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von Alexander Berzin aus dem Englischen von
Eva Hookway
Die Wissenschaften der Kalendererstellung,
Astronomie, Astrologie und Mathematik haben
viele Berührungspunkte mit dem tibetischen
Leben. Ihre Tradition verbreitete sich von
Tibet aus in die Äußere und Innere Mongolei,
die Mandschurei, nach Ost-Turkestan, in die
Burjatischen, Kalmückischen und Tuwinischen
Sowjetrepubliken sowie in alle anderen unter
kulturellem Einfluß Tibets stehenden Gebiete
in Zentralasien, China, den
Himalaya-Regionen von Indien, Nepal und
Bhutan. Sie sind stets in Verbindung mit
tibetischer Medizin gelehrt worden. Alle
Medizinstudenten in Tibet mußten bis zu
einem gewissen Grad die Astro-Wissenschaften
studieren. Die Astro-Wissenschaft befaßt
sich mit den Berechnungen der Ephemeriden
(Tabellen der täglichen Konstellationen der
Planeten sowie Sonne und Mond) sowie mit der
Kalendererstellung und Voraussage der
Eklipsen (Sonnen- und Mondfinsternisse). Sie
bezieht astrologische Berechnungen für
persönliche Horoskope ein und sucht nach
Informationen über Tage, die gemäß
tibetischem Jahrbuch für Unternehmungen
günstig oder ungünstig sind.
Es gibt zwei Berechnungen: „Weiße“ sind
indischen und „schwarze“ chinesischen
Ursprungs. Wie die tibetische Medizin weist
auch die Astrologie Aspekte auf, wie man sie
in Indien und in China vorfindet. Indische
und chinesische Systeme flossen – in
teilweise abgewandelter Form und in
unterschiedlicher Anwendung – in das
einzigartige tibetische System ein.
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Weiße Berechnungen indischen Ursprungs
Das Material indischen Ursprungs in den
tibetischen Astro-Wissenschaften geht
vornehmlich auf zwei Quellen zurück. Das
Kālachakra-Tantra präsentiert die Gesetze
der Bewegung des Universums sowie die
Berechnungen für Ephemeride, Kalender und
Jahrbuch. Hieraus entwickelten sich zwei
Gruppen mathematischer Formulierungen: das „Siddānta-“
oder vollständige Lehrmeinungs- System, das
verloren ging, aber später rekonstruiert
wurde, und das „Kārana-“ oder
zusammenfassende System. Das Tantra, das das
Entstehen aus den Vokalen beschreibt, ist
das einzige Shaiva-Hindu-Tantra, das ins
Tibetische übersetzt und in die
Tängyur-Sammlung indischer Kommentare
aufgenommen worden ist. Aus diesem leitet
man Informationen zu voraussagenden
persönlichen Horoskopen ab.
In der europäischen Astrologie wird bei
einem individuellen Horoskop hauptsächlich
darauf geachtet, das Geburtsbild zu
betrachten und anhand dessen die
Persönlichkeit zu analysieren und zu
beschreiben. Im buddhistischen System ist
dies nicht der Schwerpunkt. Von größerem
Interesse ist es hier, Diagramme zur
Lebensentwicklung einer Person zu erstellen.
Die Lebenserwartung wird berechnet und dann
in neun Abschnitte eingeteilt, die jeweils
unter dem bestimmenden Einfluß eines
Himmelskörpers stehen. Jeder Abschnitt wird
in bezug auf den herrschenden Planeten, auf
das Geburtsdiagramm und das jeweilige Alter
ausgewertet.
Obgleich die Lebenserwartung einer Person
errechnet werden kann, sollte man nicht
annehmen, es handele sich um ein
fatalistisches System. Es sind auch
Berechnungen darüber möglich, wie weit man
seine Lebensspanne verlängern kann, wenn man
viele positive Handlungen ausführt. Im
indischen Originalsystem des Kālachakra lag
die Berechnung der höchsten Lebensspanne bei
108. In Tibet wurde sie auf 80 reduziert, da
dem Buddhismus gemäß die durchschnittliche
Lebenserwartung im degenerierten Zeitalter
abnimmt. Im 19. Jahrhundert revidierte Dschu
Mipam die Zahlen und kam auf ein Höchstalter
von 100. Eine Lebensspanne kann auf vier
weitere Arten berechnet werden, von denen
drei auf das schwarze System zurückgehen.
Somit hat jede Person viele mögliche
Lebensspannen. Man wird mit einer Reihe
verschiedener Karmas geboren, die alle
heranreifen können.
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Ein tibetisches Horoskop ist eine allgemeine
Vorhersage eines möglichen Verlaufs in
diesem Leben. Abhängig von unseren
Handlungen sowie von bestimmten äußeren
Umständen können sich verschiedene
Möglichkeiten ergeben. Was im eigenen Leben
geschieht, hängt von den karmischen
Potentialen ab, die man durch Taten in
dieser oder früherer Lebenszeit aufgebaut
hat. Das Hauptanliegen eines tibetischen
Horoskops ist es, der betreffenden Person zu
verdeutlichen, welche Möglichkeiten es für
ihr Leben gibt. Ob der bestmögliche Fall
eintritt, hängt von der Person selbst ab.
Obgleich viele Potentiale existieren, kann
gerade durch Erkennen einiger entscheidender
Aspekte aus einem Horoskop ein Mensch dazu
angeregt werden, das kostbare menschliche
Dasein zu nutzen, um ein spirituelles Ziel
zu erreichen.
Im Zusammenhang mit dem Kālachakra- System
strebt man danach, alle karmischen
Begrenzungen zu überwinden, die verhindern,
daß man die Fähigkeit erlangt, allen Wesen
mit den besten Mitteln zu helfen. Die
Meditation über das eigene Leiden fördert
die Entschlossenheit, sich zu befreien sowie
Mitgefühl für andere zu entwickeln.
Gleichermaßen kann die Meditation über das
Leiden, das man, wie in einem Horoskop
dargelegt, in einem Dasein erfahren könnte,
auf dem spirituellen Wege hilfreich sein.
Ein tibetisches Horoskop kann also für jene,
die an Astrologie interessiert sind, ein
nützliches Mittel zur Unterstützung sein,
auf dem Pfad voranzuschreiten. Man sollte
ein tibetisches Horoskop niemals als
Vorhersage einer vorausbestimmten
unvermeidlichen Zukunft ansehen.
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Das weiße Berechnungssystem auf der
indischen Grundlage hat gewisse gemeinsame
Merkmale mit den altgriechischen
Astrosystemen. Das markanteste Beispiel ist
die Einteilung des Zodiak (Tierkreis) in
zwölf Zeichen und Häuser, mit gleichen
Benennungen für die Zeichen wie im
neuzeitlichen europäischen System, nur eben
in tibetischer Übersetzung. Bei
Geburtshoroskopen werden die Planeten in den
Zeichen und Häusern ähnlich angeordnet wie
in einem europäischen Diagramm. Der Zodiak
ist der Gürtel, durch den sich Sonne, Mond
und Planeten in einem geometrischen System
um die Erde bewegen. Die auffallendsten
Konstellationen in dieser Gürtelzone sind
als Tierkreiszeichen bekannt. Für die
meisten weißen Berechnungen wird diese Zone
anstelle von 12 Zeichen in 27 Mond-Häuser
oder Konstellationen unterteilt.
Im Kālachakra-System werden zehn Gestirne
behandelt, die „Planeten“ genannt werden.
Die wichtigsten sind Sonne, Mond, Mars,
Merkur, Jupiter, Venus, Saturn und ein
Komet, der jedoch in Horoskopen nicht
angewendet wird. Bei den anderen beiden
Gestirnen, die an Eklipsen (Sonnen- und
Mondfinsternissen) beteiligt sind, handelt
es sich um die Planeten Rāhu und Kālagni der
Nord- und Südmondknoten. Im Hindu-System
sind sie auch als Rāhu und Ketu bekannt.
Ein Charakteristikum des Kālachakra-
Systems, das es mit dem klassischen
Hindu-System, aber nicht mit dem
griechischen System gemein hat, ist die
Anwendung eines Fixsterns oder siderischen
Zodiaks. Null Grad Widder bezieht sich immer
auf den Punkt, wenn die Sonne in Konjunktion
mit der tatsächlichen Position des Beginns
der Widder-Konstellation steht. In den
altgriechischen und neuzeitlichen Systemen,
die den tropischen Zodiak benutzen, wird
diese Position Null Grad Widder genannt,
wann immer die Sonne am
Frühlings-Äquinoktium in der nördlichen
Hemisphäre steht, ungeachtet dessen, wo die
tatsächliche Konstellation Widder am Himmel
ist.
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Während der Zeit der Moguln in Indien,
besonders vom 18. Jahrhundert an, gab es
Kontakte mit der europäischen Astronomie.
Viele Hindu-Systeme gaben daraufhin ihre
traditionellen mathematischen Modelle auf.
Europäische Modelle erbrachten genauere
Resultate, die mittels Teleskop und
astronomischer Meßgeräte bestätigt werden
konnten. Viele übernahmen die neue Technik,
bei der man einheitlich einen
Standard-Präzessionswert abzieht – und zwar
ausgehend von den Positionen aller Planeten
des vom europäischen System übernommenen
tropischen Zodiaks, um ihre Positionen aus
dem Zodiak der Fixsterne abzuleiten. Einige
Hindu-Astrologen behaupten, daß die
traditionell berechneten planetarischen
Positionen präzisere astrologische
Aufschlüsse ergeben.
Dies ist ein sehr wichtiger Punkt. Die
tibetische Astrologie ist jetzt auf einem
Stand wie die Hindu-Astrologie im 18.
Jahrhundert. Die Positionen der Planeten,
die dem mathematischen Modell des
Kālachakra-Systems entnommen sind,
entsprechen nicht dem, was wissenschaftlich
beobachtet wird. Ob es notwendig sein wird,
dem Hindu- Beispiel zu folgen und die
Tradition aufzugeben, um die europäischen
Werte, abgewandelt durch einen
Präzessionsfaktor, zu übernehmen, muß noch
entschieden werden. Man könnte aus Sicht der
Tibeter geltend machen, daß die beobachtete
Position der Planeten wirklich nichts zur
Sache tut. Es war niemals beabsichtigt, mit
dem buddhistischen Astro-System eine Rakete
auf den Mond zu schießen oder ein Schiff zu
navigieren. Die astronomischen Daten werden
für astrologische Zwecke berechnet. Wenn die
astrologische Aussage empirisch korrekt und
hilfreich ist, genügt das.
Die tibetische Astrologie soll es gestatten,
etwas über eine mögliche karmische Situation
im eigenen Leben zu erkunden, so daß man
damit arbeiten kann. Somit nützt es dem
Zweck, die eigenen Begrenzungen zu
überwinden und alle Potentiale zu erkennen,
um den Lebewesen von größtem Nutzen zu sein.
Tibetische Astro-Studien müssen in diesem
buddhistischen Zusammenhang gesehen werden.
Es wäre irrelevant, über diese zu urteilen
und sie zu verändern, nur weil ihre
astronomischen Daten nicht mit den
beobachteten planetarischen Positionen
übereinstimmen.
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Schwarze Berechnungen chinesischen Ursprungs
Die von China hergeleiteten schwarzen oder
Element-Berechnungen fügen dem tibetischen
Kalender einige Merkmale hinzu, so
Korrelationen mit Tieren und Element-Zyklen,
wie das Jahr des Eisen-Pferdes. Darüber
hinaus haben sie weitere Variablen zur
Prüfung, um die Persönlichkeit zu
analysieren und allgemeine voraussagende
persönliche Horoskope zu erstellen.
Sie enthalten Berechnungen aus fünf
Hauptgebieten. Das erste befaßt sich mit dem
jährlichen Verlauf allgemein, um zu sehen,
was in jedem Lebensjahr geschehen wird. Das
zweite betrifft Krankheiten und die
Feststellung, wie lange sie dauern und
wodurch sie hervorgerufen werden. Man erhält
Aufschluß darüber, ob sie von schädlichen
Geistern kommen, und falls ja, um welche Art
von Geistern es sich handelt und welche
Rituale anzuwenden sind, um sie zu
besänftigen. Das dritte befaßt sich mit den
Toten, besonders wann und in welche Richtung
hin die Leiche aus dem Haus entfernt werden
sollte, und welche Zeremonien durchzuführen
sind, um schädliche Kräfte zu bezwingen. Das
vierte ist eine Berechnung von Hindernissen,
wann sie kalendermäßig im Allgemeinen und
während des Lebens einer bestimmten Person
eintreten werden. Das fünfte betrifft
Heirat, besonders die potentielle Harmonie
zwischen den voraussichtlichen Paaren.
Das System des Kalenders baut sich auf einem
Zyklus von 60 Jahren auf, wobei jeweils zwei
aufeinander folgende Jahre von einem von 12
Tieren beherrscht werden. Die Liste der
Tiere ist eng verbunden mit einem für das
Jahr maßgebenden Element: Holz, Feuer, Erde,
Eisen oder Wasser. Jedes Element herrscht
zwei aufeinander folgende Jahre, das erste
ist ein männliches Jahr, das zweite ein
weibliches. Sechzig Jahre sind also nötig,
bis eine spezielle Kombination z.B.
„Feuer-Weiblichen-Hase“ wiedererscheint.
Es werden auch magische Quadrate angewendet,
darunter besonders eines mit einem
3x3-Gitternetz, in dem die Zahlen eins bis
neun so in den Feldern arrangiert sind, daß
sie horizontal, vertikal oder diagonal
addiert jedes Mal die Summe 15 ergeben. Die
neun Zahlen sind kombiniert mit dem Zyklus
von 60 Jahren, so daß alle 180 Jahre die
gleiche Zahl des Magischen Quadrats mit
derselben Element-Tier-Kombination
übereinstimmt.
4 9 2
3 5 7
8 1 6
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Die Auslegung jeder Geburtsfeldzahl enthält
auch eine Beschreibung vergangener Leben
einschließlich der weiter bestehenden
Neigungen zu bestimmten Verhaltens- und
Denkweisen. Die Art der Wiedergeburt, die
unter diesen günstigen Umständen möglich
ist, wird auch benannt. Die acht Trigramme
des chinesischen I Ging werden ebenfalls in
den tibetischen Element- oder schwarzen
Berechnungen angewendet, jedoch niemals die
64 Hexagramme. Die Auslegung des
Geburtstrigramms gibt weitere Aufschlüsse
für das vorhersagende Horoskop.
Man sollte beachten, daß sich in dem
tibetischen Astro-System das Alter auf die
Anzahl der Kalenderjahre bezieht, die man
durchlebt hat, gleichgültig wie kurz dieser
Zeitabschnitt in dem einzelnen Jahr ist.
Wenn z.B. eine Person im 10. Monat eines
bestimmten Jahres geboren wurde, ist sie bis
zum tibetischen Neujahr ein Jahr alt, und
wird dann sofort zwei Jahre alt. Auf diese
Weise werden alle Tibeter am tibetischen
Neujahrstag ein Jahr älter und feiern oder
zählen ihre Geburtstage nicht nach
europäischer Art.
Die tibetische Zählung nach dem
Kālachakra-System beginnt im Jahr 1027
Heutzutage werden die tibetischen Kalender
nach dem königlichen Jahr nummeriert. Dies
ist die Anzahl der Jahre seit der
Thronbesteigung des ersten tibetischen
Königs Nyatri Tsenpo im Jahre 127 v. Chr.
[Das tibetische Königsjahr rechnet sich also
127 Jahre plus unsere Zeitrechnung (z.B.
1996) = 2123. Tibetisches Königsjahr]. Die
Erstellung eines tibetischen Kalenders
erfolgte jedoch erst viel später. Die frühe
Bönkultur hatte ein astrologisches System,
aber von seiner ursprünglichen Form ist
wenig bekannt. Chinesisches Astro-Material
kam Mitte des 7. Jahrhunderts zur Zeit des
Königs Songtsen Gampo, Gründer des
Tibetischen Reiches, nach Tibet. Unter
seinen Frauen war auch eine chinesische
Prinzessin, die chinesisch-astrologische und
-medizinische Texte mitgebracht hatte. Kurz
danach wurde mit den 12 Tierkennzeichnungen
für die Jahre (nicht jedoch mit dem
60-Jahr-Zyklus) begonnen.
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Nach einer Periode kulturellen Verfalls im
9. Jahrhundert kamen die
Astro-Wissenschaften unter eine neue Welle
chinesischen Einflusses aus Ost- Turkestan.
Vom 11. Jahrhundert an war der
60-Jahr-Element-Tier-Zyklus im allgemeinen
Gebrauch. Der indische Beitrag zu den
Astro-Wissenschaften kam mit der Einführung
des Kālachakra-Tantra durch den Gelehrten
Somanātha aus Kaschmir im 11. Jahrhundert
nach Tibet. Es wurde von den frühen Sakya-
und Kagyü-Meistern mit dem chinesischen
Material verbunden.
Das Kālachakra-System verwendet den
60-Jahr-Zyklus „Rabdschung“, um die Jahre zu
zählen. Jedes Jahr in diesem Zyklus hat
einen Namen. Das erste Jahr des ersten
Zyklus des tibetischen Kalenders, das als
offizielles Datum der Einführung des
Kālachakra in Tibet gilt, war 1027. Als das
Kālachakra und die chinesischen
60-Jahr-Zyklen aufeinander abgestimmt
wurden, fiel das Jahr 1027 nicht auf den
Beginn eines chinesischen Zyklus. Die
chinesischen Zyklen fangen immer mit einem
„Holz-Männlich-Ratte-Jahr“ an, aber dieses
war das vierte Jahr eines Zyklus,
„Feuer-Weiblich-Hase“. Aus diesem Grund
beginnt der tibetische 60-Jahr- Zyklus mit
dem „Feuer-Weiblich-Hase Jahr“.
Einer der berühmtesten Sakya-Meister und
Verfasser von Astro-Studien war in der
zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts
Tschögyäl Pagpa Lama. Er war der Erzieher
des mongolischen Herrschers von China,
Kublai Khan, und derjenige, dem es zusammen
mit seinem Onkel Sakya Pandita zugeschrieben
wird, den tibetischen Buddhismus in die
Mongolei überliefert zu haben. Zweifellos
brachte er auch das gesamte tibetische
Astro-System mit. Da seine Familie von dem
mongolischen Khan als weltlicher Herrscher
Tibets eingesetzt worden war, ist es zudem
höchstwahrscheinlich, daß der
Kālachakra-Kalender der offizielle Kalender
Tibets wurde.
Einem Bericht zufolge hatte Dschingis Khan,
der Großvater Kublai Khans, aus nationalen
Gründen die „chinesischen Monate“ in
„mongolische Monate“ umbenannt. Als der
tibetische Kalender Mitte desselben
Jahrhunderts in dem mongolischen Reich
eingeführt wurde, stellte man die
mongolischen Monate den Kālachakra-Monaten
gleich. Jedoch setzte der erste mongolische
Monat zwei Monate früher als der erste des
Kālachakra ein. Aus diesem Grunde geht das
tibetische Neujahr dem Beginn des
Kālachakra-Jahres um zwei Monate voraus. Das
tibetische Neujahr entspricht nicht genau
dem chinesischen, da der Beginn und die
Dauer der Monate in diesem Kalender
unterschiedlich sind. In Tibet bezieht man
sich wahlweise auf die mongolischen Monate
als tibetische Monate, und selbst heute noch
werden die beiden Bezeichnungen austauschbar
verwendet.
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Der tibetische Kalender – ein ausgeklügeltes
Berechnungssystem
Das tibetische System der Astronomie und
Astrologie ist außerordentlich komplex. Fünf
Jahre Studium sind in der Astro-Abteilung
des Tibetan Medical and Astro Institute in
Dharmasala erforderlich, um es zu
beherrschen. Die Positionen der Gestirne und
die Informationen für das Jahrbuch werden in
der traditionellen Weise von Hand berechnet,
d.h. auf einem Holzbrett, das mit
Kohlenstaub bedeckt ist, auf dem mit einem
Griffel geschrieben wird. Einer der
Hauptaspekte der Ausbildung ist die mit
allen diesen Berechnungen verbundene
Mathematik.
Wenn mathematische Formeln beschrieben
werden, sind im Text niemals die numerischen
Werte wie „eins“, „zwei“ usw. genannt.
Stattdessen hat jede Zahl mehrere
Codebezeichnungen, die der allgemeinen
indischen Mythologie entnommen sind. Zum
Beispiel bedeutet „Feuer“ = 3, „Ozean“ = 4,
„Pfeil“ = 5 etc., denn es gibt in der
bekannten Mythologie drei Feuer, vier Ozeane
und fünf Pfeile.
Der tibetische Kalender wird mit
harmonierenden solaren und lunaren Faktoren
hergestellt. Solare Tage dauern von
Morgendämmerung zu Morgendämmerung, wobei
gewöhnlich davon ausgegangen wird, daß diese
um 5.00 Uhr einsetzt. Sie werden mit den
Daten der Tage des Monats nummeriert. Lunare
Wochentage, nach den Namen der Wochentage
benannt, beruhen auf den Mondphasen. Sie
unterteilen die Periode zwischen den
Neumonden. Lunare Wochentage haben nicht
alle die gleiche Länge, da die
Umlaufgeschwindigkeiten des Mondes und der
Sonne sich mit ihrer Position im Zodiak
ändern. Zudem kann der exakte Neumond zu
jeder Tageszeit auftreten. Daher beginnen
die solaren und lunaren Tage zu
unterschiedlichen Zeiten und fallen
teilweise nicht zusammen. Einige lunare
Wochentage sind länger als ein solarer Tag,
einige sind kürzer.
Der Wochentag für einen bestimmten solaren
Tag oder ein Datum im Monat wird von dem
lunaren Wochentag bestimmt, der mit der
Morgendämmerung dieses Datums eintritt. Wenn
zwei lunare Wochentage innerhalb des
gleichen Datums beginnen, wird das Datum
verdoppelt, so daß jeder lunare Wochentag
sein eigenes Datum hat.
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Wenn kein lunarer Wochentag während eines
Datums beginnt, wird das Datum ausgelassen.
Auf diese Weise enthält der tibetische
Kalender verdoppelte und ausgelassene Daten.
Um den Mondkalender mit dem Sonnenkalender
in noch exaktere Übereinstimmung zu bringen,
muß dem Jahr gelegentlich ein 13. Monat in
Form eines extra-gedoppelten oder
Schaltmonats hinzugefügt werden. Die Regeln,
wann ein solcher Extramonat einzufügen ist,
sind in den verschiedenen tibetischen Astro-
Systemen unterschiedlich geregelt.
Der Kalender und das Jahrbuch spielen eine
große Rolle im tibetischen Leben. Sie werden
vor allem bei der Bestimmung von Daten für
Darbringungen und andere buddhistische
Zeremonien eingesetzt.
Der 10. und 25. jedes Mondmonats ist der Tag
ritueller Darbringungen für die Gottheiten
Chakrasamvara und Vajrayoginï sowie für Guru
Rinpotsche Padmasambhava, den Gründer der
Nyingma-Tradition. Der 8. jedes tibetischen
Monats ist der spezielle Tag der
Darbringungen für Tārā, allerdings nur
während der zunehmenden Phase des Mondes.
Wenn z.B. ein tibetischer Monat zwei „10.“
hat, erfolgt die Darbringungs- Zeremonie am
1. dieser Tage. Wenn der 10. in einem Monat
ausgelassen ist, wird die Zeremonie am 9.
abgehalten. Diese Regel wird in allen
religiösen Praktiken befolgt, die an einem
bestimmten günstigen Datum des tibetischen
Kalenders abgehalten werden sollen. Die
Sommerklausuren der Ordinierten finden
gewöhnlich vom 16. des 6. tibetischen Monats
bis zum 30. des 7. Monats statt. [Nach dem
Tibetischen Mylasarvastivada- Vinaya beginnt
die frühe Sommerklausur am 16. des 6. Monats
und die späte am 16. des 7. Monats. Beide
dauern drei Monate. An den
Klosteruniversitäten beispielsweise wird
diese Zeit jedoch verkürzt, um die Studien
nicht zu lange zu unterbrechen.]
Am höchsten buddhistischen Feiertag Vesakh
wird nicht nur Buddha Shākyamunis Pari
Nirvāna gedacht, sondern auch seinem
Geburtstag und seiner Erleuchtung. „Vesakh“
(mitunter auch „Wosak“) stammt von dem Pāli
Äquivalent des Sanskrit-Monats „Vaioeākha“
ab, welcher der zweite Kālachakra- und der
vierte tibetische Monat ist. Dieser Tag wird
am Vollmondtag gefeiert, d. h. dem 15.
dieses Monats. Da der Theravāda-Kalender von
dem tibetischen abweicht und auf einem
Hindu- System beruht, ergibt es sich, daß
Vesakh hier einen Monat früher als im
tibetischen System liegt.
Nach oben
Zwei weitere Ereignisse in dem Leben des
Buddha Shākyamuni werden gefeiert. Nachdem
der Buddha seine Erleuchtung unter dem
Bodhibaum in Bodh Gayā erlangt hatte, ging
er nach Varānasï und unterrichtete im
Hirschpark von Sārnāth seine ersten Schüler.
Am 4. des 6. tibetischen Monats wird „Das
Drehen des Rades der Lehre“ gefeiert. Bei
einer späteren Gelegenheit während der
Sommerklausur unterwies er seine Mutter, die
nach seiner Geburt verstorben und in dem
„Himmel der Dreiunddreißig“ wiedergeboren
worden war. Der Tag seines „Herabstiegs aus
dem Götterhimmel“ am 22. des 9. tibetischen
Monats wird als Rückkehr des Buddhas in
diese Welt gefeiert. Alle buddhistischen
Traditionen Tibets haben ebenfalls ihre
besonderen Tage. Zum Beispiel liegt der
Gedenktag für das Verscheiden Tsongkapas in
der Gelug-Tradition am 25. des 10.
tibetischen Monats. Mönlam Tschenmo, das
große Gebetsfest, das traditionell in Lhasa
begangen wurde, wird vom 3. bis zum 24. des
1. tibetischen Monats abgehalten. Darüber
hinaus gibt es besondere Tage für die
Konsultation von Orakeln. Das Netschung-
Staatsorakel von Tibet wird z.B.
traditionell von der tibetischen Regierung
am 10. des 1. Monats zu Rate gezogen. In
Tibet wurde das Netschung-Orakel regelmäßig
vom Abt des Klosters Drepung am 2. jedes
tibetischen Monats konsultiert.
Auf allen tibetischen Kalendern werden drei
Arten ungünstiger Tage periodisch angegeben.
„Schlechte Tage“ werden mit dem Buchstaben „scha“
markiert und dauern von Morgendämmerung zu
Morgendämmerung. Die „schwarzen Tage“ werden
mit einem „nya“ versehen und erstrecken sich
nur über den Tag. Beide kommen jedes Jahr an
festgelegten Daten vor, einer in jedem
Kālachakra-Monat. Die dritte Art eines
ungünstigen Tages, mit einem „ya“
gekennzeichnet, dauert Tag und Nacht. Dieser
ist als „Yen Kuong-Tag“ bekannt. Gewöhnlich
sind es 13 im Jahr an festgelegten Daten der
allgemeinen Monate chinesischen Typs des
gelben Berechnungssystems. Weiterhin
enthalten jedes Jahr zwei schwarze oder
ungünstige Monate, und gelegentlich gibt es
auch ein schwarzes Jahr.
Nach oben
Die zweimal im Monat stattfindende
„sodschong“-Zeremonie der Mönche und Nonnen
zur Reinigung und Wiederherstellung ihrer
Gelübde ist im tibetischen Kalender mit dem
Buchstaben „sa“ markiert. Diese Zeremonie
wird jeden Monat ungefähr zu Beginn der
zunehmenden bzw. abnehmenden Mondphasen
abgehalten.1 Das genaue Datum wird durch
eine mathematische Formel festgelegt. Im
Allgemeinen wird die zunehmende Hälfte des
Mondmonats als günstiger betrachtet als die
abnehmende. Daher beginnen die meisten
Tibeter konstruktive positive Handlungen
während der ersten Hälfte des Mondmonats,
damit sich die gute Resultate vergrößern und
ausdehnen wie der zunehmende Mond.
Das ungünstigste Datum des Jahres ist der
„Tag der neun schlechten Omen“. Er beginnt
mittags am 6. des 11. tibetischen Monats und
dauert bis zum Mittag des 7. Tages. Während
dieser Zeitspanne versuchen die meisten
Tibeter es nicht einmal, irgendwelche
religiösen oder andere positive Handlungen
auszuüben, sondern unternehmen
Picknickausflüge, entspannen sich und
spielen. Der historische Hintergrund dieser
Sitte ist, daß sich zu Zeiten des Buddha
jemand bemühte, an diesem Tage viele
positive Taten zu bewerkstelligen, jedoch
von neun üblen Dingen befallen wurde. Buddha
gab den Rat, daß es am besten sei, in
Zukunft an diesem Datum des Jahres nicht zu
versuchen, so viel Gutes zustande zu
bringen. Die unmittelbar folgende
24-Stunden-Periode jedoch, vom Mittag des 7.
des 11. Monats bis zum Mittag des 8., ist
der „Tag der zehn guten Omen“. An diesem
Tage geschahen zur Zeit des Buddhas ein und
derselben Person zehn wunderbare Dinge, als
sie sich fortwährend bemühte, etwas
Konstruktives zu tun. Diese Zeitspanne wird
also als sehr gut für positive Vorhaben
angesehen, aber im Allgemeinen wird sie von
den Tibetern auch für Picknicks und Spiele
genutzt.
Obwohl es entsprechend dem Elemente-
Berechnungssystem chinesischen Ursprungs im
Leben eines Menschen viele hinderliche
Zeitabschnitte gibt, wird von allen Tibetern
das „hinderliche Lebensjahr“ als der
schwerwiegendste angesehen. Dieses bezieht
sich auf die Wiederholung des eigenen
Geburts- Tierkreiszeichens. Würde man also
im Jahr der Ratte geboren sein, wäre jedes
folgende Jahr der Ratte ein hinderliches.
Dies geschieht alle 12 Jahre. Gemäß der
tibetischen Art und Weise, das Alter zu
bestimmen, wie oben erörtert, ist man im
ersten dieser Jahre ein Jahr alt, im zweiten
hinderlichen Jahr 13 usw.
Nach oben
Volkstümlicher Gebrauch der Astrologie bei
den Tibetern
Die Stundenastrologie, d.h. das Prüfen der
Tagesstunden auf ihre günstigen Aussichten,
ist das hauptsächliche astrologische
Charakteristikum, das dem tibetischen
Jahrbuch entnommen wird. Es spielt eine
große Rolle im tibetischen Leben.
Jede der 27 lunaren Konstellationen und
jeder der sieben lunaren Wochentage ist mit
einem der vier Elemente verbunden. Das
Element der Konstellation, in der sich der
Mond an einem bestimmten Datum befindet,
wird mit dem Element verglichen, das an dem
lunaren Wochentag beherrschend ist. Jede der
vier möglichen Kombinationen der Elemente
hat andere Auslegungen, die davon abhängen,
ob eine bestimmte Aktion zu dieser Zeit am
besten auszuführen wäre oder nicht. Dieses
ist das System der „Zehn Geringeren
Anpassungen“. Wenn man z.B. eine Zeremonie
der Feuerdarbringung zum Abschluß einer
bestimmten Klausur abhalten wollte, wäre es
am günstigsten, anstelle einer
Wasser-Feuer-Periode, welche die Flammen
auslöschen würde, eine Stunde während einer
doppelten Feuer-Periode zu wählen, da dann
das Feuer noch mehr angefacht wird.
Die Tibeter konsultieren Astrologen ganz
allgemein zwecks Erstellung von Horoskopen
für Neugeborene, für Heiraten und im
Hinblick auf das Lebensende. Beim
Aufzeichnen der Horoskope werden Aspekte des
weißen mit denen des schwarzen
Berechnungssystems kombiniert. Von
besonderem Interesse für tibetische Eltern
ist die zu erwartende Lebensspanne eines
Kindes. Wenn sie kurz ist und mit vielen
Hindernissen verbunden, werden verschiedene
in dem Horoskop empfohlene Zeremonien
ausgeführt und Buddhastatuen sowie Bilder in
Auftrag gegeben.
Nach oben
Fast jeder Tibeter sucht einen Astrologen
auf, wenn ein Angehöriger stirbt. Basierend
auf dem Zeitpunkt des Todes werden mit dem
Elementesystem chinesischen Ursprungs
Berechnungen darüber gemacht, wann und in
welche Richtung hin der Leichnam von der
Stelle der Aufbahrung entfernt werden
sollte, um ihn zum Begräbnis oder
Verbrennungsort zu bringen. Der tatsächliche
Zeitpunkt der Verbrennung oder des
Begräbnisses selbst wird nicht berechnet.
Die Art der für den Toten abzuhaltenden
Zeremonien wird auch festgelegt, besonders
wenn schädigende Geister etwas mit dem Tod
zu tun hatten.
Die Tibeter suchen im Allgemeinen den Rat
eines Astrologen bezüglich günstiger Tage
für einen Umzug, die Eröffnung eines neuen
Geschäftes und beim Beginn eines
Handelsunternehmens. Andere Gelegenheiten,
für die günstige Tage gewählt werden, sind
die Inthronisation eines jungen inkarnierten
Lama und der Beginn seiner Studien, der
Eintritt eines Sohnes oder einer Tochter ins
Kloster oder die formelle Darbringung von
Opfergaben an das Kloster, wenn ein neuer
Gesche seine religiöse Ausbildung
abgeschlossen und seine Prüfungen abgelegt
hat. Die tibetischen Ärzte ziehen die
medizinische Astrologie zu Rate, wenn sie
den besten Wochentag für eine spezielle
medizinische Behandlung des Patienten
bestimmen wollen wie Moxibustion oder
Akupunktur mit der Goldnadel. Nach dem
Geburts-Tierzeichen festgestellte Tage der
Lebenskraft und des Lebensgeistes des
Patienten werden gewählt, kritische Tage
vermieden.
Nach oben
Buddhistische Methode der Astrologie
Es gibt so viele Variablen, welche die
Auslegung jeder einzelnen Zeitspanne im
Allgemeinen und in Bezug auf eine Person
beeinflussen können, daß bei fast jeder
Zeitspanne Unwägbarkeiten im Spiel sind.
Nicht alle Faktoren sind von gleichwertiger
Bedeutung. Nur gewisse Variablen werden für
die eine oder andere Situation geprüft, und
einige heben andere wieder auf. Wenn also
eine Reise am 9., 19., oder 29. angetreten
werden kann oder eine Kālachakra- Initiation
an einem Vollmondtag gegeben wird, ist es
nicht entscheidend, daß andere Faktoren
ungünstig sein könnten.
Ziel dieses Systems ist es nicht, die
Menschen mit Aberglauben zu belasten.
Vielmehr bietet es der Bevölkerung etwas,
das der Wettervorhersage ähnlich ist. Wenn
man eine allgemeine Vorstellung hat, daß ein
gewisses Datum ungünstig sein könnte, kann
man bestimmte vorbeugende Maßnahmen in Form
von Zeremonien vornehmen und in freundlicher
und achtsamer Weise handeln – dies als Weg,
Probleme zu überwinden oder zu vermeiden. So
ähnlich, als nähme man einen Schirm mit,
wenn man gehört hat, daß es regnen könnte.
Im buddhistischen System wird die Astrologie
nicht als Einflußnahme von den Planeten
gesehen, die unabhängig existierende Gebilde
und völlig beziehungslos zum Geistesstrom
eines jeglichen Individuums sind, sondern
vielmehr als eine Reflexion der Auswirkungen
des eigenen früheren Verhaltens oder Karma.
Ein Horoskop ist tatsächlich fast wie eine
Landkarte, aus der man gewisse, aber nicht
alle Faktoren seines Karmas ablesen kann.
Die Informationen aus der Astrologie können
einen Hinweis auf die eigenen Erlebnisse
geben, die von früheren impulsiven
Handlungen herrühren, bzw. vorbeugende
Maßnahmen anraten, um die Lage zu ändern.
Ebenso zeigt ein Jahrbuch die globaleren
Auswirkungen an, die durch kollektives Karma
angesammelt wurden und von einer großen Zahl
von Personen erfahren werden.
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Die buddhistische Weltanschauung hat nichts
Fatalistisches. Die gegenwärtige Situation
ist aus Ursachen und Bedingungen entstanden.
Wenn man diese Situation exakt zu deuten
versteht, kann man auf eine Weise vorgehen,
die andere Ursachen und Bedingungen zu ihrer
Verbesserung, sogar noch in dieser
Lebenszeit, erzeugt, zum eigenen Wohle wie
dem anderer. Auf die eigene Einstellung und
das Verhalten kommt es an.
Wenn mitunter empfohlen wird, eine Statue
oder ein Bild von einer Buddhafigur in
Auftrag zu geben, um seine Lebenszeit zu
verlängern, mag es auf volkstümlicher Ebene
so scheinen, als würde man damit die Gunst
jener dargestellten Figur gewinnen. Aber
dies ist ein Trugschluß. Ausschlaggebend bei
einer solchen Aktion ist die eigene
Geisteshaltung. Wird sie von Furcht oder
Selbstsucht bestimmt, ist die Wirkung
minimal. Viel wirkungsvoller, um sein Leben
zu verlängern und seine Gesundheit und
materielle Lage zu verbessern, sind
bestimmte Meditationsübungen, ausgeführt mit
der Bestrebung, anderen nützlich sein zu
können.
1. Anm. der Redaktion: Hier muß es u.E. „zu
Ende der abnehmenden bzw. zunehmenden
Mondphasen“ heißen. In den ungeraden Monaten
des tibetischen Kalenders gibt es 6
Sodschongs der abnehmenden Mondphase. Diese
finden am 30. Tag statt, werden aber nach
dem Vinaya als der 14. Tag der abnehmenden
Mondphase bezeichnet. Die anderen 18
Sodschongs finden alle am 15. Tag statt (6
gehören zur abnehmenden und 12 zur
zunehmenden Mondphase).
Der Artikel wurde aus dem Englischen
übersetzt mit freundlicher Genehmigung der
Zeitschrift Chöyang, Year of Tibetan
Edition, 1991, hrsg. vom Department of
Religion and Culture in Dharamsala.
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