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1.  DAS WORT DES BUDDHA  


2.   ZUR EINFÜHRUNG

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BUDDHA, das ist der Erleuchtete oder Erwachte, ist die ehrende Bezeichnung für den Begründer der im Abendland als Buddhismus bekannten Erlösungslehre. Im 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung wurde er zu Kapilavatthu, im Grenzgebiet des heutigen Nepal, als der Sohn des regierenden Sakyer-Fürsten geboren. Sein Geschlechtsname war Gotama (Sanskrit: Gautama) und sein Eigenname Siddhattha. In seinem 29. Jahre entsagte er der Welt und vertauschte sein Leben als Prinz mit dem eines hauslosen Wandermönches. Nach sechsjähriger unbefriedigter Wahrheitssuche und ebenso erfolgloser Schmerzensaskese fand er schließlich die vollkommene Erleuchtung (sammá-sambodhi) unter dem Bodhi-Baum zu Gaya (dem heutigen Bhod-Gaya). Es folgten 45 Jahre unermüdlicher Lehrtätigkeit; und im Alter von 80 Jahren verschied zu Kusinara jenes »wahnlose Wesen, das zum Heil und Segen dieser Welt erschienen war«.

Der Buddha ist weder ein Gott, noch eines Gottes Prophet oder Inkarnation. Er ist jenes höchste menschliche Wesen, das, "durch sich selbst belehrt", aus eigener Anstrengung die endgültige Erlösung vom Leiden und höchste Weisheit gewann und zum unvergleichlichen Menschheitslehrer und großen Vorbild wurde. Er wird zum "Erlöser" nur für diejenigen, die den von ihm gegangenen und gewiesenen Erlösungsweg selber bis zum Ende gehen. In der vollkommenen Harmonie seiner Weisheit und Allgüte verkörpert der Buddha das universelle und für alle Zeiten gültige Ideal des vollkommenen Menschen.

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Der DHARMA ist die vom Buddha selber gefundene, verwirklichte und verkündete, auf klarer Erkenntnis der Wirklichkeit aufgebaute Erlösungslehre. Sie ist niedergelegt in den drei Hauptteile umfassenden kanonischen Schriften des Buddhismus, dem sogen. »Drei-Korb« (Ti-Pitaka), bestehend aus:

  1. Vinaya-Pitaka, d. i. der Korb der Ordenszucht, enthaltend die Regeln des Mönchsordens;
  2. Sutta-Pitaka, d. i. der Korb der Lehrtexte, enthaltend die eigentliche, in den vier Edlen Wahrheiten zusammengefaßte Wirklichkeits- und Erlösungslehre in ihrem vollen Umfang;
  3. Abhidhamma-Pitaka, d. i. der Korb der höheren Lehre, welcher die Lehren des Sutta-Pitaka in streng philosophischer Form bietet.

Der Dharma wendet sich ausschließlich an die eigene Erfahrung und Erkenntnis des Menschen, ist also keine, einen voraussetzungslosen Glauben verlangende Offenbarungs-Religion. Er bietet eine erhabene, doch wirklichkeitsnahe Sittenlehre, eine tiefgründige Analyse der Wirklichkeit, sowie praktische Methoden der Geistesschulung und Meditation,—kurz, er bietet umfassende, klare und verlässliche Führung auf dem gesamten Wege der Leid-Befreiung.

Der Dharma ist eine Lehre, die gleichermassen  das Gemüt wie das Denken befriedigt. Der hier gewiesene Mittlere Pfad führt hinaus über die ausweglosen und zerstörerischen Extreme in Denken und Lebensführung und trägt dazu bei, der Buddha-Lehre universelle und für alle Zeiten gültige Bedeutung zu verleihen.

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Der SANGHA, d. i. die "Gemeinde«, ist der vom 3 Buddha gegründete Mönchsorden und als solcher neben dem Jaina-Orden der älteste in der Welt. Ebenso wie die ursprüngliche Lehre findet sich auch der Sangha in seiner ursprünglichen Form heute noch in Burma, Siam, Sri Lanka (Ceylon), Kambodia, Laos und Chittagong (Bengalen). Zu den berühmtesten Jüngern des Buddha gehörten: Sáriputta, der, nach dem Meister, die tiefste Kenntnis der Lehre hatte; Moggallana, der die größten übernatürlichen Kräfte besaß; Ananda, der hingebungsvolle persönliche Helfer des Buddha; Mahá-Kassapa, der dem ersten, nach dem Tode des Buddha stattfindenden Konzil in Rájagaha vorstand; Rahula, des Meisters eigener Sohn.

Die Institution des buddhistischen Mönchsordens bietet den äußeren Rahmen und die geeigneten Lebensbedingungen für diejenigen, die den ernsten Willen haben, ihr ganzes Leben, ungehindert von weltlicher Ablenkung, der Verwirklichung des höchsten Erlösungszieles zu widmen. Da ein starkes Bedürfnis nach solchem Leben ausschließlicher Hingabe stets bestanden hat, wo immer religiöse Entwicklung eine gewisse Reife erlangte, ist auch der Sangha von universeller, für alle Zeiten gültiger Bedeutung.

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DIE DREIFACHE ZUFLUCHT

 

Diese drei, Buddha, Dharma, Sangha, gelten als die »Drei Kleinode« (ti-ratana), vor denen sich der Buddhist in tiefster Ehrfurcht verneigt und die er als das Ehrwürdigste und Erhabenste in der Welt betrachtet. Das Bekenntnis zu diesen "Drei Kleinoden« wird als die "Dreifache Zuflucht" (ti-sarana) bezeichnet und wird auch heute noch, genau wie zu des Buddha Zeiten, in feierlicher Weise in der Pali-Sprache ausgesprochen:

Buddham saranam gacchámi.

Dhammam saranam gacchami.

Sangham saranam gacchámi.

Ich nehme meine Zuflucht zum Buddha.

Ich nehme meine Zuflucht zum Dharma.

Ich nehme meine Zuflucht zum Sangha. *)

Mit dem schlichten Akt des dreimaligen Aussprechens dieser Formel bekennt man sich als Anhänger der Buddha-Lehre.

*) Bei dem zweiten Hersagen wird noch das Wort dutiyampi ("zum zweiten Mal«), bei dem dritten tatiyampi ("zum dritten Mal") vor jedem Pali-Satz hinzugefügt.

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DIE FÜNF SITTENREGELN

 

Auf die "Zufluchtsformel" folgt dann meistens das feierliche Ablegen der für alle Anhänger der Lehre verbindliche fünf Gelübde oder Sittenregeln (pañcasíla):

1. Pánátipátá veramani-sihkhápadam samadiyami.

Ich gelobe abzustehen vom Töten.

2. Adinnádana veramaní-sihkhápadam samádiyámi.

Ich gelobe abzustehen vom Nehmen dessen, was nicht gegeben.

3. Kámesu micchácárá veramani-sihkhápadam samádiyámi.

Ich gelobe abzustehen von unrechtem Wandel in Sinnenlüsten.

4. Musávádá veramani-sihkhápadam samádiyami.

Ich gelobe abzustehen vom Lügen.

5. Surá-meraya-majja-pamádatthána veramani-sihkhápadam samádiyámi.

Ich gelobe abzustehen vom Genuß berauschender Getränke.

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3.                 Die vier Edlen Wahrheiten

 

Namo tassa bhagavato arahato samma-sambuddhassa!

Verehrung Ihm, dem Erhabenen, Heiligen, Vollkommen-Erwachten!

6

Durch das Nichtverstehen, Nichtdurchdringen von vier Wahrheiten, ihr Jünger, haben sowohl ich als auch ihr diese lange Zeit das Dasein durcheilt, das Dasein durchwandert. Von welchen vier Wahrheiten? Durch das Nichtverstehen, Nichtdurchdringen der edlen Wahrheit vom Leiden, von der Leidens-Entstehung, von der Leidens-Erlöschung und dem zur Leidens-Erlöschung führenden Pfad. Durch das Nichtverstehen, Nichtdurchdringen dieser vier Wahrheiten haben sowohl ich als auch ihr diese lange Zeit das Dasein durcheilt, das Dasein durchwandert.

Solange, ihr Jünger, in mir der wahrheitsgemässe Erkenntnisblick hinsichtlich dieser vier edlen Wahrheiten nicht ganz klar war, so lange war ich ungewiss, ob ich die höchste Erleuchtung gewonnen hatte, die unübertroffen ist in der Welt mit ihren Himmelswesen, Göttern und Teufeln, unübertroffen unter den Scharen der Asketen und Brahmanen, Himmelswesen und Menschen. Sobald aber, ihr Jünger, in mir der wahrheitsgemässe Erkenntnisblick hinsichtlich der vier edlen Wahrheiten völlig klar war, da ging mir die Gewissheit auf, dass ich die höchste Erleuchtung gewonnen hatte, die unübertroffen ist in der Welt mit ihren Himmelswesen, Göttern und Teufeln, unübertroffen unter den Scharen der Asketen und Brahmanen, Himmelswesen und Menschen.

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7

Und jene tiefe Wahrheit habe ich mir zu Eigen gemacht die schwer zu erfassende, schwer zu verstehende, friedvolle, erhabene, den Vernunftschlüssen unzugängliche, subtile, nur den Einsichtigen erkennbare.

Die Welt jedoch ist dem Vergnügen hingegeben, findet an Vergnügen Freude und Gefallen. Solche aber, die dem Vergnügen hingegeben sind, an Vergnügen Freude und Gefallen finden, solche werden das Gesetz von der Abhängigkeit des Geschehens, die Bedingte Entstehung schwerlich verstehen. Schwer erkennbar auch wird ihnen sein der Stillstand alles karmischen Wirkens, das Fahren lassen aller Daseinsgrundlagen, die Versiegung des Begehrens, die Loslösung, die Erlöschung, das Nirwahn

Es gibt jedoch einige unter den Wesen, deren Augen nur wenig getrübt sind: diese werden die Lehre verstehen. 

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4.                 ERSTE WAHRHEIT

 

5.                 Die Edle Wahrheit vom Leiden

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Was aber, ihr Jünger, ist die edle Wahrheit vom Leiden?

Geburt ist Leiden, Altern ist Leiden (Krankheit ist Leiden), Sterben ist Leiden, Sorge, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung sind Leiden; mit Unliebem vereint sein, ist Leiden; von Liebem getrennt sein, ist Leiden; nicht erlangen, was man begehrt, ist Leiden; kurz gesagt, die fünf Anhaftungs-Gruppen sind Leiden.

9

Was aber ist die Geburt? Der Wesen in dieser oder jener Wesensgattung Geburt, Geborenwerden, Empfängnis, ins Dasein eintreten, das Erscheinen der Daseinsgruppen, das Erlangen der Sinnenorgane: das nennt man die Geburt.

10

Was aber ist das Altern? Was da bei diesen und jenen Wesen, in dieser oder jener Wesensgattung Altern ist und Altwerden, der Zerfall der Zähne, das Ergrauen und Runzeligwerden, das Versiegen der Lebenskräfte, das Absterben der Sinnenorgane: das nennt man das Altern.

11

Was aber ist das Sterben? Was da bei diesen und jenen Wesen das Abscheiden ist aus dieser oder jener Wesensgattung, Hinscheiden, Auflösung, Hinschwinden, Tod, Sterben, Ableben, Auflösung der Daseinsgruppen, das Zurücklassen der Leiche: das nennt man das Sterben.

12

Was aber ist die Sorge? Was da bei dem von irgendeinem Verlust oder Leiden Betroffenen Sorge ist, Besorgnis, Besorgt sein, innerliche Sorge, innerliches Besorgt sein: das nennt man Sorge.

13

Was aber ist Jammer? Was da bei einem von irgendeinem Verlust oder Leiden Betroffenen Jammer und Klage ist, Jammern und Klagen, Jammer- und Klagezustand: das nennt man Jammer.

14

Was aber ist Schmerz? Was da körperlich schmerzhaft und unangenehm ist, durch Körpereindrücke bedingt an schmerzlichem und unangenehmem Gefühl besteht: das nennt man Schmerz.

15

Was aber ist Trübsal? Was da geistig schmerzhaft und unangenehm ist, durch geistige Eindrücke bedingt an schmerzlichem und unangenehmem Gefühl besteht: das nennt man Trübsal.

16

Was aber ist Verzweiflung? Was da bei dem von irgendeinem Verlust oder Leiden Betroffenen Trostlosigkeit und Verzweiflung ist, trostloser und verzweifelter Geisteszustand: das nennt man Verzweiflung.

17

Was aber ist das Leiden im Vereint sein mit Unliebem? Was da für einen unerwünschte, unerfreuliche, unangenehme (Objekte sind, wie) Formen, Töne, Gerüche, Geschmäcke, Berührungen, Gedanken oder (Wesen,) die einem Schaden wünschen, Unheil, Unannehmlichkeit und Unsicherheit wünschen,—die Begegnung mit solchen, die Zusammenkunft, das Zusammentreffen, die Verbindung mit ihnen: das ist das Leiden im Vereint sein mit Unliebem.

18

Was aber ist das Leiden im Getrenntsein von Liebem? Was da für einen erwünschte, erfreuliche, angenehme (Objekte sind, wie) Formen, Töne, Gerüche, Geschmäcke, Berührungen und Gedanken oder (Wesen,) die einem Gutes wünschen, Glück, Wohlbefinden und Sicherheit wünschen, — der Begegnung mit solchen ermangeln, mit ihnen nicht zusammenkommen und zusammentreffen, mit ihnen nicht verbunden sein: das ist das Leiden im Getrenntsein von Liebem.

19

Was aber ist das Leiden beim Nichterlangen dessen, was man wünscht? Da steigt in den der Wiedergeburt unterworfenen Wesen der Wunsch auf: ,Ach, dass wir doch nicht mehr der Wiedergeburt unterworfen wären, dass uns doch keine Wiedergeburt mehr bevorstünde!' . Den dem Altern, der Krankheit, dem Sterben, den Sorgen, Klagen, Schmerzen, der Trübsal und Verzweiflung unterworfenen Wesen steigt der Wunsch auf: ,Ach, dass wir doch nicht mehr diesen Dingen unterworfen wären. Dass uns doch diese Dinge nicht mehr bevorstünden!' Solches aber lässt sich nicht durch Wünschen erreichen. Das ist das Leiden beim Nichterlangen dessen, was man wünscht.

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DIE FÜNF DASEINSGRUPPEN

 

Inwiefern aber sind, kurz gesagt, die fünf Anhaftungsgruppen das Leiden? Es sind dies 

  • die Körperlichkeits-Gruppe, 
  • die Gefühls-Gruppe, 
  • die Wahrnehmungs-Gruppe, 
  • die Geistformationen-Gruppe und 
  • die Bewußtseins-Gruppe. 

Diese sind, kurz gesagt, das Leiden.

Alles Körperliche, ihr Jünger, ob vergangen, gegenwärtig oder zukünftig, eigen oder fremd, grob oder fein, gemein oder erhaben, fern oder nahe, das gilt als die Körperlichkeits-Gruppe; alles Gefühl . . . gilt als die Gefühls-Gruppe, alle Wahrnehmung . . . als die Wahrnehmungs-Gruppe, alle Geistformationen . . . als die Geistformationen-Gruppe, alles Bewußtsein, ob vergangen, gegenwärtig oder zukünftig, eigen oder fremd, grob oder fein, gemein oder erhaben, fern oder nahe, das gilt als die Bewußtseins-Gruppe.

 

Der Begriff "Anhaftungsgruppen" (upádána-kkhandha) ist so zu verstehen, dass diese fünf Gruppen die Objekte des Anhaftens bilden. Wenn im Text das Wort "khandhá" allein vorkommt, wird es durchweg mit "Daseinsgruppe" übersetzt.

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KÖRPERLICHKEITS-GRUPPE

Was ist nun, ihr Jünger, die Körperlichkeits-Gruppe (rupa-kkhandha)? Es sind die vier (materiellen) Elemente und die davon abhängige Körperlichkeit.

 

VIER ELEMENTE

Was aber sind die vier Elemente?

Es sind dies 

  • das Feste Element, 
  • das Flüssige Element, 
  • das Hitze-Element und 
  • das Wind-Element.

 

Die vier Elemente (dhátu oder mahá-bhúta) —in Pali pathaví-dhátu, ápo-dhátu, tejo-dhátu, váyo-dhátu—sind aufzufassen als die Grundeigenschaften der Materie, die mit wechselnden Übergewicht, in jedem materiellen Gebilde auftreten. Dem Abhidhamma zufolge sind sie zu verstehen als die Elemente der Ausdehnung (oder Härte) der Kohäsion, der Temperatur im Allgemeinen, der Vibration (oder Bewegung).

Als die von diesen vier Elementen abhängige Körperlichkeit (upádáya rupa oder upádá-rupa) gelten im Abhidhamma die folgenden 24 körperlichen Phänomene: Seh-, Hör-, Riech-, Schmeck- und Körperorgan. Seh-, Hör-, Riech- und Schmeckobjekt; Männlichkeit, Weiblichkeit, Vitalität, physische Grundlage des Denkens, körperliche Äußerung, sprachliche Äußerung, Raumbegrenzung, Leichtigkeit, Geschmeidigkeit, Anpassungsfähigkeit, Wachstum, Kontinuität Verfall, Vergänglichkeit, stoffliche Nahrung.

 

Das in körperlichen Eindrücken bestehende körperliche Berührungsobjekt (photthabba) wird hier nicht gesondert genannt, da es identisch ist mit dem Festen, Hitze- und Wind-Element; diese sind erkennbar durch Empfindung von Druck, Kälte, Hitze, Schmerz usw.

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1. Was ist aber das Feste Element (pathaví-dhátu)? Das Feste Element mag eigen sein oder fremd. Was ist nun das eigene Feste Element? Was da jedes Mal beim eigenen Körper an Hartem oder Festem karmisch erworben (upádinna) ist, als wie Kopfhaare, Körperhaare, Nägel, Zähne, Haut, Fleisch, Sehnen, Knochen, Knochenmark, Nieren, Herz, Leber, Innenhäute (wie Zwerchfell usw.), Milz, Lunge, Darm, Gekröse, Magen und Kot; und was da sonst noch jedes Mal beim eigenen Körper an Hartem oder Festem karmisch erworben ist: das nennt man das eigene Feste Element. Was es aber an eigenem Festen Element gibt und was es an fremdem Festen Element gibt: beides eben ist das Feste Element; und da sollte man der Wirklichkeit gemäß und in rechter Einsicht also erkennen: ,Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Ich'.

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2. Was aber ist das Flüssige Element (ápo-dhátu)? Das Flüssige Element mag eigen sein oder fremd. Was ist nun das eigene Flüssige Element? Was da jedes Mal beim eigenen Körper an Flüssigem und Feuchtem karmisch erworben ist, als wie Galle, Schleim, Eiter, Blut, Schweiß, Fett, Tränen, Hautschmiere, Speichel, Rotz, Gelenkschmiere und Urin; und was da sonst noch jedes Mal beim eigenen Körper an Flüssigem und Feuchtem karmisch erworben ist; das nennt man das eigene Flüssige Element. Was es aber an eigenem Flüssigen Element gibt und was es an fremdem Flüssigen Element gibt, beides eben ist das Flüssige Element; und da sollte man der Wirklichkeit gemäß und in rechter Einsicht also erkennen: ,Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Ich'.

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3. Was aber ist das Hitze-Element (tejo-dhátu)? Das Hitze-Element mag eigen sein oder fremd. Was ist nun das eigene Hitze-Element? Was da jedes Mal beim eigenen Körper an Hitze und Wärme karmisch erworben ist, wie das wodurch man erhitzt, verzehrt und verbrannt wird, wodurch, was man gegessen, getrunken, geschmeckt hat, zur völligen Verdauung gelangt; und was da sonst noch jedes Mal beim eigenen Körper an Hitze und Wärme karmisch erworben ist: das nennt man das eigene Hitze-Element. Was es aber an eigenem Hitze1Element gibt und was es an fremdem Hitze-Element gibt, beides ist eben das Hitze-Element; und da sollte man der Wirklichkeit gemäß und in rechter Einsicht also erkennen: ,Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Ich'.

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  1. Was aber ist das Wind-Element (vayo-dhátu)? Das Wind-Element mag eigen sein oder fremd. Was ist nun das eigene Wind-Element? Was da jedes Mal beim eigenen Körper an Winden und Gasen karmisch erworben ist, wie die auf- und absteigenden Winde, die Winde des Bauches und des Darms, die den ganzen Körper durchströmenden Winde, sowie Ein- und Ausatmung; und was da sonst noch jedes Mal beim eigenen Körper an Winden und Gasen karmisch erworben ist: das nennt man das eigene Wind-Element. Was es aber an eigenem Wind-Element gibt und was es an fremdem Wind-Element gibt, beides ist eben das Wind-Element; und da sollte man der Wirklichkeit gemäß und in rechter Einsicht also erkennen: ,Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Ich'. Gerade wie man den durch Balken, Binsen, Rohr und Lehm zustande gekommenen Raum als Haus bezeichnet, ebenso auch bezeichnet man den durch Knochen, Sehnen, Fleisch und Haut gebildeten Raum als den Körper.

  

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GEFÜHLS-GRUPPE (vedaná-kkhandha)

Dreierlei Gefühle gibt es, ihr Jünger. Welche drei? 

  • Freudiges Gefühl, 
  • leidiges Gefühl und 
  • weder freudiges noch leidiges Gefühl.

 

27

WAHRNEHMUNGS-GRUPPE (saññá-kkhandha). Was nun, ihr Jünger, ist Wahrnehmung? Diese sechs Wahrnehmungs-Klassen gibt es: Form-Wahrnehmung, Ton-Wahrnehmung, Geruchs-Wahrnehmung, Geschmacks-Wahrnehmung, Berührungs-Wahrnehmung und geistige Wahrnehmung.

28

GEISTFORMATIONEN-GRUPPE (sankhára-kkhandha)

Der Ausdruck »Geistformationen" (sankhára) ist ein Sammelbegriff für jene zahlreichen Funktionen oder Aspekte der Geist-Tätigkeit, welche, neben dem Gefühl und der Wahrnehmung, in einem einzelnen Bewußtseinsmoment auftreten können. Im Abhidhamma werden fünfzig solcher Geist-formationen aufgezählt. Ihre Anzahl und Zusammensetzung verändert sich je nach dem Charakter des betreffenden Bewußtseinszustandes. Als Hauptvertreter dieser Gruppe werden im Sutta aufgezählt: Wille (cetaná), (sechsfacher) Bewußtseins-Eindruck (phassa) und Aufmerken (manasikára). Von diesen dreien wiederum ist Wille, als der hauptsächliche "formende" Faktor, für die "Geistformationen-Gruppe" besonders charakteristisch und wird daher in der folgenden Textstelle herausgegriffen:

Was nun, ihr Jünger, sind die Geistformationen? Diese sechs Willens-Klassen (cetana-káyá) gibt es: 

  • Wille nach Formen (rupa-sañcetaná), 
  • Wille nach, Tönen, 
  • nach Gerüchen, 
  • Geschmäcken, 
  • Körpereindrücken und 
  • Geistesobjekten

Das, ihr Jünger, nennt man »Geistesformationen".

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BEWUSSTSEINS-GRUPPE (viññána-kkhandha)

Was nun, ihr Jünger, ist das Bewußtsein? Diese sechs Bewußtseins-Klassen gibt es: 

  • Seh-Bewußtsein, 
  • Hör-Bewußtsein, 
  • Riech-Bewußtsein, 
  • Schmeck-Bewußtsein, 
  • Körper-Bewußtsein und 
  • geistiges Bewußtsein. 

Das, ihr Jünger, nennt man Bewußtsein.

 

BEDINGTE ENTSTEHUNG DES BEWUSSTSEINS

Ist das eigene Auge wohl, unversehrt, es fallen aber die äußeren Sehobjekte nicht in den Gesichtskreis und es findet kein Aufeinanderwirken statt, so kommt es zu keiner Bildung des betreffenden Bewußtseins-Aspektes. Oder aber, wenn das eigene Auge unversehrt ist und die äußeren Sehobjekte in den Gesichtskreis fallen, doch es findet kein Aufeinanderwirken statt, so kommt es auch dann noch zu keiner Bildung des entsprechenden Bewußtseins-Aspektes. Ist aber das eigene Auge unversehrt, die äußeren Sehobjekte fallen in den Gesichtskreis, und es findet ein Aufeinanderwirken statt, dann kommt es zur Bildung des entsprechenden Bewußtseins-Aspektes.

Bedingt entstanden ist das Bewußtsein (viññána), und ohne die Bedingungen kommt es nicht zu seiner Entstehung. Eben nach der Bedingung, durch die das Bewußtsein jedes Mal zum Entstehen kommt, danach wird es benannt. Bewußtsein, das durch Sehorgan und Sehobjekt bedingt entsteht, nennt man Seh-Bewußtsein. (Und so ist es mit Hör-, Riech-, Schmeck- und Körper-Bewußtsein.) Bewußtsein, das durch Geist und Geistobjekte (dhamma) bedingt entsteht, nennt man Geist-Bewußtsein.

Was bei solcher Gelegenheit an Körperlichkeit (rupa) besteht, das gehört zur Anhaftungsgruppe Körperlichkeit; was da an Gefühl (vedaná) besteht, zur Anhaftungsgruppe Gefühl; was da an Wahrnehmung (saññá) besteht, zur Anhaftungsgruppe Wahrnehmung; was da an Geistformationen (sankhára) besteht, zur Anhaftungsgruppe Geistformationen; was da an Bewußtsein (viññána) besteht, zur Anhaftungsgruppe Bewußtsein.

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ZUSAMMENENTSTEHUNG DER FÜNF GRUPPEN

Es ist unmöglich, daß jemand das Heraustreten aus einem Dasein und den Wiedereintritt in ein neues Dasein oder das Wachsen, Zunehmen und die Entwicklung des Bewußtseins unabhängig von Körperlichkeit, Gefühl, Wahrnehmung und Geistformationen erklären kann.

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DIE DREI MERKMALE

Alle Gebilde sind vergänglich (anicca); alle Gebilde sind dem Leiden (dukkha) unterworfen; alle Dinge sind unpersönlich (anattá).

Körperlichkeit ist vergänglich, Gefühl ist vergänglich, Wahrnehmung ist vergänglich, Geistformationen sind vergänglich, und Bewußtsein ist vergänglich. Was aber vergänglich ist, das ist dem Leiden unterworfen; und was vergänglich, leidvoll und dem Wechsel unterworfen ist, da kann man nicht mit Recht behaupten: ,Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Ich'.

Was es daher an Körperlichkeit gibt, an Gefühl, Wahrnehmung, Geistformationen und Bewußtsein, ob vergangen, gegenwärtig oder zukünftig, eigen oder fremd grob oder fein, gemein oder erhaben, fern oder nahe da sollte man der Wirklichkeit gemäß in rechter Einsicht also erkennen: ,Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Ich'.

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DIE ANATTA-LEHRE

Unser so genanntes individuelles Dasein ist, ebenso wie die gesamte Welt, nichts weiter als ein bloßer Prozeß dieser in den fünf Daseinsgruppen zusammengefaßten, sich unaufhörlich verändernden geistigen und körperlichen Vorgänge. Dieser Prozess war bereits für unermeßliche Zeiten vor dieser unserer augenfälligen Geburt im Gange und wird sich auch nach dem Tode für unermeßliche Zeiten fortsetzen. Die vorhergehenden Texte haben gezeigt, daß diese fünf Daseinsgruppen weder einzeln noch in ihrer Gesamtheit eine wirkliche, in sich bestehende Ich-Einheit (attá) bilden und daß auch außerhalb dieser Gruppen keinerlei Ichheit oder Wesenheit als deren Besitzer zu finden ist. Der Glaube an eine wirkliche und beharrende Ichheit, Persönlichkeit oder an eine "ewige Seele" muß daher angesichts der ausnahmslosen Veränderlichkeit und Bedingtheit alles Geschehens als eine bloße Illusion gelten.

 

Gerade wie das, was wir als ,Wagen' bezeichnen, unabhängig von Achsen, Rädern, Deichsel usw. kein Dasein hat; oder wie ,Haus' bloß ein konventioneller Ausdruck (vohára-vacana) ist für Baumaterialien, die auf eine gewisse Weise zusammengefügt einen Raum ergeben, aber das Haus unabhängig von diesen Dingen nicht da ist: genau so ist das, was wir in konventioneller Weise als ,Wesen, bezeichnen, als Individuum, Person, Ich usw. in Wirklichkeit (paramatthena) bloß ein beständig wechselnder Prozeß geistiger und körperlicher Phänomene und hat an sich keinerlei Existenz.

 

Dies ist die berühmte Anatta- oder Nicht-ich-Lehre des Buddha, d. i. die Lehre von der Unpersönlichkeit und Substanzlosigkeit alles Geschehens. Es ist dies die Kernlehre des ganzen Buddhismus, die für das wahre Verständnis und damit auch für die Verwirklichung der Buddha-Lehre unerläßlich ist. Die Anattá-Lehre ist das notwendige Ergebnis der in der Lehre von den Daseinsgruppen (khandha) vollzogenen gründlichen Analyse der Wirklichkeit, die mit den hier gegebenen Texten nur angedeutet werden konnte. Die Anatta-Lehre schließt nicht nur den Gedanken des ,Ich', Sondern auch den des ,Mein' aus; d. h. sie besagt, daß die Daseinsgruppen weder ein Selbst bilden (anattá), noch einem außerhalb ihrer vorgestellten Selbst angehören (anattaniya).

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Angenommen ein Mann mit Sehvermögen betrachte sich die vielen Wasserblasen auf dem Ganges, und er beobachte und untersuche sie gründlich; nachdem er dies aber getan habe, erschienen ihm diese leer, unwirklich und wesenlos. In derselben Weise betrachtet der Mönch alles Körperliche, alle Gefühle, alle Wahrnehmungen, alle Geistformationen, alles Bewußtsein, ob vergangen, gegenwärtig oder zukünftig, eigen oder fremd, grob oder fein, gemein oder erhaben, fern oder nahe; und er erkennt alle diese Dinge als leer, nichtig und wesenlos.

 

Dem Schaumball gleichet dieser Leib,

Der Wasserblase das Gefühl,

Wahrnehmung ist dem Luftbild gleich,

Die Geistgebilde dem Bananenstamm,

Bewußtsein aber ist wie Gaukelwerk.

 

Wer sich, ihr Jünger, des Körperlichen erfreut oder der Gefühle, der Wahrnehmungen, der Geistformationen oder des Bewußtseins, der erfreut sich des Leidens; und wer sich des Leidens erfreut, der wird von, Leiden nicht erlöst.

Was soll das Lachen, was die Lust,

Wo alles ständig brennt und flammt?

In Finsternis seid ihr gehüllt!

Warum sucht ihr nicht nach dem Licht?

 

Schaut diesen Balg schön aufgeputzt,

Den Leib voll Löcher, wohl gefügt,

Den siechen, wunschesschwangeren,

Der Dauer und Bestand nicht hat.

 

Wer diese grauen Knochen sieht,

Die man dort hingeworfen hat,

Den Kürbissen zur Herbstzeit gleich,

Wie kann wohl der noch Lust verspüren?

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Drei Himmelsboten

Sahest du, o Mensch, nicht unter den Menschen den ersten Himmelsboten erscheinen? Sahest du nie eine Frau oder einen Mann von 80, 90 oder 100 Jahren, abgelebt, gekrümmt wie Dachsparren, gebückt, auf eine Krücke gestützt, schlotternden Ganges dahinschleichend, siech, mit verwelkter Jugend, mit abgebrochenen Zähnen und ergrauten Haaren, oder kahl, mit wackelndem Kopfe, voller Runzeln, die Glieder mit Flecken bedeckt? Und dachtest du da nicht, o Mensch, der du Verstand besitzest und alt genug bist: ,Auch ich bin dem Alter unterworfen, kann dem Alter nicht entgehen. So laß mich denn Gutes tun in Werken, Worten und Gedanken'? O Mensch, aus Leichtsinn hast du weder in Werken, Worten, noch Gedanken Gutes getan.

Wahrlich, o Mensch, jene böse Tat wurde weder von deiner Mutter getan, noch von deinem Vater, deinem Bruder, deiner Schwester, noch von deinen Freunden und Genossen, deinen Vettern und Blutsverwandten, noch von Geistern, Asketen oder Priestern. Du allein hast jene böse Tat begangen, du allein sollst deren Frucht erfahren.

Sahest du, O Mensch, nicht unter den Menschen den zweiten Himmelsboten erscheinen? Sahest du nie unter den Menschen eine Frau oder einen Mann, krank, elend, schwer leidend, sich im eigenen Kot und Urin umher wälzend, der von anderen aufgerichtet, von anderen niedergelegt werden muß? Und dachtest du da nicht, O Mensch, der du Verstand besitzest und alt genug bist: ,Auch ich bin der Krankheit unterworfen, kann der Krankheit nicht entgehen. So laß mich denn Gutes tun in Werken, Worten und Gedanken'? . . .

Sahest du, o Mensch, nicht unter den Menschen den dritten Himmelsboten erscheinen? Sahest du nie unter den Menschen eine Frau oder einen Mann, einen oder zwei oder drei Tage nach dem Tode, aufgeschwollen, blau verfärbt, mit Eiter bedeckt? Und dachtest du da nicht, o Mensch, der du Verstand besitzest und alt genug bist: ,Auch ich bin dem Tode unterworfen, kann dem Tode nicht entgehen. So laß mich denn Gutes tun in Werken, Worten und Gedanken'? O Mensch, aus Leichtsinn hast du weder in Werken, Worten noch Gedanken Gutes getan. Wahrlich, o Mensch, jene böse Tat wurde weder von deiner Mutter getan, noch von deinem Vater, deinem Bruder, deiner Schwester, noch von deinen Freunden und Genossen, deinen Vettern und Blutsverwandten, noch von Geistern, Asketen oder Priestern. Du allein hast jene böse Tat begangen, du allein sollst deren Frucht erfahren.

 

Obige drei Himmelsboten (deva-dúta) findet man in den buddhistischen Ländern vielfach bildlich dargestellt. In Majjhima-Nikaya 130 finden sich neben diesen dreien noch zwei weitere, nämlich Geburt und Bestrafung von Übeltätern.

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35

SAMSARA

Unausdenkbar ist ein Anfang dieser Daseinsrunde, nicht zu entdecken ist ein Beginn der von Unwissenheit gehemmten und von Begehren gefesselten Wesen, die immer wieder den Samsára durcheilen, den Samsára durchwandern. Was glaubt ihr, o Jünger, was ist wohl mehr: der Tränenstrom, den ihr auf dieser langen Daseinsrunde, mit Unerwünschtem vereint und von Erwünschtem getrennt, klagend und weinend vergossen habt oder das Wasser der vier Weltmeere? Lange Zeit hindurch habt ihr den Tod von Vater und Mutter, Sohn und Tochter erfahren, den Verlust von Verwandten und Schätzen, das Unglück der Krankheit. Und dabei habt ihr mehr Tränen vergossen, als sich Wasser in den vier Weltmeeren befindet. So habt ihr denn lange Zeiten hindurch Leiden erfahren, Qualen erfahren, das Unglück der Krankheit erfahren und das Leichenfeld vergrößert, wahrlich genug, um sich von allen Daseinsgebilden abzuwenden, loszulösen und zu befreien!

Samsára, wtl. , wiederholtes Wandern', Daseinswanderung" Daseinsrunde, ist die Bezeichnung für das ewig rastlose, auf- und abwogende Meer des Daseins, das Abbild des unaufhörlichen Prozesses des immer und immer wieder Geborenwerdens, Alterns, Leidens und Sterbens. Genauer gesagt. Samsára ist die ununterbrochene Kette der von Augenblick zu Augenblick beständig wechselnden, durch unabsehbare Zeiten hindurch sich aneinander reihenden fünf Daseinsgruppen, worin eine einzelne so genannte Lebensdauer nur einen verschwindend kleinen Bruchteil ausmacht. Um die erste Wahrheit wirklich zu verstehen, hat man also seinen Blick auf den Samsára zu richten und nicht etwa bloß auf einen kleinen Bruchteil desselben, denn dieser mag als einzelne Erscheinung in der Tat weniger leidvoll sein.

Die erste Wahrheit bezieht sich nicht etwa bloß auf das aktuelle Leiden, d. h. das Leiden als körperliches oder geistiges Schmerzgefühl, sondern lehrt, daß infolge des universalen Gesetzes der Vergänglichkeit alle Dinge, selber die höchsten Glückszustände, dem Wechsel und Untergang unterworfen, also elend, unzulänglich und unbefriedigend sind und ohne Ausnahme den Keim des Leidens in sich tragen.

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6.                 ZWEITE WAHRHEIT

7.                 Die Edle Wahrheit von der Leidens-Entstehung

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Dreifaches Begehren

Was aber, ihr Jünger, ist die Edle Wahrheit von der Leidens-Entstehung? Es ist dies jenes Wiederdasein erzeugende, bald hier, bald da sich ergötzende Begehren (tanhá), nämlich das Sinnliche Begehren, das Daseins-Begehren und das Nichtseins-Begehren.

Das "Sinnliche Begehren" (káma-tanhá) ist das Verlangen nach den fünf Sinnenobjekten.

Das "Daseins-Begehren" (bhava-tanhá) ist das Verlangen nach fortgesetztem oder ewigem Dasein, insbesondere in den feinkörperlichen oder unkörperlichen Welten (rupa-, arupa-bhava). Es beruht auf der Ewigkeits-Ansicht (bhava- oder sassataditthi), d. i. dem Glauben an eine auch nach, dem Tode fortbestehende Ichwesenheit.

Das "Nichtseins-Begehren" (vibhava-tanhá) beruht auf der Selbstvernichtungs-Ansicht (vibhava- oder ucchedaditti), d. i. dem Glauben, daß es zwar ein Ich gebe, daß dieses aber nach dem Tode der Vernichtung anheim falle.

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ENTSTEHUNG DES BEGEHRENS

Wo aber entsteht dieses Begehren, wo faßt es Wurzel? Bei den lieblichen und angenehmen Dingen in der Welt, da entsteht dieses Begehren, da faßt es Wurzel.

Auge, Ohr, Nase, Zunge, Körper, Geist; Formen, Töne, Düfte, Säfte, Körpereindrücke und Geistobjekte sind etwas Liebliches und Angenehmes. Bewußtsein, Bewußtseinseindruck, aus dem Bewußtseinseindruck entstandenes Gefühl, Wahrnehmung, Wille, Begehren, Gedankenfassen und Überlegen, die durch Formen, Töne, Düfte, Säfte, Körpereindrücke und Geistobjekte bedingt sind, all diese sind etwas Liebliches und Angenehmes. Da entsteht dieses Begehren, da faßt es Wurzel.

Hat da einer mit dem Auge eine Form wahrgenommen, mit dem Ohre einen Ton, mit der Nase einen Duft, mit der Zunge einen Saft, mit dem Körper einen Körpereindruck, mit dem Geiste ein Geistobjekt, so faßt er bei einem lieblichen Objekt Zuneigung, und bei einem unliebsamen Objekt fühlt er Abneigung.

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BEDINGTE ENTSTEHUNG

Was immer er für ein Gefühl (vedaná) empfindet—angenehm, unangenehm oder indifferent — das billigt und pflegt er und klammert sich daran (= "Begehren"). Während er aber das Gefühl billigt, pflegt und sich daran klammert, steigt in ihm Neigung auf. Die Neigung aber zu den Gefühlen, diese gilt als das "Anhaften" (upádána); durch Anhaften aber bedingt ist dieser (gegenwärtige) Werdeprozeß (bhava), durch den (karmischen) Werdeprozeß bedingt ist die (Wieder-)Geburt (játi), durch die Geburt aber bedingt entstehen Altern und Sterben, Sorge, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung. Also kommt es zur Entstehung dieser ganzen Leidensfülle.

 

Die Reihe der "Bedingten Entstehung" (paticca-samuppáda), die in diesem Text nur teilweise wiedergegeben wird, mag also als eine ausführliche Darstellung der 2. Wahrheit angesehen werden.

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Diesseitige Wirkung Unheilsamen Karmas

Wahrlich, durch Begehrsucht bedingt, durch Begehrsucht veranlaßt, durch Begehrsucht bewogen, eben bloß aus Begehrsucht streiten Fürsten mit Fürsten Adelige mit Adeligen, Priester mit Priestern, Hausväter mit Hausvätern, streitet die Mutter mit dem Sohn, der Sohn mit der Mutter, der Vater mit dem Sohn, der Sohn mit dem Vater, streitet Bruder mit Bruder, Bruder mit Schwester, Schwester mit Bruder, Freund mit Freund. Und so in Streit, Zank und Zwist geraten greifen sie sich gegenseitig mit Fäusten, Stöcken und Schwertern an. Dabei nun erleiden sie den Tod oder tödliche Schmerzen. Das aber ist der Unsegen der Begehrsucht, die sichtbare Leidensanhäufung, durch Begehrsucht bedingt, durch Begehrsucht veranlaßt, durch Begehrsucht erzeugt, durch Begehrsucht verursacht

Und fernerhin: durch Begehrsucht bedingt, durch Begehrsucht veranlaßt, durch Begehrsucht bewogen, eben bloß aus Begehrsucht brechen die Menschen in Häuser ein, rauben, plündern Häuser, verüben Wegelagerei gehen zu den Frauen anderer. Solche nehmen die Fürsten fest und verhängen mancherlei Strafen über sie. Und so erleiden sie den Tod oder tödliche Schmerzen Das aber ist der Unsegen der Begehrsucht die sichtbare Leidensanhäufung, durch Begehrsucht bedingt, durch Begehrsucht veranlaßt, durch Begehrsucht erzeugt, durch Begehrsucht verursacht.

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Jenseitige Wirkung Unheilsamen Karmas

Und fernerhin: durch Begehrsucht bedingt, durch Begehrsucht veranlaßt, durch Begehrsucht bewogen, eben bloß aus Begehrsucht führen die Menschen einen üblen Wandel in Werken, Worten und Gedanken. Und in Werken, Worten und Gedanken einen üblen Wandel führend, geraten sie beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, in ein niederes Dasein, auf leidvolle Fährte, in verstoßene Welt, zur Hölle. Das aber ist der Unsegen der Begehrsucht, die jenseitige Leidensanhäufung, durch Begehrsucht bedingt, durch Begehrsucht veranlasst, durch Begehrsucht erzeugt, durch Begehrsucht verursacht.

Nicht in den Lüften, nicht in Meeresmitte,

Nicht in den Bergesklüften sich versteckend,

Läßt sich ein Ort auf dieser Erde finden,

Wo weilend man der bösen Tat entginge

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Den Willen (cetaná) bezeichne ich als das Wirken (kamma), denn mit dem Willen wirkt man die Tat in Werken, Worten und Gedanken . . . Es gibt Taten, ihr Jünger, die in der Hölle reifen, . . . im Tierschoß reifen, . . . im Gespensterreich reifen, . . . in der Menschenwelt reifen, . . . in der Himmelswelt reifen . . . Dreierlei aber ist das Ergebnis der Taten: entweder bei Lebzeiten reifend, oder in der nächsten Geburt, oder bei einer späteren Gelegenheit.

Eigner und Erben ihres Wirkens sind die Wesen, ihrem Wirken entsprungen, mit ihrem Wirken verknüpft, haben ihr Wirken zur Zuflucht und werden das gute und schlechte Wirken, das sie verüben, zum Erbe haben.

Und wo immer die Wesen ins Dasein treten, dort werden ihre Taten (kamma) zur Reife kommen. Und wo immer ihre Taten zur Reife kommen, dort werden sie die Früchte jener Taten ernten, sei es in diesem Leben oder im nächsten, oder in irgendeinem späteren Leben.

Es wird eine Zeit kommen, ihr Jünger, wenn das große Weltmeer versiegt, austrocknet, nicht mehr da ist. Es wird eine Zeit kommen, ihr Jünger, wenn diese gewaltige Erde vom Feuer verzehrt wird, zunichte wird, nicht mehr da ist. Nicht aber, sage ich, ihr Jünger, gibt es ein Ende des Leidens für die von Unwissenheit (avijjá) gehemmten und von Begehren (tanhá) gefesselten Wesen, die diese Daseinsrunde durcheilen, diese Daseinsrunde durchwandern.

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BEGEHREN

Die zweite Edle Wahrheit zeigt, daß die Entstehung des Leidens und der Leidenswelt in uns selber liegt. Damit ist gleichzeitig die Möglichkeit der Erlösung (3. Wahrheit) und eines Weges zu ihr (4. Wahrheit) gegeben. Begehren (tanhá) ist der Urheber des Daseins und des Wiederseins. Dieses Dasein aber ist, wie wir gesehen haben, kein wirkliches, beharrendes "Sein", sondern ein Werdeprozeß (bhava), dessen Verlauf eben durch den Charakter, die Stärke und die Richtung des Begehrens bestimmt wird.

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KARMA

Denn das Begehren ist es, das allem lebensbejahenden Wirken des Menschen (kamma, Skr. karma) zugrunde liegt; und dieses Wirken in Werken, Worten und Gedanken ist es, das je nach seiner Beschaffenheit den Charakter und das Geschick des Menschen bestimmt und ihn die Folgen dieses Wirkens in immer erneuten Existenzen erfahren läßt. Das Dasein oder besser der "Werdeprozeß«, gliedert sich also in einen aktiven, verursachenden Karma-Prozeß (kamma-bhava), und seine Auswirkung, den Wiedergeburts-Prozeß (uppatti-bhava). Auch hier, in der Betrachtung von Karma, darf die Anattá-Lehre nicht außer Acht gelassen werden. Ebenso wie die auf dem Wasserspiegel eines Teiches dahineilende Welle nichts weiter ist als ein durch den Wind erzeugter und sich als fortgesetztes Sichheben und Sichsenken äußernder Vorgang: genau so ist es keine wirkliche Ichheit, die das Meer des Daseins durcheilt, sondern nur ein durch Begehren erzeugter Werdeprozeß, der je nach der Art des karmischen Wirkens bald als Mensch, bald als Tier oder unsichtbares Wesen in Erscheinung tritt, wobei das sich beständig wiederholende Aufleben und Absterben dieser Wesen mit den unaufhörlichen Hebungen und Senkungen des Wassers verglichen werden mag. Die Karma-Lehre hat daher hier, in der Behandlung der 2. Wahrheit von der Leidens-Entstehung, ihren gebührenden Platz. — Es sei nochmals betont, daß Karma das Wirken selber bedeutet und nicht etwa das Ergebnis des Wirkens oder gar des Schicksals des Menschen ist, wie es vielfach angenommen wird.

In der buddhistischen Lehre bezeichnet Karma den die Wiedergeburt erzeugenden oder beeinflussenden heilsamen oder unheilsamen Willen (kusala- oder akusala-cetaná), sowie die damit verbundenen Geistesfaktoren.

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8.                 DRITTE WAHRHEIT

 

9.                 Die Edle Wahrheit von der Leidens-Erlöschung

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Was aber, ihr Jünger, ist die Edle Wahrheit von der Leidens-Erlöschung? Eben jenes Begehrens restlose Abwendung und Erlöschung, Verwerfung, Fahrenlassen, Befreiung davon, Nichthaften daran: das, ihr Jünger, nennt man die Edle Wahrheit von der Leidens-Erlöschung.

Wo aber gelangt jenes Begehren zum Schwinden, zum Erlöschen? Was es da in der Welt an Lieblichem und Angenehmem gibt, dort gelangt jenes Begehren zum Schwinden, zum Erlöschen.

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Ob in der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft, wer auch immer von den Mönchen und Asketen das Liebliche und Angenehme in der Welt als vergänglich (anicca), dem Leiden unterworfen (dukkha) und unpersönlich (anattá) betrachtet, als Unheil und Schrecken ein solcher überwindet das Begehren.

Durch das restlose Abwenden und Erlöschen des, Begehrens' (tanhá) erlischt das Anhaften (upádana), durch Erlöschen des Anhaftens der ,Werdeprozeß' (bhava), durch Erlöschen des (karmischen) Werdeprozesses die, Wiedergeburt' (játi); durch Erlöschen der Wiedergeburt aber erlöschen, Altern und Sterben' (jarámarana), Sorge, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung. So kommt es zum Erlöschen dieser ganzen Leidensfülle.

Somit ist das Erlöschen, Schwinden und Untergehen von Körperlichkeit, Gefühl' Wahrnehmung, Geistesformation und Bewußtsein das Erlöschen des Leidens, das Schwinden der Krankheit, die Aufhebung von Altern und Sterben.

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NIRWANA

Gleichwie die auf einem Teiche durch den Wind erzeugte Welle, die in dem unwissenden Zuschauer die Illusion einer über den Wasserspiegel dahineilenden Wassermasse erweckt, nach Eintritt von Windstille allmählich verschwindet — oder gleichwie das Feuer nach Aufzehrung des Brennstoffs erlischt —: genau so auch gelangt der durch Begehren erzeugte Werdeprozeß, der dem unwissenden Weltling die Illusion einer das Dasein durcheilenden Ichheit hervorruft, nach restlosem Schwinden des Begehrens allmählich zum Erlöschen. Somit mag das Nirwahn, d.i. das Erlöschen (Nibbána; von nir vá, aufhören zu wehen, ausgehen, erlöschen), unter 2 Aspekten betrachtet werden, nämlich als:

1. Erlöschung der Leidenschaften (kilesa-nibbána oder kilesa-parinibbána), welche meist zu Lebzeiten des Arahat, oder Heiligen, eintritt; in den Sutten wird sie als sa-upádi-sesa-nibbána bezeichnet, d. i. »Nibbána mit noch verbleibenden Daseinsgruppen«;

 

2. Erlöschung der Daseinsgruppen (khandha-nibbána oder khandha-paririnibbána), welche mit dem Tode des Arahats eintritt, in den Sutten als anupádi-sesa-nibbána bezeichnet, d. i. "Nibbána, bei dem keine Daseinsgruppen übrig bleiben«.

Dies wahrlich, ist der Friede, dies das Erhabene, nämlich: das Ende aller Karmaformationen, das Fahrenlassen aller Daseinsgrundlagen, die Versiegung des Begehrens, Abwendung, Erlösung, Nirwana.

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Von Gier, Haß und Verblendung getrieben, überwältigt und gefesselt wirkt man zum eigenen Schaden, zu des anderen Schaden, zu beiderseitigem Schaden, erleidet man geistigen Schmerz und Trübsal. Sind aber Gier, Haß und Verblendung geschwunden, so wirkt man weder zum eigenen Schaden, noch zu des anderen Schaden, noch zu beiderseitigem Schaden, erleidet man keinen geistigen Schmerz und keine Trübsal. Das aber ist das sichtbare Nirwana, das zeitlose, einladende gewinnende, jedem Verständigen verständliche.

Insofern aber der Mönch die restlose Versiegung von Gier (lobha), Haß (dosa) und Verblendung (moha) verwirklicht, so gibt es eben das sichtbare Nirwana, das zeitlose, einladende, gewinnende, jedem Verständigen verständliche.

Versiegung von Gier, Haß und Verblendung: das wahrlich, nennt man das Nirwana.