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1.  DAS WORT DES BUDDHA  


2.   ZUR EINFÜHRUNG

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BUDDHA, das ist der Erleuchtete oder Erwachte, ist die ehrende Bezeichnung für den Begründer der im Abendland als Buddhismus bekannten Erlösungslehre. Im 6. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung wurde er zu Kapilavatthu, im Grenzgebiet des heutigen Nepal, als der Sohn des regierenden Sakyer-Fürsten geboren. Sein Geschlechtsname war Gotama (Sanskrit: Gautama) und sein Eigenname Siddhattha. In seinem 29. Jahre entsagte er der Welt und vertauschte sein Leben als Prinz mit dem eines hauslosen Wandermönches. Nach sechsjähriger unbefriedigter Wahrheitssuche und ebenso erfolgloser Schmerzensaskese fand er schließlich die vollkommene Erleuchtung (sammá-sambodhi) unter dem Bodhi-Baum zu Gaya (dem heutigen Bhod-Gaya). Es folgten 45 Jahre unermüdlicher Lehrtätigkeit; und im Alter von 80 Jahren verschied zu Kusinara jenes »wahnlose Wesen, das zum Heil und Segen dieser Welt erschienen war«.

Der Buddha ist weder ein Gott, noch eines Gottes Prophet oder Inkarnation. Er ist jenes höchste menschliche Wesen, das, "durch sich selbst belehrt", aus eigener Anstrengung die endgültige Erlösung vom Leiden und höchste Weisheit gewann und zum unvergleichlichen Menschheitslehrer und großen Vorbild wurde. Er wird zum "Erlöser" nur für diejenigen, die den von ihm gegangenen und gewiesenen Erlösungsweg selber bis zum Ende gehen. In der vollkommenen Harmonie seiner Weisheit und Allgüte verkörpert der Buddha das universelle und für alle Zeiten gültige Ideal des vollkommenen Menschen.

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Der DHARMA ist die vom Buddha selber gefundene, verwirklichte und verkündete, auf klarer Erkenntnis der Wirklichkeit aufgebaute Erlösungslehre. Sie ist niedergelegt in den drei Hauptteile umfassenden kanonischen Schriften des Buddhismus, dem sogen. »Drei-Korb« (Ti-Pitaka), bestehend aus:

  1. Vinaya-Pitaka, d. i. der Korb der Ordenszucht, enthaltend die Regeln des Mönchsordens;
  2. Sutta-Pitaka, d. i. der Korb der Lehrtexte, enthaltend die eigentliche, in den vier Edlen Wahrheiten zusammengefaßte Wirklichkeits- und Erlösungslehre in ihrem vollen Umfang;
  3. Abhidhamma-Pitaka, d. i. der Korb der höheren Lehre, welcher die Lehren des Sutta-Pitaka in streng philosophischer Form bietet.

Der Dharma wendet sich ausschließlich an die eigene Erfahrung und Erkenntnis des Menschen, ist also keine, einen voraussetzungslosen Glauben verlangende Offenbarungs-Religion. Er bietet eine erhabene, doch wirklichkeitsnahe Sittenlehre, eine tiefgründige Analyse der Wirklichkeit, sowie praktische Methoden der Geistesschulung und Meditation,—kurz, er bietet umfassende, klare und verlässliche Führung auf dem gesamten Wege der Leid-Befreiung.

Der Dharma ist eine Lehre, die gleichermassen  das Gemüt wie das Denken befriedigt. Der hier gewiesene Mittlere Pfad führt hinaus über die ausweglosen und zerstörerischen Extreme in Denken und Lebensführung und trägt dazu bei, der Buddha-Lehre universelle und für alle Zeiten gültige Bedeutung zu verleihen.

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Der SANGHA, d. i. die "Gemeinde«, ist der vom 3 Buddha gegründete Mönchsorden und als solcher neben dem Jaina-Orden der älteste in der Welt. Ebenso wie die ursprüngliche Lehre findet sich auch der Sangha in seiner ursprünglichen Form heute noch in Burma, Siam, Sri Lanka (Ceylon), Kambodia, Laos und Chittagong (Bengalen). Zu den berühmtesten Jüngern des Buddha gehörten: Sáriputta, der, nach dem Meister, die tiefste Kenntnis der Lehre hatte; Moggallana, der die größten übernatürlichen Kräfte besaß; Ananda, der hingebungsvolle persönliche Helfer des Buddha; Mahá-Kassapa, der dem ersten, nach dem Tode des Buddha stattfindenden Konzil in Rájagaha vorstand; Rahula, des Meisters eigener Sohn.

Die Institution des buddhistischen Mönchsordens bietet den äußeren Rahmen und die geeigneten Lebensbedingungen für diejenigen, die den ernsten Willen haben, ihr ganzes Leben, ungehindert von weltlicher Ablenkung, der Verwirklichung des höchsten Erlösungszieles zu widmen. Da ein starkes Bedürfnis nach solchem Leben ausschließlicher Hingabe stets bestanden hat, wo immer religiöse Entwicklung eine gewisse Reife erlangte, ist auch der Sangha von universeller, für alle Zeiten gültiger Bedeutung.

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DIE DREIFACHE ZUFLUCHT

 

Diese drei, Buddha, Dharma, Sangha, gelten als die »Drei Kleinode« (ti-ratana), vor denen sich der Buddhist in tiefster Ehrfurcht verneigt und die er als das Ehrwürdigste und Erhabenste in der Welt betrachtet. Das Bekenntnis zu diesen "Drei Kleinoden« wird als die "Dreifache Zuflucht" (ti-sarana) bezeichnet und wird auch heute noch, genau wie zu des Buddha Zeiten, in feierlicher Weise in der Pali-Sprache ausgesprochen:

Buddham saranam gacchámi.

Dhammam saranam gacchami.

Sangham saranam gacchámi.

Ich nehme meine Zuflucht zum Buddha.

Ich nehme meine Zuflucht zum Dharma.

Ich nehme meine Zuflucht zum Sangha. *)

Mit dem schlichten Akt des dreimaligen Aussprechens dieser Formel bekennt man sich als Anhänger der Buddha-Lehre.

*) Bei dem zweiten Hersagen wird noch das Wort dutiyampi ("zum zweiten Mal«), bei dem dritten tatiyampi ("zum dritten Mal") vor jedem Pali-Satz hinzugefügt.

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DIE FÜNF SITTENREGELN

 

Auf die "Zufluchtsformel" folgt dann meistens das feierliche Ablegen der für alle Anhänger der Lehre verbindliche fünf Gelübde oder Sittenregeln (pañcasíla):

1. Pánátipátá veramani-sihkhápadam samadiyami.

Ich gelobe abzustehen vom Töten.

2. Adinnádana veramaní-sihkhápadam samádiyámi.

Ich gelobe abzustehen vom Nehmen dessen, was nicht gegeben.

3. Kámesu micchácárá veramani-sihkhápadam samádiyámi.

Ich gelobe abzustehen von unrechtem Wandel in Sinnenlüsten.

4. Musávádá veramani-sihkhápadam samádiyami.

Ich gelobe abzustehen vom Lügen.

5. Surá-meraya-majja-pamádatthána veramani-sihkhápadam samádiyámi.

Ich gelobe abzustehen vom Genuß berauschender Getränke.

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3.                 Die vier Edlen Wahrheiten

 

Namo tassa bhagavato arahato samma-sambuddhassa!

Verehrung Ihm, dem Erhabenen, Heiligen, Vollkommen-Erwachten!

6

Durch das Nichtverstehen, Nichtdurchdringen von vier Wahrheiten, ihr Jünger, haben sowohl ich als auch ihr diese lange Zeit das Dasein durcheilt, das Dasein durchwandert. Von welchen vier Wahrheiten? Durch das Nichtverstehen, Nichtdurchdringen der edlen Wahrheit vom Leiden, von der Leidens-Entstehung, von der Leidens-Erlöschung und dem zur Leidens-Erlöschung führenden Pfad. Durch das Nichtverstehen, Nichtdurchdringen dieser vier Wahrheiten haben sowohl ich als auch ihr diese lange Zeit das Dasein durcheilt, das Dasein durchwandert.

Solange, ihr Jünger, in mir der wahrheitsgemässe Erkenntnisblick hinsichtlich dieser vier edlen Wahrheiten nicht ganz klar war, so lange war ich ungewiss, ob ich die höchste Erleuchtung gewonnen hatte, die unübertroffen ist in der Welt mit ihren Himmelswesen, Göttern und Teufeln, unübertroffen unter den Scharen der Asketen und Brahmanen, Himmelswesen und Menschen. Sobald aber, ihr Jünger, in mir der wahrheitsgemässe Erkenntnisblick hinsichtlich der vier edlen Wahrheiten völlig klar war, da ging mir die Gewissheit auf, dass ich die höchste Erleuchtung gewonnen hatte, die unübertroffen ist in der Welt mit ihren Himmelswesen, Göttern und Teufeln, unübertroffen unter den Scharen der Asketen und Brahmanen, Himmelswesen und Menschen.

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7

Und jene tiefe Wahrheit habe ich mir zu Eigen gemacht die schwer zu erfassende, schwer zu verstehende, friedvolle, erhabene, den Vernunftschlüssen unzugängliche, subtile, nur den Einsichtigen erkennbare.

Die Welt jedoch ist dem Vergnügen hingegeben, findet an Vergnügen Freude und Gefallen. Solche aber, die dem Vergnügen hingegeben sind, an Vergnügen Freude und Gefallen finden, solche werden das Gesetz von der Abhängigkeit des Geschehens, die Bedingte Entstehung schwerlich verstehen. Schwer erkennbar auch wird ihnen sein der Stillstand alles karmischen Wirkens, das Fahren lassen aller Daseinsgrundlagen, die Versiegung des Begehrens, die Loslösung, die Erlöschung, das Nirwahn

Es gibt jedoch einige unter den Wesen, deren Augen nur wenig getrübt sind: diese werden die Lehre verstehen. 

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4.                 ERSTE WAHRHEIT

 

5.                 Die Edle Wahrheit vom Leiden

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Was aber, ihr Jünger, ist die edle Wahrheit vom Leiden?

Geburt ist Leiden, Altern ist Leiden (Krankheit ist Leiden), Sterben ist Leiden, Sorge, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung sind Leiden; mit Unliebem vereint sein, ist Leiden; von Liebem getrennt sein, ist Leiden; nicht erlangen, was man begehrt, ist Leiden; kurz gesagt, die fünf Anhaftungs-Gruppen sind Leiden.

9

Was aber ist die Geburt? Der Wesen in dieser oder jener Wesensgattung Geburt, Geborenwerden, Empfängnis, ins Dasein eintreten, das Erscheinen der Daseinsgruppen, das Erlangen der Sinnenorgane: das nennt man die Geburt.

10

Was aber ist das Altern? Was da bei diesen und jenen Wesen, in dieser oder jener Wesensgattung Altern ist und Altwerden, der Zerfall der Zähne, das Ergrauen und Runzeligwerden, das Versiegen der Lebenskräfte, das Absterben der Sinnenorgane: das nennt man das Altern.

11

Was aber ist das Sterben? Was da bei diesen und jenen Wesen das Abscheiden ist aus dieser oder jener Wesensgattung, Hinscheiden, Auflösung, Hinschwinden, Tod, Sterben, Ableben, Auflösung der Daseinsgruppen, das Zurücklassen der Leiche: das nennt man das Sterben.

12

Was aber ist die Sorge? Was da bei dem von irgendeinem Verlust oder Leiden Betroffenen Sorge ist, Besorgnis, Besorgt sein, innerliche Sorge, innerliches Besorgt sein: das nennt man Sorge.

13

Was aber ist Jammer? Was da bei einem von irgendeinem Verlust oder Leiden Betroffenen Jammer und Klage ist, Jammern und Klagen, Jammer- und Klagezustand: das nennt man Jammer.

14

Was aber ist Schmerz? Was da körperlich schmerzhaft und unangenehm ist, durch Körpereindrücke bedingt an schmerzlichem und unangenehmem Gefühl besteht: das nennt man Schmerz.

15

Was aber ist Trübsal? Was da geistig schmerzhaft und unangenehm ist, durch geistige Eindrücke bedingt an schmerzlichem und unangenehmem Gefühl besteht: das nennt man Trübsal.

16

Was aber ist Verzweiflung? Was da bei dem von irgendeinem Verlust oder Leiden Betroffenen Trostlosigkeit und Verzweiflung ist, trostloser und verzweifelter Geisteszustand: das nennt man Verzweiflung.

17

Was aber ist das Leiden im Vereint sein mit Unliebem? Was da für einen unerwünschte, unerfreuliche, unangenehme (Objekte sind, wie) Formen, Töne, Gerüche, Geschmäcke, Berührungen, Gedanken oder (Wesen,) die einem Schaden wünschen, Unheil, Unannehmlichkeit und Unsicherheit wünschen,—die Begegnung mit solchen, die Zusammenkunft, das Zusammentreffen, die Verbindung mit ihnen: das ist das Leiden im Vereint sein mit Unliebem.

18

Was aber ist das Leiden im Getrenntsein von Liebem? Was da für einen erwünschte, erfreuliche, angenehme (Objekte sind, wie) Formen, Töne, Gerüche, Geschmäcke, Berührungen und Gedanken oder (Wesen,) die einem Gutes wünschen, Glück, Wohlbefinden und Sicherheit wünschen, — der Begegnung mit solchen ermangeln, mit ihnen nicht zusammenkommen und zusammentreffen, mit ihnen nicht verbunden sein: das ist das Leiden im Getrenntsein von Liebem.

19

Was aber ist das Leiden beim Nichterlangen dessen, was man wünscht? Da steigt in den der Wiedergeburt unterworfenen Wesen der Wunsch auf: ,Ach, dass wir doch nicht mehr der Wiedergeburt unterworfen wären, dass uns doch keine Wiedergeburt mehr bevorstünde!' . Den dem Altern, der Krankheit, dem Sterben, den Sorgen, Klagen, Schmerzen, der Trübsal und Verzweiflung unterworfenen Wesen steigt der Wunsch auf: ,Ach, dass wir doch nicht mehr diesen Dingen unterworfen wären. Dass uns doch diese Dinge nicht mehr bevorstünden!' Solches aber lässt sich nicht durch Wünschen erreichen. Das ist das Leiden beim Nichterlangen dessen, was man wünscht.

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DIE FÜNF DASEINSGRUPPEN

 

Inwiefern aber sind, kurz gesagt, die fünf Anhaftungsgruppen das Leiden? Es sind dies 

  • die Körperlichkeits-Gruppe, 
  • die Gefühls-Gruppe, 
  • die Wahrnehmungs-Gruppe, 
  • die Geistformationen-Gruppe und 
  • die Bewußtseins-Gruppe. 

Diese sind, kurz gesagt, das Leiden.

Alles Körperliche, ihr Jünger, ob vergangen, gegenwärtig oder zukünftig, eigen oder fremd, grob oder fein, gemein oder erhaben, fern oder nahe, das gilt als die Körperlichkeits-Gruppe; alles Gefühl . . . gilt als die Gefühls-Gruppe, alle Wahrnehmung . . . als die Wahrnehmungs-Gruppe, alle Geistformationen . . . als die Geistformationen-Gruppe, alles Bewußtsein, ob vergangen, gegenwärtig oder zukünftig, eigen oder fremd, grob oder fein, gemein oder erhaben, fern oder nahe, das gilt als die Bewußtseins-Gruppe.

 

Der Begriff "Anhaftungsgruppen" (upádána-kkhandha) ist so zu verstehen, dass diese fünf Gruppen die Objekte des Anhaftens bilden. Wenn im Text das Wort "khandhá" allein vorkommt, wird es durchweg mit "Daseinsgruppe" übersetzt.

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KÖRPERLICHKEITS-GRUPPE

Was ist nun, ihr Jünger, die Körperlichkeits-Gruppe (rupa-kkhandha)? Es sind die vier (materiellen) Elemente und die davon abhängige Körperlichkeit.

 

VIER ELEMENTE

Was aber sind die vier Elemente?

Es sind dies 

  • das Feste Element, 
  • das Flüssige Element, 
  • das Hitze-Element und 
  • das Wind-Element.

 

Die vier Elemente (dhátu oder mahá-bhúta) —in Pali pathaví-dhátu, ápo-dhátu, tejo-dhátu, váyo-dhátu—sind aufzufassen als die Grundeigenschaften der Materie, die mit wechselnden Übergewicht, in jedem materiellen Gebilde auftreten. Dem Abhidhamma zufolge sind sie zu verstehen als die Elemente der Ausdehnung (oder Härte) der Kohäsion, der Temperatur im Allgemeinen, der Vibration (oder Bewegung).

Als die von diesen vier Elementen abhängige Körperlichkeit (upádáya rupa oder upádá-rupa) gelten im Abhidhamma die folgenden 24 körperlichen Phänomene: Seh-, Hör-, Riech-, Schmeck- und Körperorgan. Seh-, Hör-, Riech- und Schmeckobjekt; Männlichkeit, Weiblichkeit, Vitalität, physische Grundlage des Denkens, körperliche Äußerung, sprachliche Äußerung, Raumbegrenzung, Leichtigkeit, Geschmeidigkeit, Anpassungsfähigkeit, Wachstum, Kontinuität Verfall, Vergänglichkeit, stoffliche Nahrung.

 

Das in körperlichen Eindrücken bestehende körperliche Berührungsobjekt (photthabba) wird hier nicht gesondert genannt, da es identisch ist mit dem Festen, Hitze- und Wind-Element; diese sind erkennbar durch Empfindung von Druck, Kälte, Hitze, Schmerz usw.

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1. Was ist aber das Feste Element (pathaví-dhátu)? Das Feste Element mag eigen sein oder fremd. Was ist nun das eigene Feste Element? Was da jedes Mal beim eigenen Körper an Hartem oder Festem karmisch erworben (upádinna) ist, als wie Kopfhaare, Körperhaare, Nägel, Zähne, Haut, Fleisch, Sehnen, Knochen, Knochenmark, Nieren, Herz, Leber, Innenhäute (wie Zwerchfell usw.), Milz, Lunge, Darm, Gekröse, Magen und Kot; und was da sonst noch jedes Mal beim eigenen Körper an Hartem oder Festem karmisch erworben ist: das nennt man das eigene Feste Element. Was es aber an eigenem Festen Element gibt und was es an fremdem Festen Element gibt: beides eben ist das Feste Element; und da sollte man der Wirklichkeit gemäß und in rechter Einsicht also erkennen: ,Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Ich'.

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2. Was aber ist das Flüssige Element (ápo-dhátu)? Das Flüssige Element mag eigen sein oder fremd. Was ist nun das eigene Flüssige Element? Was da jedes Mal beim eigenen Körper an Flüssigem und Feuchtem karmisch erworben ist, als wie Galle, Schleim, Eiter, Blut, Schweiß, Fett, Tränen, Hautschmiere, Speichel, Rotz, Gelenkschmiere und Urin; und was da sonst noch jedes Mal beim eigenen Körper an Flüssigem und Feuchtem karmisch erworben ist; das nennt man das eigene Flüssige Element. Was es aber an eigenem Flüssigen Element gibt und was es an fremdem Flüssigen Element gibt, beides eben ist das Flüssige Element; und da sollte man der Wirklichkeit gemäß und in rechter Einsicht also erkennen: ,Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Ich'.

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3. Was aber ist das Hitze-Element (tejo-dhátu)? Das Hitze-Element mag eigen sein oder fremd. Was ist nun das eigene Hitze-Element? Was da jedes Mal beim eigenen Körper an Hitze und Wärme karmisch erworben ist, wie das wodurch man erhitzt, verzehrt und verbrannt wird, wodurch, was man gegessen, getrunken, geschmeckt hat, zur völligen Verdauung gelangt; und was da sonst noch jedes Mal beim eigenen Körper an Hitze und Wärme karmisch erworben ist: das nennt man das eigene Hitze-Element. Was es aber an eigenem Hitze1Element gibt und was es an fremdem Hitze-Element gibt, beides ist eben das Hitze-Element; und da sollte man der Wirklichkeit gemäß und in rechter Einsicht also erkennen: ,Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Ich'.

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  1. Was aber ist das Wind-Element (vayo-dhátu)? Das Wind-Element mag eigen sein oder fremd. Was ist nun das eigene Wind-Element? Was da jedes Mal beim eigenen Körper an Winden und Gasen karmisch erworben ist, wie die auf- und absteigenden Winde, die Winde des Bauches und des Darms, die den ganzen Körper durchströmenden Winde, sowie Ein- und Ausatmung; und was da sonst noch jedes Mal beim eigenen Körper an Winden und Gasen karmisch erworben ist: das nennt man das eigene Wind-Element. Was es aber an eigenem Wind-Element gibt und was es an fremdem Wind-Element gibt, beides ist eben das Wind-Element; und da sollte man der Wirklichkeit gemäß und in rechter Einsicht also erkennen: ,Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Ich'. Gerade wie man den durch Balken, Binsen, Rohr und Lehm zustande gekommenen Raum als Haus bezeichnet, ebenso auch bezeichnet man den durch Knochen, Sehnen, Fleisch und Haut gebildeten Raum als den Körper.

  

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GEFÜHLS-GRUPPE (vedaná-kkhandha)

Dreierlei Gefühle gibt es, ihr Jünger. Welche drei? 

  • Freudiges Gefühl, 
  • leidiges Gefühl und 
  • weder freudiges noch leidiges Gefühl.

 

27

WAHRNEHMUNGS-GRUPPE (saññá-kkhandha). Was nun, ihr Jünger, ist Wahrnehmung? Diese sechs Wahrnehmungs-Klassen gibt es: Form-Wahrnehmung, Ton-Wahrnehmung, Geruchs-Wahrnehmung, Geschmacks-Wahrnehmung, Berührungs-Wahrnehmung und geistige Wahrnehmung.

28

GEISTFORMATIONEN-GRUPPE (sankhára-kkhandha)

Der Ausdruck »Geistformationen" (sankhára) ist ein Sammelbegriff für jene zahlreichen Funktionen oder Aspekte der Geist-Tätigkeit, welche, neben dem Gefühl und der Wahrnehmung, in einem einzelnen Bewußtseinsmoment auftreten können. Im Abhidhamma werden fünfzig solcher Geist-formationen aufgezählt. Ihre Anzahl und Zusammensetzung verändert sich je nach dem Charakter des betreffenden Bewußtseinszustandes. Als Hauptvertreter dieser Gruppe werden im Sutta aufgezählt: Wille (cetaná), (sechsfacher) Bewußtseins-Eindruck (phassa) und Aufmerken (manasikára). Von diesen dreien wiederum ist Wille, als der hauptsächliche "formende" Faktor, für die "Geistformationen-Gruppe" besonders charakteristisch und wird daher in der folgenden Textstelle herausgegriffen:

Was nun, ihr Jünger, sind die Geistformationen? Diese sechs Willens-Klassen (cetana-káyá) gibt es: 

  • Wille nach Formen (rupa-sañcetaná), 
  • Wille nach, Tönen, 
  • nach Gerüchen, 
  • Geschmäcken, 
  • Körpereindrücken und 
  • Geistesobjekten

Das, ihr Jünger, nennt man »Geistesformationen".

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BEWUSSTSEINS-GRUPPE (viññána-kkhandha)

Was nun, ihr Jünger, ist das Bewußtsein? Diese sechs Bewußtseins-Klassen gibt es: 

  • Seh-Bewußtsein, 
  • Hör-Bewußtsein, 
  • Riech-Bewußtsein, 
  • Schmeck-Bewußtsein, 
  • Körper-Bewußtsein und 
  • geistiges Bewußtsein. 

Das, ihr Jünger, nennt man Bewußtsein.

 

BEDINGTE ENTSTEHUNG DES BEWUSSTSEINS

Ist das eigene Auge wohl, unversehrt, es fallen aber die äußeren Sehobjekte nicht in den Gesichtskreis und es findet kein Aufeinanderwirken statt, so kommt es zu keiner Bildung des betreffenden Bewußtseins-Aspektes. Oder aber, wenn das eigene Auge unversehrt ist und die äußeren Sehobjekte in den Gesichtskreis fallen, doch es findet kein Aufeinanderwirken statt, so kommt es auch dann noch zu keiner Bildung des entsprechenden Bewußtseins-Aspektes. Ist aber das eigene Auge unversehrt, die äußeren Sehobjekte fallen in den Gesichtskreis, und es findet ein Aufeinanderwirken statt, dann kommt es zur Bildung des entsprechenden Bewußtseins-Aspektes.

Bedingt entstanden ist das Bewußtsein (viññána), und ohne die Bedingungen kommt es nicht zu seiner Entstehung. Eben nach der Bedingung, durch die das Bewußtsein jedes Mal zum Entstehen kommt, danach wird es benannt. Bewußtsein, das durch Sehorgan und Sehobjekt bedingt entsteht, nennt man Seh-Bewußtsein. (Und so ist es mit Hör-, Riech-, Schmeck- und Körper-Bewußtsein.) Bewußtsein, das durch Geist und Geistobjekte (dhamma) bedingt entsteht, nennt man Geist-Bewußtsein.

Was bei solcher Gelegenheit an Körperlichkeit (rupa) besteht, das gehört zur Anhaftungsgruppe Körperlichkeit; was da an Gefühl (vedaná) besteht, zur Anhaftungsgruppe Gefühl; was da an Wahrnehmung (saññá) besteht, zur Anhaftungsgruppe Wahrnehmung; was da an Geistformationen (sankhára) besteht, zur Anhaftungsgruppe Geistformationen; was da an Bewußtsein (viññána) besteht, zur Anhaftungsgruppe Bewußtsein.

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ZUSAMMENENTSTEHUNG DER FÜNF GRUPPEN

Es ist unmöglich, daß jemand das Heraustreten aus einem Dasein und den Wiedereintritt in ein neues Dasein oder das Wachsen, Zunehmen und die Entwicklung des Bewußtseins unabhängig von Körperlichkeit, Gefühl, Wahrnehmung und Geistformationen erklären kann.

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DIE DREI MERKMALE

Alle Gebilde sind vergänglich (anicca); alle Gebilde sind dem Leiden (dukkha) unterworfen; alle Dinge sind unpersönlich (anattá).

Körperlichkeit ist vergänglich, Gefühl ist vergänglich, Wahrnehmung ist vergänglich, Geistformationen sind vergänglich, und Bewußtsein ist vergänglich. Was aber vergänglich ist, das ist dem Leiden unterworfen; und was vergänglich, leidvoll und dem Wechsel unterworfen ist, da kann man nicht mit Recht behaupten: ,Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Ich'.

Was es daher an Körperlichkeit gibt, an Gefühl, Wahrnehmung, Geistformationen und Bewußtsein, ob vergangen, gegenwärtig oder zukünftig, eigen oder fremd grob oder fein, gemein oder erhaben, fern oder nahe da sollte man der Wirklichkeit gemäß in rechter Einsicht also erkennen: ,Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Ich'.

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DIE ANATTA-LEHRE

Unser so genanntes individuelles Dasein ist, ebenso wie die gesamte Welt, nichts weiter als ein bloßer Prozeß dieser in den fünf Daseinsgruppen zusammengefaßten, sich unaufhörlich verändernden geistigen und körperlichen Vorgänge. Dieser Prozess war bereits für unermeßliche Zeiten vor dieser unserer augenfälligen Geburt im Gange und wird sich auch nach dem Tode für unermeßliche Zeiten fortsetzen. Die vorhergehenden Texte haben gezeigt, daß diese fünf Daseinsgruppen weder einzeln noch in ihrer Gesamtheit eine wirkliche, in sich bestehende Ich-Einheit (attá) bilden und daß auch außerhalb dieser Gruppen keinerlei Ichheit oder Wesenheit als deren Besitzer zu finden ist. Der Glaube an eine wirkliche und beharrende Ichheit, Persönlichkeit oder an eine "ewige Seele" muß daher angesichts der ausnahmslosen Veränderlichkeit und Bedingtheit alles Geschehens als eine bloße Illusion gelten.

 

Gerade wie das, was wir als ,Wagen' bezeichnen, unabhängig von Achsen, Rädern, Deichsel usw. kein Dasein hat; oder wie ,Haus' bloß ein konventioneller Ausdruck (vohára-vacana) ist für Baumaterialien, die auf eine gewisse Weise zusammengefügt einen Raum ergeben, aber das Haus unabhängig von diesen Dingen nicht da ist: genau so ist das, was wir in konventioneller Weise als ,Wesen, bezeichnen, als Individuum, Person, Ich usw. in Wirklichkeit (paramatthena) bloß ein beständig wechselnder Prozeß geistiger und körperlicher Phänomene und hat an sich keinerlei Existenz.

 

Dies ist die berühmte Anatta- oder Nicht-ich-Lehre des Buddha, d. i. die Lehre von der Unpersönlichkeit und Substanzlosigkeit alles Geschehens. Es ist dies die Kernlehre des ganzen Buddhismus, die für das wahre Verständnis und damit auch für die Verwirklichung der Buddha-Lehre unerläßlich ist. Die Anattá-Lehre ist das notwendige Ergebnis der in der Lehre von den Daseinsgruppen (khandha) vollzogenen gründlichen Analyse der Wirklichkeit, die mit den hier gegebenen Texten nur angedeutet werden konnte. Die Anatta-Lehre schließt nicht nur den Gedanken des ,Ich', Sondern auch den des ,Mein' aus; d. h. sie besagt, daß die Daseinsgruppen weder ein Selbst bilden (anattá), noch einem außerhalb ihrer vorgestellten Selbst angehören (anattaniya).

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Angenommen ein Mann mit Sehvermögen betrachte sich die vielen Wasserblasen auf dem Ganges, und er beobachte und untersuche sie gründlich; nachdem er dies aber getan habe, erschienen ihm diese leer, unwirklich und wesenlos. In derselben Weise betrachtet der Mönch alles Körperliche, alle Gefühle, alle Wahrnehmungen, alle Geistformationen, alles Bewußtsein, ob vergangen, gegenwärtig oder zukünftig, eigen oder fremd, grob oder fein, gemein oder erhaben, fern oder nahe; und er erkennt alle diese Dinge als leer, nichtig und wesenlos.

 

Dem Schaumball gleichet dieser Leib,

Der Wasserblase das Gefühl,

Wahrnehmung ist dem Luftbild gleich,

Die Geistgebilde dem Bananenstamm,

Bewußtsein aber ist wie Gaukelwerk.

 

Wer sich, ihr Jünger, des Körperlichen erfreut oder der Gefühle, der Wahrnehmungen, der Geistformationen oder des Bewußtseins, der erfreut sich des Leidens; und wer sich des Leidens erfreut, der wird von, Leiden nicht erlöst.

Was soll das Lachen, was die Lust,

Wo alles ständig brennt und flammt?

In Finsternis seid ihr gehüllt!

Warum sucht ihr nicht nach dem Licht?

 

Schaut diesen Balg schön aufgeputzt,

Den Leib voll Löcher, wohl gefügt,

Den siechen, wunschesschwangeren,

Der Dauer und Bestand nicht hat.

 

Wer diese grauen Knochen sieht,

Die man dort hingeworfen hat,

Den Kürbissen zur Herbstzeit gleich,

Wie kann wohl der noch Lust verspüren?

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Drei Himmelsboten

Sahest du, o Mensch, nicht unter den Menschen den ersten Himmelsboten erscheinen? Sahest du nie eine Frau oder einen Mann von 80, 90 oder 100 Jahren, abgelebt, gekrümmt wie Dachsparren, gebückt, auf eine Krücke gestützt, schlotternden Ganges dahinschleichend, siech, mit verwelkter Jugend, mit abgebrochenen Zähnen und ergrauten Haaren, oder kahl, mit wackelndem Kopfe, voller Runzeln, die Glieder mit Flecken bedeckt? Und dachtest du da nicht, o Mensch, der du Verstand besitzest und alt genug bist: ,Auch ich bin dem Alter unterworfen, kann dem Alter nicht entgehen. So laß mich denn Gutes tun in Werken, Worten und Gedanken'? O Mensch, aus Leichtsinn hast du weder in Werken, Worten, noch Gedanken Gutes getan.

Wahrlich, o Mensch, jene böse Tat wurde weder von deiner Mutter getan, noch von deinem Vater, deinem Bruder, deiner Schwester, noch von deinen Freunden und Genossen, deinen Vettern und Blutsverwandten, noch von Geistern, Asketen oder Priestern. Du allein hast jene böse Tat begangen, du allein sollst deren Frucht erfahren.

Sahest du, O Mensch, nicht unter den Menschen den zweiten Himmelsboten erscheinen? Sahest du nie unter den Menschen eine Frau oder einen Mann, krank, elend, schwer leidend, sich im eigenen Kot und Urin umher wälzend, der von anderen aufgerichtet, von anderen niedergelegt werden muß? Und dachtest du da nicht, O Mensch, der du Verstand besitzest und alt genug bist: ,Auch ich bin der Krankheit unterworfen, kann der Krankheit nicht entgehen. So laß mich denn Gutes tun in Werken, Worten und Gedanken'? . . .

Sahest du, o Mensch, nicht unter den Menschen den dritten Himmelsboten erscheinen? Sahest du nie unter den Menschen eine Frau oder einen Mann, einen oder zwei oder drei Tage nach dem Tode, aufgeschwollen, blau verfärbt, mit Eiter bedeckt? Und dachtest du da nicht, o Mensch, der du Verstand besitzest und alt genug bist: ,Auch ich bin dem Tode unterworfen, kann dem Tode nicht entgehen. So laß mich denn Gutes tun in Werken, Worten und Gedanken'? O Mensch, aus Leichtsinn hast du weder in Werken, Worten noch Gedanken Gutes getan. Wahrlich, o Mensch, jene böse Tat wurde weder von deiner Mutter getan, noch von deinem Vater, deinem Bruder, deiner Schwester, noch von deinen Freunden und Genossen, deinen Vettern und Blutsverwandten, noch von Geistern, Asketen oder Priestern. Du allein hast jene böse Tat begangen, du allein sollst deren Frucht erfahren.

 

Obige drei Himmelsboten (deva-dúta) findet man in den buddhistischen Ländern vielfach bildlich dargestellt. In Majjhima-Nikaya 130 finden sich neben diesen dreien noch zwei weitere, nämlich Geburt und Bestrafung von Übeltätern.

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35

SAMSARA

Unausdenkbar ist ein Anfang dieser Daseinsrunde, nicht zu entdecken ist ein Beginn der von Unwissenheit gehemmten und von Begehren gefesselten Wesen, die immer wieder den Samsára durcheilen, den Samsára durchwandern. Was glaubt ihr, o Jünger, was ist wohl mehr: der Tränenstrom, den ihr auf dieser langen Daseinsrunde, mit Unerwünschtem vereint und von Erwünschtem getrennt, klagend und weinend vergossen habt oder das Wasser der vier Weltmeere? Lange Zeit hindurch habt ihr den Tod von Vater und Mutter, Sohn und Tochter erfahren, den Verlust von Verwandten und Schätzen, das Unglück der Krankheit. Und dabei habt ihr mehr Tränen vergossen, als sich Wasser in den vier Weltmeeren befindet. So habt ihr denn lange Zeiten hindurch Leiden erfahren, Qualen erfahren, das Unglück der Krankheit erfahren und das Leichenfeld vergrößert, wahrlich genug, um sich von allen Daseinsgebilden abzuwenden, loszulösen und zu befreien!

Samsára, wtl. , wiederholtes Wandern', Daseinswanderung" Daseinsrunde, ist die Bezeichnung für das ewig rastlose, auf- und abwogende Meer des Daseins, das Abbild des unaufhörlichen Prozesses des immer und immer wieder Geborenwerdens, Alterns, Leidens und Sterbens. Genauer gesagt. Samsára ist die ununterbrochene Kette der von Augenblick zu Augenblick beständig wechselnden, durch unabsehbare Zeiten hindurch sich aneinander reihenden fünf Daseinsgruppen, worin eine einzelne so genannte Lebensdauer nur einen verschwindend kleinen Bruchteil ausmacht. Um die erste Wahrheit wirklich zu verstehen, hat man also seinen Blick auf den Samsára zu richten und nicht etwa bloß auf einen kleinen Bruchteil desselben, denn dieser mag als einzelne Erscheinung in der Tat weniger leidvoll sein.

Die erste Wahrheit bezieht sich nicht etwa bloß auf das aktuelle Leiden, d. h. das Leiden als körperliches oder geistiges Schmerzgefühl, sondern lehrt, daß infolge des universalen Gesetzes der Vergänglichkeit alle Dinge, selber die höchsten Glückszustände, dem Wechsel und Untergang unterworfen, also elend, unzulänglich und unbefriedigend sind und ohne Ausnahme den Keim des Leidens in sich tragen.

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6.                 ZWEITE WAHRHEIT

7.                 Die Edle Wahrheit von der Leidens-Entstehung

36

Dreifaches Begehren

Was aber, ihr Jünger, ist die Edle Wahrheit von der Leidens-Entstehung? Es ist dies jenes Wiederdasein erzeugende, bald hier, bald da sich ergötzende Begehren (tanhá), nämlich das Sinnliche Begehren, das Daseins-Begehren und das Nichtseins-Begehren.

Das "Sinnliche Begehren" (káma-tanhá) ist das Verlangen nach den fünf Sinnenobjekten.

Das "Daseins-Begehren" (bhava-tanhá) ist das Verlangen nach fortgesetztem oder ewigem Dasein, insbesondere in den feinkörperlichen oder unkörperlichen Welten (rupa-, arupa-bhava). Es beruht auf der Ewigkeits-Ansicht (bhava- oder sassataditthi), d. i. dem Glauben an eine auch nach, dem Tode fortbestehende Ichwesenheit.

Das "Nichtseins-Begehren" (vibhava-tanhá) beruht auf der Selbstvernichtungs-Ansicht (vibhava- oder ucchedaditti), d. i. dem Glauben, daß es zwar ein Ich gebe, daß dieses aber nach dem Tode der Vernichtung anheim falle.

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37

ENTSTEHUNG DES BEGEHRENS

Wo aber entsteht dieses Begehren, wo faßt es Wurzel? Bei den lieblichen und angenehmen Dingen in der Welt, da entsteht dieses Begehren, da faßt es Wurzel.

Auge, Ohr, Nase, Zunge, Körper, Geist; Formen, Töne, Düfte, Säfte, Körpereindrücke und Geistobjekte sind etwas Liebliches und Angenehmes. Bewußtsein, Bewußtseinseindruck, aus dem Bewußtseinseindruck entstandenes Gefühl, Wahrnehmung, Wille, Begehren, Gedankenfassen und Überlegen, die durch Formen, Töne, Düfte, Säfte, Körpereindrücke und Geistobjekte bedingt sind, all diese sind etwas Liebliches und Angenehmes. Da entsteht dieses Begehren, da faßt es Wurzel.

Hat da einer mit dem Auge eine Form wahrgenommen, mit dem Ohre einen Ton, mit der Nase einen Duft, mit der Zunge einen Saft, mit dem Körper einen Körpereindruck, mit dem Geiste ein Geistobjekt, so faßt er bei einem lieblichen Objekt Zuneigung, und bei einem unliebsamen Objekt fühlt er Abneigung.

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BEDINGTE ENTSTEHUNG

Was immer er für ein Gefühl (vedaná) empfindet—angenehm, unangenehm oder indifferent — das billigt und pflegt er und klammert sich daran (= "Begehren"). Während er aber das Gefühl billigt, pflegt und sich daran klammert, steigt in ihm Neigung auf. Die Neigung aber zu den Gefühlen, diese gilt als das "Anhaften" (upádána); durch Anhaften aber bedingt ist dieser (gegenwärtige) Werdeprozeß (bhava), durch den (karmischen) Werdeprozeß bedingt ist die (Wieder-)Geburt (játi), durch die Geburt aber bedingt entstehen Altern und Sterben, Sorge, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung. Also kommt es zur Entstehung dieser ganzen Leidensfülle.

 

Die Reihe der "Bedingten Entstehung" (paticca-samuppáda), die in diesem Text nur teilweise wiedergegeben wird, mag also als eine ausführliche Darstellung der 2. Wahrheit angesehen werden.

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38

Diesseitige Wirkung Unheilsamen Karmas

Wahrlich, durch Begehrsucht bedingt, durch Begehrsucht veranlaßt, durch Begehrsucht bewogen, eben bloß aus Begehrsucht streiten Fürsten mit Fürsten Adelige mit Adeligen, Priester mit Priestern, Hausväter mit Hausvätern, streitet die Mutter mit dem Sohn, der Sohn mit der Mutter, der Vater mit dem Sohn, der Sohn mit dem Vater, streitet Bruder mit Bruder, Bruder mit Schwester, Schwester mit Bruder, Freund mit Freund. Und so in Streit, Zank und Zwist geraten greifen sie sich gegenseitig mit Fäusten, Stöcken und Schwertern an. Dabei nun erleiden sie den Tod oder tödliche Schmerzen. Das aber ist der Unsegen der Begehrsucht, die sichtbare Leidensanhäufung, durch Begehrsucht bedingt, durch Begehrsucht veranlaßt, durch Begehrsucht erzeugt, durch Begehrsucht verursacht

Und fernerhin: durch Begehrsucht bedingt, durch Begehrsucht veranlaßt, durch Begehrsucht bewogen, eben bloß aus Begehrsucht brechen die Menschen in Häuser ein, rauben, plündern Häuser, verüben Wegelagerei gehen zu den Frauen anderer. Solche nehmen die Fürsten fest und verhängen mancherlei Strafen über sie. Und so erleiden sie den Tod oder tödliche Schmerzen Das aber ist der Unsegen der Begehrsucht die sichtbare Leidensanhäufung, durch Begehrsucht bedingt, durch Begehrsucht veranlaßt, durch Begehrsucht erzeugt, durch Begehrsucht verursacht.

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Jenseitige Wirkung Unheilsamen Karmas

Und fernerhin: durch Begehrsucht bedingt, durch Begehrsucht veranlaßt, durch Begehrsucht bewogen, eben bloß aus Begehrsucht führen die Menschen einen üblen Wandel in Werken, Worten und Gedanken. Und in Werken, Worten und Gedanken einen üblen Wandel führend, geraten sie beim Zerfall des Körpers, nach dem Tode, in ein niederes Dasein, auf leidvolle Fährte, in verstoßene Welt, zur Hölle. Das aber ist der Unsegen der Begehrsucht, die jenseitige Leidensanhäufung, durch Begehrsucht bedingt, durch Begehrsucht veranlasst, durch Begehrsucht erzeugt, durch Begehrsucht verursacht.

Nicht in den Lüften, nicht in Meeresmitte,

Nicht in den Bergesklüften sich versteckend,

Läßt sich ein Ort auf dieser Erde finden,

Wo weilend man der bösen Tat entginge

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39

Den Willen (cetaná) bezeichne ich als das Wirken (kamma), denn mit dem Willen wirkt man die Tat in Werken, Worten und Gedanken . . . Es gibt Taten, ihr Jünger, die in der Hölle reifen, . . . im Tierschoß reifen, . . . im Gespensterreich reifen, . . . in der Menschenwelt reifen, . . . in der Himmelswelt reifen . . . Dreierlei aber ist das Ergebnis der Taten: entweder bei Lebzeiten reifend, oder in der nächsten Geburt, oder bei einer späteren Gelegenheit.

Eigner und Erben ihres Wirkens sind die Wesen, ihrem Wirken entsprungen, mit ihrem Wirken verknüpft, haben ihr Wirken zur Zuflucht und werden das gute und schlechte Wirken, das sie verüben, zum Erbe haben.

Und wo immer die Wesen ins Dasein treten, dort werden ihre Taten (kamma) zur Reife kommen. Und wo immer ihre Taten zur Reife kommen, dort werden sie die Früchte jener Taten ernten, sei es in diesem Leben oder im nächsten, oder in irgendeinem späteren Leben.

Es wird eine Zeit kommen, ihr Jünger, wenn das große Weltmeer versiegt, austrocknet, nicht mehr da ist. Es wird eine Zeit kommen, ihr Jünger, wenn diese gewaltige Erde vom Feuer verzehrt wird, zunichte wird, nicht mehr da ist. Nicht aber, sage ich, ihr Jünger, gibt es ein Ende des Leidens für die von Unwissenheit (avijjá) gehemmten und von Begehren (tanhá) gefesselten Wesen, die diese Daseinsrunde durcheilen, diese Daseinsrunde durchwandern.

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BEGEHREN

Die zweite Edle Wahrheit zeigt, daß die Entstehung des Leidens und der Leidenswelt in uns selber liegt. Damit ist gleichzeitig die Möglichkeit der Erlösung (3. Wahrheit) und eines Weges zu ihr (4. Wahrheit) gegeben. Begehren (tanhá) ist der Urheber des Daseins und des Wiederseins. Dieses Dasein aber ist, wie wir gesehen haben, kein wirkliches, beharrendes "Sein", sondern ein Werdeprozeß (bhava), dessen Verlauf eben durch den Charakter, die Stärke und die Richtung des Begehrens bestimmt wird.

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KARMA

Denn das Begehren ist es, das allem lebensbejahenden Wirken des Menschen (kamma, Skr. karma) zugrunde liegt; und dieses Wirken in Werken, Worten und Gedanken ist es, das je nach seiner Beschaffenheit den Charakter und das Geschick des Menschen bestimmt und ihn die Folgen dieses Wirkens in immer erneuten Existenzen erfahren läßt. Das Dasein oder besser der "Werdeprozeß«, gliedert sich also in einen aktiven, verursachenden Karma-Prozeß (kamma-bhava), und seine Auswirkung, den Wiedergeburts-Prozeß (uppatti-bhava). Auch hier, in der Betrachtung von Karma, darf die Anattá-Lehre nicht außer Acht gelassen werden. Ebenso wie die auf dem Wasserspiegel eines Teiches dahineilende Welle nichts weiter ist als ein durch den Wind erzeugter und sich als fortgesetztes Sichheben und Sichsenken äußernder Vorgang: genau so ist es keine wirkliche Ichheit, die das Meer des Daseins durcheilt, sondern nur ein durch Begehren erzeugter Werdeprozeß, der je nach der Art des karmischen Wirkens bald als Mensch, bald als Tier oder unsichtbares Wesen in Erscheinung tritt, wobei das sich beständig wiederholende Aufleben und Absterben dieser Wesen mit den unaufhörlichen Hebungen und Senkungen des Wassers verglichen werden mag. Die Karma-Lehre hat daher hier, in der Behandlung der 2. Wahrheit von der Leidens-Entstehung, ihren gebührenden Platz. — Es sei nochmals betont, daß Karma das Wirken selber bedeutet und nicht etwa das Ergebnis des Wirkens oder gar des Schicksals des Menschen ist, wie es vielfach angenommen wird.

In der buddhistischen Lehre bezeichnet Karma den die Wiedergeburt erzeugenden oder beeinflussenden heilsamen oder unheilsamen Willen (kusala- oder akusala-cetaná), sowie die damit verbundenen Geistesfaktoren.

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8.                 DRITTE WAHRHEIT

 

9.                 Die Edle Wahrheit von der Leidens-Erlöschung

40

Was aber, ihr Jünger, ist die Edle Wahrheit von der Leidens-Erlöschung? Eben jenes Begehrens restlose Abwendung und Erlöschung, Verwerfung, Fahrenlassen, Befreiung davon, Nichthaften daran: das, ihr Jünger, nennt man die Edle Wahrheit von der Leidens-Erlöschung.

Wo aber gelangt jenes Begehren zum Schwinden, zum Erlöschen? Was es da in der Welt an Lieblichem und Angenehmem gibt, dort gelangt jenes Begehren zum Schwinden, zum Erlöschen.

41

Ob in der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft, wer auch immer von den Mönchen und Asketen das Liebliche und Angenehme in der Welt als vergänglich (anicca), dem Leiden unterworfen (dukkha) und unpersönlich (anattá) betrachtet, als Unheil und Schrecken ein solcher überwindet das Begehren.

Durch das restlose Abwenden und Erlöschen des, Begehrens' (tanhá) erlischt das Anhaften (upádana), durch Erlöschen des Anhaftens der ,Werdeprozeß' (bhava), durch Erlöschen des (karmischen) Werdeprozesses die, Wiedergeburt' (játi); durch Erlöschen der Wiedergeburt aber erlöschen, Altern und Sterben' (jarámarana), Sorge, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung. So kommt es zum Erlöschen dieser ganzen Leidensfülle.

Somit ist das Erlöschen, Schwinden und Untergehen von Körperlichkeit, Gefühl' Wahrnehmung, Geistesformation und Bewußtsein das Erlöschen des Leidens, das Schwinden der Krankheit, die Aufhebung von Altern und Sterben.

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42

NIRWANA

Gleichwie die auf einem Teiche durch den Wind erzeugte Welle, die in dem unwissenden Zuschauer die Illusion einer über den Wasserspiegel dahineilenden Wassermasse erweckt, nach Eintritt von Windstille allmählich verschwindet — oder gleichwie das Feuer nach Aufzehrung des Brennstoffs erlischt —: genau so auch gelangt der durch Begehren erzeugte Werdeprozeß, der dem unwissenden Weltling die Illusion einer das Dasein durcheilenden Ichheit hervorruft, nach restlosem Schwinden des Begehrens allmählich zum Erlöschen. Somit mag das Nirwahn, d.i. das Erlöschen (Nibbána; von nir vá, aufhören zu wehen, ausgehen, erlöschen), unter 2 Aspekten betrachtet werden, nämlich als:

1. Erlöschung der Leidenschaften (kilesa-nibbána oder kilesa-parinibbána), welche meist zu Lebzeiten des Arahat, oder Heiligen, eintritt; in den Sutten wird sie als sa-upádi-sesa-nibbána bezeichnet, d. i. »Nibbána mit noch verbleibenden Daseinsgruppen«;

 

2. Erlöschung der Daseinsgruppen (khandha-nibbána oder khandha-paririnibbána), welche mit dem Tode des Arahats eintritt, in den Sutten als anupádi-sesa-nibbána bezeichnet, d. i. "Nibbána, bei dem keine Daseinsgruppen übrig bleiben«.

Dies wahrlich, ist der Friede, dies das Erhabene, nämlich: das Ende aller Karmaformationen, das Fahrenlassen aller Daseinsgrundlagen, die Versiegung des Begehrens, Abwendung, Erlösung, Nirwana.

43

Von Gier, Haß und Verblendung getrieben, überwältigt und gefesselt wirkt man zum eigenen Schaden, zu des anderen Schaden, zu beiderseitigem Schaden, erleidet man geistigen Schmerz und Trübsal. Sind aber Gier, Haß und Verblendung geschwunden, so wirkt man weder zum eigenen Schaden, noch zu des anderen Schaden, noch zu beiderseitigem Schaden, erleidet man keinen geistigen Schmerz und keine Trübsal. Das aber ist das sichtbare Nirwana, das zeitlose, einladende gewinnende, jedem Verständigen verständliche.

Insofern aber der Mönch die restlose Versiegung von Gier (lobha), Haß (dosa) und Verblendung (moha) verwirklicht, so gibt es eben das sichtbare Nirwana, das zeitlose, einladende, gewinnende, jedem Verständigen verständliche.

Versiegung von Gier, Haß und Verblendung: das wahrlich, nennt man das Nirwana.

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44

UNERSCHÜTTERLICHKEIT

Selbst wenn dem also geisterlösten Mönch außerordentlich erhabene, übermächtige sichtbare Formen in den Gesichtskreis treten —hörbare Töne in den Hörkreis treten—riechbare Düfte in den Riechkreis treten — schmeckbare Säfte in den Schmeckkreis treten — körperliche Eindrücke in den Körperempfindungskreis treten—Geistobjekte in den geistigen Kreis treten, so vermögen diese seinen Geist nicht mehr zu fesseln. Sein Geist bleibt unberührt, gefestigt, unerschütterlich, und er erkennt in diesem allem die Vergänglichkeit.

 

Gleichwie ein Fels aus einem Stück

Vom Sturme nicht erschüttert wird:

So können weder Form noch Ton,

Noch Duft, noch Saft, noch Tastgefühl,

Nichts Liebliches, nichts Widriges

Erschüttern je den Heiligen.

Gefestigt ist sein Geist, erlöst.

Vernichtung schaut er überall.

 

Wer vor nichts in dieser Welt erzittert

Und das Gute wie das Böse kennt,

Stillgeworden, wutlos, leidlos, wunschlos,

Der ist Alter und Geburt entflohn.

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45

Es gibt, ihr Jünger, ein Gebiet, wo weder Erde ist, noch Wasser, noch Feuer, noch Wind, weder das Raumunendlichkeitsgebiet, noch das Bewußtseinsunendlichkeitsgebiet, noch das Nichtsheitgebiet, noch das Gebiet der Weder -Wahrnehmung - noch - Nichtwahrnehmung, weder diese Welt, noch jene Welt, weder Sonne noch Mond: dies eben ist das Ende des Leidens.

Es gibt, ihr Jünger, ein Ungeborenes, Ungewordenes, Ungemachtes, Ungeschaffenes. Gäbe es nämlich, ihr Jünger, nicht jenes Ungeborene, Ungewordene, Ungemachte, Ungeschaffene, so gäbe es keinen Ausweg aus dem Geborenen, Gewordenen, Gemachten und Geschaffenen. Weil es aber, ihr Jünger, dieses Ungeborene, Ungewordene, Ungemachte, Ungeschaffene gibt, darum gibt es eben einen Ausweg aus dem Geborenen, Gewordenen, Gemachten, Geschaffenen.

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10.            VIERTE WAHRHEIT

11.             Die Edle Wahrheit von dem zur Leidens-Erlöschung führenden Pfad

 

46

ZWEI EXTREME UND DER MITTLERE PFAD

Sich dem sinnlichen Genuß hingeben, dem niedrigen, gemeinen, weltlichen, unedlen, sinnlosen; und sich der Selbstkasteiung hingeben, der leidvollen, unedlen, sinnlosen: diese beiden Extreme hat der Vollendete vermieden und den mittleren Pfad erkannt, der sehend und wissend macht und zur Stillung, Durchschauung, Erleuchtung und zum Nirwana führt.

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47

ACHTFACHER PFAD

Was aber ist jener mittlere Pfad? Es ist jener edle Achtfache Pfad, nämlich:

 

1. rechte Erkenntnis (sammá-ditthi)

III. Wissen (paññá)

2. rechte Gesinnung (sammá-sankappa)

3. rechte Rede (sammá-vácá)

I. Sittlichkeit (síla)

4. rechtes Tun (sammá-kammanta)

5. rechter Lebensunterhalt (sammá-ájíva)

6. rechte Anstrengung (sammá-vayáma)

II. Sammlung (samádhi)

7. rechte Achtsamkeit (samma-sati)

8. rechte Sammlung (sammá-samádhi)

 

Das also, ihr Jünger, ist der mittlere Pfad, den der Vollendete aufgefunden hat, der sehend und wissend macht und zum Frieden, zur Durchschauung, Erleuchtung und zum Nirwana führt.

Frei von Schmerzen und Qualen ist dieser Pfad, frei von Verzweiflung und Bedrängnis, der rechte Pfad.

Da der Charakter des Edlen Achtfachen Pfades häufig missverstanden wurde, sind hier einige erklärende Worte angebracht.

 

Die bildhafte Bezeichnung als ein "Pfad" oder "Weg" darf nicht dahin missverstanden werden, daß man die einzelnen Stufen dieses Weges in der gegebenen Reihenfolge, eine nach der anderen, zurückzulegen hat, wie es häufig dargestellt wird. Wenn dem wirklich so wäre, dann müßte man als allererstes rechte Erkenntnis und Wahrheitsdurchschauung verwirklicht haben, bevor man daran denken könnte, rechte Gesinnung, rechte Rede usw. zu erreichen. In Wirklichkeit aber werden die die Sittlichkeits-Gruppe (síla) bildenden Glieder (3—5) als erstes zur Vollendung gebracht, dann die als Geistesschulung oder Sammlung (samádhi) geltenden Glieder (6—8) und zu aller letzt die beiden ersten Glieder (1—2), welche die Gruppe der Weisheit (paññá) bilden.

 

Ein anfängliches Mindestmaß von rechter Erkenntnis muß freilich vorhanden sein, um überhaupt einen wohlbegründeten Antrieb zum Beschreiten des Pfades zu geben; und es ist ferner erforderlich, damit die anderen Pfadglieder, ihre eigentliche Funktion, wirksam zur Befreiung zu verhelfen, erfüllen können. Aus diesem Grunde, und um die Wichtigkeit dieses Faktors zu betonen, nimmt rechte Erkenntnis auf dem heiligen Achtfachen Pfade die erste Stufe ein.

 

Doch dieses keimhafte Verständnis muß sich erst ganz allmählich mit Hilfe der anderen Pfadglieder bis zu jenem höchsten Hellblick (vipassaná) entwickeln, der die unmittelbare Bedingung bildet zum Eintritt in die vier überweltlichen Stufen oder Pfade der Heiligkeit und zur Verwirklichung des Nirwanas. Nur im Falle dieses überweltlichen Hellblicks sind alle übrigen Glieder als bloße Symptome, Begleiterscheinungen oder Äußerungen der Erkenntnis zu werten.

 

Rechte Erkenntnis bildet somit Anfang und Ende der gesamten Buddha-Lehre.

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 48

Kein anderer Pfad wie dieser ist's,

Der zur Erkenntnisreinheit führt.

Drum wandelt diesen Pfad entlang,

Dann wird der Mahr geblendet sein.

 

Denn wenn ihr diesem Pfade folgt,

Macht ihr ein Ende allem Leid.

Gelehrt hab' ich den Pfad, erkannt

Wie man vom Stachel sich befreit.

 

Ihr selber müßt euch eifrig müh'n,

Die Buddhas zeigen bloß den Weg.

Wer diesem folget selbstvertieft,

Wird aus den Banden Mahrs erlöst.

 

"Mahr", Pali: mára, wtl. Mörder, Tod (offenbar verwandt mit nordisch mara, deutsch Mahr, Mahre, lat. mors usw.) ist die buddhistische Gestalt des Versuchers; er ist die Personifikation der Natur und des in ihr herrschenden Todes der Sinnenwelt und des Sinnenverlangens, und allgemein:' der Khandha-Welt und der Leidenschaften (kilesa).

 

Leihet Gehör, ihr jünger; Das Todlose ist gefunden. Ich will euch unterweisen, will euch die Lehre darlegen. Meiner Weisung folgend, werdet ihr gar bald jenes höchste Ziel der Heiligkeit, um dessentwillen edle Söhne gänzlich von Hause fort in die Hauslosigkeit ziehen, selber erkennen, verwirklichen und euch zu eigen machen. 

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12.            1. Rechte Erkenntnis (sammá-ditthi)

49

ERKENNTNIS DER VIER WAHRHEITEN

Was aber ist rechte Erkenntnis? Erkenntnis des Leidens, Erkenntnis der Leidens-Entstehung, Erkenntnis der Leidens-Erlöschung, Erkenntnis des zur Leidens-Erlöschung führenden Pfades. Das nennt man rechte Erkenntnis.

50

ERKENNTNIS DES HEILSAMEN UND UNHEILSAMEN

Oder, wenn der edle Jünger erkennt, was karmisch unheilsam ist, was die Wurzel des karmisch Unheilsamen ist, was karmisch heilsam ist, was die Wurzel des karmisch Heilsamen ist, dann hat er rechte Erkenntnis. Was aber ist das karmisch Unheilsame (akusala)?

1. Das Töten von Lebewesen ist karmisch unheilsam

Körperliches Karma (káya-kamma)   

2. Das Nehmen fremden Eigentums ist karmisch unheilsam

3. Unzulässiger Geschlechtsverkehr ist karmisch unheilsam

4. Lügen ist karmisch unheilsam

Sprachliches Karma (vaci-kamma)

5. Hinterbringen ist karmisch unheilsam

6. Rohe Rede ist karmisch unheilsam

7. Leeres Geschwätz ist karmisch unheilsam

8. Habgier ist karmisch unheilsam

Geistiges Karma (mano-kamma)

9. Übelwollen ist karmisch unheilsam

10. Üble Ansicht ist karmisch unheilsam

 51

Was aber ist die Wurzel des karmisch Unheilsamen (akusala-múla)? Gier (lobha) ist eine Wurzel des karmisch Unheilsamen, Haß (dosa) ist eine Wurzel des karmisch Unheilsamen, Verblendung (moha) ist eine Wurzel des karmisch Unheilsamen.

Darum, sage ich, ist dieses (unheilsame) karmische Wirken (kamma) von dreierlei Art: bedingt durch Gier, Haß oder Verblendung.

 

Als karmisch unheilsam gilt jeder mit Gier, Haß oder Verblendung verbundene Willenszustand (cetaná). Derselbe mag sich äußern als körperliche, sprachliche oder rein geistige Tat (kamma). Gier sowohl wie Haß sind stets mit Verblendung verbunden, da die Verblendung die primäre Wurzel alles Übels ist. Gier und Haß aber bestehen in ein und demselben Bewußtseinsmoment nie zusammen.

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52

Was aber ist das karmisch Heilsame (kusala)?

 

1. Verwerfung des Tötens ist karmisch heilsam

Körperliches Karma (káya-kamma)

2. Verwerfung des Stehlens ist karmisch heilsam

3. Verwerfung unzulässigen Geschlechtsverkehrs ist karmisch heilsam

4.Verwerfung der Lüge ist karmisch heilsam

Sprachliches Karma (vací-kamma)

5. Verwerfung des Hinterbringens ist karmisch heilsam

6. Verwerfung roher Rede ist karmisch heilsam

7. Verwerfung leeren Geschwätzes ist karmisch heilsam

8. Verwerfung der Habgier ist karmisch heilsam

Geistiges Karma (mano-kamma)

9. Verwerfung des Übelwollens ist karmisch heilsam

10. Verwerfung übler Ansichten ist karmisch heilsam

 

Was aber ist die Wurzel des karmisch Heilsamen (kusala-múla)? Gierlosigkeit (alobha = Uneigennützigkeit) ist eine Wurzel des karmisch Heilsamen, Haßlosigkeit (adosa = Güte) ist eine Wurzel des karmisch Heilsamen, Unverblendung (amoha = Einsicht, Weisheit) ist eine Wurzel des karmisch Heilsamen.

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53

ERKENNTNIS DER DREI MERKMALE

Oder wenn da einer erkennt, daß diese vergänglichen Dinge wie Körperlichkeit, Gefühl, Wahrnehmung, Geistformationen und Bewußtsein tatsächlich vergänglich sind (dem Leiden unterworfen und unpersönlich), auch dann besitzt er rechte Erkenntnis.

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54

UNNÜTZE SPEKULATIONEN

Sollte da nun einer also sprechen: ,Nicht eher will ich unter dem Erhabenen das heilige Leben führen, bevor mir der Erhabene nicht erklärt hat, ob die Welt ewig ist oder zeitlich, endlich oder unendlich, ob Leib und Leben identisch sind oder etwas Verschiedenes, ob der Vollendete nach dem Tode fortbesteht oder nicht.', so möchte ein solcher sterben, bevor der Erhabene alle diese Fragen beantwortet hat. Es ist genau so, als ob ein Mann von einem vergifteten Pfeile getroffen wäre und seine Freunde, Gefährten und Verwandten ließen einen Wundarzt kommen, der Mann aber spräche: ,Nicht will ich mir diesen Pfeil entfernen lassen, bis ich nicht weiß, wer der Mann ist, der mich verwundet hat, ob er Adeliger, Priester, Bürger oder Knecht ist, wie er heißt, von was für einer Familie er stammt, ob er groß, klein oder von mittlerer Gestalt ist'. Wahrlich, nicht könnte ein solcher alles das erfahren, wohl aber würde er vorher weg sterben.

Wer daher nach seinem eigenen Wohl trachtet, sollte diesen Pfeil herausziehen, diesen Pfeil des Jammers, der Klagen und der Trübsal.

Ob da nämlich die Ansicht besteht oder nicht besteht, daß die Welt ewig ist oder zeitlich, endlich oder unendlich, usw., sicher bestehen Geburt, Alter, Sterben, Sorge, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung, deren Vernichtung schon bei Lebzeiten ich euch verkünde.

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55

FÜNF FESSELN

Da ist einer ein unwissender Weltling, ohne Achtung vor edlen Menschen, ohne Kenntnis der edlen Lehre, ohne Zügelung darin, ohne Achtung vor guten Menschen, ohne Achtung vor ihrer Lehre, ohne Zügelung darin. Und sein Geist ist gefesselt und beherrscht von Persönlichkeits-Glauben (sakkáya-ditthi), Zweifelsucht (vicikicchá), Hang an äußeren Regeln und Riten (sílabbata-parámása), Sinnengier (kama-rága) und Groll (vyápáda) und wie man sich von diesen aufgestiegenen Dingen befreien kann, das weiß er nicht der Wirklichkeit gemäß. Ihm, der diese Dinge nicht überwunden hat, werden sie zu niederen Fesseln.

Der Persönlichkeitsglaube (sakkáya-ditthi = atta-váda) mag sich äußern als

1. Ewigkeits-Glaube (sassata- oder bhava-ditthi), d. i. der Glaube, daß das Ich nach dem Tode fortbesteht;

2. Selbstvernichtungs-Glaube (uccheda- oder vibhava-ditthi) d. i. der Glaube, daß das Ich beim Tode vernichtet wird.

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56

SECHZEHNFACHER ZWEIFEL

Unbekannt mit den der Erwägung würdigen und unwürdigen Dingen, erwägt er die der Erwägung unwürdigen Dinge, nicht aber die würdigen Dinge.

Und unweise erwägt er also: ,Bin ich wohl in der Vergangenheit gewesen? Oder bin ich nicht gewesen? Was bin ich wohl in der Vergangenheit gewesen? Wie bin ich gewesen? Aus welchem Zustand bin ich in welchen Zustand in der Vergangenheit getreten?

Werde ich wohl in der Zukunft sein? Oder werde ich nicht sein? Was werde ich wohl in der Zukunft sein? Wie werde ich sein? Aus welchem Zustand werde ich in welchen Zustand in der Zukunft treten?'

Auch die Gegenwart erfüllt ihn mit Zweifeln: ,Bin ich? Oder bin ich nicht? Was bin ich? Wie bin ich? Woher ist dieses Ichwesen gekommen? Wohin wird es gehen?'

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57

SECHS ICH-ANSICHTEN

Bei solchen unweisen Erwägungen aber verfällt er einer der folgenden Ansichten, und es wird seine Überzeugung und feste Ansicht: ,Ich habe ein Ich' oder ,Ich habe kein Ich' oder ,Mit dem Ich erkenne ich das (absolute) Ich' oder ,Mit dem Ich erkenne ich, was nicht-Ich ist' oder ,Mit dem, was Nicht-Ich ist, erkenne ich das Ich'. Oder aber die Ansicht steigt ihm auf: ,Dieses mein Ich, das handelnde und leidende, das da und dort das Ergebnis der guten und bösen Taten erfährt, dieses mein Ich ist beständig dauernd, ewig, keinem Wechsel unterworfen, wir'! also sich ewig gleich bleiben'.

58

Wenn es das Ich wirklich gäbe, dann gäbe es auch etwas, das zu dem Ich gehörte. Da aber in Wahrheit und Wirklichkeit weder ein Ich noch etwas zu einem Ich Gehörendes anzutreffen ist, ist es da nicht eine vollständige Narrenlehre, zu behaupten: ,Das ist die Welt, das bin ich; nach dem Tode werde ich fortbestehen, beständig sein, dauernd, ewig, keinem Wechsel unterworfen, werde mir also ewiglich gleich bleiben'?

Das nennt man ein Sichverrennen in Ansichten, ein Dickicht der Ansichten, eine Wildnis der Ansichten, ein Puppenspiel der Ansichten, ein Wirrsal der Ansichten, eine Fessel der Ansichten. In die Fessel der Ansichten aber verstrickt, wird der unwissende Weltling nicht befreit von Wiedergeburt, Altern und Sterben, von Sorge, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung, wird er nicht befreit vom Leiden, das sage ich.

Der wissende edle Jünger aber, der die Edlen achtet, die edle Lehre kennt und darin gezügelt ist, der die Guten achtet, die Lehre der Guten kennt und darin gezügelt ist, der weiß, was erwägenswert ist und was nicht. Dies wissend erwägt er das Erwägenswerte, nicht das nicht Erwägenswerte. Was das Leiden ist, die Entstehung des Leidens, die Erlöschung des Leidens und der zur Leidens-Erlöschung führende Pfad, diese Dinge erwägt er.

59

So aber erwägend, schwinden in ihm die drei Fesseln: Persönlichkeitsglaube, Zweifelsucht und Hang an äußeren Regeln und Riten.

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STROMEINTRITT (sotápatti)

Alle Jünger aber, denen die drei Fesseln geschwunden sind, alle diese sind ,eingetreten in den Strom' (sotápanna), für immer den niederen Welten entronnen, gesichert, der vollen Erleuchtung gewiß.

 

Besser als Alleinherrschaft auf Erden,

Besser als Geburt in einem Götterreich,

Besser als die Herrschaft über alle Welt

Ist fürwahr das Ziel des Eintritts in den Strom.

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60

DIE ZEHN FESSELN

Es gibt zehn Fesseln (samyojana), die die Wesen an das Dasein ketten, nämlich:

  1. Persönlichkeitsglaube
  2. Zweifelsucht
  3. Hang an äußeren Regeln und Riten
  4. Sinnengier
  5. Groll
  6. Begehren nach feinkörperlichem Dasein (rupa-rága)
  7. Begehren nach unkörperlichem Dasein (arupa rága)
  8. Dünkel (mána)
  9. Aufgeregtheit (uddhacca)
  10. Nichtwissen (avijjá).

Wer von den drei ersten Fesseln frei ist, gilt als ,Stromeingetretener' (sotápanna). Wer, neben diesen, die 4. und 5. Fessel in ihrer gröberen Form überwunden hat, ist ein ,Einmalwiederkehrer' (sakadágámi). Wer von den ersten fünf Fesseln vollkommen befreit ist, ist ein ,Niewiederkehrer' (anágámi), d. h. er kann nie wieder in einer Sinnenwelt wiedergeboren werden, da alles sinnliche Begehren in ihm erloschen ist. Der von allen zehn Fesseln Befreite gilt als der ,Heilige' oder Arahat.

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61

WELTLICHE UND ÜBERWELTLICHE ERKENNTNIS

Rechte Erkenntnis, sage ich, ist von zweierlei Art: es gibt eine rechte Erkenntnis, die noch den Trieben unterworfen ist, verdienstlich (d.i. karmisch heilsam) ist und weltlichen Lohn bringt; und es gibt eine rechte Erkenntnis, die edel ist, triebfrei, überweltlich und zum edlen Pfade gehört.

1. Die Ansicht, daß Almosen, Gaben und Opfer etwas Gutes sind, daß es eine Frucht und eine Wirkung gibt für die guten und bösen Taten, daß es so etwas gibt wie das nächste Leben, daß Vater und Mutter und geistgeborene Wesen keine leeren Worte sind, daß es in der Welt Mönche und Asketen von rechtem und vollkommenem Wandel gibt, die diese wie die nächste Welt selber durchschaut und erfahren haben und sie erklären können. Das, ihr Jünger, ist eine rechte Erkenntnis, die noch den Trieben unterworfen ist, verdienstlich ist und weltlichen Lohn bringt.

2. Was aber da bei einem, während er mit heiligem, ungetrübtem Herzen auf dem heiligen Pfade (des Stromeingetretenen, Einmalwiederkehrenden usw.) verweilt und den heiligen Pfad entfaltet, an Wissen besteht, das ist eine rechte Erkenntnis, die edel ist, triebfrei, überweltlich und die zum edlen Pfade gehört.

62

Gerade wie die rechte Erkenntnis von zweierlei Art sein mag, weltlich (lokiya) oder überweltlich (lokuttara), so ist es auch mit den übrigen Stufen des achtfachen Pfades, so daß man von einem weltlichen und einem überweltlichen Pfade (lokiya-magga und lokuttara-magga) spricht. 

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63

VON DREI DINGEN BEGLEITET

Wenn man nun verkehrte Erkenntnis als verkehrt und rechte Erkenntnis als recht erkennt, so hat man rechte Erkenntnis. Wenn man verkehrte Gesinnung . . . verkehrte Rede . . . verkehrtes Tun . . . verkehrten Lebensunterhalt als verkehrt und rechten Lebensunterhalt als recht erkennt, so hat man rechte Erkenntnis.

Während man sich aber bemüht, die verkehrte Erkenntnis zu überwinden und die rechte Erkenntnis zu erwecken, zu einer solchen Zeit übt man Rechte Anstrengung (sammá-váyáma).

Während man aber voll Achtsamkeit die verkehrte Erkenntnis überwindet und die rechte Erkenntnis erweckt, zu einer solchen Zeit übt man Rechte Achtsamkeit (sammá-sati).

Somit gibt es drei Dinge, die die rechte Erkenntnis begleiten und ihr folgen, nämlich: rechte Erkenntnis, rechte Anstrengung und rechte Achtsamkeit.

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64

FREI VON ALLER THEORIE

Sollte da nun einer die Frage aufwerfen, ob ich irgend eine Ansicht habe, so hätte man ihm zu erwidern: ,Der Vollendete ist frei aller Theorie, denn der Vollendete weiß, was Körperlichkeit ist, wie sie entsteht und wie sie vergeht; er weiß, was Gefühl ist, wie es entsteht und wie es vergeht; er weiß, was Wahrnehmung ist, wie sie entsteht und wie sie vergeht; er weiß, was Geistformationen sind, wie sie entstehen und wie sie vergehen; er weiß, was Bewußtsein ist, wie es entsteht und wie es vergeht.' Darum, sage ich, ist der Vollendete durch Versiegung, Abwendung, Erlöschung, Verwerfung und Vertreibung alles Meinens, alles geistigen Sich-verrennens und alles Anhaftens an den Trieben des ,Ich' und ,Mein' haftlos erlöst.

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65

DREI DASEINS-MERKMALE

Ob Vollendete in der Welt auftreten oder nicht, es bleibt eine feststehende Tatsache, ein unumstößliches Gesetz, daß alle Gebilde vergänglich (anicca) sind, daß alle Gebilde dem Leiden (dukkha) unterworfen sind, dass alle Dinge unpersönlich (anattá) sind.

Der Begriff ,Gebilde' (sankhára) umfaßt hier alle bedingt entstandenen, ,gewordenen' Dinge, die einen Anfang und ein Ende haben, die sogen. ,geschaffenen Dinge' (sankhata-dhamma), m. a. W. alle körperlichen und geistigen Daseinsphänomene. Der Begriff dhamma (Ding) ist jedoch allumfassend, insofern er auch das Ungeschaffene (asankhata), d. i. das Nirwana, mit einschließt.

Man kann also nicht sagen, dass alle Dinge (dhamma) vergänglich und leidvoll sind, denn für nibbána-dhamma trifft dies nicht zu. Andererseits wäre es auch irreführend zu sagen, dass lediglich alle Gebilde (sankhára) unpersönlich seien, denn auch das Nirwahn, das kein Daseinsgebilde ist, ist unpersönlich.

Daß es etwas Körperliches gibt—oder Gefühl—oder Wahrnehmung—oder Geistformationen—oder Bewußtsein, das unvergänglich, beständig und ewig sei, keinem Wechsel unterworfen, so etwas erkennen die Weisen in der Welt nicht an; und auch ich sage, dass es so etwas nicht gibt.

Und daß ein von rechter Erkenntnis erfülltes Wesen irgend etwas als Ichheit ansehen sollte, das ist nicht möglich.

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66

ICH-ANSICHTEN

Sollte da einer behaupten, das Gefühl sei sein Ich, so hätte man also zu ihm zu sprechen: ,Drei Arten der Gefühle gibt es, angenehmes, unangenehmes und indifferentes. Welches von diesen Gefühlen betrachtest du nun als dein Ich? In dem Augenblick, wo du eines dieser Gefühle empfindest, empfindest du nicht die beiden anderen. Diese drei Gefühle sind vergänglich, erzeugt, bedingt entstanden, dem Vergehen und Schwinden, der Aufhebung und Erlöschung unterworfen.' Wer nun beim Empfinden eines dieser Gefühle sagen wollte: ,Das ist mein Ich', der sollte dann auch nach Erlöschung eben dieses Gefühls sagen: ,Mein Ich ist nun geschwunden'. Und damit gibt er zu, daß sein Ich bereits im gegenwärtigen Leben unbeständig ist, mit Angenehmem und Unangenehmem vermengt und dem Entstehen und Vergehen unterworfen.

Sollte da aber einer behaupten, das Gefühl sei nicht sein Ich und auch das Ich sei dem Gefühle nicht zugänglich, so hätte man ihn zu fragen: ,Kann man wohl, wenn überhaupt kein Gefühl da ist, sagen "Das bin ich"?'

Oder sollte einer behaupten: ,Das Gefühl ist zwar nicht mein Ich, aber es ist falsch zu sagen, daß mein Ich dem Gefühl unzugänglich sei, denn es ist das Ich, welches das Gefühl empfindet und die Fähigkeit des Fühlens besitzt',—einem solchen wäre zu erwidern: ,Angenommen nun, die Gefühle sollten ganz und gar und in jeder Weise schwinden, könnte man dann wohl nach dem völligen Schwinden und Erlöschen des Gefühls noch sagen: ,Das bin ich'?'

Daß einer mit Recht behaupten könnte, das Geistbewußtsein sei das Ich, das ist nicht möglich, denn auch beim Geistbewußtsein zeigt sich ein Entstehen und Vergehen. Wobei sich aber ein Entstehen und Vergehen zeigt, da muß man zum Schluß kommen: ,Mein Ich, entsteht und verschwindet wieder'. Daher trifft es nicht zu, daß das Geistbewußtsein das Ich sei. Somit ist das Geistbewußtsein nicht-ich.

67

Besser freilich wäre es, wollte der unwissende Weltling diesen aus den vier Elementen aufgebauten Körper als das Ich betrachten, nicht aber den Geist. Denn der aus den vier Elementen aufgebaute Körper mag ein, zwei, drei, vier, fünf Jahre, zehn, zwanzig, dreißig, vierzig, fünfzig Jahre, ja hundert Jahre und noch länger bestehen bleiben, das aber, was als Geist, Denken oder Bewußtsein (citta, mano, viññána) bezeichnet, kommt beständig während des Tages und der Nacht, als eines zum Entstehen, und als ein anderes schwindet es wieder.

68

Was es daher an Körperlichkeit gibt, an Gefühl, Wahrnehmung, Geistesformationen und Bewußtsein, ob vergangen, gegenwärtig oder zukünftig, eigen oder fremd, grob oder fein, gemein oder erhaben, fern oder nahe, davon sollte man der Wirklichkeit gemäß und mit rechter Einsicht also erkennen: ,Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Ich'.

Um diese Ichlosigkeit und äußerste Leere des Daseins zu zeigen, zitiert Vis. XVI die folgenden Verse:—

 

,Bloß Leiden gibt es, doch kein Leidender ist da.

Bloß Taten gibt es, doch kein Täter findet sich.

Erlösung gibt es, doch nicht den erlösten Mann.

Den Pfad gibt es, doch keinen Wand'rer sieht man da.'

Sollte man mich fragen, ob ich in der Vergangenheit gewesen sei oder nicht, ob ich in der Zukunft sein werde oder nicht, ob ich jetzt sei oder nicht, so würde ich auf solche Frage die Antwort geben: ,Wohl bin ich in der Vergangenheit gewesen, und nicht bin ich nicht gewesen; wohl werde ich in der Zukunft sein, und nicht werde ich nicht sein; wohl bin ich jetzt, und nicht bin ich nicht': so würde ich die Frage beantworten ... In der Vergangenheit war mein vergangenes Dasein wirklich, unwirklich das zukünftige und gegenwärtige Dasein. In der Zukunft wird mein zukünftiges Dasein wirklich sein, unwirklich aber das vergangene und gegenwärtige Dasein. Jetzt ist mein gegenwärtiges Dasein wirklich, unwirklich das vergangene und zukünftige Dasein! .

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69

Wahrlich, wer die Bedingte Entstehung (paticca-samuppáda) kennt, der kennt die Lehre; und wer die Lehre kennt, der kennt die Bedingte Entstehung.

Denn gerade wie von der Kuh die Milch kommt, von der Milch die saure Milch, von der sauren Milch die Butter, von der Butter das Butteröl (ghee), von dem Butteröl der Butterölschaum,—und wenn es Milch ist, diese nicht saure Milch oder Butter usw. genannt wird, sondern eben bloß Milch, oder wenn es saure Milch ist, diese . . . eben bloß saure Milch genannt wird . . .: genau so war in der Vergangenheit mein vergangenes Dasein wirklich, unwirklich aber das zukünftige und gegenwärtige usw. Alles das aber sind volkstümliche Bezeichnungen und Namen, konventionelle Ausdrücke und Begriffe, deren sich der Vollendete zwar bedient, ohne aber sich daran zu klammern.

70

Wer Körperlichkeit, Gefühl, Wahrnehmung und Bewußtsein nicht der Wirklichkeit gemäß erkennt, sowie dieser Dinge Entstehung, Erlöschung und den zu ihrer Erlöschung führenden Pfad, dem kommen solche Gedanken wie: daß der Vollendete nach dem Tode fortbestehe . . . oder nicht fortbestehe . . . oder teils fortbestehe, teils nicht fortbestehe. Wer aber jene Dinge der Wirklichkeit gemäß erkennt, dem kommen solche Gedanken nicht.

71

Wenn die Ansicht besteht, daß Leben und Leib identisch seien—oder Leben und Leib etwas Verschiedenes seien, dann gibt es kein Heiliges Leben.

Diese beiden Extreme (Selbstvernichtungsansicht und Ewigkeitsansicht) hat der Vollendete gemieden und die in der Mitte liegende Lehre verkündet: 

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BEDINGTE ENTSTEHUNG (paticca-samuppáda).

 

  1. Durch Unwissenheit (avijja) bedingt sind die Karmaformationen;
  2. durch die Karmaformationen (sankhára) das Bewußtsein (beginnend mit der Wiederempfängnis);
  3. durch das Bewußtsein (viññána) das Geistige und Körperliche;
  4. durch das Geistige und Körperliche (náma-rupa) die sechs Grundlagen (die fünf physischen Sinnenorgane und Bewußtsein);
  5. durch die sechs Grundlagen (sal-áyatana) der Bewußtseinseindruck;
  6. durch den Bewußtseinseindruck: (phassa) das Gefühl;
  7. durch das Gefühl (vedaná) das Begehren;
  8. durch das Begehren (tanhá) das Anhaften;
  9. durch das Anhaften (upádána) der Werdeprozeß (der Karmaprozeß und der dadurch bewirkte Geburtsprozeß);
  10. durch den Werdeprozeß (bhava; hier: Karmaprozeß) die Wiedergeburt;
  11. durch die Wiedergeburt (játi) aber bedingt kommt es zu
  12. Altern und Sterben (jará-marana), Sorge, Jammer, Schmerz, Trübsal und Verzweiflung.

 

So kommt es zur Entstehung dieser ganzen Leidensfülle. Das nennt man die Bedingte Entstehung.

Da gibt es weder Gott noch Brahma,

Der dieses Daseinsrad erschuf:

Nur leere Dinge ziehn vorüber,

Durch viele Ursachen bedingt.

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72

In wem aber die Unwissenheit geschwunden und das Wissen erwacht ist, solch ein Jünger wirkt eben, nach dem Schwinden von Unwissenheit und dem Erwachen des Wissens, weder heilsame, noch unheilsame, noch unerschütterliche Karmaformationen.

Somit eben kommt es durch restlose Abwendung und Erlöschung der Unwissenheit zur Erlöschung der Karmaformationen, dadurch zur Erlöschung des Bewußtseins (d. i. Nichtwiederentstehens des Bewußtseins in einem neuen Mutterleibe), dadurch zur Erlöschung des Geistigen und Körperlichen . . . durch Erlöschung der Wiedergeburt aber gelangen Altern und Sterben, Sorge, Jammer, Schmerz, Trübsinn und Verzweiflung zur Erlöschung. So kommt es zur Erlöschung dieser ganzen Leidensfülle.

Das aber ist die edle Wahrheit von der Erlöschung des Leidens.

Weil eben, durch Unwissenheit gehemmt und durch Begehren gefesselt, die Wesen bald hier bald da Genuß empfinden, darum kommt es immer wieder zu erneuter Geburt.

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73

Und das Wirken (Karma), das durch Gier, Haß oder Verblendung (lobha, dosa, moha) erzeugt ist, daraus entspringt, dadurch veranlaßt ist, darin seinen Ursprung hat, jenes Wirken wird dort zur Reife gelangen, wo immer der Mensch sein mag; und wo immer jenes Wirken zur Reife gelangt, dort erntet er die Früchte jenes Wirkens, sei es in diesem, im nächsten oder irgend einem späteren Leben.

Durch das Schwinden der Unwissenheit aber, durch das Erwachen des Wissens und die Erlöschung des Begehrens kommt es in Zukunft zu keiner neuen Wiedergeburt mehr.

Denn das Wirken, das nicht durch Gier, Haß oder Verblendung erzeugt ist, nicht daraus entspringt, nicht dadurch veranlaßt ist, nicht darin seinen Ursprung hat solches Wirken ist, sofern Gier, Haß und Verblendung geschwunden sind, verlassen, entwurzelt, wie eine Fächerpalme dem Boden entrissen, zunichte gemacht, keinem weiteren Insdaseintreten mehr ausgesetzt.

In dieser Hinsicht mag man wahrlich mit Recht von mir behaupten, daß ich die Vernichtung lehre, zum Zwecke der Vernichtung die Lehre darlege und daß ich darin meine Jünger unterweise. Ich lehre nämlich die Vernichtung, und zwar die Vernichtung von Gier, Haß und Verblendung sowie der mannigfachen üblen, unheilsamen Dinge.

74

"Der Paticca-samuppáda lehrt die ausnahmslose Bedingtheit und abhängige Natur aller der in Erscheinung tretenden mannigfachen Daseinsphänomene, ja alles Geschehens überhaupt, sei es auf körperlichem oder geistigem Gebiete. Er zeigt, daß die in den konventionellen Begriffen wie Person, Individuum, Ich usw. zusammengefaßten geistigen und körperlichen Phänomene keinen blinden Zufall der Natur darstellen, sondern daß eben jedes einzelne Phänomen in diesem Daseinsprozesse ganz und gar abhängig ist von wieder anderen Phänomenen als seinen Bedingungen, und daß daher mit Aufhebung der Bedingungen der Wiedergeburt auch die Befreiung von aller Wiedergeburt und allem künftigen Leiden erreicht ist. Dies aber ist, wie bereits angedeutet, der Kernpunkt und das eigentliche, wirkliche Ziel der ganzen Lehre des Buddha: Befreiung von der Runde der Wiedergeburten mit all ihrem Elend und Leiden. Auf diese Weise dient die ,Bedingte Entstehung' als Erklärung der 2. und 3. edlen Wahrheit, indem sie diese beiden Wahrheiten von Grund auf klarstellt und ihnen eine feste philosophische Form gibt.". Zur besseren Übersicht diene die Übersichtstafel auf der folgenden Seite.

Der in der folgenden Übersichtstafel durch 1 und 2 angedeutete Karmaprozeß ist identisch mit dem durch 8, 9 und 10 angedeuteten, ebenso der durch 3—7 angedeutete Wiedergeburtsprozeß mit dem durch 11 und 12 angedeuteten

 

"Fünf Ursachen vergangen sind,

Fünf Wirkungen man jetzt erlebt,

Fünf Ursachen man jetzt erzeugt,

Fünf Wirkungen zukünftig sind.«

 

Vergangenes Dasein

1. Unwissenheit (avijjá)

2. Karmaformationen (sankhára)

Karmaprozeß (kamma-bhava): 5 Ursachen: 1. 2. 8. 9. 10 

Gegenwärtiges Dasein

3. Bewußtsein (viññána)

4. Geistiges u. Körperliches (náma-rupa)

5. 6 Grundlagen (áyatana)

6. Bewußtseinseindruck (phassa)

7. Gefühl (vedaná)

Wiedergeburts-prozeß (uppatti-bhava): 5 Wirkungen 3-7

8. Begehren (tanhá)

9. Anhaftung (upádána)

10. Werdeprozeß (bhava)

Karmaprozeß (kamma-bhava): 5 Ursachen 1. 2. 8. 9. 10.

Zukünftiges Dasein

11. Wiedergeburt (játi)

12. Altern und Sterben (jará-marana) usw.

Wiedergeburts- prozeß (uppatti-bhava): 5 Wirkungen: 3-7

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13.            2. Rechte Gesinnung (sammá-sankappa)

75

Was aber ist rechte Gesinnung? Entsagende Gesinnung (nekkhamma-sankuppa), haßlose Gesinnung (avyápáda- sankappa) und friedfertige Gesinnung (avihimsá-sankappa).

76

WELTLICHE UND ÜBERWELTLICHE GESINNUNG

Rechte Gesinnung, sage ich, ist von zweierlei Art: es gibt eine rechte Gesinnung, die noch den Trieben unterworfen ist, verdienstvoll ist und weltlichen Lohn bringt; und es gibt eine rechte Gesinnung, die edel ist, triebfrei, überweltlich und zum edlen Pfade gehört.

1. Entsagende Gesinnung, haßlose Gesinnung, friedfertige Gesinnung, das ist eine rechte Gesinnung, die noch den Trieben unterworfen ist, verdienstvoll ist und weltlichen Lohn bringt.

77

2. Was da aber bei einem, der mit heiligem, ungetrübtem Herzen auf dem heiligen Pfade verweilt und den heiligen Pfad entfaltet, an Gedanke besteht, an Gedankenfassung, Denken, Beobachtung und Gerichtet sein der Gedanken, an Zielbewußtsein des Geistes, an sprachlicher Tätigkeit (des Geistes, vací-sankhára): das ist eine rechte Gesinnung, die edel ist, triebfrei, überweltlich und zum edlen Pfade gehört.

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 VON DREI DINGEN BEGLEITET

Wenn man nun verkehrte Gesinnung als verkehrt und rechte Gesinnung als recht erkennt, so hat man rechte Erkenntnis (sammá-ditthi). Während man sich aber bemüht, die verkehrte Gesinnung zu überwinden und die rechte Gesinnung zu erwecken, zu einer solchen Zeit übt man rechte Anstrengung (sammá-váyáma) Während man aber voll Achtsamkeit die verkehrte Gesinnung überwindet und die rechte Gesinnung erweckt, zu einer solchen Zeit übt man rechte Achtsamkeit (sammá-sati).

Somit gibt es drei Dinge, die die rechte Gesinnung begleiten und ihr folgen, nämlich: rechte Erkenntnis, rechte Anstrengung und rechte Achtsamkeit.


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14.             3. Rechte Rede (sammá-vácá)

Was aber ist rechte Rede?

ABSTEHEN VOM LÜGEN

78

1. Da hat einer das Lügen verworfen, vom Lügen steht er ab. Die Wahrheit spricht er, ist der Wahrheit ergeben, an der Wahrheit hält er fest, ist vertrauenswürdig, betrügt die Menschen nicht. Kommt er nun in eine Gesellschaft von Leuten oder unter Männer oder Verwandte oder in eine Körperschaft oder wird er vor Gericht geladen und als Zeuge aufgefordert auszusagen, was er wisse, so antwortet er, wenn er nichts weiß: ,Ich weiß nichts'; und wenn er weiß, sagt er: ,Ich weiß'. Hat er nichts gesehen, so sagt er: ,Ich habe nichts gesehen'; hat er aber etwas gesehen, so sagt er: ,Ich habe etwas gesehen'. So spricht er weder um seiner selbst willen noch um eines anderen willen noch um irgend eines weltlichen Vorteils willen jemals eine bewußte Lüge.

79

ABSTEHEN VON ZWISCHENTRÄGEREI

2. Zwischenträgerei hat er verworfen, von Zwischenträgerei steht er ab. Was er hier gehört hat, erzählt er dort nicht wieder, um jene zu entzweien; und was er dort gehört hat, erzählt er hier nicht wieder, um diese zu entzweien. So einigt er Entzweite, ermutigt die Geeinigten, an Eintracht hat er Freude und Gefallen, und Eintracht fördernde Worte spricht er.

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80

ABSTEHEN VON ROHER REDE

3. Rohe Rede hat er verworfen, von roher Rede steht er ab. Worte, die untadelig sind, dem Ohre angenehm, liebreich, zum Herzen gehend, höflich, vielen lieb und angenehm, solche Worte spricht er.

Selbst wenn da einem ein Räuber mit einer doppelgriffigen Säge Gelenke und Glieder durch-schneidet, so würde, wer da in Zorn geriete, nicht meine Weisung befolgen. Da hat man sich nun also zu üben: ,Nicht soll mein Geist außer sich geraten! Nicht darf ich üble Worte äußern! Von Wohlwollen und gütiger Gesinnung erfüllt will ich bleiben, ohne Groll in meinem Innern; und jene Person will ich mit gütiger Gesinnung durchdringen, und darauf gestützt will ich die ganze Welt mit gütigem Geiste durchdringen, einem weiten, entfalteten, unbeschränkten, frei von Haß und Übelwollen.

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81

ABSTEHEN VON LEEREM GESCHWÄTZ

4. Leeres Geschwätz hat er verworfen, von leerem Geschwätz steht er ab. Zur rechten Zeit spricht er, den Tatsachen und dem Sinne gemäß, spricht über die Lehre und sittliche Zucht. Seine Worte sind denkwürdig, begründet, abgemessen und sinnvoll.

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Was nun, ihr Jünger, ist rechte Rede?

82

WELTLICH UND ÜBERWELTLICH

Rechte Rede, sag ich, ist von zweierlei Art: es gibt eine rechte Rede, die noch den Trieben unterworfen ist, verdienstlich ist und weltlichen Lohn bringt; und es gibt eine rechte Rede, die edel ist, triebfrei, überweltlich und zum edlen Pfade gehört.

1. Das Abstehen von Lüge, Zwischenträgerei, roher Rede und leerem Geschwätz: das ist eine rechte Rede, die noch den Trieben unterworfen ist, verdienstlich ist und weltlichen Lohn bringt.

2. Was da aber bei einem, der mit heiligem, ungetrübtem Herzen auf dem heiligen Pfade verweilt und den heiligen Pfad entfaltet, Abwendung, Wegwendung, Enthaltsamkeit und Abstehen vom vierfach üblen Wandel in Worten ist: das ist eine rechte Rede, die edel ist, triebfrei, überweltlich und zum edlen Pfade gehört. 

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83

VON DREI DINGEN BEGLEITET

Wenn man nun verkehrte Rede als verkehrt und rechte Rede als recht erkennt, so hat man rechte Erkenntnis. Während man sich aber bemüht, die verkehrte Rede zu überwinden und die rechte Rede zu erwecken, zu einer solchen Zeit übt man rechte Anstrengung. Während man aber voll Achtsamkeit die verkehrte Rede überwindet und die rechte Rede erweckt, zu einer solchen Zeit übt man rechte Achtsamkeit.

Somit gibt es drei Dinge, die die rechte Rede begleiten und ihr folgen, nämlich: rechte Erkenntnis, rechte Anstrengung und rechte Achtsamkeit.


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15.            4. Rechtes Tun (sammá-kammanta)

Was aber ist rechtes Tun?

84

ABSTEHEN VOM TÖTEN

1. Da hat einer das Töten lebender Wesen verworfen, vom Töten lebender Wesen steht er ab. Stock und Schwert verwerfend zartfühlend, liebreich, ist er auf das Wohl aller lebenden Wesen und Geschöpfe bedacht.

85

ABSTEHEN VOM STEHLEN

2. Das Stehlen hat er verworfen, vom Stehlen steht er ab. Nur was man ihm gibt, nimmt er an, wartet bis man's ihm gibt, und ehrlichen und lauteren Herzens verweilt er.

86

ABSTEHEN VON UNZULÄSSIGEM GESCHLECHTSVERKEHR

3. Unzulässigen Geschlechtsverkehr hat er verworfen, von unzulässigem Geschlechtsverkehr steht er ab. Mit Mädchen, die unter der Obhut von Vater, Mutter, Eltern, Bruder, Schwester, Verwandten, unter der Obhut der Sippe oder des Gesetzes stehen, oder mit verheirateten Frauen, Gefangenen, bis zu den blumengeschmückten Bräuten: mit allen diesen pflegt er keinen geschlechtlichen Umgang. Das, ihr Jünger, ist rechtes Tun.

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87

WELTLICH UND ÜBERWELTLICH

Rechtes Tun, sage ich, ist von zweierlei Art: es gibt rechtes Tun, das noch den Trieben unterworfen ist, verdienstvoll ist und weltlichen Lohn bringt; und es gibt rechtes Tun, das edel ist, triebfrei, überweltlich und zum edlen Pfade gehört.

1. Das Abstehen vom Töten lebender Wesen, vom Stehlen, von unzulässigem Geschlechtsverkehr: das ist rechtes Tun, das noch den Trieben unterworfen ist, verdienstlich ist und weltlichen Lohn bringt.

2. Was da aber bei einem, der mit heiligem, ungetrübtem Herzen auf dem heiligen Pfade verweilt und den heiligen Pfad entfaltet, Abwendung, Wegwendung, Enthaltsamkeit und Abstehen vom dreifach üblen Wandel in Werken ist: das ist rechtes Tun, das edel ist, triebfrei, überweltlich und zum edlen Pfade gehört.

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VON DREI DINGEN BEGLEITET

Wenn man nun verkehrtes Tun als verkehrt und rechtes Tun als recht erkennt, so hat man rechte Erkenntnis. Während man sich aber bemüht, das verkehrte Tun zu überwinden und das rechte Tun zu erwecken, zu einer solchen Zeit übt man rechte Anstrengung. Während man aber voll Achtsamkeit das verkehrte Tun überwindet und das rechte Tun erweckt, zu einer solchen Zeit übt man rechte Achtsamkeit. Somit gibt es drei Dinge, die das rechte Tun begleiten und ihm folgen, nämlich: rechte Erkenntnis, rechte Anstrengung und rechte Achtsamkeit.

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16.            5. Rechter Lebensunterhalt (samma-ájíva)

89

Was aber ist rechter Lebensunterhalt?

Wenn der edle Jünger einem verkehrten Lebensunterhalt entsagt und auf rechte Weise seinen Lebensunterhalt gewinnt.

In A. Vers 177 heißt es: "Fünf Arten des Handels sollte der Anhänger vermeiden:

Handel mit

  • Waffen,
  • lebenden Wesen,
  • Fleisch,
  • berauschenden Getränken und
  • Gift."

"Betrügen, Beschwatzen, Andeutungen machen, andere anschwärzen und nach immer mehr Gewinn suchen solches gilt als verkehrte Art des Lebensunterhaltes.

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90

WELTLICH UND ÜBERWELTLICH

Rechter Lebensunterhalt, sage ich, ist von zweierlei Art: es gibt einen rechten Lebensunterhalt, der noch den Trieben unterworfen ist, verdienstlich ist und weltlichen Lohn bringt; und es gibt einen rechten Lebensunterhalt, der edel ist, triebfrei, überweltlich und zum edlen Pfade gehört.

1. Wenn der edle Jünger einem verkehrten Lebensunterhalt entsagt und auf rechte Weise seinen Lebensunterhalt gewinnt, das ist ein rechter Lebensunterhalt, der noch den Trieben unterworfen ist, verdienstlich ist und weltlichen Lohn bringt.

2. Was da aber bei einem, der mit heiligem, ungetrübtem Herzen auf dem heiligen Pfade verweilt und den heiligen Pfad entfaltet, Abwendung, Wegwendung, Enthaltsamkeit und Abstehen von verkehrtem Lebensunterhalt ist: das ist rechter Lebensunterhalt, der edel ist, triebfrei, überweltlich und zum edlen Pfade gehört.

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91

VON DREI DINGEN BEGLEITET

Wenn man nun verkehrten Lebensunterhalt als verkehrt und rechten Lebensunterhalt als recht erkennt, so hat man rechte Erkenntnis. Während man sich aber bemüht, den verkehrten Lebensunterhalt zu überwinden und rechten Lebensunterhalt zu erwecken, zu einer solchen Zeit übt man rechte Anstrengung. Während man aber voll Achtsamkeit den verkehrten Lebensunterhalt überwindet und rechten Lebensunterhalt erweckt, zu einer solchen Zeit übt man rechte Achtsamkeit. Somit gibt es drei Dinge, die den rechten Lebensunterhalt begleiten und ihm folgen, nämlich: rechte Erkenntnis, rechte Anstrengung und rechte Achtsamkeit.

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17.            6. Rechte Anstrengung (sammá-váyáma)

92

Was aber ist rechte Anstrengung?

Vier rechte Anstrengungen gibt es: Anstrengung zur Vermeidung, Anstrengung zur Überwindung, Anstrengung zur Erweckung und Anstrengung zur Erhaltung.

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93

ANSTRENGUNG ZUR VERMEIDUNG

1. Was aber ist die Anstrengung zur Vermeidung (samvara-padhána) ?

Da erzeugt der Mönch in sich den Willen, nicht aufgestiegene üble, unheilsame Dinge nicht aufsteigen zu lassen; und er kämpft darum, bietet seine Kraft auf, strengt seinen Willen an und müht sich.

Erblickt da der Mönch mir dem Auge eine Form, hört er mit dem Ohr einen Ton, riecht er mit der Nase einen Duft, schmeckt er mit der Zunge einen Saft, fühlt er mit dem Körper einen Körpereindruck, erkennt er mit dem Geiste ein Geistobjekt, so haftet er weder an der Gesamterscheinung noch an den Einzelheiten. Da ihn, unbewachten Geistes weilend, Begehrsucht und Kummer, üble, unheilsame Dinge ankommen möchten, so wacht er darüber, hütet er den Geist, wacht über den Geist. Das nennt man die Anstrengung zur Vermeidung.

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94

ANSTRENGUNG ZUR ÜBERWINDUNG

2. Was aber ist die Anstrengung zur Überwindung (pahána-padhána)? Da erzeugt der Mönch in sich den Willen, aufgestiegene üble, unheilsame Dinge zu überwinden; und er kämpft darum, bietet seine Kraft auf, strengt seinen Willen an und müht sich.

Da läßt der Mönch einen aufgestiegenen Gedanken der Begierde, des Hasses, der Grausamkeit nicht Fuß fassen, läßt die immer wieder aufsteigenden üblen, unheilsamen Dinge nicht Fuß fassen, überwindet, vertreibt, vernichtet sie, bringt sie zum Schwinden. Das nennt man die Anstrengung zur Überwindung.

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95

FÜNF WEGE ZUR ÜBERWINDUNG ÜBLER GEDANKEN

Wenn beim Erwägen eines Objektes dadurch im Mönch üble, unheilsame Gedanken aufsteigen, mit Gier, Haß oder Verblendung verbundene, so soll er aus dieser Vorstellung eine andere, heilsame gewinnen; oder er soll den Unsegen solcher Gedanken erwägen: ,Da sind sie ja, diese unheilsamen Gedanken, diese verwerflichen leidgebärenden!'; oder er soll solchen Gedanken keine Beachtung schenken; oder er soll ihren Entstehungsgrund feststellen; oder er soll, die Zähne aufeinander beißend und die Zunge gegen den Gaumen gepreßt, die Gedanken mit seinem Geiste niederzwingen, unterdrücken und überwältigen. Dabei aber kommen jene mit Gier, Haß und Verblendung verbundenen, üblen unheilsamen Gedanken zum Schwinden und zur Aufhebung; und nach ihrem Schwinden festigt sich innerlich der Geist, beruhigt sich, wird einig und sammelt sich. 

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96

ANSTRENGUNG ZUR ERWECKUNG

3. Was aber ist die Anstrengung zur Erweckung (bhávaná-padhána)? Da erzeugt der Mönch in sich den Willen, nicht aufgestiegene heilsame Dinge aufsteigen zu lassen; und er kämpft darum, bietet seine Kraft auf, strengt seinen Willen an und müht sich.

Da erweckt der Mönch das auf Entsagung, Gierentfremdung und Erlöschung gerichtete und zur Befreiung führende Erleuchtungsglied der Achtsamkeit, Wahrheitsergründung, Willenskraft, Verzückung, Ruhe, Sammlung und des Gleichmuts. Das nennt man die Anstrengung zur Erweckung.

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97

ANSTRENGUNG ZUR ERHALTUNG

4. Was aber ist die Anstrengung zur Erhaltung (anurakkhana-padhána)? Da erzeugt der Mönch in sich den Willen, aufgestiegene heilsame Dinge zu festigen, nicht schwinden zu lassen, sie zum Anwachsen und zur vollen Entfaltung zu bringen; und er kämpft darum, bietet seine Kraft auf, strengt seinen Willen an und müht sich. So hält er z. B. ein aufgestiegenes Objekt der Sammlung fest, wie die Vorstellung eines Skeletts, einer von Würmern angefressenen Leiche, einer blau verfärbten Leiche, einer mit Eiter bedeckten Leiche, einer durchlöcherten Leiche, einer aufgedunsenen Leiche. Das nennt man die Anstrengung zur Erhaltung.

98

Ein Jünger, der Vertrauen besitzt und des Meisters Weisung durchdrungen hat, ist erfüllt von dem Gedanken: ,Mögen, wahrlich, eher Muskeln, Haut und Sehnen, mitsamt den Knochen, dem Fleisch und dem Blute auftrocknen und zusammenschrumpfen, als daß ich meine Willenskraft aufgebe, bevor ich nicht erreicht habe, was mit männlicher Kraft, Anstrengung und Ausdauer zu erreichen ist!'

 

Verwindung und Vermeidung,

Erweckung und Erhaltung;

Diese vier gewalt'gen Kämpfe

Wies des Lichtes hehrer Sproß.

Wer sich darin standhaft zeiget,

Mag des Leidens Ende schauen.   

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18.            7. Rechte Achtsamkeit (sammá-sati)

Was aber ist rechte Achtsamkeit?

99

VIER GRUNDLAGEN DER ACHTSAMKEIT

Da verweilt der Mönch in der Betrachtung des Körpers, der Gefühle, des Geistes und der Geistobjekte, voll Tatkraft, klarbewußt und achtsam, nach Unterdrückung weltlichen Begehrens und Kummers.

Dies, ihr Jünger, ist der einzige Weg zur Läuterung der Wesen, zur Überwindung von Sorge und Jammer, zum Schwinden von Schmerz und Trübsal, zur Erreichung des rechten Pfades und zur Verwirklichung des Nirwahns, nämlich diese vier Grundlagen der Achtsamkeit (sati-patthána).

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1. Betrachtung des Körpers (káyánupassaná

100

BETRACHTUNG ÜBER EIN- UND AUSATMUNG (ánapána-sati)

Wie aber verweilt der Mönch in der Betrachtung des Körpers? Da begibt sich der Mönch in den Wald, an den Fuß eines Baumes oder in eine leere Hütte, setzt sich mit gekreuzten Beinen nieder, den Körper gerade aufgerichtet, und richtet seine Achtsamkeit vor sich. Achtsam atmet er ein, achtsam atmet er aus. Atmet er lang ein, so weiß er ,Ich atme lang ein'; atmet er lang aus, so weiß er ,Ich atme lang aus'. Atmet er kurz ein, so weiß er ,Ich atme kurz ein'; atmet er kurz aus, so weiß er ,Ich atme kurz aus'.

Den ganzen (Atem-)Körper klar wahrnehmend will ich einatmen', so übt er sich; ,Den ganzen Atemkörper klar wahrnehmend will ich ausatmen', so übt er sich. ,Diese Körperfunktion (káya-sankhára) besänftigend will ich einatmen', so übt er sich; ,Diese Körperfunktion besänftigend will ich ausatmen', so übt er sich.

101

Die Betrachtung über Ein- und Ausatmung ist eine der wichtigsten Übungen zur Erreichung der 4 Vertiefungen (s. nächstes Kapitel). Ausführlich und in Verbindung mit dem Hellblick (vipassaná) wird sie behandelt in M. 62 und 118.—Nach jeder der Vertiefungen mag der Jünger eine Hellblickübung einschalten. Zum Beispiel untersucht er, wodurch Ein- und Ausatmung bedingt ist. Er erkennt dann, dass Ein- und Ausatmung den Körper voraussetzen Der Körper aber ist eine Bezeichnung der 4 physischen Elemente und der davon abhängigen Körperlichkeit, wie der 5 Sinnenorgane usw. Durch den 5fachen Sinneneindruck aber bedingt entsteht das Bewußtsein und zusammen damit die übrigen 3 Daseinsgruppen, d. i. Gefühl, Wahrnehmung und Geistesformationen. So erkennt er ,Es gibt da keine Ichheit, sondern nur diesen bedingt entstandenen geistig-körperlichen Prozeß.' Und alle diese Phänomene als vergänglich, dem Leiden unterworfen und unpersönlich erkennend erreicht er schließlich einen der 4 Pfade der Heiligkeit.

102

So betrachtet er den eigenen Körper, betrachtet er den fremden Körper, betrachtet er beiderlei Körper. Er betrachtet beim Körper das Entstehen, das Vergehen, das Entstehen und Vergehen. ,Ein Körper ist da'.

»,Nur ein Körper ist da, keine Wesenheit, kein Individuum, kein Weib, kein Mann, kein Ich oder zum Ich Gehörendes, keine Person und kein zu einer Person Gehörendes'« (Komm.)

Diese Achtsamkeit ist ihm gegenwärtig, soweit sie eben zur Erkenntnis und Klarheit dient; und unabhängig lebt er, und an nichts in der Welt haftet er.

So verweilt der Mönch in Betrachtung des Körpers.

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103

VIER KÖRPERPOSITIONEN

Ferner versteht der Mönch beim Gehen, Stehen, Sitzen, Liegen (der Wirklichkeit gemäß die Ausdrücke): ,Ich gehe' . . . ,Ich stehe' . . . ,Ich sitze' . . . ,Ich liege'.

"Er weiß, daß es keine lebende Wesenheit ist, kein wirkliches 1ch, das da geht, steht usw., sondern daß es eine bloße konventionelle Ausdrucksweise ist, wenn man sagt: ,Ich gehe, ich stehe' usw." (Komm.)

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104

ACHTSAMKEIT UND KLARBEWUSSTHEIT (satisampajañña)

Ferner ist der Mönch klarbewußt beim Gehen und Kommen, klarbewußt beim Hinblicken und Wegblicken, klarbewußt beim Beugen und Strecken seiner Glieder, klarbewußt beim Tragen von Mönchsgewand und Schale, klarbewußt beim Essen, Trinken Kauen und Schmecken, klarbewußt beim Entleeren von Kot und Urin, klarbewußt beim Gehen, Stehen, Sitzen und Liegen, klarbewußt beim Einschlafen und Wachsein, klarbewußt beim Sprechen und Schweigen.

»Bei allem, was der Mönch tut, ist er sich klarbewußt: 1. des Zweckes, 2. der Eignung, 3. der Pflicht, 4. der Wahrheit."

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105

DIE KÖRPERTEILE

Ferner betrachtet der Mönch diesen Körper von der Sohle bis zum Scheitel, den hautüberzogenen und mit vielerlei Unrat angefüllten ,Dieser Körper hat Kopfhaare, Körperhaare, Nägel, Zähne, Haut, Fleisch, Sehnen, Knochen, Knochenmark, Nieren, Herz, Leber, Innenhaut, Milz, Lunge, Darm, Gekröse, Magen, Kot, Galle, Schleim, Eiter, Blut, Schweiß, Fett, Tränen, Hautschmiere, Speichel, Rotz, Gelenkschmiere und Urin'.

Gerade wie wenn da ein beiderseits Öffnungen besitzender Sack mit vielerlei Körnern wie Reis, Bohnen, Sesam usw. gefüllt wäre und diesen ein Mann, der nicht blind ist, öffnete und den Inhalt betrachtete: ,Dies ist Reis, dies sind Bohnen, dies sind Sesamkörner usw.': gerade so betrachtet der Mönch diesen Körper.

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106

VIER ELEMENE (dhátu)

Ferner betrachtet der Mönch diesen Körper, wie er geht und steht, mit Hinsicht auf die vier Elemente: ,Dieser Körper besteht aus dem Festen, Flüssigen, Erhitzenden und Windigen Element'.

107

Gleichwie ein geschickter Rinderschlächter oder sein Gehilfe eine Kuh schlachtet, auf den Markt bringt, Stück für Stück zerlegt und sich dann hinsetzt: genau so betrachtet der Mönch diesen Körper.

In Vis. XIII. 2 wird dieses Gleichnis so erklärt: "Dem Rinderschlächter, der die Kuh großzieht, sie zum Schlachthofe führt, anbindet, hinstellt, schlachtet oder die geschlachtete Kuh betrachtet, kommt die Vorstellung ,Kuh' solange nicht zum Schwinden, als er die Kuh nicht aufgeschnitten und in Stücke zerlegt hat. Sobald er aber die Kuh zerlegt hat und dort niedersitzt, schwindet ihm die Vorstellung, Kuh', und die Vorstellung ,Fleisch' tritt ein. Und nicht denkt er: ,Eine Kuh verkaufe ich' oder: ,Eine Kuh kaufen diese'. Genau so auch waren in dem Mönche, früher als er noch ein törichter Weltling war—sei's als Laie oder Hausloser—die Begriffe ,Wesen' oder ,Mann' oder ,Individuum' solange nicht geschwunden, bis er eben diesen Körper, wie er geht und steht, nicht in seine Teile zerlegt und Element für Element betrachtet hatte. Sobald er aber den Körper in seine Elemente zerlegt hatte, schwand ihm die Vorstellung ,Wesen, und der Geist festigte sich in der Betrachtung der Elemente.«

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108

LEICHENBETRACHTUNGEN

Ferner, als sähe der Mönch eine Leiche auf der Leichenstätte liegen, ein, zwei oder drei Tage tot, aufgedunsen, verfärbt, mit Eiter bedeckt, schließt er auf seinen eigenen Körper: ,Auch dieser Körper ist so beschaffen, wird so werden, kann dem nicht entgehen'.

Ferner, als sähe der Mönch eine Leiche auf dem Leichenfelde liegen, wie sie von Krähen, Habichten und Geiern zerfleischt, von Hunden und Schakalen zerfressen und von vielerlei Gewürm zernagt wird, schließt er auf seinen eigenen Körper: ,Auch dieser Körper ist so beschaffen, wird so werden, kann dem nicht entgehen'.

Ferner, als sähe der Mönch eine Leiche auf dem Leichenfelde liegen, ein Knochengerippe, noch mit Fleisch und Blut bedeckt, und von den Sehnen zusammengehalten . . . ein Knochengerippe, fleischentblößt, mit Blut beschmiert, von den Sehnen zusammengehalten. .. ein Knochengerippe ohne Fleisch und Blut, von den Sehnen zusammengehalten . . . unverbundene Knochen, da und dort verstreut, da ein Handknochen, da ein Fussknochen, da ein Schienbein, da ein Schenkelknochen, da die Wirbelknochen, da der Schädel, gleichsam als sähe er dies, schließt er auf seinen eigenen Körper: ,Auch dieser Körper ist so beschaffen, wird so werden, kann dem nicht entgehen'.

Ferner, als sähe der Mönch eine Leiche auf dem Leichenfelde liegen, Gebeine, weiß aussehend wie Muscheln . . . aufgeschichtete Knochen nach Verlauf von Jahren . . . verweste und in Staub zerfallene Knochen, als sähe er dies, schließt er auf seinen eigenen Körper: ,Auch dieser Körper ist so beschaffen, wird so werden, kann dem nicht entgehen'.

So betrachtet er den eigenen Körper, betrachtet er den fremden Körper, betrachtet er beiderlei Körper. Er betrachtet beim Körper das Entstehen, das Vergehen, das Entstehen und Vergehen. ,Ein Körper ist da', diese Achtsamkeit ist ihm gegenwärtig, soweit sie eben zur Erkenntnis und Klarheit dient; und unabhängig lebt er, und an nichts in der Welt haftet er.

Auf diese Weise verweilt der Mönch in Betrachtung des Körpers.

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109

Von den verschiedenen Betrachtungen über den Körper gehören die Betrachtung über die 4 Körperpositionen, Klarbewußtsein und die Zerlegung in die 4 Elemente als Hellblickübungen eigentlich in das Gebiet des Wissens (paññá), d. i. zur 1; und 2. Stufe des Pfades, während die Leichenbetrachtungen teils unter Wissen, teils unter das Gebiet der Sammlung (6.—8. Stufe) gehören.

110

ZEHNFACHER SEGEN

Hat man nun, ihr Jünger, diese Achtsamkeit auf den Körper geübt, entfaltet, häufig erweckt, als Werkzeug und Grundlage genommen, befolgt, sich völlig damit vertraut gemacht, sie zur Vollendung gebracht, so mag man einen zehnfachen Segen erwarten: —Über Lust und Unlust hat man Gewalt, läßt sich nicht von der Unlust bezwingen; die aufgestiegene Unlust überwindend verweilt man.

Über Furcht und Schrecken hat man Gewalt, läßt sich nicht davon bezwingen; aufgestiegene Furcht und Schrecken überwindend verweilt man.

Man erträgt geduldig Hitze und Kälte, Hunger und Durst, Wind und Sonne, sowie Belästigung durch Bremsen, Mücken und Kriechtiere; und verletzende und böse Redeweisen, sowie aufgestiegene Schmerzgefühle, stechende, scharfe, bittere, unliebsame, unangenehme und lebensgefährdende hält man standhaft aus.

Die vier Vertiefungen (jhána), die geistesklaren, bei Lebzeiten beglückenden, gewinnt man nach Belieben, ohne Mühe und Anstrengung.

Die vielartigen magischen Kräfte werden einem zuteil. Mit dem Himmlischen Ohre, dem geläuterten, übermenschlichen, hört man beiderlei Töne, himmlische wie menschliche, ferne wie nahe.

Im Geiste durchschaut man die Herzen der anderen Wesen und Personen.

Man erinnert sich an mancherlei frühere Daseinsformen. Mit dem Himmlischen Auge, dem geläuterten, übermenschlichen, sieht man die Menschen abscheiden und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und häßliche, glückliche und unglückliche; sieht man, wie die Wesen gemäß ihrer Taten wiedergeboren werden.

Nach Versiegung der Triebe gewinnt man die von Trieben freie Gemüts- und Wissenserlösung, indem man sie schon bei Lebzeiten selber erkannt und verwirklicht hat.

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111

Die zuletzt genannten sechs Fähigkeiten gelten als die sechs Höheren Geisteskräfte (abhiññá), nämlich: 1. die magischen Kräfte (iddhi-vidhá), 2. das Himmlische Ohr (dibba-sota), 3. Durchschauen der Herzen anderer (parassa ceto-pariya-ñána), 4. Erinnerung an frühere Daseinsformen (pubbe-nivásánussati-ñána), 5. das Himmlische Auge (dibba-cakkhu), 6. die Triebversiegung (ásavakkhaya-ñána). Hiervon sind die ersten fünf weltliche (lokiya) Fähigkeiten und setzen zu ihrer Erreichung die vier Vertiefungen voraus. Die sechste Fähigkeit, die Triebversiegung, aber ist identisch mit der Arahatschaft oder Heiligkeit und kann nur durch tiefen Hellblick in die Vergänglichkeit, Unzulänglichkeit und Unpersönlichkeit alles Daseins verwirklicht werden.

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112

2. Betrachtung der Gefühle (vedanánupassaná)

Wie aber verweilt der Mönch in der Betrachtung der Gefühle? Empfindet da der Mönch ein angeneh-mes Gefühl, so weiß er: Ich empfinde ein angenehmes Gefühl'; empfindet er ein unangenehmes Gefühl, so weiß er: ‚Ich empfinde ein unangenehmes Gefühl'; empfindet

er ein weder angenehmes noch unangenehmes Gefühl, so weiß er: Ich empfinde ein weder ange-nehmes noch unangenehmes Gefühl'. Empfindet er ein sinnlich angenehmes Gefühl, 'so weiß er: Ich empfinde ein sinnlich angenehmes Gefühl'; empfindet er ein übersinnlich angenehmes Gefühl, so weiß er: Ich empfinde ein übersinnlich angenehmes Gefühl'; empfindet er ein sinnlich unangenehmes Gefühl, so weiß er: Ich empfinde ein sinnlich unangenehmes Gefühl'; empfindet er ein übersinnlich unangenehmes Gefühl, so weiß er: Ich empfinde ein übersinnlich unangenehmes Gefühl'; empfindet er ein sinnlich weder angenehmes noch unangenehmes Gefühl, so weiß er: 'Ich empfinde ein sinnlich weder angenehmes noch unangenehmes Gefühl'; empfindet er ein übersinnlich weder angenehmes noch unangenehmes Gefühl, so weiß er: ,Ich empfinde ein übersinnlich weder angenehmes noch unangenehmes Gefühl'.

Nach dem Abhidhamma mögen bloß das körperliche und das geistige Gefühl angenehm oder unangenehm sein während die mit Sehen, Hören, Riechen und Schmecken verbundenen Gefühle stets indifferent sind.

So betrachtet der Mönch die eigenen Gefühle, betrachtet die fremden Gefühle, betrachtet beiderlei Gefühle. Er betrachtet bei den Gefühlen das Entstehen, das Vergehen, das Entstehen und Vergehen. ,Gefühle sind da', diese Achtsamkeit ist in ihm gegenwärtig, soweit sie eben zur Erkenntnis und Klarheit dient; und unabhängig lebt er, und an nichts in der Welt haftet er. So verweilt der Mönch in der Betrachtung der Gefühle.

Der Jünger weiß genau, daß der Ausdruck, ‚Ich fühle' nur als konventionelle Ausdrucksweise Geltung hat, im höchsten Sinne jedoch kein Wesen oder Individuum da ist, das das Gefühl empfindet. (Komm.)

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113

3. Betrachtung des Geistes (cittánupassaná)

Wie aber verweilt der Mönch in der Betrachtung des Geistes? Da erkennt der Mönch den begierigen Geist als begierig, den gierlosen Geist als gierlos, den gehässigen Geist als gehässig, den haßlosen Geist als haßlos, den verblendeten Geist als verblendet und den unverblendeten Geist als unverblendet. Er erkennt den verkrampften Geist als verkrampft und den zerfahrenen Geist als zerfahren, erkennt den entfalteten Geist als entfaltet und den unentfalteten Geist als unentfaltet, erkennt den übertreffharen Geist als übertreffbar und den unübertreffbaren Geist als unübertreffbar, erkennt den gesammelten Geist als gesammelt und den ungesammelten Geist als ungesammelt, erkennt den befreiten Geist als befreit und den unbefreiten Geist als unbefreit.

So betrachtet der Mönch den eigenen Geist, betrachtet er den fremden Geist, betrachtet er den eigenen und fremden Geist. Er betrachtet beim Geiste das Entstehen, das Vergehen, das Entstehen und Vergehen. ,Der Geist ist da': diese Achtsamkeit ist in ihm gegenwärtig, so weit sie eben zur Erkenntnis und Klarheit dient; und unabhängig lebt er, und an nichts in der Welt haftet er. So verweilt der Mönch in der Betrachtung des Geistes.

114

Citta (Geist, Bewußtsein, Bewußtseinszustand) ist ein Synonym von viññána (Bewußtsein) und mano (Geist), ist daher nicht mit "Gedanke" zu übersetzen. "Gedanke" oder "Denken" gehören nämlich zu den sogen. sprachlichen Funktionen (vací-sankhára) des Geistes und sind identisch mit vitakka (Gedankenfassung) und vicára (diskursives Denken). Verglichen mit dem Bewußtsein sind diese beiden sprachlichen Funktionen sekundärer Natur und fehlen sowohl in den ersten Phasen des Fünf-Sinnen-Bewußtseins als auch in der 2.—4. Vertiefung.

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115

4. Betrachtung der Geistobjekte (dhammanupassaná)

Wie aber verweilt der Mönch in der Betrachtung der Geistobjekte?

 

FÜNF HEMMUNGEN

Da verweilt der Mönch in der Betrachtung der als Geistobjekte geltenden fünf Hemmungen (nívarana). Er weiß, wenn Sinnengier (kámacchanda) in ihm ist: ,In mir ist Sinnengier'; er weiß, wenn keine Sinnengier in ihm ist: ,In mir ist keine Sinnengier'; er weiß, wie die noch nicht aufgestiegene Sinnengier zum Entstehen kommt, wie die aufgestiegene Sinnengier überwunden wird und wie die überwundene Sinnengier künftig nicht mehr aufsteigt. Er weiß, wenn Übelwollen (vyápáda) in ihm ist . . . wenn Starrheit und Mattheit (thína-middha) in ihm ist . . . wenn Aufgeregtheit und Gewissensunruhe (uddhacca-kukkucca) in ihm ist. . . wenn Zweifelsucht (vicikicchá) in ihm ist: ,In mir ist Zweifelsucht', er weiß, wenn keine Zweifelsucht in ihm ist: ,In mir ist keine Zweifelsucht'. Er weiß, wie die noch nicht aufgestiegene Zweifelsucht zum Entstehen kommt, wie die aufgestiegene Zweifelsucht überwunden wird und wie die überwundene Zweifelsucht künftig nicht mehr aufsteigt.

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116

FÜNF DASEINSGRUPPEN

Ferner verweilt der Mönch in der Betrachtung der als Geistobjekte geltenden fünf Anhaftungs-Gruppen (upádána-kkhandha). Er weiß: ,So ist die Körperlichkeit (rupa), so entsteht sie, so kommt sie zum Schwinden. So sind die Gefühle (vedaná), so entstehen sie, so kommen sie zum Schwinden. So ist die Wahrnehmung (saññá), so entsteht sie, so kommt sie zum Schwinden. So sind die Geistformationen (sankhára), so entstehen sie, so kommen sie zum Schwinden. So ist das Bewußtsein (viññána), so entsteht es, so kommt es zum Schwinden.'

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117

SECHS GRUNDLAGEN

Ferner verweilt der Mönch in der Betrachtung der als Geistobjekte geltenden sechs eigenen und fremden Sinnen-Grundlagen (áyatana). Er kennt das Auge und kennt die Formen; und auch die Fessel, die durch beide bedingt aufsteigt, auch diese kennt er. Er weiß, wie die noch nicht aufgestiegene Fessel zum Aufsteigen kommt, wie die bereits aufgestiegene Fessel überwunden wird und wie die überwundene Fessel künftig nicht mehr entsteht. Er kennt das Ohr und die Töne . . . die Nase und die Düfte . . . die Zunge und die Säfte ... den Körper und die Körpereindrücke ... den Geist und die Geistobjekte; und auch die Fessel, die durch beide bedingt aufsteigt, auch diese kennt er. Er weiß, wie die noch nicht aufgestiegene Fessel zum Aufsteigen kommt, wie die bereits aufgestiegene Fessel überwunden wird und wie die überwundene Fessel künftig nicht mehr entsteht.

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118

SIEBEN ERLEUCHTUNGSGLIEDER

Ferner verweilt der Mönch in der Betrachtung der sieben Erleuchtungsglieder (bojjhanga). Er weiß, wenn Achtsamkeit (sati) in ihm ist ... wenn Wahrheitsergründung (dhamma-vicaya) in ihm ist ... wenn Willenskraft (viriya) in ihm ist ... wenn Verzückung (píti) in ihm ist . . . wenn Gestilltsein (passaddhi) in ihm ist ... wenn Sammlung (samádhi) in ihm ist ... wenn Gleichmut (upekkhá) in ihm ist: ,In mir ist Gleichmut'; wenn kein Gleichmut in ihm ist: ,In mir ist kein Gleichmut'. Er weiß, wie der noch unaufgestiegene Gleichmut zum Aufsteigen kommt und wie der aufgestiegene Gleichmut zur vollen Entfaltung gelangt.

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119

VIER EDLE WAHRHEITEN (ariya-sacca)

Ferner verweilt der Mönch in der Betrachtung der als Geistobjekte geltenden vier Edlen Wahrheiten. ,Dies ist das Leiden' erkennt er der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist die Entstehung des Leidens' erkennt er der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist die Erlöschung des Leidens' erkennt er der Wirklichkeit gemäß. ,Dies ist der zur Erlöschung des Leidens führende Pfad' erkennt er der Wirklichkeit gemäß.

So betrachtet der Mönch die eigenen Geistobjekte, betrachtet er die fremden Geistobjekte, betrachtet er die eigenen und fremden Geistobjekte. Er betrachtet bei den Geistobjekten das Entstehen, das Vergehen, das Entstehen und Vergehen. ,Geistobjekte sind da': diese Achtsamkeit ist in ihm gewärtig, soweit sie eben zur Erkenntnis und Klarheit führt, und unabhängig lebt er, und an nichts in der Welt hängt er.

So verweilt der Mönch in der Betrachtung der Geistobjekte.

Dies, ihr Jünger, ist der einzige Weg zur Läuterung der Wesen, zur Überwindung von Sorge und Jammer, zum Schwinden von Schmerz und Trübsal, zur Erreichung des rechten Pfades und zur Verwirklichung des Nirwahns, nämlich diese vier Grundlagen der Achtsamkeit.

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120

Diese als die 4 Grundlagen der Achtsamkeit (sati-patthána) geltenden Betrachtungen beziehen sich auf alle 5 Daseinsgruppen, nämlich: Die Betrachtung des Körpers bezieht sich auf die Körperlichkeitsgruppe (rúpa-kkhandha), die

Betrachtung der Gefühle auf die Gefühlsgruppe (vedaná-kkhandha), die Betrachtung der Geistesobjekte auf die

Wahrnehmungsgruppe (saññá-kkhandha) und Geistformationengruppe (sankhára-kkhandha), die Betrachtung des

Geistes auf die Bewußtseinsgruppe (viññána-kkhandha).

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121

ERLÖSUNG DURCH BETRACHTUNG VON EIN- UND AUSATMUNG

Die Achtsamkeit auf Ein- und Ausatmung, ihr Jünger, entfaltet und häufig gepflegt, bringt die vier Grundlagen der Achtsamkeit zustande. Die vier Grundlagen der Achtsamkeit, entfaltet und häufig gepflegt, bringen die sieben Erleuchtungsglieder zustande. Die sieben Erleuchtungsglieder, entfaltet und häufig gepflegt, bringen Wissen und Erlösung zustande.

122

Wie aber bringt die Achtsamkeit auf Ein- und Ausatmung die vier Grundlagen der Achtsamkeit (sati-patthána) zustande?

I. Zu einer Zeit, wo der Mönch 1. beim langen Einatmen weiß, daß er lang einatmet, beim langen Ausatmen, daß er lang ausatmet, 2. beim kurzen Einatmen, daß er kurz einatmet, beim kurzen Ausatmen, daß er kurz ausatmet, 3. wo er sich übt, beim Ein- und Ausatmen den ganzen Atemkörper klar wahrzunehmen, 4. wo er sich übt, beim Ein- und Ausatmen diese Körperfunktion (káya-sankhára) zu besänftigen: zu einer solchen Zeit verweilt der Mönch in der Betrachtung des Körpers, voll Tatkraft, klarbewußt und achtsam, nach Unterdrückung weltlichen Begehrens und Kummers Ein- und Ausatmung nämlich nenne ich eines von den körperlichen Phänomenen.

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123

II. Zu einer Zeit, wo der Mönch beim Ein- und Ausatmen sich übt, 1. Verzückung zu empfinden, 2. Freude zu empfinden, 3. die Geistesfunktion (citta-sankhára) zu empfinden, 4. die Geistesfunktion zu besänftigen: zu einer solchen Zeit verweilt der Mönch in der Betrachtung der Gefühle, voll Tatkraft, klarbewußt und achtsam, nach Unterdrückung weltlichen Begehrens und Kummers Das völlige Hinmerken auf Ein- und Ausatmung nämlich nenne ich eines von den Gefühlen.

124

III. Zu einer Zeit, wo der Mönch beim Ein- und Ausatmen 1. den Geist klar wahrnimmt ... 2. den Geist erheitert ... 3. den Geist sammelt ... 4. den Geist befreit: zu einer solchen Zeit verweilt der Mönch in der Betrachtung des Geistes, voll Tatkraft, klarbewußt und achtsam, nach Unterdrückung weltlichen Begehrens und Kummers. Nicht sage ich, ihr Mönche, gibt es für den geistig zerfahrenen, unklaren Menschen eine Achtsamkeit auf Ein- und Ausatmung ...

125

IV. Zu einer Zeit, wo der Mönch beim Ein- und Ausatmen 1. die Vergänglichkeit betrachtet ... 2. die Loslösung betrachtet . . . 3. die Erlöschung betrachtet . . . 4. das Fahrenlassen betrachtet: zu einer solchen Zeit verweilt der Mönch in der Betrachtung der Geistobjekte, voll Tatkraft, klarbewußt und achtsam, nach Unterdrückung weltlichen Begehrens und Kummers.

Auf diese Weise entfaltet und häufig gepflegt bringt die Achtsamkeit auf Ein- und Ausatmung die vier Grundlagen der Achtsamkeit zustande.

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126

Wie aber bringen die vier Grundlagen der Achtsamkeit die sieben Erleuchtungsglieder (bojjhanga) zustande?

1. Zu einer Zeit, wo der Mönch in der Betrachtung des Körpers, der Gefühle, des Geistes und der Geistobjekte verweilt, zu einer solchen Zeit ist seine Achtsamkeit gegenwärtig, ungestört. Zu einer Zeit aber, wo im Mönche die Achtsamkeit gegenwärtig ist und ungestört, da ist er mit dem Erleuchtungsglied der Achtsamkeit (sati-sambojjhanga) ausgestattet, da pflegt er dieses Erleuchtungsglied, da bringt er es zur vollen Entfaltung.

2. Solcherart aber achtsam verweilend ergründet, erforscht und erwägt er mit Einsicht das Gesetz ... Zu einer solchen Zeit ist er mit dem Erleuchtungsglied der Wahrheitserforschung (dhamma-vicaya-sambojjhanga) ausgestattet...

3. Solcherart aber das Gesetz mit Einsicht ergründend ist seine Willenskraft aufgerichtet, ungebeugt ... zu einer solchen Zeit ist er mit dem Erleuchtungsglied der Willenskraft (viriya-sambojjhanga) ausgestattet . . .

4. Bei aufgerichteter Willenskraft aber steigt ihm die der Sinnlichkeit entrückte Verzückung auf ... zu einr solchen Zeit ist er mit dem Erleuchtungsglied der Verzückung (píti-sambojjhanga) ausgestattet . . .

5. In dem geistig Verzückten aber stillen sich Geist und Bewußtsein . . . zu einer solchen Zeit ist er mit dem Erleuchtungsglied der Gestilltheit (passaddhi-sambojjhanga) ausgestattet...

6. In dem geistig Gestillten aber, dem Glücklichen, sammelt sich der Geist ... zu einer solchen Zeit ist er mit dem Erleuchtungsglied der Sammlung (samádhi-sambojjhanga) ausgestattet . . .

7. Gegen den also gesammelten Geist verhält er sich gleichmütig ... zu einer solchen Zeit ist er mit dem Erleuchtungsglied des Gleichmutes (upekkhú-sambojjhanga) ausgestattet...

Auf diese Weise entfaltet und häufig gepflegt bringen die vier Grundlagen der Achtsamkeit die sieben Erleuchtungsglieder zustande.

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127

Wie aber bringen die sieben Erleuchtungsglieder, entfaltet und häufig gepflegt, Wissen und Erlösung (vijja-vimutti) zustande?

Da entfaltet der Mönch das Erleuchtungsglied der Achtsamkeit, der Wahrheitserforschung, der Willenskraft, der Verzückung, der Gestilltheit, der Sammlung, des Gleichmutes, das auf Abgeschiedenheit, Loslösung und Erlöschung gegründete und zur Befreiung führende Auf diese Weise entfaltet und häufig gepflegt bringen die sieben Erleuchtungsglieder Wissen und Erlösung zustande.

128

Gleichwie der Elefantenbändiger einen großen Pfahl in die Erde einläßt und den wilden Elefanten mit dem Halse daran kettet, um ihm seine wilden Gewohnheiten und Gedanken auszutreiben, ihm seinen waldgewohnten Eigensinn, seine Niedergeschlagenheit und Heftigkeit abzugewöhnen, um sich in der Nähe der Menschen wohlzufühlen und ihm Sitten beibringt wie sie den Menschen angenehm sind: genau so hat der edle Jünger seinen Geist an die vier Grundlagen der Achtsamkeit festgebunden, um ihm seine häuslichen Gewohnheiten und Gedanken auszutreiben ihm seine weltliche Beklemmung, Bedrücktheit und Heftigkeit abzugewöhnen, damit er eben den rechten Pfad gewinnen und das Nirwahn verwirklichen möge.

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19.            8. Rechte Sammlung (samma-samádhi)

129

DEFINITION

Was aber ist rechte Sammlung? Das Gerichtetsein des Geistes auf ein einzelnes Objekt (cittassa ekaggatá, wtl.: Einspitzigkeit des Geistes), das ist Sammlung.

Rechte Sammlung (sammá-samadhi), im weitesten Sinne, ist diejenige geistige Konzentration, die mit jedem karmisch heilsamen Bewußtseinszustande verbunden ist, also auch begleitet ist von rechter Gesinnung (2. Stufe), rechter Anstrengung (6. Stufe) und rechter Achtsamkeit (7. Stufe). Verkehrte Sammlung (micchá-samádhi) dagegen ist anwesend in karmisch unheilsamen Bewußtseinszuständen und ist daher nur möglich in der Sinnensphäre. Wird das Wort samádhi allein für sich gebraucht, so bezieht es sich stets auf rechte Sammlung (samma-samádhi).

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OBJEKTE DER SAMMLUNG

Die vier Grundlagen der Achtsamkeit (sati-patthána), diese bilden die Objekte der Sammlung.

Siehe 7. Stufe.

WERKZEUGE DER SAMMLUNG

Die vier rechten Anstrengungen (sammá-padhána), diese bilden die Werkzeuge der Sammlung.

Siehe 6. Stufe.

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ENTFALTUNG DER SAMMLUNG

Die Ausübung, Entfaltung und häufige Pflege dieser Dinge, das nennt man die Entfaltung (bhávaná) der Sammlung.

130

Die rechte Sammlung hat zwei Grade der Entfaltung die sich der Vertiefung (jhána) nähernde, aber sie noch nicht erreichende sogen. "Angrenzende Sammlung« (upacára-samádhi) und die die Vertiefung erwirkende "Erreichungs-" oder "Volle Sammlung" (appaná-samádhi). Die Erreichung der Vertiefungen ist keineswegs nötig zur Verwirklichung der vier überweltlichen Pfade des Sotápanna, Sakadágámí, Anágámí und Arahat. Diese können nur gewonnen werden durch tiefen Hellblick (vipassaná) in die Vergänglichkeit, Unzulänglichkeit und Unpersönlichkeit alles Daseins.

 

Wer, ohne eine der Vertiefungen gewonnen zu haben einen der vier überweltlichen Pfade verwirklicht, gilt als ein "auf bloßen Hellblick Gestützter" (suhkha-vipassaka) oder als einer "der den bloßen Hell-blick als Vehikel hat" (sukkha-vipassaná-yánika). Wer aber nach Erreichung einer oder mehrerer Vertiefungen den über weltlichen Pfad gewinnt, gilt als "einer, der die Gemütsruhe als Vehikel hat" (samatha-yánika). 

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131

DIE VIER VERTIEFUNGEN (jhana)

Abgeschieden von den sinnlichen Dingen, abgeschieden von unheilsamen Geisteszuständen, tritt der Mönch in die von Gedankenfassung und Überlegen begleitete, durch Abgeschiedenheit gezeugte und von Verzückung und Glücksgefühl erfüllte erste Vertiefung.

Dies ist die erste der Feinkörperlichen Sphäre angehörende Vertiefung (rúpávacara-jhána). Sie tritt nur ein nach dem durch die Stärke der Konzentration zuwege gebrachten Schwinden der Sinnenwahrnehmung und der geistigen Hemmungen; auch die letzteren sind allerdings nur zeitweise aufgehoben. Näheres s. B.Wtb.: jhána, kasina, nimitta, samádhi.

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Die erste Vertiefung ist frei von fünf Dingen, und fünf Dinge sind zugegen. Wenn nämlich der Mönch in die erste Vertiefung eintritt, so sind fünf Hemmungen geschwunden, nämlich: Sinnengier (kámacchanda), Übelwollen (vyápáda), Starrheit und Mattheit (thína-middha), Aufgeregtheit und Gewissensunruhe (uddhacca-kukkucca) und Zweifelsucht (vicikicchá). Anwesend aber sind: Gedankenfassung (vitakha), Überlegen (vicára), Verzückung (píti), Glücksgefühl (sukha) und geistige Einspitzigkeit (citt'ekaggatá = samádhi).

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Diese fünf in der ersten Vertiefung anwesenden Faktoren werden als die Vertiefungsglieder (jhán'anga) bezeichnet. Gedankenfassen (vitakka) und Überlegen (vicára) gelten als im Geiste sich vollziehende sprachliche Funktionen (vací-sankhára), das "innere Sprechen" ("parole inérieure").—"Gedankenfassung ist dasselbe wie Erfassen eines Gedankens und bezeichnet das (geistige) Aufnehmen, ihr Merkmal ist, daß sie das Bewußtsein in der Vorstellung (dem Objekt) festigt . . . Als Überlegen (Diskursives Denken) gilt das Umherwandern, das Hin- und Herwandern (des Geistes). Es äußert sich in fortgesetzter Geistestätigkeit". Ihr Verhältnis zu einander wird verglichen mit dem Anschlagen (= vitakka) und dem Nachklingen (= vicára) einer Glocke, oder mit dem Anfassen und dem Auswischen eines Topfes.

Gedankenfassen und Überlegen sind jedoch in der ersten Vertiefung nur noch in einem sehr abgeschwächten Grade vorhanden.

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Und ferner: nach Stillung von Gedankenfassen und Überlegen gewinnt der Mönch die innere Ruhe und Einheit des Geistes, die von Gedankenfassung und Überlegung freie, durch Sammlung gezeugte, von Verzückung und Glücksgefühl erfüllte zweite Vertiefung.

In der zweiten Vertiefung sind drei Vertiefungsglieder vorhanden: Verzückung, Glücksgefühl, Sammlung.

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Und ferner: nach Abwendung von der Verzückung verweilt der Mönch gleichmütig, achtsam, klar bewußt und er empfindet in seinem Innern ein Glück, von dem die Edlen sagen: ,Der Gleichmütige, Achtsame lebt glücklich'—so gewinnt er die dritte Vertiefung.

Die Vertiefungsglieder der dritten Vertiefung sind Glücksgefühl und Sammlung.

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Und ferner: nach dem Schwinden von Wohlgefühl und Schmerz und dem Überwinden von Frohsinn und Trübsinn gewinnt er die freudlos-leidlose, durch Gleichmut und Achtsamkeit geläuterte vierte Vertiefung.

Die Vertiefungsglieder der vierten Vertiefung sind: Sammlung und Gleichmut (upekkhá).

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Im Vis. werden vierzig Meditationsobjekte (kammatthána) genannt, durch welche die folgenden Vertiefungen, bzw. Konzentrationsstufen, gewonnen werden können:

Alle vier Vertiefungen: durch die Betrachtung von Ein- und Ausatmung , die 10 -Übungen und die Betrachtung des Gleichmuts,

die ersten drei Vertiefungen: durch die Entfaltung von Güte, Mitleid und Mitfreude (die ersten drei Brahmavihára-Übungen;

die erste Vertiefung durch die 10 Ekelobjekte und die Körperbetrachtung;

die »angrenzende Sammlung« (upacára-samádhi): durch die Betrachtung über den Buddha, die Lehre, die Jüngergemeinde, die Sittlichkeit, die Freigebigkeit, den Frieden und über den Tod; die Betrachtung des Ekels der Nahrung; die Analyse der vier Elemente;

die vier unkörperlichen Vertiefungen (arupa-jjhána oder áruppa), die, auf der vierten Vertiefung basierend, nach ihren folgenden Objekten benannt werden: Gebiet der Raumunendlichkeit, der Bewußtseinsunendlichkeit, der Nichtsheit, der Weder-Wahrnehmung-noch-Nichtwahrnehmung. Von einer Behandlung dieser vier unkörperlichen Vertiefungen wurde hier abgesehen.

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Entfaltet die geistige Sammlung, o Jünger, denn der geistig Gesammelte erkennt die Dinge der Wirklichkeit gemäß. Welche Dinge? Das Entstehen und Hinschwinden von Körperlichkeit, Gefühl, Wahrnehmung, Geistformationen und Bewußtsein.

Somit also habt ihr diese fünf Daseinsgruppen (1. Wahrheit) weise zu durchschauen, Unwissenheit und Begehren (2. Wahrheit) weise zu überwinden, Gemütsruhe und Hellblick (4. Wahrheit) weise zu entfalten.

Das, ihr Jünger, ist der mittlere Pfad, den der Vollendete entdeckt hat, der schauend und wissend macht, und der zum Frieden, zur Durchschauung und zum Nirwahn (3. Wahrheit) führt.

Wenn ihr diesem Pfade folget, werdet ihr dem Leiden ein Ende machen!  

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20.            Die Verwirklichung des Achtfachen Pfades im Entwicklungsgang des Jüngers

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In vielen Sutten wird in sich gleichbleibender Formulierung der Entwicklungsgang des Jüngers der Buddha Lehre geschildert. Es wird gezeigt, wie sich diese Entwicklung ganz allmählich und gesetz-mäßig vollzieht: angefangen vom ersten Vernehmen der Lehre, dem einsetzenden Vertrauen und dem ersten keimhaften Verständnis bis zur schließlichen Verwirklichung der Erlösung.

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VERTRAUEN UND RECHTE GESINNUNG

 (2. Stufe) Da hört ein Hausvater, der Sohn eines Hausvaters oder ein in irgend einem anderen Stande Wiedergeborener die Lehre. Nach dem Vernehmen der Lehre gewinnt er Vertrauen zum Vollendeten und von diesem Vertrauen erfüllt, sagt er sich: ,Voller Hindernisse ist das Hausleben,  eine Stätte der Unreinheit! Wie der freie Himme1 aber ist die Hauslosigkeit! Nicht leicht ist es, im Hausleben einen fleckenlosen, heiligen Wandel zu führen. Wie wenn ich mir nun Haar und Bart scherte, das gelbe Gewand anlegte und von Hause fortzöge in die Hauslosigkeit?' Und nach einiger Zeit ein kleines oder großes Vermögen aufgebend, einen kleinen oder großen Verwandtenkreis aufgebend, schert er Haar und Bart, legt das gelbe Gewand an und zieht vom Hause fort in die Hauslosigkeit.

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SITTLICHKEIT (3.—5. Stufe) (síla)

Also ein hausloser Mönch geworden, erfüllt er die Lebensregeln der Mönche. Er verwirft das Töten, steht ab vom Töten. Stock und Schwert verwerfend, ist er von Zartgefühl und Liebe erfüllt; zu allen Wesen und Geschöpfen empfindet er Güte und Wohlwollen. —Das Stehlen verwirft er, nicht Gegebenes eignet er sich nicht an; nur das Gegebene nehmend, das Gegebene abwartend, bleibt er ehrlich und lauter im Herzen. — Die Unkeuschheit verwirft er, von Unkeuschheit steht er ab, keusch und entsagend lebt er, steht ab vom Geschlechtsverkehr, dem gemeinen. — Er verwirft das Lügen, vom Lügen steht er ab. Die Wahrheit spricht er, der Wahrheit ist er verbunden, der Wahrheit ist er getreu, vertrauenswürdig, kein Betrüger der Welt. —Zwischenträgerei verwirft er, von Zwischen-trägerei steht er ab. Was er hier gehört hat, erzählt er dort nicht wieder, um jene zu entzweien; und was er dort gehört hat, erzählt er hier nicht wieder, um diese zu entzweien. So einigt er Entzweite, festigt Verbundene. Eintracht liebt er, an Eintracht findet er Freude und Gefallen, Eintracht fördernde Worte spricht er. — Rohe Rede verwirft er, von roher Rede steht er ab. Worte, die frei sind von Bosheit, dem Ohre wohltuend, liebreich, zum Herzen dringend, höflich, vielen lieb und angenehm, solche Worte spricht er. — Törichtes Geschwätz verwirft er, von törichtem Geschwätz steht er ab. Zur rechten Zeit spricht er, den Tatsachen und dem Sinne gemäß, spricht über die Lehre und über die Zucht; seine Rede ist gehaltvoll, gelegentlich mit Gleichnissen geschmückt, gemessen und zweckdienlich.

Er meidet die Zerstörung von Keim- und Pflanzenleben. Nur zu einer Tageszeit (d. i. bis mittags) nimmt er Nahrung zu sich, und des Nachts bleibt er nüchtern des unzeitigen Essens enthält er sich.  Er meidet Tanz Gesang, Musik und den Besuch von Schaustellungen, er verwirft Blumenkränze, Wohl-gerüche, Salben, sowie jederart Schmuck, Zierrat und Schönheitsmittel. Hohe und üppige Betten benutzt er nicht. Vom Annehmen von Gold und Silber steht er ab. Rohes Getreide und rohes Fleisch nimmt er nicht an. Frauen und Mädchen nimmt er nicht an. Er besitzt keine Diener und Diene-rinnen, keine Ziegen, Schafe, Hühner, Schweine, Elefanten, Rinder oder Pferde, keinen Grund und Boden.  Er übernimmt keine Aufträge, tut keine Botendienste. Von Kauf und Verkauf hält er sich fern. Er hat nichts zu schaffen mit falschem Maß, Metall und Gewicht. Die schiefen Wege der Bestechung, Täuschung und Betrügerei vermeidet er. Stechen, Schlagen, Binden Überfallen, Plündern und Vergewaltigen liegen ihm fern.

Er begnügt sich mit dem Gewande, das seinen Körper schützt, mit der Almosenspeise, womit er sein Leben fristet. Wohin er auch immer zieht, damit eben versehen geht er, genau so wie ein beschwing-ter Vogel stets seine Flügel mit sich trägt.

Durch die Befolgung dieser edlen Sittensatzung empfindet er in seinem Innern ein untadeliges Glück.

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SINNENZÜGELUNG (6. Stufe)

Erblickt er nun mit dem Auge eine Form, oder vernimmt mit dem Ohre einen Ton, riecht mit der Nase einen Duft, schmeckt mit der Zunge einen Saft, empfindet mit dem Körper einen Körpereindruck oder ist sich im Geiste eines Dinges bewußt, so haftet er da weder am Gesamteindruck noch an den Einzelheiten. Und woraus ihm, bei unbewachten Sinnen, Begehren und Kummer, üble unheilsame Dinge entstehen möchten, das bemüht er sich abzuwehren; er bewacht seine Sinne, hält seine Sinne im Zaume. Durch Ausübung dieser edlen Sinnenzügelung (indriya-samvara) empfindet er in seinem Innern ein ungetrübtes Glück.

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ACHTSAMKEIT (7. Stufe)

Klarbewußt ist er beim Auf- und Abgehen, klarbewußt beim Hin- und Wegblicken, klarbewußt beim Beugen und Strecken seiner Glieder, klarbewußt beim Tragen der Mönchsgewänder und der Schale, klarbewußt beim Essen, Trinken, Kauen und Schmecken, klarbewußt beim Verrichten der Notdurft, klarbewußt beim Gehen, Stehen, Sitzen, Einschlafen, Erwachen, Sprechen und Schweigen.

Ist er nun mit diesem edlen Sittenwandel ausgerüstet, ausgerüstet mit dieser edlen Sinnenzügelung und erfüllt von dieser edlen Achtsamkeit und Klarbewußtheit (sati-sampajañña), so wählt er sich einen abgeschiedenen Wohnort, im Walde oder am Fuß eines Baumes, auf einem Berggipfel, in einer Kluft, einer Felsenhöhle, auf dem Leichenfelde, unter freiem Himmel oder auf einem Streulager. Vom Almosengang zurückgekehrt, nach dem Mahle, setzt er sich mit untergeschlagenen Beinen nieder, den Körper gerade aufgerichtet, die Achtsamkeit vor sich gerichtet.

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ÜBERWINDUNG DER FÜNF HEMMUNGEN

Sinnengier (kámacchanda) hat er verworfen, gierlosen Herzens verweilt er, von Gier läutert er sein Herz.

Haß (vyápáda) und Bosheit hat er verworfen, haßfreien Herzens verweilt er, auf das Wohl aller Wesen und Geschöpfe bedacht, läutert er sein Herz von Haß und Bosheit. Starrheit und Mattheit (thína-middha) hat er verworfen, frei von Starrheit und Mattheit verweilt er hellen Geistes, achtsam geistesklar, läutert er sein Herz von Starrheit und Mattheit. Aufgeregtheit und Gewissensunruhe (uddhacca-kukkucca) hat er verworfen, frei von Unruhe verweilt er; und von innerem Frieden im Herzen erfüllt, läutert er sein Herz von Aufgeregtheit und Gewissensunruhe. Zweifelsucht (vicikicchá) hat er verworfen, zweifelentronnen verweilt er; er zweifelt nicht am Guten, läutert sein Herz von Zweifelsucht.

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SAMMLUNG (8. Stufe)

Hat er nun diese fünf Hemmungen (nívarana) beseitigt, die Befleckungen des Geistes kennengelernt, die lähmenden, so tritt er, abgeschieden von den Sinnendingen, abgeschieden von unheilsamen Geisteszuständen, in die erste Vertiefung ein ... in die zweite Vertiefung ... in die dritte Vertiefung . . . in die vierte Vertiefung.

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HELLBLICK (1. Stufe)

Was es da aber an Körperlichkeit gibt, an Gefühl, Wahrnehmung, Geistformationen, an Bewußtsein, alle diese Dinge betrachtet er als vergänglich (anicca), als elend (dukkha), siech, als ein Geschwür, einen Stachel, als ein Elend, eine Bürde, als Feind und Bedrücker, als leer und unpersönlich (anattá). Und sich von diesen Dingen abwendend, richtet er seinen Geist auf das Todlose Element: ,Dies ist der Friede, dies das Erhabene, nämlich das Ende aller Daseinsgebilde, das Sichloslösen von allen Daseinssubstraten, die Versiegung des Begehrens, die Loslösung, die Erlöschung, das Nirwahn'. In diesem Zustand erreicht er die Versiegung aller Triebe; wenn aber nicht, so tritt er eben infolge jener Lust und Freude an geistigen Dingen, nach Aufhebung der fünf niederen Fesseln (als Anágámí), in einer geistigen Welt (d. i. in den sogen. ,Reinen Gefilden') wieder in Erscheinung, und dort erreicht er das Nirwahn, kehrt nicht mehr von jener Welt zurück.

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ERLÖSUNG

Und sein Herz wird frei vom Sinnlichkeitstrieb (kámásava), vom Daseinstrieb (bhavásava), vom Nichtwissenstrieb (avijjásava). ,Erlöst bin ich', diese Erkenntnis steigt auf im Erlösten, und er weiß: ,Versiegt ist die Wiedergeburt, erfüllt der heilige Wandel, die Aufgabe vollbracht, nichts gibt es mehr zu tun in dieser Welt!'

Auf ewig bin ich nun erlöst,

Zum letzten Mal bin ich gebor'n,

Kein neues Dasein steht bevor.

Das ist ja, ihr Jünger, das höchste, heilige Wissen: das Wissen, daß alles Leiden versiegt ist . . . Das ist ja der höchste, heilige Frieden: die Stillung von Gier, Haß und Verblendung.

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,Ich bin', ist ein Dünken; ,Nicht bin ich', ist ein Dünken; ,Ich werde sein', ist ein Dünken; ,Ich werde nicht sein', ist ein Dünken ... Dünken ist Kranksein, Dünken ist ein Geschwür, Dünken ist ein Stachel. Hat man aber alles Dünken überwunden, so wird man der stille Denker' genannt. Der Denker aber, der Gestillte, entsteht nicht mehr, altert nicht mehr, stirbt nicht mehr, erbebt nicht mehr, begehrt nicht mehr.

Nichts gibt es mehr in ihm, aufgrund dessen er wieder entstände. Ohne aber wieder zu entstehen, wie sollte er altern? Ohne zu altern, wie sollte er sterben? Ohne zu sterben, wie sollte er erbeben? Ohne zu erbeben, wie sollte er begehren?

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DAS WAHRE ZIEL

Somit besteht der letzte Zweck des heiligen Lebens nicht in Gewinnung von Almosen, Ehre und Ruhm, nicht in Gewinnung von Sittlichkeit, Sammlung und Erkenntnisblick. Jene unerschütterliche Gemütserlösung aber, das ist der Zweck des heiligen Lebens, das ist der Kern, das ist das Ziel.

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Und die da früher, in vergangenen Zeiten, Heilige, Vollkommen-Erleuchtete waren, auch diese Erhabenen haben der Jüngergemeinde dieses höchste Ziel richtig gewiesen, genau wie es nun von mir der Jüngergemeinde richtig gewiesen wurde. Und auch die da später, in künftigen Zeiten, Heilige, Vollkommen-Erleuchtete sein werden, auch diese Erhabenen werden der Jüngergemeinde dieses höchste Ziel richtig weisen, genau wie es nun von mir der Jüngergemeinde richtig gewiesen wurde.

Es mag nun sein, daß ihr (nach meinem Dahinscheiden) also denkt: ,Geschwunden ist die Lehre des Meisters, wir haben keinen Meister mehr!' Doch so sollt ihr nicht denken, denn die von mir gewiesene Lehre und Zucht, sie wird nach meinem Hinscheiden euer Meister sein.

Die Lehre sei euch Rettungsinsel,

Die Lehre sei euch Zufluchtsstätte!

Nach keiner anderen Zuflucht schauet aus!

Darum, ihr Jünger, möget ihr die von mir erkannten und gewiesenen Lehren richtig auffassen, üben, entfalten und häufig pflegen, auf daß der heilige Lebenswandel lange Dauer und Bestand habe, vielen Wesen zum Wohl und Glück, zum Troste für die Welt, zum Heil, Segen und Wohl der Himmelswesen und Menschen.

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