
Nach oben
"Zügeln" meint, den Geist vor Leidenschaften
zu schützen und ihn dann auf etwas zu
richten, das ethisch neutral oder heilsam
ist. Der Zeitpunkt, zu dem der Geist auf
etwas "Heilsames und ethisch Neutrales"
gerichtet wird, erstreckt sich nicht auf die
Zeit, in der er ein heilsames
Meditationsobjekt wahrnimmt, sondern auf
andere Zeiten, zum Beispiel während
körperlicher Aktivitäten.
I) Die Grundlagen der Handlungen; dieser
Teil gliedert sich in zwei Abschnitte: die
fünf Handlungen der Bewegung und die fünf
Aktivitäten in einem Tempel. Bei den fünf
Handlungen der Bewegung handelt es sich um:
(1) Handlungen des Körpers: sich an andere
Orte begeben wie Städte und Tempel und von
diesen zurückkehren; (2) Handlungen der
Augen: Objekte mit dem Blick streifen, weil
man sie ohne Absicht wahrgenommen hat, sowie
die Objekte, die man bewusst anschaut, voll
wahrnehmen; (3) Handlungen der Gliedmaßen,
Finger und Zehen: die Gliedmaßen, Finger und
Zehen ausstrecken und anspannen; (4)
Handlungen im Zusammenhang mit religiösen
Kleidungsstücken und Almosenschalen: das
Umgehen mit und die Benutzung der drei Arten
religiöser Kleidungsstücke und der
Almosenschale; (5) Handlungen im
Zusammenhang mit Almosen: Essen, trinken
usw.
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Bei den fünf Handlungen im Tempel handelt es
sich um (1) Handlungen des Körpers: sich in
einem zum Gehen ausgewiesenen Areal bewegen;
zu jemandem gehen, der sich in
Übereinstimmung mit den Lehren befindet;
einen Durchgang betreten, um die Lehren zu
empfangen; sich in der Gegenwart derer
befinden, auf die man treffen wollte und die
sich in Übereinstimmung mit den Lehren
befinden, dem Abt, Meister, Guru u.a.; in
voller Lotoshaltung sitzen usw.
(2) Handlungen der Rede: die mündliche
Überlieferung der zwölf Zweige der Schriften
erhalten, zu denen man bisher keine
Unterweisungen bekommen hatte; diese alle
verstehen; das, was man empfangen hat,
rezitieren; die Unterweisungen an andere
weitergeben; sich mit anderen darüber
austauschen, um deren freudige Anstrengung
zu unterstützen.
(3) Handlungen des Geistes: während des
mittleren Teils der Nacht schlafen. Indem
man sich an einen ruhigen Ort zurückzieht
und nicht spricht, während man über die
Bedeutung dessen nachdenkt, was man gehört
hat, bemüht man sich auf der Grundlage der
neun Geisteszustände um Konzentration und
Einsicht. Wenn man sich auf Grund heißen
Wetters müde fühlt, unternimmt man etwas, um
den Wunsch nach Schlaf zu einer
unangemessenen Zeit zu vertreiben.
(4) Handlungen des Tages und (5) Handlungen
der Nacht: Beide beziehen sich darauf, nicht
während des Tages zu schlafen oder während
des ersten und letzten Teils der Nacht. Sie
beziehen sich auch auf physische und verbale
Handlungen. Darüber hinaus bezieht sich die
Aussage, dass man während des mittleren
Teils der Nacht schlafen soll, nur auf
Handlungen in der Nacht und Handlungen des
Geistes.
II) Bewusst handeln mit Respekt gegenüber
den Grundlagen. Das bewusste Handeln mit
Respekt gegenüber den oben erwähnten zehn
Grundlagen gestaltet sich wie folgt: Wenn
wir mit einer Bewegung oder Aktivität
beginnen, sollten wir dies von Anfang an
gewissenhaft tun und Vergegenwärtigung im
Hinblick auf die Handlung entwickeln. Von
diesen beiden Geisteszuständen durchdrungen,
analysieren wir die verschiedenen Aspekte
einer Situation und untersuchen, wie wir
weiter vorgehen; dann denken wir im Licht
der Schlussfolgerung, die wir gezogen haben,
über die Situation nach und entwickeln ein
Verständnis dafür.
Nach oben
In diesem Sinne gibt es vier Bestandteile:1)
Das Element der Grundlage: Im
Hinblick auf jegliche der zehn Grundlagen -
jene der körperlichen Aktivitäten usw. -
sollten wir untersuchen, was passiert und
wie wir vorgehen wollen und dann die
Situation im Lichte dessen betrachten, was
wir daraus folgern. So sollten wir zum
Beispiel die Aktivitäten des Weggehens und
Zurückkommens gemäß dessen verstehen, was in
den Texten zur Disziplin gelehrt wird.
Während wir weggehen und zurückkommen denken
wir, "Jetzt tue ich dies, und jetzt tue ich
das."
2) Das Element der Richtung: Im
Hinblick auf die Richtungen analysieren wir,
was geschehen wird und wie wir vorgehen
sollten; dann betrachten wir die Situation
im Lichte dessen, was wir daraus gefolgert
haben. Wenn wir beispielsweise weggehen,
sollten wir nicht zu einem der fünf Orte
gehen - einem wo Alkohol verkauft wird usw.
Wer verstanden hat, dass er andere als diese
Orte aufsuchen sollte, muss in dieser
Hinsicht wachsam sein, wenn er weggeht. 3)
Das Element der Zeit: Im Hinblick auf
die Zeit untersuchen wir, was geschehen
könnte und wie wir vorgehen sollten; dann
betrachten wir die Situation im Lichte
dessen, was wir daraus gefolgert haben. Wer
beispielsweise verstanden hat, dass es
angemessen ist, am Morgen in die Stadt zu
gehen, nicht jedoch am Nachmittag, sollte
danach handeln und zu dieser Zeit wachsam
sein.
Nach oben
4) Das Element der Handlungen:
Ungeachtet dessen, wie viele Handlungen wir
ausführen, analysieren wir, was geschehen
könnte und wie wir vorgehen sollten; dann
betrachten wir die Situation im Lichte
dessen, was wir daraus gefolgert haben. Wenn
wir beispielsweise weggehen, sollten wir an
alle Regeln denken, die im Zusammenhang mit
dem Weggehen stehen, wie zum Beispiel, "dass
man eine andere Wohnung in einer sehr
zurückhaltenden Art und Weise betreten
sollte."
Kurz gesagt, sollten wir bei allen
Handlungen während des Tages und der Nacht
wachsam sein. Darüber hinaus gilt es zu
verstehen, welche Taten ausgeführt und
welche unterlassen werden sollten. Bei jeder
Handlung sind wir wachsam und denken, "Nun
beschäftige ich mich mit diesem oder jenem"
oder "nun wende ich mich von diesem oder
jenem ab." Es heißt, wenn wir dies tun,
werden wir in diesem Leben nicht durch
Übertretungen befleckt; sogar nach dem Tod
werden wir nicht in die leidvollen Bereiche
fallen; und wir werden über die
Voraussetzungen verfügen, um Wissen auf dem
Pfad zu erlangen, das wir bislang noch nicht
haben.
Ich habe diese beiden Teile über das
bewusste Handeln und das Zügeln der Sinne in
Übereinstimmung mit den Sutra-Zitaten des
edlen Wesens Asanga und den späteren
Kommentaren zur Bedeutung dieser Zitate
verfasst. Wir sollten an diesen Übungen
arbeiten; wenn wir dies tun, werden wir
ungewöhnlichen Erfolg in allen heilsamen
Praktiken haben, denen wir uns widmen. Im
Besonderen wird die ethische Disziplin
völlig rein sein, und wir werden ohne
Schwierigkeiten die von Gedanken freien
Versenkungszustände erlangen, die aus der
Geistigen Ruhe und Besonderen Einsicht
bestehen.
Nach oben
Maßvoll essen
Eine angemessene Ernährung hat vier
Eigenschaften: 1) Nicht zu wenig essen:
Wer zu wenig isst, bleibt hungrig und wird
schwach, so dass ihm die Kraft zum Ausführen
heilsamer Handlungen fehlt. Deshalb
bedeutet, "nicht zu wenig zu essen", dass
wir genau die Menge zu uns nehmen, die es
uns erlaubt, bis zum Mahl des nächsten Tages
keinen Hunger zu verspüren. 2) Nicht zu
viel essen: Wenn wir zu viel essen, wird
der Körper schwer, als ob wir eine Last
tragen. Es wird schwierig ein- und
auszuatmen; Schläfrigkeit und Lethargie
nehmen zu. Wir werden ungeeignet zum
Ausführen von Handlungen, so dass uns keine
Kraft bleibt, Leiden zu vermeiden.
3) Gut verdauliche und gesunde Nahrung zu
sich nehmen: Mit solcher Nahrung
vermeiden wir alte Gefühle von Leiden, die
aus der Ernährung resultierten, und schaffen
keine neuen. 4) Angemessene Nahrung zu
sich nehmen, die keine Leidenschaften
verursacht: Mit solcher Nahrung bringen
wir keine schlechten Taten hervor und
bleiben glücklich.
Das Mittel gegen die Gier nach Nahrung ist
die Meditation über ihre Fehler; hiervon
gibt es drei: (1) Der Fehler, der sich
aus den Ursachen des Genusses ergibt:
Wir sollten darüber kontemplieren, dass
jegliche farbenfrohe, aromatische und gut
schmeckende Nahrung wie Erbrochenes
aussieht, sobald wir sie gekaut und
eingespeichelt haben. (2) Der Fehler, der
sich aus dem Verdauen von Nahrung ergibt:
Wir kontemplieren darüber, dass Nahrung
solche körperlichen Elemente wie Fleisch und
Blut hervorbringt, nachdem die Nahrung in
der mittleren oder letzten Periode der Nacht
verdaut wurde. Weiter führen wir uns vor
Augen, wie ein Teil der Nahrung in
Exkremente und Urin umgewandelt wird und
dann im unteren Teil des Körpers verbleibt;
noch dazu müssen diese Exkremente jeden Tag
ausgeschieden werden. Wir sollten uns
bewusst machen, wie viele Krankheiten im
Zusammenhang mit der Nahrung entstehen.
Nach oben
(3) Die fünf Fehler, die beim
Anschauen von Nahrung entstehen: Bei
diesen handelt es sich um die folgenden: 1)
Der Fehler der Beschaffung: Während
man von Hitze und Kälte gepeinigt wird, muss
man große Anstrengungen unternehmen, um
Nahrung zu beschaffen und die Bedingungen
für die Beschaffung zusammenzubringen. Wenn
man die Nahrung nicht beschafft, erleidet
man Sorgen usw. Selbst wenn man die Nahrung
beschafft, muss man fürchten, dass sie
gestohlen oder verschwendet wird, und so
leidet man, da man große Anstrengungen
unternehmen muss, um sie zu sichern.
2) Der Fehler des Ruins enger Beziehungen:
Selbst enge Verwandte wie Väter und Söhne
würden sich um der Nahrung willen streiten
und bekämpfen. 3) Der Fehler der
Unersättlichkeit: Könige und dergleichen
bekriegen sich und erleben viel Leid, wenn
sich ihre Gier nach Nahrung verstärkt. 4)
Der Fehler des Mangels an Unabhängigkeit:
Diejenigen, die das Brot anderer essen,
erfahren viele Leiden, wenn sie im Namen
ihrer Anführer mit Gegnern kämpfen. 5)
Der Fehler, der aus falschem Handeln
entspringt: Nachdem man um der Nahrung
und ihrer Ursachen willen schlechtes Karma
des Körpers, der Rede und des Geistes
angesammelt hat, denkt man an seine
negativen Taten, wenn man stirbt und stirbt
mit Reue. Zudem fällt man nach dem Tod in
leidvolle Bereiche.
Trotz alledem hat Nahrung einige Vorteile -
schließlich ist der Körper davon abhängig.
Wir sollten denken, bevor wir die Nahrung zu
uns nehmen: "Da es nicht richtig ist, nur
für den Erhalt meines Körpers Nahrung zu mir
zu nehmen, werde ich mich rein verhalten und
mich um den Erhalt meines Körpers kümmern.
Wohltäter und diejenigen, die Handlungen der
Nächstenliebe ausführen, arbeiten so hart,
dass ihre Haut, ihr Fleisch und ihr Blut
austrocknen! Dann machen sie ihre Geschenke
mit dem Wunsch nach guten Ergebnissen. Ich
werde sicherstellen, dass ihre Handlungen
große Wirkungen erzielen werden." Wir
sollten uns auch daran erinnern, dass in
2antidevas Kompendium der Schulungen
die Anweisungen gegeben werden, beim Essen
zu denken, dass (1) man dem Gebenden damit
dient; (2) so wie man nun durch das
materielle Geschenk der Nahrung
Mikroorganismen in seinem Körper sammelt,
man in der Zukunft diese Wesen durch
Belehrungen versammelt; und (3) man damit
das Wohlergehen aller Lebewesen erlangt.
Auch in Nagarjunas Brief an einen Freund
heißt es: "Nahrung sollte man wie Medizin zu
sich nehmen, frei von Begierde und
Abneigung, nicht um des Hochmuts wegen noch
um der Stärke willen, sondern allein, um den
Körper aufrechtzuerhalten."
Nach oben
Nicht zur falschen Zeit schlafen
Wie man eifrig praktiziert, ohne zur
falschen Zeit zu schlafen, und wie man
während des Schlafes richtig handelt: Im
Brief an einen Freund heißt es: "Oh du
Vernünftiger, nachdem du den ganzen Tag und
auch im ersten und letzten Teil der Nacht
die Tugenden entwickelt hast, schlafe
zwischen diesen beiden Zeiträumen mit
Vergegenwärtigung, indem du nicht einmal die
Zeit des Schlafes verschwendest." "Den
ganzen Tag" und "der erste und letzte Teil
der Nacht" bezieht sich auf das, was
zwischen den Meditationssitzungen getan
werden sollte. Wir sollten daher während des
Sitzens oder Stehens zielgerichtet handeln,
wie ich zuvor erklärt habe, indem wir den
Geist völlig von den fünf Verdunkelungen
reinigen.
Es gibt Unterweisungen im Hinblick auf das
Zügeln der Sinne, das bewusste Handeln und
diesen Abschnitt, der von dem Bemühen
handelt zu praktizieren, anstatt zu schlafen
- und zwar sowohl für die
Meditationssitzungen als auch für die Zeit
zwischen den Meditationssitzungen. Ich habe
daher hier die Unterweisungen für die Zeit
zwischen den Meditationssitzungen
herausgestellt. Das Verhalten während des
Schlafes gehört zu den Übungen zwischen den
Sitzungen, weshalb es nicht als zwecklos
angesehen werden sollte.
Wie soll ich schlafen? Während des Tages und
im ersten der drei Teile der Nacht
verbringen wir die Zeit mit heilsamen
Handlungen; wir gehen schlafen, wenn der
mittlere Teil der Nacht beginnt, denn durch
den Schlaf kräftigen wir jene Elemente des
Körpers, die durch den Schlaf regeneriert
werden. Wenn wir den Körper auf diese Art
und Weise pflegen, wird er sehr für die
Anwendung beider Arten freudiger Anstrengung
in Bezug auf die Seite des Heilsamen
dienlich sein.
Nach oben
Wenn wir uns schlafen legen, sollten wir
zunächst den Meditationsraum verlassen,
unsere Füße waschen und dann unseren eigenen
Raum betreten. Dann legen wir uns auf die
rechte Seite, das linke Bein auf das rechte
Bein und schlafen wie ein Löwe. Unter allen
Tieren ist es der Löwe, der seine
überragende Fähigkeit, sein Selbstvertrauen
und seine Kraft dazu einsetzt, seine Gegner
zu bezwingen. Genauso wird derjenige, der
die Praxis mit freudiger Anstrengung ausübt,
anstatt zu schlafen, seine überragende
Fähigkeit usw. dazu nutzen, seine Gegner zu
bezwingen und, wenn er ruht, schlafen wie
ein Löwe. Dies ist ein anderer Schlaf als
der der hungrigen Geister, Götter oder
derjenigen, die in Begierden verwickelt
sind, da sie alle gekennzeichnet sind durch
Faulheit, eine schwach ausgeprägte Tatkraft
und geringe Fähigkeiten, die Gegner zu
bezwingen.
Aus einer anderen Perspektive betrachtet,
bedeutet das Schlafen wie ein Löwe auf der
rechten Seite, dass der Körper
natürlicherweise nicht schlaff wird. Auch
wenn man eingeschlafen ist, verliert man
seine Vergegenwärtigung nicht. Der Schlaf
wird nicht schwer. Man hat keine schlechten
oder sündhaften Träume. Wenn wir jedoch auf
irgendeine andere Weise schlafen, werden
sich alle Fehler einstellen, die das
Gegenteil dieser vier darstellen.
Es gibt vier Arten von Gedanken mit denen
man einschlafen sollte: (1) Der Gedanke
an die Erleuchtung: Wir stellen uns ein
Licht vor und schlafen während dieser
Vorstellung ein. So ist es nicht möglich,
dass beim Einschlafen Dunkelheit im Geist
aufkommt. (2) Vergegenwärtigung: Diese
entsteht, wenn wir bedeutungsvollen,
tugendhaften Belehrungen zugehört, darüber
nachgedacht und meditiert haben. Diese
Praxis sollten wir üben, bis wir
eingeschlafen sind. Dadurch wird sich der
Geist weiterhin auch nach dem Einschlafen
mit den Unterweisungen beschäftigen, gerade
so, als wenn man gar nicht schlafen würde.
Kurz gesagt, wir werden die heilsame Praxis
auch während des Schlafes aufrechterhalten.
(3) Wachsame Selbstprüfung: Während
wir auf diese Art und Weise
Vergegenwärtigung entwickeln, können Sorgen
aufsteigen. Wenn dies der Fall ist, nehmen
wir sie wahr und beseitigen sie, anstatt sie
hinzunehmen.
Nach oben
(4) Der Gedanke des Aufstehens;
dieser beinhaltet drei Aspekte: Erstens,
sollten wir den Geist nicht in einen Zustand
rutschen lassen, in dem er vom Schlaf völlig
überwältigt wird. Stattdessen sollten wir
sehr leicht schlafen wie ein Reh und mit
einem Geist freudiger Anstrengung. Dies
verhindert einen schweren Schlaf und
versetzt uns in die Lage zu erwachen, ohne
zu verschlafen. Zweitens denken wir "Ich
werde mich immer darin üben, wach zu
bleiben, so wie es der Buddha gelehrt hat,"
und dann streben wir diesem Ziel entgegen.
Somit wird der Schlaf nicht vom Schlaf eines
Löwen abweichen, den der Buddha erlaubte.
Drittens sollten wir denken, "Genauso wie
ich am heutigen Tag mit freudigem Geist
beharrlich die Tugenden entwickelt habe,
ohne zu schlafen, werde ich dasselbe auch
morgen tun." Dies wird verhindern, dass die
Kontinuität des heilsamen Strebens
unterbrochen wird. Selbst wenn wir unser
Streben vergessen, sollten wir immer daran
arbeiten, es zu stärken.
Wenn wir uns beim Essen und Schlafen so
verhalten, begehen wir keine falschen
Handlungen. Da uns ein entschlossenes
Handeln in dieser Art und Weise davon
abhält, unser Leben zu vergeuden, habe ich
es so erklärt, wie der edle Asanga es aus
den Sutras zitiert hat. Alles was ich hier
darüber gesagt habe, wie man sich vor,
während, nach und zwischen den Sitzungen
verhalten soll, bezieht sich auf alle
Meditationen, die in meinem Text beschrieben
werden, einschließlich des Teils über die
Besondere Einsicht. Die einzigen Ausnahmen
bilden die spezifischen Abläufe
während der eigentlichen Sitzungen. Dies
beendet die Erklärung darüber, was zwischen
den Sitzungen zu tun ist.
Mit freundlicher Genehmigung des Verlags
Snow Lion. Der vollständige Titel des Buches
heißt: Tsong-kha-pa.
The Great Treatise on the Stages of the Path
to Enlightenment, Lamrim Chenmo.
Vol. One, Ithaca, New
York 2000. Band 3 ist im November 2002
erschienen, Band 2 ist für November 2003
geplant. Mehr zu diesem Buch und anderen
Titeln des Verlages unter:
www.SnowLionPub.com
Aus dem Englischen übersetzt von Antje
Becker.
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